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POPCONNECTION - Interviews - Chicros: "Spaß ist ein grundlegendes Element in der Popmusik"
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Chicros

CHICROS

"Spaß ist ein grundlegendes Element in der Popmusik"
Datum: 24. November 2009 (E-Mail)
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Frankreich rückt immer mehr in den Fokus der internationalen Musikszene. Die neueste Entdeckung aus dem Land des Baguette heißt Chicros. Die vier Pariser machen eine zum Teil recht skurrile Art von Musik und wollen damit nicht das französische Äquivalent zu etwas sein, das schon existiert. Mit ihrem neuesten Werk "Radio Transmission" haben Chicros ein Konzeptalbum veröffentlicht, das einen Streifzug durch fiktive Radiosendungen darstellt. Wie im wirklichen Radio kann man hier alles hören, was man gern mag und alles, was man eigentlich gar nicht hören will.

Wir haben Philippe Monthaye und Mathieu Warsky im Interview gefragt, was genau hinter dem Konzept von "Radio Transmission" steckt.



POPCONNECTION: Wie und wann hat alles mit Chicros angefangen?

Philippe: Mathieu und ich sind die Gründer der Band. Wir haben uns in der Schule kennen gelernt als wir 14 waren und ein Jahr später unsere erste Band gegründet. Wir haben mit sehr ungeeigneten Musikern auf Schulfeiern gespielt. Als wir sie los waren, haben wir das Livespielen gänzlich aufgegeben, um uns aufs Aufnehmen zu fokussieren. Wir haben damals jedes Instrument selbst auf einem 4-Spur Kassetten-Rekorder übereinander gelegt. Die Geburtsstunde von Chicros stand kurz bevor. Das war im Jahr 2000. Jahre später, nachdem wir unsere erste Single veröffentlicht hatten, fingen wir wieder an mit einer kompletten Band live zu spielen. Aber diesmal fanden wir die richtigen Musiker: Olivier Marguerit und Arnaud Cambraye. Das war der Zeitpunkt, als Chicros geboren wurde - im Jahr 2005.


POPCONNECTION: Ihr seid hier in Deutschland noch komplette Newcomer. Welche drei Fakten sollte man unbedingt über Chicros wissen?

Mathieu: Erstens: Philippe ist halber Österreicher, somit gibt es im Grunde einen gewissen Bezugspunkt zu Deutschland. Zweitens: Wir haben bislang nur vier Mal in Deutschland gespielt - ein Mal in Dortmund, ein Mal in Köln und zwei Mal in Berlin. Es war jedes Mal großartig und wir können es nicht erwarten zurück zu kommen. Drittens: Unsere Musik setzt sich aus einem Grund-Rock-Band-Line-Up zusammen (Gitarre, Bass, Schlagzeug) + Gesangsharmonien inspiriert von Fifties Doowop und Queen + sorgfältig ausgesuchten und handgemachten analogen Synthie Sounds.


POPCONNECTION: Welches Konzept steckt hinter "Radio Transmission"?

Philippe: Das Konzept von "Radio Transmission" ist folgendes: Wenn man sich das Album anhört, hat man das Gefühl, man hört Radio und switcht durch die verschiedenen Kanäle. Manchmal hört man einen kompletten Song und manchmal nur Teile davon. Man hört Jingles oder einen Radio-Moderator und manchmal hört man für eine Weile ein "Themen-Radio", bei dem mehrere Songs hintereinander zu einem bestimmten Thema gespielt werden. "Radio Transmission" ist eigentlich ein multi-konzeptionales Album. Ein weiteres Konzept dahinter ist, dass das Album teilweise auf einem 4-Spur Kassetten-Rekorder aufgenommen wurde (wie wir es in den Pre-Chicros Tagen gemacht haben). Das Ergebnis ist ein starker auditiver Zusammenhang trotz der unterschiedlichen Genres, die wir erkunden (Pop, Doowop, Country, Christian Rock, Horror Film Soundtrack, Voodoo Psych, Soul, Electronics, Hip Hop, etc...). Es gibt noch weitere Konzepte, die wir nicht preisgeben, denn diese aus zu sortieren ist Teil des Spaßfaktors. Aber wenn man mal einen Blick auf die Songtitel wirft, wird man feststellen, dass die grundlegenden Themen dieses Albums Radioübertragung, Depression, Religion, Drogen und Verwirrung sind.


POPCONNECTION: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein solches Konzeptalbum zu machen?

Mathieu: Wir können uns nicht wirklich daran erinnern, wie wir auf die Idee gekommen sind ein solches Konzept-Album zu machen. Drogen waren im Spiel. Wir haben einfach gedacht, das könnte Spaß machen. Spaß ist ein grundlegendes Element in der Popmusik. Zu viele Bands scheinen dies vergessen zu haben.


POPCONNECTION: Wie setzt ihr die Songs von "Radio Transmission" auf der Bühne um?

Mathieu: Manchmal nehmen wir das "Radio-Konzept" mit auf die Bühne. Die Lichter sind dann aus und man hört einen statischen Sound bevor die Lichter wieder angeschaltet werden und wir als eine andersartige Band wieder in Erscheinung treten, die eine andersartige Art von Musik spielt. Aber manchmal gehen wir auch ohne jegliche Vorwarnung nur von einem Psychedelic Noise-Fest zu einer Doowop Ballade oder einem Anti-Drogen Gospel über, was das Publikum erst recht verwirrt.


POPCONNECTION: Ihr habt einen Song für den Film "La Question Humaine" von Nicolas Klotz geschrieben. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht einen kompletten Soundtrack zu schreiben?

Philippe: Es wurden auch einige Songs von uns für Filme von einem Japanischen Filmemacher oder fürs Fernsehen wie die amerikanische Serie "Grey's Anatomy" verwendet. Aber gewiss, "La Question Humaine" war das einzige Mal, dass wir einen Song speziell für einen Film geschrieben haben. Wir würden sehr gerne mal einen kompletten Soundtrack schreiben. Aber auch wenn wir das nicht machen sollten, hält uns das nicht davon ab, Mood Settings und atmosphärische Musik zu machen wie man es auch in einem Film findet. Ich glaube, man kann sagen, dass unsere Musik durchaus filmische Eigenschaften beinhaltet. Das ist auch der Grund, warum sie für Filme benutzt wird.


POPCONNECTION: Noch mal zurück zum Thema Radio: Was haltet ihr als englisch-singende Band von der Radioquote in Frankreich?

Mathieu: Wir verstehen, warum dieses Gesetz verabschiedet wurde, aber wir sind der Meinung, dass dies ein Fehler ist. Momentan gibt es so viele großartige Bands in Frankreich, die Englisch singen, aber die französischen Radiostationen spielen sie nicht, weil sie nicht in der Muttersprache singen. Deshalb kann man nicht wirklich sagen, dass die Radio-Quote der französischen Kultur großartig hilft. Wir sind der Meinung, dass die musikalische Identität einer Band mehr ist als nur die Sing-Sprache, die man wählt. Aber das brauchen wir dir sicherlich nicht erzählen, denn in Deutschland gab es in den 70ern auch eine Menge fantastischer Bands, die alle unter dem Begriff "Krautrock" zusammengefasst wurden. Diese Bands unterschieden sich klanglich alle voneinander und sie sangen alle englisch. Und dennoch war ihr Sound, ihre Einstellung und ihre Auffassung von Musik unverkennbar deutsch. Stell dir vor, all diese Bands würden bei deutschen Radiostationen auf taube Ohren stoßen, nur aufgrund der Sprache, in der sie singen. Bei dieser Logik würden sie dann Mozart's Opern auch nicht in Italien spielen.


POPCONNECTION: Das Album ist zur Zeit in Deutschland nur als Import und via Download erhältlich. Gibt es Pläne für eine physische Veröffentlichung des Albums in Deutschland?

Philippe: Wie du weißt, fallen die CD-Verkäufe immer weiter zu einem Punkt der Non-Existenz zurück. Jeder, der unsere Musik mag, kann unsere CD auf allen Download-Plattform herunterladen. Unter diesen Umständen sind wir gerade nicht sicher, ob eine physische Distribution eines Album wegen der schwer einschätzbaren Lage im Moment überhaupt noch Sinn macht. Zur Zeit ist uns das aber auch gar nicht so wichtig.


POPCONNECTION: Vielen Dank für das Interview!


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