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POPCONNECTION - Im Interview - Milagres: "Ich bin über 30 Tage in der Wildnis unterwegs gewesen"
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MILAGRES

"Ich bin über 30 Tage in der Wildnis unterwegs gewesen"

Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Das New Yorker Quintett Milagres hat Anfang des Jahres mit "Glowing Mouth" sein Debütalbum veröffentlicht. Der Ursprung des Albums liegt drei Jahre zurück: 2009 nahm sich Sänger Kyle Wilson eine Auszeit zum Bergsteigen in der Einsamkeit von British Columbia, um neue Energie zu schöpfen. Er erlitt dabei einen schweren Kletterunfall und zog sich eine schwere Rückenverletzung zu, die ihn fast dazu zwang die Musik aufzugeben. Doch der langwierige Genesungsprozess und das neu erfahrene Gefühl der Verletzlichkeit dienten auch als Inspirationsquelle für die Songs auf "Glowing Mouth".

Wir haben Kyle Wilson zum Interview getroffen und mit ihm über "Glowing Mouth" gesprochen.




POPCONNECTION: Milagres ist das portugiesische Wort für Wunder. Es grenzt auch an ein Wunder, dass du überhaupt noch Musik machst. Schließlich hattest du vor nicht allzu langer Zeit einen schweren Unfall. Was ist damals passiert?

Kyle: Um ehrlich zu sein, war es nicht ganz so schlimm, wie es von den Leuten immer dargestellt wird. (lacht) Aber es hat gereicht, um meine Sichtweise auf das Leben zu verändern. Eigentlich war die Expedition, auf der dieser Unfall passiert ist, wichtiger für mich als der Unfall selbst. Zumindest in Bezug auf die Ideen, die in unser aktuelles Album "Glowing Mouth" eingeflossen sind. Ich bin über 30 Tage in der Wildnis unterwegs gewesen. Ohne Zivilisation. Es ist sehr schwierig, in dieser unberührten Landschaft zurechtzukommen und dort zu überleben. Das war der Schlüssel für mich zu diesem Album.


POPCONNECTION: Hast du die Songs auf "Glowing Mouth" während deiner Zeit der Genesung geschrieben?

Kyle: Ja, einige von ihnen. "Glowing Mouth" verfolgt den Bogen dieser großen Veränderung. Einige der Songs wurden geschrieben, bevor das alles passiert ist, einige währenddessen und andere danach. Der gesamte Zeitraum wird durch das Album verzeichnet. Wie eine Art Chronik.


POPCONNECTION: Ist das Geschehene für dich auch eine Inspirationsquelle für das Songwriting gewesen?

Kyle: Auf jeden Fall! Wenn dir so etwas passiert, wird dir bewusst, was dir im Leben wichtig ist. Die Dinge, die dich tagtäglich ärgern oder glücklich machen verändern sich dramatisch.


POPCONNECTION: War die Arbeit an dem Album für dich auch eine Art Ventil, um das Geschehene zu verarbeiten?

Kyle: Sicher. Allerdings war Musik immer schon das, wodurch ich mein Leben ausgedrückt habe. Egal, ob es sehr langweilig war oder sehr aufregend. (lacht) Ich hatte immer das Gefühl, etwas mitteilen zu müssen. Und das mache ich durch Musik.


POPCONNECTION: Wenn du dir jetzt das fertige Album anhörst, was bedeutet es dir persönlich?

Kyle: Ich glaube, dass jeder Künstler eine Phase durchlebt, in der er gerade ein Werk vollendet hat und dann schon wieder ganz wild darauf ist, etwas Neues zu machen. (grinst) Um ehrlich zu sein, das ist der Punkt an dem ich stehe. Das heißt natürlich nicht, dass ich "Glowing Mouth" nicht lieben würde. Ich bin einfach nur bereit für eine weitere Platte.


POPCONNECTION: Was viele Leute vielleicht nicht wissen ist, dass es bereits vorher ein Album von euch gegeben hat.  Gibt es einen Unterschied zwischen dem Vorgänger und "Glowing Mouth"?

Kyle: Der größte Unterschied liegt darin, dass unterschiedliche Personen an den beiden Alben gearbeitet haben. Interessant ist, dass sich das erste Album mit Bergsteigen beschäftigt. Ich habe ein paar Bücher über Alpinismus gelesen und fing an mich dafür zu interessieren, warum manche Leute ihr Leben riskieren, um etwas zu tun, das auf den ersten Blick völlig sinnlos erscheint. Ich begann zu recherchieren und darüber zu schreiben. Ich wollte Geschichten erzählen, die sich im Kontext des Alpinismus ereignen oder die Idee aufgreifen, dass es etwas Großes gibt, das über die menschlichen Kräfte hinausgeht. Während dieses Prozesses wurde ich selbst zu einem besessenen Bergsteiger. Das Ganze ging so weit, dass ich mich mehr für den Alpinismus interessierte, als für das Musikmachen. Darum geht es in dem ersten Album. Es ist überwiegend historische Fiktion. Das ist ein weiterer Unterschied zu "Glowing Mouth". Außerdem ist die Musik massiver. Alles dreht sich um die Texte. Es ist ein wenig folkiger, es gibt mehr Akustikinstrumentierungen. Und es ist abwechslungsreicher. Es gibt darauf Rocksongs und Folksongs.


POPCONNECTION: Wie seid ihr eigentlich auf den Namen Milagres gekommen?

Kyle: Ich war im Guggenheim Museum. Dort stand der Name auf einem Plakat, das Objekte zeigte, die ich sehr faszinierend fand. Ich wusste damals nicht, dass es ein portugiesisches Wort war. Wir haben uns für den Namen entschieden, weil es generell sehr schwierig ist, einen guten Bandnamen zu finden. (lacht) Also einen, der einzigartig ist, den du bei Google suchen kannst oder was auch immer. Milagres ist vielleicht nicht der beste Bandname der Welt, aber er muss reichen. (grinst)


POPCONNECTION: Was steht bei euch als nächstes an? Was habt ihr für Pläne?

Kyle: Morgen spielen wir in München und dann sind wir in Berlin, was ich fantastisch finde. Ich liebe Berlin. Nach der Europatour spielen wir auf dem Primavera Sound Festival in Barcelona. Wenn wir dann zurück in den Staaten sind, spielen wir auf einem wirklich coolen Filmfestival. Und dann wird es vielleicht noch mehr Live-Gigs geben und wir werden mit den Arbeiten zu einem neuen Album beginnen. Im Herbst werden wir auch wieder in Europa unterwegs sein. Wir spielen auf dem Way Out West Festival in Schweden und auf dem Bestival auf Isle of Wight in England. Außerdem sind wir noch auf dem Electric Picknic in Irland und dem Wilderness Festival. Wir freuen uns darauf. Das wird sicherlich super.


POPCONNECTION: Ich danke dir ganz herzlich für das Interview, Kyle!

Kyle: Ich danke dir!



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