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"Perfektionisten, Kontroll-Freaks...nenn uns wie du willst, es ist wahr"
Datum: 10. Februar 2010 (München)
Interview: Andreas Kussinger
Foto: Pressefoto

Bei den Jungs von Delphic handelt es sich um ausgesprochene Perfektionisten. Das wird einem spätestens klar, wenn man aufgrund eines Soundchecks, der am Ende länger als das eigentliche Konzert dauern wird, auf die Band warten muss. Kurz danach findet man die drei Mancunians im Backstageraum über ihre Laptops gebeugt. James verkündet sogleich, dass er beim Interview leider passen muss, er arbeite gerade noch am Sound für heute Abend. Rick und Matt geben dafür gerne Auskunft. Ein Gespräch über Hypes, Manchester und das Champions-League Finale 1999.



POPCONNECTION: Hallo, wie geht's euch?

Rick: Gut, danke! Die Tour läuft gut, wir haben jetzt ungefähr Halbzeit. Und auch Spaß und Erschöpfung halten sich ungefähr die Waage.


POPCONNECTION: In Eurer Heimat werdet ihr als Band der Stunde gehandelt. Wie gut könnt ihr mit dem Hype leben? Ist es Motivation oder eher ein Handicap?
Rick: Ja stimmt, scheinbar erwarten sich einige Leute ziemlich viel von uns.


Matt: Aber eigentlich werden wir mit dem Hype nur konfrontiert, wenn wir von Journalisten darauf angesprochen werden. Wir denken da nicht großartig darüber nach. In so einer Band führt man ja auch ein etwas eigenartiges Leben. Wir sind ständig unterwegs, haben Auftritte und versuchen, an neuen Songs zu arbeiten. Wir schotten uns da eigentlich komplett ab und leben in unserer eigenen Welt. Es ist nicht so, dass wir die Presse akribisch studieren und feststellen "hey, wir werden gehyped". Wir versuchen einfach, unser Ding durchzuziehen.

Rick: Wenn dann jemand wie du kommt und sagt‚ ihr seid "die Band der Stunde" denken wir uns "Okay, cool, Dankeschön", lassen uns davon aber nicht blenden. Eigentlich ist es ja auch grotesk, mit so vielen Vorschusslorbeeren geschmückt zu werden, bevor das Album überhaupt draußen ist. Um auf die Frage zurück zu kommen: Ja, es ist beides. Der Hype ist sehr hilfreich, weil wir dadurch einem größeren Publikum bekannt werden, andererseits ist der Druck natürlich auch enorm.


POPCONNECTION: Der Hype ist mittlerweile auch auf dem europäischen Festland angekommen...

Rick: (lacht) Oh wirklich? Na wenn du das sagst…
POPCONNECTION: Vielleicht habt ihr mitbekommen, dass ihr fast ausschließlich ausverkaufte Clubs vorfindet, egal, wo ihr spielt. Das ist doch ein untrügliches Zeichen.

Matt: Ja, das ist super und definitiv einer der Vorteile, wenn man gehyped wird. Besonders in Deutschland macht es eine Menge Spaß, vor ausverkauftem Haus zu spielen. Das deutsche Publikum steht unserer Musik sehr aufgeschlossen gegenüber. Wir haben immer das Gefühl, sehr geschätzt zu werden.


POPCONNECTION: Vor ein paar Wochen habt Ihr das Debütalbum "Acolyte" veröffentlicht. Was hat es mit dem Namen auf sich? Woran glaubt ihr, wem eifert ihr nach?

Rick: Ja da kann man natürlich viel hinein interpretieren. Ich denke, wir haben den Titel vor allem deshalb ausgewählt, weil es ein schönes, positives Wort ist. Glaube, Hoffnung, Energie, das sind alles sehr positive Werte, die man damit in Verbindung bringt. Es steht für das "nach vorne streben", die Überzeugung, etwas besser als zuvor zu machen.


POPCONNECTION: Der Titel des Albums ist natürlich auch aus einem ganz anderen Grund interessant. Ihr seid aus Manchester und werdet von der Musikpresse schon als die legitimen Erben von New Order gehandelt. Oder anders gesagt: Ich habe einfach eine vernünftige Überleitung gesucht zu der "New Order-Sache"...

Matt: (lacht) Oh, sehr kreativ.


POPCONNECTION: Also, was haltet ihr von Vergleichen mit New Order oder auch den Stone Roses? Sehr ihr euch in der Tradition dieser großen Bands aus Manchester?

Matt: Also wenn diese Vergleiche darauf abzielen, dass wir uns in eine Reihe großartiger Bands aus Manchester einreihen, dann nehmen wir das Kompliment gerne an. Natürlich hoffen wir auch, dass unsere Musik gut ankommt und vielleicht die Zeit überdauert. Aber es ist doch noch viel zu früh, um darüber eine Prognose abgeben zu können. Davon abgesehen sind solche Vergleiche immer eine schwierige Sache. Jede Band lässt sich inspirieren von anderen großartigen Bands. So gesehen verwaltet man immer das Erbe der Bands vergangener Jahrzehnte. Und speziell auf New Order bezogen: Klar finden sich in unseren Songs Elemente von New Order. Aber doch auch so viel mehr, was überhaupt gar nichts mit New Order zu tun hat.


POPCONNECTION: Vom wem lasst ihr euch inspirieren?

Rick: David Beckham


POPCONNECTION: Obwohl er Manchester den Rücken gekehrt hat?

Matt: Ach, wir haben ihm verziehen...

Rick: Bist Du Bayern-Fan?


POPCONNECTION: Ja. Ich denke ich weiß, worauf du hinaus willst...

Rick: (lacht) Ja, wollen wir nicht länger in der Wunde bohren... (Im Champions-League Finale 1999 hat Manchester United dem FC Bayern München durch zwei Tore in der Nachspielzeit den sicher geglaubten Sieg in letzter Sekunde weggeschnappt, Anm. d. Red.)


POPCONNECTION: Wir haben euch auch verziehen. Und, musikalische Einflüsse?

Matt: Viele! Elektronische Bands wie Kraftwerk, Innovative Künstler wie Björk oder Radiohead… Und noch so viele andere Musiker, die wir bewundern. Wir wollen niemanden kopieren, unsere Musik soll aber genauso interessant und innovativ klingen. Das ist unser Ziel. David Bowie fällt mir noch ein. Er hat bewiesen, dass man sich ständig weiterentwickeln kann, ja muss. Ein echtes Vorbild.


POPCONNECTION: Seid ihr Perfektionisten?

Matt: Perfektionisten, Kontroll-Freaks... Nenn uns wie du willst, es ist wahr. Da gibt es nichts zu leugnen.


POPCONNECTION: Entsprechend schwierig gestaltete sich die Suche nach einem Produzenten, oder?

Rick: Ja das stimmt. Das Problem ist einfach, dass wir monatelang an unseren Songs gearbeitet hatten. Es fiel uns nicht leicht, dieses eigentlich fertige Material dann jemand Dritten anzuvertrauen, der daran wieder herzumspielt. Wenn man elektronische Musik macht, kann man das Songwriting und die Produktion nicht so gut trennen wie bei konventionellen Gitarrenbands. Also wollten wir unser Material ursprünglich von A bis Z selbst produzieren. Schließlich haben wir aber doch gemerkt, dass wir ein bisschen Hilfe brauchen könnten. Zu so einem späten Zeitpunkt einen Fremden an die Songs ranzulassen war sehr schwer. Deswegen dauerte es eine Weile, bis wir an Ewan Pearson geraten sind. Er hatte eine Herangehensweise, die uns gefallen hat. Wir hatten einfach das Gefühl, dass er die gleiche Vision hatte wie wir.


POPCONNECTION: Aber es war trotzdem ein hartes Stück Arbeit...

Matt: Ja das stimmt. Es hat schon auch weh getan, dass er die Songs wieder zerlegt und neu zusammen gebastelt hat. Wir hatten ja im Grunde schon alles fertig. Er sagte dann "Jungs, ihr habt schon zu viel herum programmiert". Er musste uns da immer wieder bremsen.


POPCONNECTION: Welche Pläne habt ihr für die nahe Zukunft?

Matt: Gute Musik machen! Zunächst einmal natürlich viel touren, ich denke, dass wir im Mai schon wieder nach Deutschland kommen werden. Aber wir freuen uns auch wirklich darauf, wieder ins Studio zu gehen, um neue Songs einzuspielen. Wir arbeiten ja eigentlich ständig an neuem Material.


POPCONNECTION: Vielen Dank für das Gespräch!

Matt: Wir haben zu danken, viel Spaß heute Abend!


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