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"Die Arbeit in der Schule war eine wirklich großartige Lebenserfahrung"

Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Früher war Sam Genders (Co-)Frontmann und Songwriter der englischen Folktronica-Band Tunng. Vor drei Jahren hing er seinen Job als Musiker an den Nagel und wurde Grundschullehrer. Mit seinem neuen Projekt Diagrams kehrt er jetzt wieder zur Musik zurück und präsentiert sein erstes Album "Black Light".

Wir haben mit
Sam Genders über seine Zeit als Lehrer, seine Rückkehr zur Musik und sein Album "Black Light" gesprochen.



POPCONNECTION: Du hast die Musik und deine frühere Band Tunng aufgegeben, um als Grundschullehrer zu arbeiten. Was war die Ursache für deine Entscheidung?

Sam: Anfangs brauchte ich lediglich Geld, um meine Miete zu zahlen. Ich habe zu der Zeit noch bei Tunng gespielt und fand einen Job in einer Schule direkt bei mir um die Ecke. Dort habe ich aber nicht als Lehrer gearbeitet, sondern war Lehrer-Assistent. Das war eine sehr interessante Erfahrung. Dann kam irgendwann der Punkt, an dem ich mich entscheiden musste, ob ich diesen Job weitermachen möchte oder weiterhin bei Tunng spielen will. Da mir meine Arbeit Spaß machte, entschloss ich mich, das eine Weile zu machen. Ich dachte darüber nach, Tunng zu verlassen und etwas anderes zu machen. Also war es der perfekte Zeitpunkt. Die Arbeit in der Schule war eine wirklich großartige Lebenserfahrung. Dementsprechend entschloss ich mich dafür, das eine Weile lang zu machen.


POPCONNECTION: Ist es dir schwer gefallen, die Musik beiseite zu legen und etwas komplett anderes zu machen?

Sam:
Um ehrlich zu sein war der Job eine große Herausforderung. Ich bin ein ziemlich einfühlsamer Typ. Die Kinder in der Grundschule liefen im Kreis um mich herum und ich wusste nicht wirklich, wie ich sie kontrollieren, sie unterstützen und meinen Job machen sollte. Also musste ich sehr schnell ganz schrecklich viel lernen. Das hat ein oder zwei Jahre lang meines gesamten Lebens in Anspruch genommen. Dementsprechend blieb mir nicht viel Zeit, über die Musik nachzudenken. Als ich dann voll und ganz in meinem Job angekommen war und er mir wirklich Spaß machte, dachte ich darüber nach, wieder ein bisschen Musik zu machen. Ich fing an, Songs zu schreiben. Während der ganzen Zeit habe ich immer ein wenig geschrieben. Auch für andere Leute. So begann ich schrittweise, wieder Musik zu machen.


POPCONNECTION: Wie hat dich die Zeit, in der du als Lehrer gearbeitet hast, beeinflusst?

Sam:
Ich glaube, die Zeit hat mir eine positivere Ausstrahlung und etwas mehr Selbstvertrauen verliehen. Ich bin bestimmt nicht die von sich selbst überzeugteste Person, die man treffen kann, aber vorher war ich sehr unsicher. Es ist sehr schwer ohne Selbstvertrauen in der Umgebung einer Schule zu überleben, weil von dir eine gewisse Autorität und Verantwortungsbewusstsein erwartet wird. Also musst du lernen, selbstbewusst zu sein und du fängst damit an, so zu tun als seist du es. Je mehr du so tust, desto besser kommst du damit klar. Ich glaube, das ist von Person zu Person unterschiedlich. Einige Menschen finden diesen Job vielleicht sehr einfach. Aber für mich war es sehr schwer, bis ich dann am Ende damit zurecht kam. Das war eine großartige Erfahrung. Das Leben kann so aufregend sein und so positiv. Das habe ich vorher nicht immer so gesehen. Ich wusste schon, dass das Leben wunderbar ist, aber ich habe mich etwas schwer damit getan, es auch so zu fühlen. Oh je, ich höre mich ein bisschen an, wie jemand aus einer Selbsthilfegruppe. (lacht)


POPCONNECTION: Diagrams ist sozusagen deine Rückkehr zur Musik. Wie kam es dazu?

Sam:
Ich begann, Songs zu schreiben und hatte diese Idee, dass ich wirklich gern ein Album machen würde. Ich traf einen Produzenten namens Mark Brydon. Das war eine Art Wendepunkt. Wir haben gemeinsam einige Dinge ausprobiert und mir gefiel das Ergebnis sehr gut. Ich hielt ihn für einen wirklich guten Produzenten. Ich habe mich zwei, drei Tage die Woche nach der Arbeit in der Schule mit ihm getroffen und wir haben einfach nur Ideen ausprobiert. So entstand schrittweise das Album und je mehr ich daran arbeitete, desto überzeugter war ich davon, dass dies ein richtig guter Weg sein könnte. Als die Platte fertig war, suchte ich mir dann ein paar Musiker, die Lust hatten, mit mir ein paar Konzerte zu spielen. So lief das alles.


POPCONNECTION: Der Sound deines Albums ist sehr vielfältig. Es gibt viele Effekte, Beats und Grooves. Es ist weniger Lo-Fi, dafür aber mehr experimentell. Wie wichtig war dir das?

Sam:
Sehr wichtig! Ich meine, ich glaube nicht, dass das jeder so machen sollte. Aber ich mag es, mit den Sounds zu spielen und andere Leute darin zu involvieren auf diese Sounds zu antworten. Ich habe zwar eine Menge Ideen, aber ich kann das nicht alles alleine machen. Mark ist sehr gut darin, elektronische Sounds zu manipulieren und einige andere Leute haben ebenso an dieser Platte mitgearbeitet. Für mich ist es spannend, zu experimentieren und mit Dingen zu spielen, die vielleicht etwas anders sind. Ich bin mir nicht sicher, ob ich darin erfolgreich gewesen bin, aber es hat eine Menge Spaß gemacht. In meiner Jugend gehörte „Revolver“ von den Beatles zu meinen Lieblingsplatten. Die Beatles hatten ein Gespür dafür, Neues auszuprobieren. Das finde ich sehr inspirierend. Für mich ist es einfach ein großer Spaß, in einem Studio herumzubasteln und verschiedene Dinge auszuprobieren.


POPCONNECTION: Deine Texte sind sehr impressionistisch. In dem Song "Antelope" zum Beispiel geht es um ein Mädchen, das kleine Ameisen unter der Haut hat, die Nachrichten an ihr Gehirn senden. Was inspiriert dich zu solchen Texten?

Sam:
Viele meiner Texte entstehen in einer Art Bewusstseinsfluss. Ich schreibe und schreibe, schaue, was dabei passiert und picke mir das heraus, was mir am besten gefällt. In diesem Song geht es um ein Mädchen, das ich kenne. Ich glaube, einige Menschen sind sehr intuitiv. Die Idee dahinter ist, dass dir deine Gefühle etwas verraten, das dir selbst vielleicht gar nicht bewusst ist. Ich weiß nicht genau, wie ich meine Texte beschreiben soll. Ich klinge ein wenig, wie ein Trottel. (lacht) Ich mag es, seltsame Bilder in Texten zu kreieren und mit Metaphern und unterschiedlichen Ideen zu spielen.


POPCONNECTION: Das klingt sehr interessant. Auch der visuelle Aspekt von Diagrams ist äußerst beachtenswert. Es gibt viele abstrakte Designs mit dem Fokus auf klaren Linien und Polygonen. Wer hat dieses großartige Artwork kreiert? Das ist fantastisch!

Sam:
Ja, das ist ganz wundervoll! Das komplette Artwork hat Chrissie Abbot kreiert. Ich habe mich kurz nachdem das Album fertig war mit ihr getroffen. Ich liebe ihre Arbeit. Sie verfügt über eine Mischung aus wissenschaftlich-linienartiger Vorstellung und Elementen der Natur. Das sind zwei Pole, die ich auch sehr interessant finde, wenn ich Songs schreibe. Dementsprechend gefiel mir sofort, was sie macht. Ich habe sie vor ein paar Jahren für mich entdeckt. In einer Zeitung bin ich über einen Artikel über die Wissenschaft des Geistes oder so etwas Ähnliches gestolpert und ich liebte das Artwork dazu. Also versuchte ich, etwas über den Künstler herauszufinden. Ich erfuhr ihren Namen aber konnte keinen Kontakt zu ihr herstellen. Die Jahre zogen ins Land und ich vergaß ihren Namen wieder. Aber ich dachte immer daran, dass mir dieses Artwork so gut gefiel. Als dann das Plattenlabel Fulltime Hobby das Album zusammengestellt und einige Künstlervorschläge hatte, stand ihr Name als dritter auf der Liste. Mir fiel wieder das Artwork des Zeitungsartikels ein. Also war es toll, sie für das Artwork gewinnen zu können, weil ich davon schon immer geträumt hatte. Das war wirklich großartig.


POPCONNECTION: Diagrams ist ein Soloprojekt. Auf der Bühne wirst du jedoch von fünf bis neun Musikern unterstützt...

Sam: Ich würde Diagrams nicht mal unbedingt als Soloprojekt bezeichnen, weil darin in jeder Phase viele talentierte Leute involviert gewesen sind. Ich denke, ich bin ein Songwriter und ich mag es, herumzuspielen und meine Songs so interessant wie möglich zu präsentieren. Also versuche ich grundsätzlich, mit dem besten Produzenten zusammenzuarbeiten und den besten Musikern, die gewillt sind, mit mir zu spielen. Es ist mein Projekt, in dem Sinne, dass ich die Songs schreibe, es leite und zusammenhalte und die Entscheidungen treffe. Aber ich kann es nicht als Soloprojekt bezeichnen, weil es viele Menschen gibt, die Diagrams zu dem machen, was es ist.


POPCONNECTION: Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus? Wirst du als Musiker weitermachen oder beabsichtigst du wieder als Lehrer zu arbeiten?

Sam:
Am liebsten würde ich beides machen. Ich glaube, im Moment möchte ich nicht als Vollzeitlehrer arbeiten, weil ich denke, dass das eine wahre Berufung ist. Es ist dein Leben, wenn du als Lehrer arbeitest. Besonders für jemanden wie mich. Ich wäre nicht sehr gut darin, am Ende des Tages abzuschalten. Die Lehrer, die ich kenne, haben sehr lange Arbeitstage. Ich glaube, dass es großartig ist, wenn es das ist, was du in deinem Leben machen möchtest. Für mich wäre es allerdings schwierig, nichts anderes mehr zu tun. Auf der anderen Seite könnte ich mir durchaus vorstellen, mit Kindern und Erwachsenen in Workshops zu arbeiten. Zu unterrichten, aber nicht als Ganztagslehrer. Mit Menschen in unterschiedlichen Bereichen zu arbeiten. Aber ich möchte ebenso Musik machen. Mein Traum ist es, so viele Platten zu verkaufen, dass ich mir eine Band leisten kann und für einige Zeit lang Konzerte zu spielen und nebenbei noch etwas anderes zu machen, wie zum Beispiel zu unterrichten.


POPCONNECTION: Ich wünsche dir alles Gute dafür und danke dir für das Interview, Sam!

Sam:
Ich danke dir für dein Interesse!



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