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David Bowie

NACHRUF

David Bowie

Autor: Katja Embacher
Foto: Jimmy King

David Bowie ist tot. Unfassbar. Mit ihm ist eine der größten Pop-Ikonen unserer Zeit von uns gegangen. Ein Nachruf.


And the stars look very different today. Als ich die ersten Nachrichten über David Bowies Tod in den sozialen Netzwerken lese, verharrt der Tag noch in der Schwebe zwischen Hell und Dunkel. Für einen Wimpernschlag erscheint die Welt vorm Fenster grau. Meine erste Erinnerung an David Bowie dagegen ist bunt: Ich bin zehn Jahre alt und sehe "Labyrinth". Koboldkönig Jareth lässt Kristallkugeln über seine Handflächen gleiten und singt "Within You". Meine beste Freundin kauft sich den Soundtrack, den wir in ihrem Jugendzimmer rauf und runter hören. Ein bisschen haben wir uns wohl beide in den Koboldkönig verguckt. Ich weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal wirklich, wer David Bowie ist. Dieser hat damals bereits 17 Alben veröffentlicht, die ich erst später entdecken sollte. Zum Beispiel in den Nächten in der Stammkneipe, in denen man zwischen zwei Zigarettenlängen zu "Ashes To Ashes" über Gott, die Welt und die bevorstehende Abi-Klausur philosophierte. Oder an den Abenden, an denen man mit Rotwein auf dem Fußboden sitzend dem Plattenspieler lauschte, wie er die Geschichte von Ziggy Stardust And The Spiders From Mars erzählt. Die glitzernde Welt des Rock 'n' Roll und die Abgründe dessen.

Hallo Spaceboy! Starman, androgyner Avantgardist, "Außerirdischer". David Bowie war ein bisschen von allem. Und auf der anderen Seite nichts davon. Eine Kunstfigur. Erschaffen von einem Menschen mit einer schier unerschöpflichen Kreativität. In fast 50 Jahren veröffentlichte der Brite 28 Studioalben. Sein Stil? Der stetige Wandel. Von Punk über Pop bis hin zu Jazz und Elektronikelementen gibt es so gut wie nichts, was der Bowie nicht ausprobiert hat. Das Chamäleon des Pops, das in seinem Schaffen unzählige Bands beeinflusste und inspirierte. Der Thin White Duke, dem es immer wieder gelang, mich mit  "Rebel Rebel" zum Tanzen zu bewegen, mit "Space Oddity" zu berühren, mit "Jump They Say" zu faszinieren. Gewiss habe ich ihn nicht immer verstanden. Vielleicht konnte ich ihm nicht immer folgen. Aber dennoch gelang es ihm immer wieder, mich zu überraschen. Wie vor drei Tagen, als er mit "Blackstar" sein letztes Album veröffentlichte. Ein musikalisches Brett. In seiner Dramatik an eine griechische Tragödie erinnernd.

Look up here, I'm in heaven. Ich hatte mich auf dieses Album gefreut. Und auf weitere. Es wird keine mehr geben. Krebs ist ein Arschloch. Egal, wie schnell du rennst, das große K ist schneller. David Bowie wusste das. Lange, bevor die Welt von seiner Krankheit erfuhr. Und er hat sich vorbereitet. Er schreibt (s)ein Requiem. Wartet bis zu dessen Release, feiert ein letztes Mal Geburtstag - und verlässt zwei Tage später endgültig die Bühne. Dieses Mal ist es nicht der Künstler, der sich verneigt, sondern die Welt. Wissend, dass sie ein kleines bisschen blasser geworden ist. Meine Erinnerung dagegen wird bunt bleiben. Zumindest, solange es auf dieser Welt noch irgendwo einen Plattenspieler gibt, der einen David Bowie-Song spielt. They never die, they just go to sleep one day.




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