POPCONNECTION
NEWS
REVIEWS INTERVIEWS KONZERTE FEATURES KÜNSTLER A-Z
POPCONNECTION - Features - Don't Walk Away In Silence: Auf den Spuren von Joy Division
Home » Features » Don't Walk Away In Silence: Auf den Spuren von Joy Division
FEATURES
Don't Walk Away In Silence -  Auf den Spuren von Joy Division

ARTIKEL

Don't Walk Away In Silence: Auf den Spuren von Joy Division

Autor: Amy Zayed
Foto: Phillipe Carly

Am 10. Januar startet der Film "Control", ein Film über Joy Division-Sänger Ian Curtis. Die Karriere der Band aus Manchester dauerte nur etwa 2 Jahre, nichtsdestotrotz gilt Joy Division als eine Band, die die Grundsteine für die heutige Rock und Independent Musik gelegt hat. Im Mai 1980 beging Sänger Ian Curtis Selbstmord. Die übrig gebliebenen Bandmitglieder machten als New Order weiter und erreichten etliche Charterfolge auf der ganzen Welt. 1982 eröffneten sie den legendären Hacienda Club, der einer der bekanntesten Clubs Europas war.

Amy hat sich in Manchester, der Heimatstadt der Band auf die Suche nach Spuren von Joy Division gemacht.

Eine ganz normale Neubausiedlung Mitten in Manchester. Eine stark befahrene Hauptstraße, eine große Baustelle, und links und rechts Reihen von Apartmentblocks. "Luxury Appartments" steht auf einem Schild neben einem der vielen viereckigen Häuserblocks. Daran, dass in diesem Haus vor 30 Jahren mal der Proberaum von Joy Division gewesen sein soll, erinnert gar nichts. Ein enger Hausflur mit Treppenaufgang, weißgetünchte Wände und ein fleckiger Teppichboden. Dave Haslam, ein guter Freund der Band, erinnert sich, wie es vor 30 Jahren dort ausgesehen hat. "Diese ganze Gegend hier war total verwahrlost", erklärt er. "Als in Manchester all die Fabriken Mitte der 70er Jahre schlossen, war die Arbeitslosigkeit extrem hoch. Überall standen alte Lagerhallen und Fabriken leer. Die nutzten damals sehr viele Musiker. Die Miete war eben spottbillig. Der Proberaum war auch so eine alte Lagerhalle. Es gibt ganz viele Photos, wo man Joy Division vor diesem Haus ihren Tourbus laden sieht. Hier wurde auch das Video zu ihrem wohl erfolgreichsten Lied "Love Will Tear Us Apart" gedreht. Es war auch das einzige Video, was die Band je gemacht hat. Man sieht das Haus, genau wie es früher ausgesehen hat. Als alte Lagerhalle. Die Fenster sind dunkel und voller Staub, überall staub, Graffiti an den wänden! Es sah wirklich total düster aus! Aber es passt zu dem Lied, es passt zur Situation!"

1976 gründen vier Jungs aus Salford, einem ziemlich heruntergekommenen Stadtteil von Manchester, die Band Warsaw, benennen sich aber später in Joy Division um. Gitarrist Bernard Sumner, Sänger Ian Curtis, Bassist Peter Hook und Drummer Steven Morris nehmen ein paar Demos auf, und erwecken die Aufmerksamkeit des lokalen Fernsehmoderators Tony Wilson. Der gründet ein kleines Label namens Factory Records, nimmt sie unter Vertrag, und sie veröffentlichen ihr Debütalbum "Unknown Pleasures". Die ersten Konzerte sind zwar spärlich besucht, aber es werden immer mehr Musikkritiker auf Joy Division aufmerksam, und ihre Anhänger werden immer mehr. Doch dann wird bei Sänger Ian Curtis Epilepsie festgestellt. Der wachsende Erfolg macht es Curtis nicht einfacher. Der Tourstress, die Aufnahmen zum zweiten Album und seine instabile Beziehung mit Ehefrau Deborah verursachen zusätzlich zu seiner Krankheit noch Depressionen. Die Epilepsieanfälle werden immer schlimmer, und er kann sich selbst auf der Bühne nicht mehr kontrollieren.

Im Mai 1980 erhängt er sich in seinem Haus in Manchester. Das Album "Closer" und die Single "Love Will Tear Us Apart" erscheinen nach seinem Tod. "Love Will Tear Us Apart" ist wohl der bekannteste Song von Joy Division und wurde vor einigen Jahren sogar zur besten Single aller Zeiten gewählt. Dave Haslam erklärt, warum die Band in gerade mal zwei Jahren so einen Kultstatus erreicht hat: "Als hier in Manchester die Arbeitslosigkeit Ende der 70er so hoch war, hatten die Leute keine Inspiration. Es war die Musik, die der Stadt ihre Kraft wiedergegeben hat. Eben Bands wie die Buzzcocks oder Joy Division. Und die inspirierten wiederum Bands wie New Order, und später die Smiths, und so weiter. Es ist so, als wäre der Grundstein hier bei diesem Proberaum mit Joy Division gelegt worden."

Nach Curtis' Tod machten die übrigen Bandmitglieder als New Order weiter. Gitarrist Bernard Sumner übernahm die Rolle des Sängers. Doch die Band erntete sehr viel Kritik in der Musikpresse. Als New Order dann auch noch 1981 den Hacienda Club eröffneten, lästerten die Musikmagazine nur noch. Vor allem, weil der Club anfangs kaum besucht wurde. Es war eine Mischung aus Club und Konzertvenue, und nach und nach galt er als Konzertvenue für neue aufstrebende Künstler. Also ein Club für so genannte "Geheimtipps". Madonna spielte dort zum Beispiel einen ihrer ersten Europaauftritte. Der Club stand nur eine Straße weit weg von dem ehemaligen Proberaum von Joy Division. Auch dort steht mittlerweile ein einfacher Apartmentblock. Doch er heißt immer noch "The Hacienda Block", und es gibt wenigstens noch ein paar alte Erinnerungsstücke. Im kleinen Foyer sitzt an einem kleinen Tisch ein Hausmeister. Ein paar Sessel stehen um den Tisch herum. Doch beim Treppenaufgang hängt noch das alte Logo der Hacienda und daneben eine Metallplatte.

Dave Haslam wurde damals als einer der Haupt-DJs des Clubs verpflichtet. "Die Metallplatte hat man hier extra angebracht! Guck, dahinter ist auch ein Stück Holz von der Tanzfläche der Hacienda. Und auf der Platte stehen die wichtigsten Daten in der Geschichte des Clubs. Auch mein Name ist dabei", erklärt er stolz. "Die Hacienda war ein Platz für Leute, die sonst nirgends hin konnten. Für Musiker, Künstler und andere interessante Persönlichkeiten. Man hat dort Leute getroffen, die man sonst nirgendwo getroffen hat. Man hätte sie sonst nirgendwo rein gelassen. Aber hier war alles erlaubt!" Und so entstand eine Musikszene in Manchester, die Bands wie die Stone Roses, die Happy Mondays oder die Charlatans hervorbrachte. Bands, die Ende der 80er die wohl bekanntesten der Indieszene waren.

Anlässlich zum Filmstart des Joy Division Films "Control" findet bis Mitte Februar eine Ausstellung statt, die all die alten Erinnerungsstücke aus der Zeit von Joy Division, New Order und der Hacienda zeigt. Die Hacienda-Ausstellung findet in einer Kunsthalle am Rande von Manchester statt. Eine riesige Halle mit alten Fotos, Flyern aus der Hacienda und Videos von Konzerten. Daneben eine weitere mit Entwürfen von Albumcover für Joy Division, Textbüchern und sogar ein Stand, wo man sich rare Demos von Joy Division anhören kann.

Joy Division- und New Order-Bassist Peter Hook findet, dass Joy Division nicht einfach mit dem Tod von Ian Curtis aufhört. "Wenn Ian nicht gestorben wäre, hätten wir nicht anders gehandelt, als wie wir im Endeffekt gehandelt haben", stellt Peter Hook fest. "Ohne Joy Division hätte es New Order nicht gegeben. Und obwohl Ian tot war, war er Teil von uns. Er war auch bei der Hacienda mit dabei, auf eine einzigartige Weise! Wir werden nie erfahren, ob er wirklich glücklich darüber ist, dass aus Joy Division New Order geworden ist, und dass die Hacienda im Endeffekt Pleite gegangen ist, aber irgendwie ist das doch auch das schöne daran."

Während Peter Hook durch die Ausstellung geht, wird der sonst so wortwitzige Bassist immer stiller. Vor einem Bild von einem Livekonzert von Joy Division bleibt er stehen.
"Ian hätte wahrscheinlich eine Menge zu sagen zu allem, was passiert ist. Und auch zu dem was hätte passieren können! Wir werden wohl nie erfahren, was er denkt. Ob er sauer ist, dass aus Joy Division New Order wurde, dass die Hacienda Pleite gegangen ist oder dass sich New Order nun auch aufgelöst haben! Irgendwie finde ich es komisch, wie sehr mir das gerade nahe geht, hier in der Ausstellung zu sein. Die Erinnerungen sind zu überwältigend!" Wir gehen weiter durch die Ausstellung, und Peter Hook ist still und muss ein paar Tränen herunterschlucken.

Manchester ist geprägt von der Musik von Joy Division und New Order. Jeder in der Stadt, weiß, wer sie sind. Sie gaben der Stadt nach der hohen Arbeitslosigkeit Ende der 70er mit ihrer Musik nicht nur Mut und Inspiration, sondern gaben ihr auch eine Zukunft und brachten ihr Geld ein. Allein in den letzten zehn Jahren ist der Tourismus in Manchester, einer einst so verwahrlosten Industriestadt, ein Thema. Regina Zibell von "Visit Britain", dem Britischen Fremdenverkehrsamt, führt das vor allem auf die Musik zurück. "Bands wie Joy Division, New Order oder die Smiths inspirieren gerade junge Leute in die Heimat dieser Bands zu fahren und sich die Geburtsstätte der Musik anzusehen", erklärt sie.

Manchester steht mittlerweile für Musik. Und auch wenn Ian Curtis nun schon fast 28 Jahre tot ist, lebt sein Erbe weiter.


SUCHE
A B C D E F G
H I J K L M N
O P Q R S T U
V W X Y Z 0-9 #
myspace_de twitter_de facebook
INTERN EXTERN
Kontakt Facebook
Impressum last.fm
   © 2017 Popconnection.de | Das Online-Magazin für alternative Popmusik | CMS by webEdition