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POPCONNECTION - Interviews - Irving: "Die Beach Boys haben eine sehr dunkle Vergangenheit"
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Irving

IRVING

"Die Beach Boys haben eine sehr dunkle Vergangenheit"
Datum: 22. Mai 2007 (Münster)
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Ursprünglich hatten Irving nur vor, die Kunst-Vernissage eines Freundes mit ein wenig Rockmusik zu untermalen. Aber dann kam doch alles ganz anders: Das Quintett aus Kalifornien machte weiter und begann ernsthaft Musik zu machen. Es folgten Support-Shows für namhafte Künstler wie Franz Ferdinand oder Arcade Fire und für das aktuelle Album "Death in The Garden, Blood On The Flowers" holte man sich sogar Produzent Phil Ek (The Shins, Modest Mouse) ins Boot.

Momentan sind die Jungs gerade auf Deutschland-Tour. Vor dem Konzert in Münster haben wir uns mit Steven, Aaron, Brian und Brent im Amp zur netten Plauderstunde bei Chili und Bier getroffen.



POPCONNECTION: Ihr seid im Moment hier in Deutschland auf Tour. Ist irgendjemand von euch bereits vorher schon mal hier gewesen?

Steven: Ja, ich bin vor drei Monaten schon hier auf Promo-Tour gewesen. Ich war allerdings nicht in Münster, sondern in Düsseldorf.


POPCONNECTION: Und wie gefällt dir Deutschland? Was waren deine ersten Eindrücke?

Steven: Mein erster Eindruck war, dass es ganz anders ist, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich dachte immer, dass Deutschland nur aus Bayern besteht. (lacht) Du weißt schon, diese großen Bierkrüge, Lederhosen, Berge usw. Ich habe festgestellt, dass es viel mehr als das ist. Es ist sehr schön, interessant und es gibt eine Menge historischer Bauwerke.


POPCONNECTION: Du hast gerade das deutsche Bier erwähnt: Magst du deutsches Bier?

Steven: Ja, es ist das beste, was ich jemals getrunken habe! (lacht) Sogar das schlechteste in Köln, ich glaub es heißt Kölsch, ist immer noch sehr gut! München und Hamburg haben allerdings das beste Bier! In München hab ich Augustiner getrunken, ein helles Bier und in Hamburg halt Jever und Astra, was auch sehr gut ist.


POPCONNECTION: Wie ist denn eure Tour hier in Deutschland bisher gelaufen? Gestern seid ihr in Köln gewesen...

Aaron: Es läuft sehr gut! Wir genießen diese Tour. Wir waren sehr überrascht über die Resonanzen. Wir haben nicht erwartet, dass jeder in Deutschland anfängt, zu tanzen und zu springen. Das ist toll! Ja, wir haben eine Menge Spaß!


POPCONNECTION: Gibt es denn einen Unterschied zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Publikum?

Aaron: In Amerika ist das von der Stadt abhängig, in der man spielt. Hier ist das eigentlich auch so. In Magdeburg war es zum Beispiel so, dass die Leute nicht getanzt haben. Ich hatte das Gefühl, dass die uns nicht mal mochten. Da kam so gut wie gar keine Reaktion. Auch bei den Ansagen kam so gut wie gar nichts. Das war ein wenig seltsam. Aber in jeder anderen Stadt war es großartig! Auch in den kleineren Städten haben die Leute geklatscht und gesungen. Insbesondere die kleinen Gigs wie z.B. in Innsbruck waren grandios! Das war fast wie auf einer Party. Und ich hab das Gefühl, heute Abend könnte auch so eine dieser Shows werden.


POPCONNECTION: Was erwartet Ihr denn vom heutigen Abend?

Aaron: Ich glaube, heute ist ein schlechter Abend, um auszugehen. Es ist Dienstag, es regnet, das könnte die Leute zu Hause halten. Dann ist es so, dass wir zum ersten Mal in Münster spielen, aber ich denke, die Promotion ist ziemlich gut. Ich habe die Plakate und die Flyer gesehen und ihr seid ja immerhin auch vorbei gekommen... (grinst) Ich gehe so von 50, 60, 70 Leuten aus, die heute Abend vorbeischauen werden... von 100 kann ich nur träumen! (grinst)

Steven: Wenn er sagt "50, 60, 70 Leute", dann meint er 50, 60, 70 Tausend! Das ist das, was wir gewohnt sind, wir spielen eigentlich in Stadien! (lacht)


POPCONNECTION: Euer erstes Konzert habt ihr auf einer Kunstausstellung eines Freundes gespielt. Könnt ihr die Geschichte kurz erzählen?

Steven: Brian, Alex und ich haben damals schon zusammen Musik gemacht. Wir haben ein 4-Track-Demo aufgenommen. Einer von Brian's Freunden hatte eine Kopie davon und sagte uns, dass er eine Kunstausstellung macht und ob wir dort spielen wollen. Und wir sagten "Ja, sicher"! Es war gewaltig! Ein Riesenspaß und wir waren ziemlich betrunken. Da wurden wir quasi ermutigt, das ganze als Band zu sehen. Vorher haben wir das eigentlich eher so gesehen, dass wir ein paar Leute sind, die Songs zusammen spielen - aber nicht eine Band. Wir kauften uns also ein paar Mikros und spielten einige Shows und sparten das Geld für eine P.A. zusammen. Später kamen dann Brent, unser Schlagzeuger und Aaron, unser Keyboarder dazu.


POPCONNECTION: Lasst uns mal über euer Album sprechen. Wie ist die Medienresonanz hier in Europa bis jetzt? Seid ihr zufrieden?

Steven: Ja, hier in Deutschland und Österreich kam es sehr gut an. Und auch in England wurde die Platte in den Medien besprochen. Darüber hinaus in Frankreich, den Niederlanden, Italien, Belgien und Luxemburg. Besonders bei den Printmedien waren die Resonanzen wirklich gut. Wir waren auch bei Radio1 in Berlin, das war sehr cool. Und wir waren bei Radio EinsLive bei Klaus Fiehe. Unser PR-Mensch bei Revolver ist großartig! Wir lieben diesen Jungen! Das sind wirklich coole Leute. Wir haben kein großes Budget, aber die Leute arbeiten so hart für uns. Wir bekommen dieselbe Promotion wie The Shins oder Jarvis Cocker und das ist wirklich cool!


POPCONNECTION: Ihr habt das Album zusammen mit Jim Fairchild von Grandaddy und mit Phil Ek aufgenommen, der auch Modest Mouse und The Shins produziert hat. Wie war es, mit den beiden im Studio zusammen zu arbeiten?

Steven: Jim ist ein Kumpel von uns. Freunde von uns aus einer Band namens Earlimart sind mit Grandaddy befreundet. Also Freunde von Freunden, die sich bei Barbecues treffen und so. Wir haben quasi die Hälfte der Platte mit Phil Ek gemacht und die andere Hälfte mit Jim in Bezug auf die Drums, die Keyboards, den Bass... Wir tendieren dazu, unseren eigenen Sound zu produzieren. Also ging es in erster Linie für die Jungs darum, die Mikrophone an der richtigen Stelle zu positionieren und das Editing zu übernehmen. Besonders Phil ist toll darin, den richtigen Sound zu finden.


POPCONNECTION: Das Konzept eurer Band ist es, dass jedes Bandmitglied gleichermaßen am Songwriting-Prozess beteiligt ist. Wie schreibt ihr eure Songs?

Brent: Wir haben kein klassisches Konzept, nach dem wir arbeiten. Wir machen das auf alle möglichen Arten. Brian kommt z.B. mit einem wortwörtlich fertigen Song, in dem die Leadparts und die Backingparts bereits komplett sind. So nach dem Motto "Hier! Das ist der Song!" Wir hatten es auch schon, dass irgendwer eine Melodie im Kopf hatte (flötet die Melodie von "A.M.180" von Grandaddy) und wir uns zusammengesetzt haben und an dem Song gearbeitet haben. Oder dass ein Song aus dem Jammen heraus entstanden ist oder jemand einen halbfertigen Track hatte, den wir dann gemeinsam komplettiert haben.


POPCONNECTION: Ist es dann nicht manchmal schwierig, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen?

Steven: Nein, wir arbeiten sehr gut zusammen. Niemand ist beleidigt, wenn man ihm einen Part zum Spielen vorgibt. Aaron hatte neulich eine Idee für die Melodien zu den Vocals - wir arbeiten ja bereits an der nächsten Platte - und da war ich sofort dabei. Ich geh dann nicht hin und sag "Ach, nee, Kumpel! Ich bin der Scheiß-Sänger! Also halt die Klappe, Keyboard-Fuzzi!" (lacht) Nein, bei uns bringt jeder seine Ideen ein.

Aaron: Eigentlich schauen wir, wessen Idee die beste ist, indem wir ein Rollerblade-Rennen veranstalten. (lacht) Ein schnelles Rennen, ein ziemlich kurzes Rennen. Und ich bin ein ziemlich schneller Rollerblader! (grinst)

Brent: Ich bin besser auf den Distanzen. Also, wenn wir uns für einen langen Parcours entscheiden... er ist ja nur ein Sprinter! (schaut zu Aaron und grinst)


POPCONNECTION: Wenn man sich eure Texte anschaut, fällt auf, dass sie ziemlich düster sind. Von was handeln eure Songs?

Aaron: Normalerweise Tod und Zerstörung. (grinst)

Steven: Doch, schon eine Menge der Platte handelt davon.

Aaron: Ja, Liebe und Verlust. Dinge, die Menschen mit Leidenschaft verbinden. Man kann das vom kleinsten extrem persönlichen Level aus betrachten und bis zum global-politischen Level.

Steven: Einige Songs handeln schon von schlimmen Situationen oder so, aber wir haben so viel Spaß zusammen, wenn wir diese Songs spielen... Wenn man die Lyrics liest, dann erscheinen die Tracks ziemlich düster, aber das sind Aspekte, die zum Leben dazugehören. Und wir sind glückliche Menschen, die natürlich die üblen Geschichten im Leben kennen. Aber letzten Endes bleibt das auch alles eine Frage der Interpretation.

Brian: Es ist interessant, sich den Inhalt der Lyrics in Bezug auf die Instrumentalisierung anzuschauen. Das ist nicht immer eins zu eins umgesetzt. Man kann teilweise sehr catchige Melodien haben und ziemlich düstere Texte und das funktioniert trotzdem.

Aaron: Das ist so, als würden die Beach Boys die Filmmusik zu einem Alfred Hitchcock-Streifen machen. Das war die Headline eines Journalisten der L.A.-Times, als unsere Platte rauskam. (grinst) Und das passt irgendwie. Außerdem haben die Beach Boys eine sehr dunkle Vergangenheit, es gibt sehr düstere Aspekte in ihrem Privatleben - dagegen ist Alfred Hitchcock ein Charmeur! Ein sehr glücklicher Mann!


POPCONNECTION: Was bedeutet denn eigentlich der Album-Titel "Death in the Garden, Blood on the Flowers"? Der ist großartig!

Aaron: Das ist quasi eine Steigerung unserer Texte. Es bedeutet, dass etwas Schönes zerbröckelt und auseinander fällt.

Brian: "Death in the Garden, Blood on the Flowers" war ursprünglich ein Song. Dieser Titel scheint irgendwie das Gefühl des Albums einzufangen, denn eine Menge der Texte handeln von Wandel, von Transformation. Dinge, die irgendetwas waren und nun etwas anderes sind. Dinge, die wunderschön waren und die hässlich werden. Beziehungen, die stürmisch sind und dann sterben. Diese etwas dunklen Ideen fängt der Albumtitel ein.

Aaron: Ich glaube, dass es noch ein bisschen mehr ist, als dass die Dinge, die einmal schön waren, sterben. Aber einen Hinweis darauf findet man auch im Artwork des Albums. Das ist auch eine Art von Wiedergeburt, die dem folgt. Ich weiß nicht, ob das irgendwas damit zu tun hat... (grinst) ... aber ich weiß, dass wir an einer weiteren Platte arbeiten.


POPCONNECTION: Dann sind wir auch schon bei meiner letzten Frage: Was sind eure Pläne für die Zukunft? Ihr habt von einem weiteren Album gesprochen...

Steven: Ja, unser insgesamt drittes - und unser zweites hier. Wir haben ja in den USA vorher schon ein Album veröffentlicht. Und zuhause arbeiten wir bereits daran, auch wenn die aktuelle Platte hier jetzt gerade erst released wurde. Wir hoffen, dass das Album zeitgleich in Amerika und hier über Records & Me veröffentlicht wird. Also, der Plan für das nächste Jahr ist die neue Platte und dann wieder ganz viel touren. Wir möchten die Medienlandschaft dominieren! (lacht) Bist du dir sicher, dass das die letzte Frage war? Wir haben hier so viel Spaß...


POPCONNECTION: Ja, mehr Fragen hab ich leider nicht. (lacht)

Steven: Ganz lieben Dank!


POPCONNECTION: Ich danke euch!


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