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POPCONNECTION - Interviews - Friska Viljor: "Jeder will immer und überall mit uns etwas trinken"
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Friska Viljor

FRISKA VILJOR

"Jeder will immer und überall mit uns etwas trinken"

Interview: Andreas Kussinger
Foto: Pressefoto

Friska Viljor, sind das nicht die Schwedischen Schnapsdrosseln, die in einer Nacht voll mit Selbstmitleid und noch mehr Alkohol ihr umjubeltes Debütalbum aufgenommen haben? Genau die. Das dumme an solchen an und für sich sehr verkaufsförderlichen Geschichten ist ja, dass man derartige Klischees nicht mehr losbekommt. Sie bleiben auf ewig im Band-Poesiealbum kleben. Dabei hat das Duo die Lebenskrise längst hinter sich gebracht und mittlerweile das vierte Studioalbum "The Beginning Of The Beginning Of The End" veröffentlicht. Vor kurzem waren sie in München zu Gast, und trotz Erkältung und Tourstress nahmen sie sich ein paar Minuten Zeit für uns. Ein Gespräch über Klischees, faule Journalisten und lange Albentitel.



POPCONNECTION: Hallo! Wie geht es euch?

Joakim: Ganz gut...

Daniel: Soweit ganz ok. Wir sind ein bisschen krank und besonders heute sind wir ziemlich im Stress... Wir kommen gerade von einem Radiointerview zurück, jetzt kurz essen und dann steht schon der Soundcheck für heute Abend auf dem Programm. Davon abgesehen aber gut!


POPCONNECTION: Euer letztes Album hieß "For New Beginnings", das aktuelle trägt den Titel "The Beginning Of The Beginning Of The End". Was hat es damit auf sich? Was habt ihr mit dem letzten Album begonnen, und wieso seht ihr jetzt schon wieder den Anfang vom Ende?

Daniel: Wir sehen eigentlich so schnell kein Ende von irgendetwas. Die Grundidee war, den neuen Albumtitel in irgendeinen Bezug zum Vorgängeralbum zu setzen. Aber eigentlich haben wir uns nicht viel dabei gedacht. Wenn man wirklich darüber nachdenkt, ist ja eigentlich die Geburt schon der Anfang vom Ende, bei uns allen. Und etwas neues beginnen, das wollen wir eigentlich mit jedem neuen Album.

Joakim: Vor allem ist es ein wirklich langer Albumtitel. Wir finden es lustig, wenn Journalisten diesen furchtbar langen Titel herunterbeten müssen. Von "Bravo" zu "The Beginning Of The Beginning Of The End" - das ist eine echte Steigerung! Mal sehen, was uns für das nächste Album
so einfällt...


POPCONNECTION: Da bin ich sehr gespannt. Und nachdem du schon selbst vom nächsten Album sprichst, müssen sich die Fans offenbar keine Sorgen machen, dass es mit Friska Viljor recht bald zu Ende gehen könnte, oder irre ich mich?

Daniel: Das kommt natürlich darauf an, wie man „bald“ definiert. Vielleicht in zehn Jahren? Vielleicht!

Joakim: Das weiß man ja nie, in zehn Jahren kann viel passieren...

Daniel: Aber in der nächsten Zukunft muss sich niemand sorgen machen, dass  Friska Viljor keine Musik mehr machen.


POPCONNECTION: Wenn man das erste Album mit dem aktuellen vergleicht, bekommt man den Eindruck, dass es Euch jetzt, im Vergleich zu damals, richtig gut gehen muss. Die Melancholie scheint wie weggeblasen, sowohl eure Melodien als auch eure Texte sind deutlich positiver, freundlicher als noch vor einigen Jahren. Welche Entwicklung liegt diesem Wandel zu Grunde?

Daniel: Das würde ich so pauschal nicht sagen. Auf dem neuen Album sind sowohl traurige Songs, was sich dann auch sowohl in den Texten, als auch in der Musik niederschlägt, als auch richtig spaßige Songs. Wir haben einfach ein breiteres Spektrum als noch vor einigen Jahren.


POPCONNECTION: Konntet ihr euch jemals mit dem Klischee anfreunden, das euch anhaftet? In der Wahrnehmung vieler Musikjournalisten seid ihr bis heute ein Zweckbündnis zweier Alkoholiker mit Lebenskrise, die Musik als Selbsttherapie machen. Wie seht ihr das?

Daniel: Das stimmt wirklich. Noch immer kommen Leute auf uns zu und Fragen "Ihr seid also diese schwedische Alkoholikerband mit den traurigen Texten?" und wir antworten dann "Nein, eigentlich nicht. Das waren wir mal, vor langer, langer Zeit, aber das ist vorbei." Wir müssen das immer und immer wieder sagen, das nervt natürlich.

Joakim: Aber wir sind natürlich auch selbst schuld. Anfangs war es ja eine nette Geschichte, die uns Sympathien gebracht hat. Aber mittlerweile wissen wir, wie die Medien ticken. Und meistens sind die Medien an einfachen Geschichten interessiert, die man immer wieder aufwärmen kann. Damals wussten wir das leider noch nicht.

Daniel: Ganz genau. Viele Journalisten machen es sich einfach zu leicht. Die haben auch kein Interesse daran, die Entwicklung einer Band zu verfolgen oder zu recherchieren. Für mache sind wir einfach eine Karikatur und sollen das auch bleiben.


POPCONNECTION: Nervt euch das, oder könnt ihr damit umgehen?

Daniel: Das einzige, was wirklich nervt, ist wenn Leute uns Backstage treffen und gleich fragen "Hey, wo ist denn euer Bier? Ich seh euch nur Wasser trinken!"

Joakim: Ja, jeder will immer und überall mit uns etwas trinken...

Daniel: Und noch nicht einmal das stört mich wirklich. Aber wenn man den Leuten dann sagt "Hey, wir sind keine Alkoholiker, diese Phase haben wir hinter uns gebracht" und die Leute dann enttäuscht reagieren, so als ob man irgendetwas verraten hätte, das ist wirklich unangenehm.

Joakim: So lange es aber immer Leute gibt, die sich wirklich für uns und unsere Entwicklung interessieren, sind uns die anderen, die bei diesem Klischee hängen geblieben sind, im Grunde egal.


POPCONNECTION: Und wie sieht eure Entwicklung aus? Wo steht ihr im Moment?

Daniel: Also, im Moment sind wir in München...

Joakim: Wir wollen da gar nicht so genau darauf eingehen. Wir befinden uns einfach in einer anderen Lebenssituation.


POPCONNECTION: Gut, München war ein guter Aufhänger. Ihr seid sehr viel unterwegs, und vor allem in Deutschland seid ihr gleich mehrmals pro Jahr auf Tour. Gefällt es euch nicht Zuhause, oder seid ihr einfach so gerne auf Tour?

Daniel: Eigentlich waren wir doch gar nicht so viel unterwegs die vergangenen eineinhalb Jahre...

Joakim: Ok, wir waren aber letztes Jahr auf sehr vielen Festivals unterwegs. Aber nach der Festivalsaison hatten wir wirklich Pause bis Februar diesen Jahres. Da waren wir sehr lange nicht auf Tour. Im Vergleich zu anderen Bands sind wir vielleicht recht viel unterwegs. Aber wir haben eigentlich nicht den Eindruck, dass es zu viel wird. Wir könnten locker noch ein bisschen was draufpacken. Das Geheimnis ist, nicht zu viel am Stück zu touren. Drei, vier Wochen sind ok, aber wenn eine Tour dann länger als einen Monat dauert, wird es anstrengend. Natürlich ist es immer schön, wieder nach Stockholm zu kommen und die Freunde, die nicht auf Tour dabei sind, wieder zu sehen.


POPCONNECTION: Anfang des Jahres wart ihr für ein paar Akustik-Shows in Deutschland. War das eine neue Erfahrung für euch? Wie hat es euch gefallen?

Joakim: Eigentlich bevorzuge ich es, mit der Band zu spielen. Aber es war eine echte Herausforderung für uns. Die Clubs waren noch kleiner, und wir haben noch mehr Geschichten erzählt, das hat es zu etwas besonderem gemacht.

Daniel: Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich es nicht vielleicht genau so gut finde wie mit der Band. Es war eine neue Erfahrung, eine tolle Erfahrung. Der Unterschied ist vergleichbar mit dem zwischen Clubshows und Festivals. Ich finde es toll, wenn man einen direkten Draht zum Publikum findet. Das geht bei Clubshows natürlich besser, und bei den Akustik-Shows war die Stimmung noch intimer.


POPCONNECTION: Überhaupt ist das Verhältnis zwischen euch und euren Fans erstaunlich. Eure Fanbase ist, im Vergleich zu manchen anderen Bands, relativ klein, aber dafür umso euphorischer und enger. Ihr kommuniziert auch sehr viel mit euren Fans, sowohl live als auch über Facebook und Co. Ist euch das wichtig?

Joakim: Ja schon. Ich denke, gerade weil die Leute wissen, dass sie uns immer und jederzeit ansprechen oder anschreiben können, bekommen wir sehr viel ehrliches Feedback und bauen dadurch eine enge Beziehung zu unseren Fans auf. Oft danken uns Leute für unsere Musik, weil sie ihnen in einer bestimmten Lebenssituation weitergeholfen hat. Manchmal kommt man sich glatt wie ein Psychologe vor.


POPCONNECTION: Gibt es irgendeine besondere Beziehung zu Deutschland? Immerhin seid ihr hier ziemlich beliebt und es macht den Eindruck, dass ihr auch recht gerne durch Deutschland tourt.

Joakim: In Deutschland hatte Friska Viljor zuerst richtig Erfolg. Euer Land ist zehnmal größer als Schweden, das war natürlich ein gutes Argument als wir vor einigen Jahren vor der Entscheidung standen, auf welchen Markt wir uns konzentrieren sollten. Und wir hatten Glück, denn die Deutschen mochten unsere Musik offenbar. Davon abgesehen waren wir auch sehr überrascht, mit welcher Wärme wir hier überall empfangen wurden. Und an dieser Herzlichkeit hat sich nichts geändert.

Daniel: Im Publikum herrscht immer so eine besondere, euphorische Stimmung. Sogar an einem Montagabend wie gestern in Frankfurt sind alle gut drauf! Das habe ich in der Form noch in keinem anderen Land erlebt. Außer Österreich und der Schweiz vielleicht. Wir kommen immer wieder gerne nach Deutschland.


POPCONNECTION: Vielen Dank für das Interview!


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