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POPCONNECTION - Im Interview - Pardon Ms. Arden: "Unser Image ist ein Anti-Image"
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INTERVIEWS
Pardon Ms. Arden

PARDON MS. ARDEN

"Unser Image ist ein Anti-Image"
Datum: 13. Oktober 2010 (Münster)
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete sie als "die größte Indie-Hoffnung Deutschlands für 2009" und von der britischen Presse wurden sie "The most British of Bayrish bands" genannt. Pardon Ms. Arden haben sich mittlerweile einen überaus guten Ruf und eine treue Fanbase auch jenseits der Grenzen ihrer Heimat München erspielt. Drei Alben hat das Trio bereits veröffentlicht, betrachtet aber sein aktuelles, selbstbetiteltes Album als sein eigentliches Debüt. Im Oktober letzten Jahres ging die Band zusammen mit 100 "Fanwalkern" auf eine von MTV präsentierte 10-tägige Tour durch Norddeutschland und spielte einen Auftritt vor der Berliner O2-Arena im Vorprogramm der MTV Europe Music Awards.

Vor ihrem Konzert mit The Posies im Gleis 22 in Münster, erzählten uns Nick, Alex und Tom, warum das dritte Album ihr eigentliches Debüt ist, welche Erfahrungen sie beim "Fanwalk" gemacht haben, was sie vom Bundesvision Song Contest halten und wie viel sie um Image und Lobeshymnen von Seiten der Presse geben.



POPCONNECTION: Ihr spielt heute Abend hier im Gleis 22 als Supportband für The Posies und habt auch in der Vergangenheit schon mit vielen namhaften Bands zusammen gespielt. Muss euch eine Band musikalisch gefallen, die ihr supportet oder würdet ihr auch eine Band supporten, die euch zwar nicht gefällt, aber die Möglichkeit bietet, vor einem großen Publikum zu spielen?

Nick: Gute Frage - keine Ahnung. Bei so alten Indie-Helden wie The Posies, ist es natürlich von der moralischen Seite her viel einfacher für uns, wie wenn irgendeine x-beliebige große Band daherkommt und fragt, ob wir mit ihnen in der Olympiahalle in München spielen wollen. Wenn es nicht gerade die Sportfreunde Stiller sind, dann hast du da vielleicht Schwierigkeiten. Auf der anderen Seite kann ich auch ganz offen zugeben, dass uns das noch nie angeboten wurde. Deshalb sind wir noch nicht in den krassen moralischen Zwiespalt geraten. (lacht) Ich würde es von Fall zu Fall entscheiden.


POPCONNECTION: Ihr habt mittlerweile euer drittes Album veröffentlicht, aber ihr bezeichnet es als euer Debütalbum. Wieso?

Nick: Die "Pardon Ms. Arden" ist jetzt das erste Album, das über ein Label (Flowerstreet Records, Anm. d. Red.) veröffentlicht wurde, hinter dem mehr als nur eine Person steht. Die Produktion der ersten beiden Alben lief auch eher wie bei einem Demo ab. Für die erste Platte hatten wir drei Tage Zeit, bei der zweiten Platte waren es fünf Tage. Die Band hat sich weiterentwickelt. Wir persönlich sehen das aktuelle Album als unser Debüt. Ich könnte mir allerdings vorstellen, den ein oder anderen Song von den ersten beiden Platten noch mal richtig aufzunehmen und auf einer zweiten richtigen Platte zu veröffentlichen.


POPCONNECTION: Im Oktober letzten Jahres wurde euer Song "Let’s Get It On!" zum Soundtrack eines Sony-Ericsson TV-Spots gewählt und ihr habt zusammen mit 100 "Fanwalkern" eine von MTV präsentierte 10-tätige Tour durch Norddeutschland gemacht. Was kann man sich genau darunter vorstellen?

Nick: Sonic Ericsson hat diesen "Fanwalk" veranstaltet. Das war so eine Art Pilgertour. Die Werbeagentur kam zunächst auf uns zu, weil sie für diesen "Fanwalk"-Werbespot einen Song brauchten und haben dann die Band - in diesem Fall uns - auf Tour geschickt. Es gab dann ein Casting, bei dem sich über 2000 Leute für 100 Plätze beworben haben. Die Gewinner durften dann von Hamburg nach Berlin zu Fuß laufen. Wir sind dann da als "Fanwalk"-Band auch mitgelaufen und haben 10 Tage mit 100 Leuten Norddeutschland unsicher gemacht. Meine Blasen waren üppig, aber es war eine Erfahrung. Ich möchte es nicht missen. Ich bin weder vorher noch nachher jemals so weit gelaufen.

Alex: Aber es ist faszinierend, was für eine Kondition man hat. Man musste ja jeden Tag ca. 20 Kilometer laufen und am Abend natürlich trinken, Party machen und gespielt haben wir auch fast jeden Abend. Man schläft nur drei Stunden und am nächsten Tag wieder dasselbe und das 10 Tage hintereinander. Mich wundert's, dass ich noch lebe! (lacht)


POPCONNECTION: Das Ende dieser Tour war ein Auftritt vor der Berliner O2-Arena im Vorprogramm der MTV Europe Music Awards…

Alex: Ja, auf einer Bühne vor der O2-Arena in Berlin - eine Parallel-Veranstaltung zu U2, die zu der Zeit am Brandenburger Tor gespielt haben. Das war sehr lustig. Zwar saukalt - aber lustig.

Nick: Wir standen auf einer Bühne direkt gegenüber vom Eingang, d. h. alle 10.000 Leute mussten an uns vorbei. Die standen natürlich am Anfang alle mit dem Rücken zu uns, weil sie ja in die Halle wollten. Aber als wir dann anfingen zu spielen, hatten wir natürlich eine entsprechende Lautstärke und so nach dem zweiten Song drehten sich dann die ersten um und dann die anderen auch. Das war schon lustig.


POPCONNECTION: Inwiefern hat euch die "Fanwalk"-Sache denn als Band weitergebracht?

Nick: Es war eine tolle Erfahrung und gibt dir auch auf jeden Fall als Band einen Push. Am nächsten Tag hast du dann 30 Friend-Requests auf Myspace. (lacht)

Alex: Als wir dann im Februar eine Album-Release-Party gemacht haben, waren von diesen 100 "Fanwalkern" dann auch 45 da. Die sind aus ganz Europa hergeflogen und haben sich alle noch mal getroffen.

Nick: Das ist eine Fanbase, auf die man sich verlassen kann. Und das ist etwas, was vielen Bands wahrscheinlich fehlt. Leute, die sagen, mir gefällt die Musik, ich mag die Leute und ich unterstütze die Band. Wir haben denen natürlich dann auch verbilligten Eintritt zu unserer Release-Party gegeben, aber die mussten ja den Flug und die Hotels und alles zahlen. Von daher war es für die ein teurer Spaß.


POPCONNECTION: Wie steht ihr denn zu MTV, die ja diesen "Fanwalk" präsentiert haben?

Nick: Ich finde die Grundidee eines Musikfernsehens nicht schlecht. Aber mittlerweile gibt es in dem Bereich, in dem sich MTV ursprünglich mal definiert hat, viel Konkurrenz, die besser ist, wie zum Beispiel GoTV (österreichischer Musiksender, Anm. d. Red.). Und ich finde MTV strahlt mittlerweile Sendungen aus, die dich jetzt intellektuell kaum ansprechen. Aber ich würde mich natürlich freuen, wenn sie das demnächst als Pay-TV-Sender wieder ändern könnten. Dann müssen sie natürlich wieder vielmehr auf Qualität bauen. Aber ich hoffe, dass da vielleicht irgendwann ein Umdenken einsetzt.

Alex: MTV ist einfach keine Plattform, wo du dich als neue Band präsentieren kannst. Es sei denn, du hast eine Plattenfirma, die richtig viel Geld investiert.


POPCONENCTION: Und was haltet ihr von so einer Sache wie dem "Bundesvision Song Contest"? Förderlich für Newcomer-Bands oder eher weniger?

Nick: Der Raab gibt sich ja gerne das Image als "Retter des deutschen Musikbusiness". Aber da muss man dann bei so einer Veranstaltung wie dem "Bundesvision Song Contest" von 16 Bundesländern auch 16 Newcomer bringen, sonst funktioniert das nicht. Guck dir doch mal die Gewinner an: Peter Fox, Juli, Unheilig… Die Newcomer, die er dann dazwischen hat wie beispielsweise Mikroboy oder Auletta gehen einfach unter. Das ist doch keine gute Werbung für eine Newcomerband. Fotos beispielsweise wurden letztes Jahr 14. oder so. Da sagt doch jeder hinterher: "Scheiß Band". Dabei war der Song super, das Video war super, die Band sah super aus auf der Bühne… Es gab keinen Grund, warum sie nun schlechter sein sollen als 13 andere Bands.

Alex: Das Problem beim Stefan Raab ist einfach, dass er dieses Wettkampf-Denken nicht rauskriegt. Er könnte auch einfach in seiner Sendung neue Bands vorstellen, so wie es David Letterman auch macht. Dann würde er sich so einen Status erarbeiten, wo man sagt: "Der hat das, was gut und neu ist." Aber sich Seeed einzuladen, eine Band, die schon zwei Jahre vorher die Wuhlheide in Berlin vollgemacht hat… Die brauchen das einfach nicht mehr.


POPCONNECTION: Kommen wir mal zu eurer Platte zurück: Momentan gibt es ja im Indie einen regelrechten 80s-Hype und alle verwenden plötzlich Synthesizer. Anstelle von Synthesizer verwendet ihr Gitarren. Wie kommt's?

Tom: Wir mögen ja auch alle die 80s und die 80s-Bands und diese Synthesizer und was weiß ich was. Aber wir haben schon immer Gitarrenmusik gemacht und wir werden auch weiterhin Gitarrenmusik machen.

Nick: Aus kommerzieller Sicht gesehen, springen viele Bands jetzt natürlich auf diesen Zug auf. Bestes Beispiel sind jetzt die Wombats mit ihrer neuen Synthie-Nummer. Ich verurteile niemanden, aber ich möchte nicht auf einen fahrenden Zug aufspringen. Wir haben 2006 Gitarrenmusik gemacht als es so halb hip war. Wir haben 2007 Gitarrenmusik gemacht als es der heiße Scheiß war und jetzt ist es halt grad nicht der heiße Scheiß, aber uns geht's nicht um einen hippen Sound. Es geht um die Emotionen im Song und um den Text und da hilft mir ein hipper 80s-Synthesizer nicht weiter. Ich persönlich hör auch lieber so Singer/Songwriter-Sachen und klassischen Britpop und so Powerpop-Sachen wie Lemonheads oder so. Das ist für mich zeitlose Musik. Du kannst nie sagen, ob es von 1992 oder 2008 ist. Und so was ist mir wichtiger. Ich möchte niemals, dass jemand in der Disco sagt, wenn der DJ einen Pardon Ms. Arden-Song auflegt: "Ach komm, dass ist doch so was von 2010". Das ist wurscht, denn wenn die Nummer gut ist, dann ist die Nummer gut. Ich kenn mich da auch gar nicht mit aus mit den ganzen Samples und so'n Kram. Tom spielt ja ganz passabel Jazzpiano und klassisches Piano. Vielleicht sollten wir ihm mal so'n Synthie hinstellen… (lacht)

Tom: Nee, wer soll denn dann Bass spielen?

Nick: Ja niemand. Das braucht man ja dann nicht mehr. Und du Alex kannst dann sowieso heim gehen, weil Drummachine. (lacht)


POPCONNECTION: Viele Britpop- und Indie-Bands pflegen ein gewisses Image - wie zum Beispiel Oasis. Wie wichtig ist euch Image?

Nick: Ich glaube unser Image ist ein Anti-Image. Wir sind alle beschissene Schauspieler und können gar nicht so tun als ob. Ich möchte natürlich nicht, dass die Leute denken, wir sind die drei Clowns vom Lande. Das wäre mir zu wenig. Aber ich könnte auch nicht in super feinem Zwirn auf die Bühne gehen. Das wäre nicht ich. Das Image, finde ich, kreiert sich von selbst. Ich meine, Liam und Noel Gallagher sind arrogante Säcke. Die haben's nicht erfunden, sondern die sind halt so. Und wir sind halt nicht so. Wenn wir jetzt so tun würden, enden wir irgendwann so wie Mando Diao, die jetzt ihre Retourkutsche dafür kriegen. Die Armen, weil es ist eine super Band, die so was überhaupt nicht nötig hat. Ich weiß aber auch nicht genau, ob Mando Diao dieses Image selber wollten, oder ob die da so reingedrückt worden sind, nämlich von Leuten, die sich über so Sachen wie Image beruflich Gedanken machen.

Tom: Wir sind wir. Wir verstellen uns nicht. Wir achten nur drauf, dass wir nicht alle drei karierte Hemden anhaben und dass wir nicht gleichzeitig reden. (lacht)


POPCONNECTION: Ihr habt sehr viel Lob von Seiten der Presse erhalten: Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete euch als "größte Indie-Hoffnung Deutschlands für 2009", das englische Magazin Parklife nennt euch "The most British of Bayrish bands" und diverse Medien feiern euch als "deutsche Hype-Band Nummer 1" und "Antwort auf die neue British Invasion" (Rolling Stone). Wie viel gebt ihr um solche Lobeshymnen?

Nick: Ich finde es nett, aber es ist genauso übertrieben, wie jeder Verriss übertrieben ist, wenn sie schreiben würden: "Der größte Scheiß, der aus München kommt!". So was kann sich auch ganz schnell wieder ändern. Wir hatten zum Beispiel schon die Frage: "Wenn ihr die größte Indie-Hoffnung Deutschlands für 2009 seid, was ist dann 2010?". Keine Ahnung. Wir machen halt einfach unser Ding und Gott sei Dank gefällt's ein paar Leuten. Wie gesagt, ich find's nett, aber ich weiß, dass das auch ganz schnell zurückschießen kann. Auf solche Lobeshymnen, egal ob von der Süddeutschen oder vom Rolling Stone, sollte man sich nicht versteifen.


POPCONNECTION: Dann kommen wir zu meiner letzten Frage: Was möchtet ihr als Band erreichen?

Alex: Ich wäre erstmal damit zufrieden, wenn ich davon leben könnte. Und alles, was darüber hinaus passiert, ist Zugabe.

Nick: Also ich hätte nichts gegen das Olympiastadion… Aber so ein richtiges Ziel, hab ich eigentlich keins. Solange ich auf Tour gehen und Leuten die Musik präsentieren und Platten machen kann, ist für mich alles super. Ich dachte da aber mal anders drüber. Ich kann mich noch erinnern, dass ich am Anfang sehr verbissen war und mit dem Kopf durch die Wand wollte. Aber es bringt dich nicht weiter. Es dauert aber eine Zeit, bis man das kapiert.


POPCONNECTION: Dann danke ich euch ganz herzlich für eure Zeit!

Nick: Wir danken! Es war sehr angenehm!


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