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POPCONNECTION - Im Interview - Muff Potter: "Wir sind halt keine Musikvirtuosen"
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Muff Potter

MUFF POTTER

"Wir sind halt keine Musikvirtuosen"
Datum: 09. April 2009 (Münster)
Interview: Axel Schinkel
Foto: Sarah Bernhard

Muff Potter sind wieder da. Nun gut, weg waren sie nicht. Aber es hat sich einiges getan bei der aus Rheine stammenden und zurzeit halb im westfälischen Münster und halb in Berlin lebenden Band. Nicht nur die Trennung vom Majorlabel Universal und die damit einhergehende Gründung des eigenen Labels "Huck's Plattenkiste" sind der Grund, weshalb wir zum Gespräch baten. Mit "Gute Aussicht" steht sogar ein neues Album vor der Tür.

Während Bassist Shredder seit Tagen im seinem Keller CDs eintütete und Nagel und Dennis in Berlin ihrer Promoarbeit nachgingen, trafen wir uns mit Schlagzeuger Brami, der gerade eine zehnstündige Schicht als Fensterputzer hinter sich hatte. Am Münsteraner Hafen plauderten wir über das neue Album, das Label und die Existenzängste einer Punkband.



POPCONNECTION: Am 24.04. kommt euer neues Album raus. Bist du zufrieden mit dem Werk?

Brami: Ich bin sehr zufrieden, ja. Das glaub ich jedenfalls. Also, ich bin immer noch ein bisschen ohne Distanz zu dem Ganzen, aber was ich weiß, ist, dass es irgendwie geil klingt und dass es auf jeden Fall mal wieder was anderes ist.


POPCONNECTION: Wieso anders? Weil's live eingespielt ist oder...

Brami: Ja, so insgesamt, weil's live eingespielt ist, weil wir die Songs schnell gemacht und schnell aufgenommen haben ohne wirklich lange dran rum zu basteln und das hat mir sehr gut gefallen. Obwohl ich genau die entgegengesetzte Sache eigentlich auch irgendwie cool find – manchmal jedenfalls – wenn man Songs total ausarbeitet und einzeln aufnimmt und dann mit dem Sound irgendwie rumtüftelt, was wir ja jetzt bei dieser Liveaufnahme gar nicht machen konnten beim abmischen. Also, diesen Jimmy Eat World-Sound oder sowas mag ich natürlich auch, aber ich finde zu diesen Songs passt halt eben dieser Sound ganz gut.


POPCONNECTION: Aber wenn man's nicht live einspielt, hat man ja noch die Freiheit, das nachher noch zu verändern. Gab es denn mal Momente, wo du dachtest: ach, scheiße, hier hätte ich jetzt noch ein Fill-In mehr machen können?

Brami: Ja, aber diese Momente gibt's ja immer. Aber man muss beim Liveeinspielen eben einen Take nehmen, wo alles okay war und wenn das Schlagzeug okay war und alles andere auch, dann nimmt man den halt eventuell, auch wenn der Take zuvor vom Schlagzeug geiler war, sich dort aber ne Gitarre verspielt hat. Es ist da schon teilweise ein Kompromiss.


POPCONNECTION: Wie habt ihr es denn geschafft die Songs zu schreiben, wenn man bedenkt, dass ihr halb in Berlin wohnt und halb hier in Münster und Dennis und Nagel nebenbei noch ihre Aktivitäten mit dem eigenen Label (Anm. d. Red.: Richard Mohlmann Rec.) und dem Buch (Anm. d. Red.: Wo die wilden Maden graben) haben?

Brami: Also, wir schreiben Songs ja fast nie komplett zusammen – das ist recht selten. Meistens kommt einer – Nagel hauptsächlich – mit einer Idee und versucht die dann durchzusetzen und manchmal wird dann ein Song draus. (lacht) Aber ich find's auch wichtig, dass einer ne Idee hat. Wir sind halt keine Musikvirtuosen. Von daher bringt das auch wenig, wenn wir stundenlang irgendwie so rumjammen und irgendwas ausprobieren. Das macht einen fertig. Ich find’s einfach besser, wenn man so einen roten Faden hat, wenn jemand ne Idee hat, die er verkaufen will. Das ist einfach spannender.


POPCONNECTION: Heißt das dann im Umkehrschluss, dass von Dennis nicht viel kam oder weshalb singt er nicht auf dem Album?

Brami: Das hat sich so ergeben. Von Dennis sind einfach nicht so viele Songs gekommen. Ich find's auch schade. Aber es war eben so. Es war diesmal weniger. Es war schon mal mehr. Das variiert ja auch immer.


POPCONNECTION: Was verbirgt sich hinter dem Albumtitel "Gute Aussicht", der ja auch der Name des letzten Stückes ist?

Brami: Den Songtitel gab es vor dem Albumtitel und der Arbeitstitel des Album war dann halt auch "Gute Aussicht". Warum – weiß ich gar nicht genau. Und weil wir das irgendwie schön fanden und weil's auch inhaltlich ganz gut passt, haben wir den dann einfach übernommen. Inhaltlich insofern, dass es leicht ironisch ist, wenn man von den Krisensongs ausgeht wie "Blitzkredit Bop" beispielsweise.


POPCONNECTION: Eure Texte handeln ja des Öfteren mal von Krisen oder Existenzängsten...

Brami: Joa, anscheinend, weil uns das beschäftigt.


POPCONNECTION: Aber ihr macht nie so den Eindruck, dass euch das selbst betrifft, sondern dass ihr es eher beobachtet. Habt ihr denn nie Angst, dass euch morgen irgendwer müde lächelnd auf der Straße begegnet und der dann denkt: Hey, der war mal in ner Punk-Band, ist jetzt pleite und putzt Fenster?

Brami: Ja, aber ich hab ja schon immer Fenster geputzt, von daher liegt das nicht groß an. Ansonsten was Existenzängste angeht hat man die ja immer – sowohl auf sich selbst als auch auf die Band bezogen.


POPCONNECTION: Aber habt ihr denn Sorgen, dass es jetzt wo ihr nicht mehr bei Universal seid, bergab gehen könnte?

Brami: Eigentlich nicht. Aber wir wären natürlich gern dageblieben, weil es einfach viel bequemer war. Vor allem Nagel und Dennis in Berlin merken gerade wie extrem viel Arbeit das alles ist, weil wir jetzt alles selbst machen, auch was Promo und so angeht. Es ist schon ungemütlicher so, aber es hat uns vielleicht auch einen neuen Kick gegeben. Und ich bin mir auch sicher, dass diese Entwicklung keinen Einfluss darauf hat, wie unsere Musik klingt. Es wird zwar immer gerne als Argument genommen, wenn ne Platte mal wieder angeblich zu poppig geraten ist, aber so ist es definitiv nicht. Wir haben uns auch genau mit diesen Songs bei Universal vorgestellt, nur die wollten es halt nicht machen.


POPCONNECTION: Wie kam es dann dazu, dass sie es nicht mehr wollten?

Brami: Weil wir zu wenig verkauft haben. Ganz einfach. Die wollen ja Geld verdienen und das haben die bisher nicht. Bisher haben wir eher an denen Geld verdient und von daher war das eine rein wirtschaftliche Erwägung.


POPCONNECTION: Und wie war die Arbeit bis dahin?

Brami: Die war gut. Wir hatten vertraglich alle unsere Freiheiten geregelt. Wir hatten damals die "Von Wegen" Platte schon fertig, als die uns gesigned haben. Und sonst hätten wir die Platte, so wie sie ist auch selbst rausgebracht.


POPCONNECTION: Also, habt ihr die jetzige Platte wieder Universal vorgespielt und die haben dann gesagt, ne das machen wir nicht mehr wegen zu schlechter Verskaufszahlen? Dann hätten die ja eigentlich auch nicht mehr reinhören müssen.

Brami: Ich geh davon aus, dass die – egal, was wir denen vorgespielt hätten – gesagt hätten, ne machen wir nicht. Ich glaub, dass die Entscheidung schon vorher gefallen ist.


POPCONNECTION: Wie fiel dann die Entscheidung für's eigene Label? Oder gab es auch Angebote von anderen Labels?

Brami: Es gab Angebote, aber keine von denen wir dachten, juchu das bringt uns nach vorne. Es ist einfach die beste Lösung für uns, das selber zu machen. Das ist in diesem Fall auch eine finanzielle Frage und eigentlich sehr profan.


POPCONNECTION: Aber so müsst ihr jetzt alles selbst bezahlen.

Brami: Ja, wir haben jetzt nen Haufen Schulden (lacht) und hoffen, dass wir das so im Herbst wieder drin haben. Naja, aber das wird schon.


POPCONNECTION: Ist euer Label "Huck's Plattenkiste" die Plattenkiste, die es früher schon gab? Macht ihr wieder alles komplett selber?

Brami: Also, wir haben schon ein paar Leute, die sich um so ein paar Sachen kümmern. Aber wir haben zum Beispiel auch kein Management mehr, aber wir haben jemanden, der, wenn was anliegt, sich um Sachen kümmert. Der springt aber auch nur dann ein, wenn wirklich was ist, und kümmert sich nicht durchgehend um die Band.


POPCONNECTION: Mensch, geht das Interview aber fix...

Brami: Ja (lacht), wenn du Nagel interviewt hättest, würdest du hier wahrscheinlich noch zwei Stunden sitzen.


POPCONNECTION: Wie stehst du denn eigentlich zu den Nebenaktivitäten von Nagel und Dennis? Hast du da hin und wider Angst, dass die Band zu kurz kommen könnte?

Brami: Ne, gerade das was Nagel macht ist ja auch Promo für die Band. Ich find's toll, wie der das durchzieht – also, ein Buch zu schreiben und rauszubringen und so weiter. Das ist schon bewundernswert.


POPCONNECTION: Schön, dann zur letzten Frage: Habt ihr irgendwelche großen Ziele, die ihr mit Muff Potter unbedingt noch erreichen wollt?

Brami: Nee. Es fehlen halt die vollen großen Hallen. Aber... Nee, eigentlich nicht. Ich weiß nicht, ob Bands jetzt so auf ein großes Ziel hinarbeiten, aber das meiste was man so erreichen will, passiert halt in so ganz kleinen Schritten, so dass immer irgendwas Neues passiert so alle paar Wochen. Und das ist auch so das Reizvolle an ner Band – eben, dass es so wenig Planungssicherheit gibt. Was in Verbindung mit Existenzangst natürlich auch wieder ein Thema ist, aber das ist es auch, was die ganze Sache interessant hält.


POPCONNECTION: Also ist das nächste große Ziel erst mal das Geld wieder rein holen.

Brami: Ja, man könnte es auch übersetzen mit auf Tour fahren, Spaß haben und im Sommer Festivals spielen.


POPCONNECTION: Aber es steht jetzt nichts an, wie beispielsweise mal in Südamerika spielen oder so ähnlich?

Brami: Wir waren ja schon mal mit dem Goethe-Institut in Afrika vor anderthalb Jahren und da sind wir auch wieder ein bisschen dran, dass die uns noch mal irgendwo hinschicken. Das war nämlich echt super. Ansonsten planen wir für Ende des Jahres eine DVD – unsere erste. Aber mal schauen, was das so wird. Das ist alles noch nicht in trockenen Tüchern.


POPCONNECTION: Dann war's das auch schon. Wenn du keine Fragen mehr hast, dann bin ich fertig.

Brami: Eigentlich nicht.


POPCONNECTION: Super, Dankeschön!

Brami: Ja, gerne.


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