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POPCONNECTION - Im Interview - Oasis: "Leute in Rockbands mögen die Normalität"
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Oasis

OASIS

"Leute in Rockbands mögen die Normalität"
Datum: 16. Januar 2009 (Hamburg)
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man seine persönlichen Helden treffen darf. Dementsprechend war meine Aufregung vor dem Treffen mit Andy Bell von Oasis natürlich enorm groß.
Vor den beiden Räumen im Backstage der Alsterdorfer Sporthalle stehen die Journalisten Schlange. Denn obwohl Oasis mittlerweile seit fast 15 Jahren Platten veröffentlichen, ist jedes Album immer noch ein riesiges Medienereignis. Vor drei Monaten haben die fünf Jungs aus Manchester mit "Dig Out Your Soul" ihr mittlerweile siebtes Studioalbum veröffentlicht und befinden sich momentan auf ihrer größten Welttour, die die Band je gespielt hat. Heute Abend sind Oasis in Hamburg zu Gast, wo mir Bassist Andy Bell vor dem Konzert Rede und Antwort stehen wird.
Bevor es soweit ist und ich in den Interviewraum geleitet werde, bittet man mich noch um etwas Geduld, da Noel Gallagher dort gerade ein Interview gibt. Nach etwa 15 Minuten öffnet sich die Tür und Noel kommt heraus. Dann werde ich in den Interviewraum geführt und kurz darauf betritt ein sehr freundlicher und überaus ruhiger Andy Bell den Raum und begrüßt mich mit den Worten: "Hi, I'm Andy."



POPCONNECTION: Ihr befindet euch momentan auf der größten Welttour, die ihr jemals gespielt habt. Wie läuft es bis jetzt? Wie ist die Stimmung im Tourbus?

Andy: Es ist okay. Aber es ist extrem kalt draußen. Ich fand es schon kalt, als wir im letzten Herbst in Winnipeg in Kanada gewesen sind. Gestern hab ich allerdings auf CNN gesehen, dass es dort im Moment -12° sind... es könnte also schlimmer sein.
Aber der Band geht's fantastisch! Zwischendurch war Weihnachten und letzte Woche sind wir dann wieder mit der Tour gestartet. Die Gigs werden besser und besser. In Dresden gestern war das Publikum fantastisch!


POPCONNECTION: Lass uns mal ein wenig über das neue Album sprechen... Noel hat gesagt, es ist das beste Album, das ihr je gemacht habt. Wie siehst du das? Teilst du da Noels Meinung?

Andy: Es ist auf jeden Fall ein großartiges Album. Ich denke allerdings, dass ich auf dem Vorgänger bessere Songs geschrieben habe - auf dem "Don't Believe The Truth"-Album. Also, meine Songs waren besser. Aber die Produktion ist großartig. Es gibt einige wirklich magische Momente auf dem Album, besonders von Noel - Songs wie "Falling Down" und "Bag It Up" oder Liam's "I'm Outta Time"... das sind wirklich gute Stücke.


POPCONNECTION: Ihr habt das Album in den Abbey Road Studios aufgenommen, obwohl ihr dort Hausverbot hattet. Wie habt ihr es geschafft, da wieder reinzukommen?

Andy: Ich hatte dort kein Hausverbot. Ich hab die anderen da wieder reingebracht. (lacht)


POPCONNECTION: Wie war denn die Arbeit im Studio?

Andy: Es war toll! Ich mein, wir mussten nicht großartig darüber nachdenken, weil die Beatles bereits dort waren. Wir haben es im August ausprobiert. Während des letzten Jahres haben wir uns darum gerissen, bei dieser Beatles-Geschichte dabei zu sein: Der Typ, der die "Sgt. Pepper" produziert hat, hat ein Tribut-Album gemacht, auf dem eine Menge Alternative-Rock-Bands dabei waren. Die Idee dahinter war, in den Abbey Road Studios in derselben alten Tradition aufzunehmen. Es ging uns um die Stimmung in diesem Studio. Wir hatten eine gute Zeit und dachten uns, es ist einen weiteren Versuch wert. Wir waren eine Woche später noch mal dort und haben "Bag It Up" und ein paar andere Songs aufgenommen, ich glaube, es war "The Turning". Das war mit Dave Sardy, unserem Produzenten. Und während dieser Woche haben uns die Ergebnisse so weggeblasen, dass klar war, dass wir dort bleiben würden. Also buchten wir es bis Weihnachten und blieben dort. Dies war für mich bis jetzt vielleicht die beste Zeit, die ich mit der Band hatte - diese Aufnahmesession. Einfach nur in London zu sein, in der Nähe des Studios zu leben und jeden morgen zur Arbeit zu fahren. Leute in Rockbands mögen die Normalität, normale Dinge zu tun. Ich liebe diese Normalität zur Arbeit zu fahren, das ist großartig. Ich glaube, wenn man das zwanzig Jahre lang jeden Tag macht, denkt man vielleicht anders darüber. Aber für mich ist es toll. Tagsüber zu arbeiten, großartige Ergebnisse zu erzielen und dann heim zu fahren. Abgemischt haben wir das Album dann in L.A.


POPCONNECTION: Wie hat es dir als Europäer in Amerika gefallen?

Andy: Ich habe es tatsächlich sehr genossen. Anfangs hab ich mich wie ein Tourist gefühlt, hab mich überall umgesehen, mir alles angeschaut, was ich toll fand... Jetzt könnte ich mir sogar vorstellen, dort zu leben. Ich könnte mir vorstellen, eines Tages auszuwandern, weil ich die Sonne liebe. Ich mag den Regen nicht.


POPCONNECTION: Das kann ich verstehen, hier in Hamburg regnet's ja auch immer...

Andy: Genau so ist es in England auch. Wir kennen das. (lacht)


POPCONNECTION: Du hast auch einen Song für "Dig Out Your Soul" beigesteuert. Hast du noch weitere Songs geschrieben, die aber nicht aufs Album gekommen sind?

Andy: Ja, da gab es noch einige...


POPCONNECTION: Warum haben die es nicht aufs Album geschafft?

Andy: Jeder von uns hat eine Menge Songs geschrieben. Allerdings schaffen es nur wenige davon aufs Album. Es hängt davon ab, was Noel raus nimmt und zusammenpackt. Er platziert die Songs in einer Art Sortierliste, mit der er dann arbeitet. Es muss schon alles zusammenpassen und sich anhören, als wäre es Teil desselben Albums.


POPCONNECTION: Dein Song heißt "The Nature Of Reality". Kannst du mir ein wenig darüber erzählen?

Andy: Er ist ein wenig philosophisch und ist ziemlich stark von einem Buch beeinflusst, das ich gelesen habe und das viele Gedanken von mir bestätigt hat. Das Buch heißt "The God Delution" von Richard Dawkins. Es wurde vor zwei oder drei Jahren veröffentlicht und ist ein Argument gegen Religion. Ich bin kein totaler Atheist, aber zu jener Zeit war ich es. In dem Song geht es darum, dass es dort draußen nichts gibt...


POPCONNECTION: Zak Starkey ist aus der Band ausgestiegen. Wie kam es dazu?

Andy: Er ist ausgestiegen, weil er nicht mit auf Tour kommen wollte. Da gab es zu viele andere Sachen. Ich denke, es war eine Kombination aus persönlichen Dingen und Dingen, die mit The Who zusammenhingen. Er hat ja immer auch zeitgleich bei The Who gespielt. Ich konnte es kaum fassen, dass er, als wir unsere letzte Welttour beendet hatten, in der Woche darauf mit The Who auf Tour gegangen ist. Das würde jeden in den Wahnsinn treiben. Also ist er ausgestiegen. Es war einfach genug - genug touren.


POPCONNECTION: Euer neuer Mann am Schlagzeug ist Chris Sharrock, der vorher in der Band von Robbie Williams gespielt hat. Was sagt denn Robbie dazu, dass ihr seinen Schlagzeuger geklaut habt?

Andy: Haben wir ihn geklaut? Er war zu der Zeit nicht mit Robbie unterwegs, er hatte also quasi Ferien. (lacht) Ich weiß es nicht. Ich glaube, Robbie hat mit der Sache abgeschlossen.


POPCONNECTION: Wie läuft's mit Chris?

Andy: Ich finde, es läuft sehr gut. Ich krieg es allerdings nicht hin, einen Song zeitgleich zu beenden. Ich hab's aufgegeben. Wenn ein Song endet dann geht das so "Baaaaaabam" (demonstriert das Schlagzeug). Ich kann das nicht, ich hab das Timing nicht. Also mach ich das mit den Endungen nicht, bei mir läuft das dann "Dadadaaaa" (demonstriert Basslauf) und Chris endet das mit einem "Bam". Der einzige, bei dem dieses Timing passte, war Alan White. Ich glaube, das liegt daran, dass ich mit Alan Bass spielen gelernt habe. Er hat mir das Timing beigebracht und ich finde es schwierig, das zu ändern.


POPCONNECTION: Wird Chris in Zukunft als fünftes Mitglied fest in die Band integriert werden?

Andy: Ich hoffe es. Er sollte es. Er fühlt sich wie einer von uns. Es gibt so ein besonderes Feeling, dass man zu manchen Leuten entwickelt, und er hat das. Also für mich jedenfalls.


POPCONNECTION: Noel hat kürzlich verlauten lassen, dass er ein Soloalbum machen will und er fände es toll, wenn ihr anderen das auch machen würdet.

Andy: Jaja, er will, dass jeder das macht, er ist da nicht der einzige. Ich könnte eventuell so etwas machen, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das tun werde. Wir müssen abwarten und schauen, was passiert. Wenn jeder solo etwas macht, dann werde ich das auf jeden Fall auch tun. Ich will ja nicht ausgeschlossen werden. (lacht)


POPCONNECTION: Im Moment gibt es eine richtige Welle an Reunions. Du hast ja früher bei Ride gespielt. Wie sieht's aus? Wird es auch eine Ride-Reunion geben?

Andy: Das wurde ich in letzter Zeit öfter mal gefragt. Aber die Sache ist, ich brauche das Geld nicht. Die anderen Jungs vielleicht eher. Ich meine, sie brauchen es nicht so dringend, es geht ihnen gut, aber es ist für sie wohl eher eine Verlockung, als für mich. Wir haben mal zusammen gespielt, einfach so aus Spaß. Das war ungefähr fünf Jahre, nachdem sich die Band aufgelöst hatte und als ich schon bei Oasis war. Wir haben uns einfach getroffen und einen Tag lang in einem Proberaum gespielt. Der Grund dafür war, dass wir uns getroffen haben, um über Sonic Youth zu reden, eine der Bands, von der Ride stark beeinflusst wurde. Wir kamen also für dieses Gespräch zusammen und haben gesagt, wir würden auch gern mal wieder spielen. Dabei ging es nicht ums Geld, sondern nur darum, zu spielen. Es war toll! Wir haben es aufgenommen und tatsächlich veröffentlicht, damit unsere Newsletter-Abonnenten es kaufen konnten. Seitdem hat es viele Anfragen gegeben. Radiohead haben zum Beispiel ein großes Konzert gespielt und sie hätten uns gerne im Vorprogramm dabei gehabt. Wir wurden auch noch von anderen Bands gefragt, die sich zur selben Zeit reunited haben, ob wir sie nicht supporten wollen und wir haben uns nur gedacht "Wir sind viel besser als diese Bands - no way!" (lacht)
Die Valentines haben neulich ein wirklich erfolgreiches Konzert im Roundhouse gespielt. Das war das letzte Mal, dass wir gefragt worden sind, ob wir nicht etwas ähnliches machen wollen. Ich möchte das nicht, ich lass es lieber. Zum einen habe ich einen Full-Time-Job, auf der anderen Seite wäre es nur des Geldes wegen. Wenn wir das machen würden, dann möchte ich es unentgeltlich machen. Vielleicht einen Gig in einem Pub spielen oder so. Einfach etwas anderes machen, als das, was alle im Moment tun.


POPCONNECTION: Was hältst du generell von diesen ganzen Reunions im Moment?

Andy: Es gab einige Bands, bei denen ich sehr darauf gespannt war. Die Valentines-Reunion zum Beispiel. Ich war auf einem ihrer Konzerte und es hat mir besser gefallen, als ihre früheren Gigs. Ich habe sie ein paar Mal gesehen und war ein großer Fan von ihnen. Vielleicht lag es mit an der Technik, der P.A. und der Lichtanlage. Sie hatten nie eine große Bühnenshow, es war mehr wie Stillstehen. Und sie hatten fast dieselben Haarschnitte wie damals. Es sah genauso aus mit der Lightshow. Der Sound war derselbe, nur besser, größer. Das war aufregend. Auch die La's, als sie sich wieder zusammengeschlossen haben. Das ist eine weitere Band, in der Chris Sharrock gespielt hat. Chris hat ungefähr ein Jahr lang bei ihnen gespielt - 1990 oder so. Er hat in vielen guten Bands gespielt: The Icicle Works, World Party, The La's und noch ein paar andere und zum Schluss eben bei Robbie Williams. Er hat gute Referenzen - unabhängig von Robbie Williams. Die La's haben sich also wieder zusammengetan und einige Shows gespielt. Wir haben sie in Tokio gesehen. Ich hab sie früher schon ein oder zwei Mal gesehen und ich mag sie wirklich, ich liebe die La's mittlerweile regelrecht. Als die Reunion anstand wollte ich sie unbedingt sehen und ich fand es wirklich großartig. Aber generell bin ich kein großer Fan von Reunions.


POPCONNECTION: Wir müssen jetzt leider schon zur letzten Frage kommen... Was erwartet uns heute Abend auf dem Konzert hier in Hamburg? Wird der Schwerpunkt auf den Songs des neuen Albums liegen oder gibt es ein "Best-Of" aus allen Alben?

Andy: Es wird ein buntes Potpourri, eine Art "Best-Of-Show". "Live Forever" spielen wir nicht, weil wir darauf keine Lust mehr haben. Wir haben dafür "Slide Away" mit rein genommen, weil wir glauben, das es genauso gut ist. Wir haben uns gesagt, dass wir nicht viel vom neuen Album spielen werden. Wir wollen das spielen, was das Publikum unbedingt hören will und eben nicht zu viel von der neuen Platte. Ich glaube, es sind so drei, vier, vielleicht fünf neue Songs mit dabei. Aber die funktionieren gut. Wir spielen knapp zwei Stunden. Das ist für uns das längste Set, was wir jemals gespielt haben. Aber an einem guten Abend fühlt sich das an, wie zehn Minuten. Das Set ändert sich nicht viel während der gesamten Welttour. Also, wenn du uns heute siehst und es dir gefällt und du uns am Montag in Düsseldorf siehst, dann werden es genau dieselben Songs sein. Also hoffe ich, dass es funktioniert.


POPCONNECTION: Ich bin schon sehr gespannt und freu mich auf die Show heute Abend. Vielen lieben Dank Andy, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast!

Andy: Ich danke fürs Kommen! Schön, dich kennen gelernt zu haben!


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