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POPCONNECTION - Interviews - Japandroids: "Es ist sehr schwer sich einen besseren Job vorzustellen"
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"Es ist sehr schwer sich einen besseren Job vorzustellen"

Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Mit "Post Nothing" veröffentlichten Japandroids 2009 ein Debütalbum par excellence: Raubeinig, ungestüm, aufregend. Drei Jahre und unzählige Konzerte später legten Brian King und David Prowse im vergangenen Juni mit "Celebration Rock" ihr langerwartetes zweites Album nach. Auch der Nachfolger der Zwei-Mann-Kombo aus Vancouver überzeugt wieder einmal mit einwandfreiem Garage-Noise-Rock.

Wir haben eine Hälfte des Duos, Schlagzeuger David Prowse, zum Interview getroffen.



POPCONNECTION:
Drei Jahre nach dem Release eures Debüts "Post Nothing" habt ihr nun mit "Celebration Rock" euer zweites Album veröffentlicht. Warum hat's so lange gedauert?

Dave: Nach der Veröffentlichung von "Post Nothing" sind wir lange auf Tour gewesen. Wir wollten keinen Gig ablehnen, der uns angeboten wurde und an so vielen Orten wie möglich spielen. Wir sind zuvor lange Zeit eine Lokalband aus Vancouver gewesen, daher war es sehr aufregend viel zu touren. Eineinhalb Jahre zogen ins Land. Wir hatten bis dato nicht einmal über ein neues Album nachgedacht. Dementsprechend begannen wir erst im Dezember 2010 wirklich an der neuen Platte zu arbeiten. Zu der Zeit hatten wir noch keine Songs vorbereitet und auch eine ganze Weile nichts geschrieben. Es fühlte sich an diesem Punkt so an, als würde man von vorne beginnen. Wir haben über ein Jahr gebraucht, um "Celebration Rock" zu machen, obwohl es nur eine Acht-Track-Platte ist.


POPCONNECTION: Euer Debütalbum "Post Nothing" war sehr erfolgreich. Dementsprechend lastete bei der Entstehung des Nachfolgers bestimmt ein großer Druck auf euren Schultern, oder?

Dave:
Es ist schwierig, eine zweite Platte zu machen, wenn dein erstes Album so gut angekommen ist. Man setzt sich selbst ziemlich unter Druck und man weiß, dass große Erwartungen daran hängen. Wir haben das nicht auf die leichte Schulter genommen. Wir wollten ein starkes Album machen. Das bedeutete eine Menge Arbeit: Viele Proben und ein ständiges Arbeiten an den Songs, um sie so gut wie möglich werden zu lassen.


POPCONNECTION: Was habt ihr gemacht, um mit dem Druck klar zu kommen?

Dave:
Ich glaube, die beste Idee, die wir hatten, war für eine Weile nach Nashville zu gehen. Es waren ungefähr vier Wochen. Wir haben unser komplettes Equipment dorthin gebracht, jeden Tag Musik gemacht und nachts die Stadt erkundet. Das war vielleicht das cleverste, was wir in dem gesamten Jahr gemacht haben. Es war schwierig, zu Hause Inspirationen zu finden. Wir waren beide sehr gestresst im Hinblick auf die Entstehung des neuen Albums. Wir wussten, was auf dem Spiel steht. Wir wollten unbedingt etwas machen, auf das wir stolz sein konnten. Wir haben in Vancouver dann auch einige Fortschritte gemacht, aber alles kam uns so langsam vor. Wir standen nicht nur unter dem Druck, etwas Gutes zu schaffen, sondern auch schnell etwas Gutes zu machen. Dann bucht man ein Studio, fängt mit Dingen an und realisiert, dass man es vielleicht doch nicht in dem Zeitrahmen schaffen wird. Wir haben uns selbst diese unrealistischen Deadlines gesetzt und das war sehr frustrierend. Als wir nach Nashville gefahren sind, haben wir diese ganzen Deadlines aus dem Fenster geworfen. Wir sind ohne festgesteckte Ziele dorthin gefahren und haben versucht, einfach nur Spaß zu haben, uns inspirieren zu lassen, kreativ zu sein und Songs zu schreiben, weil wir sie schreiben wollten – nicht, um ein Album fertig zu stellen. Nach Nashville zu gehen und Musik zu machen war die beste Entscheidung.

 
POPCONNECTION: Ihr habt "Celebration Rock" komplett live eingespielt. Ohne Double Tracking und mit wenig Overdubbing. Warum habt ihr euch dafür entschieden, das Album in dieser Art und Weise aufzunehmen?

Dave: So haben wir "Post Nothing" auch aufgenommen, auf dieselbe Art und Weise, mit denselben Leuten, in demselben Studio und mit demselben Techniker Jesse Gander. Das ist die einzige Art des Recordings, die wir kennen. Viele Bands, die ihr Debüt im LoFi-Stil aufgenommen haben, wünschen sich beim Nachfolger in ein großes Studio zu gehen, mit einem großen Produzenten zu arbeiten und diese große Rockplatte zu machen, die aus ihnen Superstars macht. Und niemand von uns mag es so wirklich, wenn Bands so etwas machen. (lacht) Ich glaube, das hätte auch nicht wirklich zu unserer Band gepasst. Außerdem mochten wir die Art wie "Post Nothing" klang. Wir wollten uns gar nicht so weit davon weg bewegen. Wir wollten ein Album, das ähnlich klingt, aber auf dem wir zeigen können, dass wir uns in der Zwischenzeit als Musiker und als Sänger verbessert haben.


POPCONNECTION: Beide Alben beinhalten acht Songs und haben eine Spielzeit von 35 Minuten. Wie kommt das? Ist das für euch die perfekte Albumlänge?

Dave:
Für "Post Nothing" hatten wir ursprünglich zehn Songs aufgenommen und das Album hätte dann eine Länge von 43 Minuten gehabt. Wir haben dann ziemlich spät zwei Songs gestrichen. Der Gedanke einer Acht-Track-Platte ließ uns damals kurz zögern, obwohl das in der Geschichte des Rock‘n’Roll nichts Ungewöhnliches ist. In den 60ern und 70ern war das sehr populär. In der Ära von CDs und MP3s sieht das Ganze wieder anders aus. Ursprünglich wollten wir mehr Songs auf "Celebration Rock". Kürzere Tracks. Wir dachten, das sei für uns interessanter, wenn wir live spielen. Wenn wir mehr Songs hätten, aus denen wir auswählen könnten, wären unsere Setlisten abwechslungsreicher. Um ehrlich zu sein: Als wir versuchten, solche Songs zu schreiben, haben wir realisiert, dass wir darin nicht so gut sind. Unsere Songs sind nun mal viereinhalb bis fünf Minuten lang. Das liegt an den Strukturen und den Stilen, mit denen wir arbeiten. Also überwarfen wir die Idee wieder, kurze Songs zu schreiben. Als wir die acht Songs, aus denen "Celebration Rock" wurde, aufgenommen hatten, verspürten wir nicht den Drang noch mehr hinzuzufügen. Für uns fühlte es sich wie ein komplettes Album an.


POPCONNECTION: Mit eurem letzten Album seid ihr ausgiebig unterwegs gewesen. Ich habe gelesen, dass ihr sehr gerne auf Tour seid. Was liebt ihr denn so sehr am Touren?

Dave:
In erster Linie ist der Grund für mich, warum ich in einer Band spiele, live zu spielen. Ich mag das unmittelbare Gefühl einer Verbindung zu den Leuten durch die Musik. Wenn du in einer Band spielst, siehst du die Verbindung zwischen deiner Musik und den Leuten erst, wenn du live spielst. Ich kann mich ja nicht in die Häuser der Leute schleichen und ihnen dabei zusehen, wie sie meine Band hören. Die einzige Möglichkeit, zu erfahren, ob sich Leute mit meiner Musik verbunden fühlen, ist, wenn sie es mir erzählen oder wenn sie auf ein Konzert kommen und man es sehen kann. Dieses Gefühl und diese Verbindung sind eine wirklich kraftvolle Erfahrung für einen Musiker. Man wird regelrecht süchtig nach diesem Gefühl. Es ist etwas ganz besonderes, das zu erleben. Darüber hinaus ist es fantastisch, überall in der Welt herumzureisen. Da sind so viele Orte, die wir ansonsten nie in unserem Leben gesehen hätten. Das ist eine großartige Sache. Man reist, man spielt Konzerte und wird dafür auch noch bezahlt. Es ist sehr schwer, sich einen besseren Job vorzustellen.
  

POPCONNECTION: Das glaub ich dir gern. Wenn man allerdings so viel unterwegs ist, ist es dann schwierig wieder "ein normales Leben" zu führen, wenn man nach Hause kommt?

Dave:
Es ist sogar sehr schwer! Ich glaube, das war auch der Grund, warum 2011 für Brian und mich kein so wirklich lustiges Jahr gewesen ist. Wir standen hinsichtlich des neuen Albums unter einem großen Druck. Darüber hinaus fiel es uns beiden schwer, wieder in Vancouver zu sein, nachdem wir eine ganze Weile wie Nomaden gelebt hatten. Es war ein großer Schock, als wir zum ersten Mal tourten. Es war sehr aufregend. Wir mussten uns komplett umstellen. Auf einmal ist dein Leben völlig anders als in den ersten 25 oder 26 Jahren. Alles hatte sich verändert. Anschließend wieder in das "normale Leben" zurückzukehren war sehr schwer. Man gewöhnt sich an das eine oder das andere und es ist schwer, zwischen diesen beiden Welten hin und her zu pendeln.


POPCONNECTION: Auf "Celebration Rock" habt ihr "For The Love Of Ivy" von The Gun Club gecovert. Eine interessante Wahl. Warum habt ihr euch für diesen Song entschieden?

Dave:
Immer wenn wir einen Coversong spielen, entscheiden wir uns für eine Band, die wir beide 1. wirklich lieben und inspirierend finden und 2. suchen wir einen Song aus, von dem wir glauben, ihn so covern zu können, dass er dem Vermächtnis der ursprünglichen Aufnahme gerecht wird. 3. versuchen wir eine Band auszuwählen, die unsere Fans vielleicht noch nicht zwangsläufig kennen, die ihnen aber dennoch gefallen könnte. Ich glaube, The Gun Club - und speziell "For The Love Of Ivy" - erfüllt diese drei Kriterien. Außerdem macht es wirklich Spaß, diesen Song zu spielen. Ich hoffe, dass einige unserer Fans jetzt vielleicht auch The Gun Club mögen und festgestellt haben, was für eine großartige Band das ist.


POPCONNECTION: Vielen Dank für deine Zeit und für das Interview, Dave!

Dave: Ich danke dir!



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