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POPCONNECTION - Im Interview - Saboteur: "Ich mach dann erstmal so'n Quasselenglisch da drüber"
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Saboteur

SABOTEUR

"Ich mach dann erstmal so'n Quasselenglisch da drüber"
Datum: 16. März 2007 (Münster)
Interview: Michaela Wicher
Foto: Pressefoto

Die schönste Band der Welt zur Songgenese und zur Lage der Musiknation. Extra: Beautytipps! Peter (Voice/Bass), Nils (Right Speaker Guitar/Keys), Jan Eike (Left Speaker Guitar/Keys/Synthis) und Matze (Drums/Voice) hat die charakteristische ostfriesische Langeweile zur Musik gebracht und in die Großstadt Hamburg verschlagen. Offenbar beflügelt die olle Landluft. Saboteur's Debütalbum steht in den Startlöchern. Wir hakten da mal genauer nach...



POPCONNECTION: Ihr klingt schon sehr professionell und gut produziert. Wer ist für die Produktion verantwortlich oder macht ihr alles in Eigenregie?

Peter: Wir haben nicht direkt einen Produzenten, hatten aber das Glück, dass wir direkt in der Anfangszeit Tobias Levin getroffen haben, der Sachen wie Tocotronic und Kante zum Beispiel gemacht hat, und der hat dann mit uns ein Demo aufgenommen, das, was es dann da auch bei myspace zu hören gibt.

Matthias: Der ist bei unserem ersten Konzert in Hamburg auf uns zugekommen und hat uns dann produziert.


POPCONNECTION: Wie läuft das Songwriting ab, ist einer dafür zuständig oder in Zusammenarbeit.

Peter: Also die Texte hab ich selber geschrieben und für die Songs sind wir eigentlich alle zuständig. Die entstehen ganz klassisch im Proberaum und nicht am Computer, und auch nicht mit irgendeinem Produzenten. Das klingt fast so, als ob man diesbezüglich prahlen müsste, aber so sollte es eigentlich sein (der Ablauf). Sonst weiß ich nicht, ob man eine Band haben sollte, wenn man die Songs nicht selber schreiben kann und für alles Hilfe braucht.


POPCONNECTION: Was ist zuerst da: der Text oder die Musik?

Peter: Auf jeden Fall die Musik. Ich mach dann erstmal so'n Quasselenglisch da drüber, um dann eine Form zu finden, wie das passen könnte, und dann füll ich die Sachen natürlich mit Sinn.


POPCONNECTION: Wie seht ihr das Treiben hier mittlerweile in der Musiklandschaft? Glaubt ihr, da hat sich insofern was getan, als dass sich die Chancen für Newcomer verbessert haben, die Musikindustrie sich nach den Talfahrten zurückbesonnen hat?

Jan-Eike: Ich finde, da hat sich nicht viel verändert. Es wird immer noch genau so viel Scheiße rausgebracht wie vor fünf, zehn, fünfzig Jahren. Es ist noch genau so schwer für jede Band, irgendwas zu erreichen. Spielst Du auf so was an wie myspace?


POPCONNECTION: Auch, ja.

Jan-Eike: Naja, es ist einfach den ersten Schritt zu gehen, darüber vielleicht mehr Leute zu erreichen. Wirklich davon zu leben oder den Schritt zu tun, das ist auf keinen Fall leichter geworden. Oder überhaupt jemanden zu finden, der einem so was wie ein Debütalbum bezahlt, es geht ja auch schlicht und ergreifend um Geld und da hat keiner Geld, gerade was Hamburg betrifft. Da machen im Moment viele Labels Konkurs und das betrifft dann natürlich auch uns oder andere Bands, die in dem Stadium sind, in dem wir uns gerade befinden; also eher auf der Suche nach einem Label und jemandem, der das irgendwie finanziell mit trägt.


POPCONNECTION: Gibt es denn ein Label, das ihr favorisiert?

Peter: Wir veröffentlichen im November unsere erste Platte über Defiance Records in Köln. Die haben zum Beispiel Delorean rausgebracht. Und das sind halt alte Freunde von uns. Wir arbeiten halt gern mit Leuten zusammen, bei denen man weiß, was passiert und wie die arbeiten und das war eine schöne freundschaftliche Sache, die man jetzt eingegangen ist.


POPCONNECTION: Zurück zu Myspace, das bietet ja schon eine gute Kommunikationsplattform. Seht ihr denn auch Nachteile darin?

Peter: Eigentlich ist es eine schöne Sache. Die Grundselektion findet nicht mehr statt, es wird nicht mehr vorher vom Plattenlabel ausgesiebt, sondern jeder hat die Möglichkeit über Freunde auf die nächste Band aufmerksam gemacht zu werden. Auf der anderen Seite hat man da natürlich auch wirklich jeden Schrott, was myspace dementsprechend auch wieder ein bisschen abwertet. Weil ich glaub', man spricht schon davon "das ist so ne myspace-Band", das ist jetzt schon so ein Begriff, der sich eingefunden hat. Myspace-Bands, was macht die eigentlich aus? Darüber hab ich noch nicht so nachgedacht. Aber auf jeden Fall glaube ich, dass das eher so eine Negativ-Eigenschaft ist.


POPCONNECTION: In Anbetracht der Tatsache, dass ihr ein Label habt: Wie schätzt ihr eure Situation, Position ein, hierzulande oder aber auch über Grenzen hinweg Erfolge mit eurer Musik verbuchen zu können?

Matze: Ich glaube, das macht echt keinen Sinn, sich darüber Gedanken zu machen. Also, wir haben die Band ja nicht gegründet, um einen Charthit zu landen, was sehr abwegig ist, weil wir alle keine Chartmusik hören. In erster Linie machen wir, so theatralisch das klingt, die Musik erstmal für uns und freuen uns dann oder wie jetzt, wenn uns Leute auf Konzerte einladen. Eine Band, die noch keine Platte raus hat, und da Leute ankommen und sich das anhören und fragen, ob wir eine Platte haben und dass da überhaupt erstmal Publikum ist, darüber freuen wir uns. Und alles andere, was danach kommt, ist dann vielleicht eine positive Überraschung. Natürlich ist es für uns wichtig, dass wir eine Platte rausbringen, wo unsere Songs drauf sind. Also ein Tonträger hat eine große Bedeutung für uns persönlich. Was dann daraus wird, darauf haben wir ja keinen Einfluss mehr.


POPCONNECTION: Und wie weit würdet ihr gehen, um richtig Schotter machen zu können? Würdet ihr euch sozusagen dafür verkaufen?

Peter: Überhaupt nicht, dann haben wir uns von vornherein für die falsche Musikrichtung entschieden.


POPCONNECTION: Ihr habt eine Booking Agentur, Popmondial, die ebenfalls in Hamburg ansässig ist. Wie ist der Kontakt entstanden?

Matze: Ich kannte die Bookerin aus dem Nachtleben. Dann hat sie mir erzählt, dass sie mit ein paar Freunden, mit Christian, den ich auch kannte, diese Agentur betreibt und da hab ich sie gefragt, ob sie mal für uns ein paar Shows buchen möchte; und so hat sich das ganz locker ergeben.


POPCONNECTION: Wie genau kann man sich die Arbeit der Agentur vorstellen?

Peter: Wir haben vorher mit Sofia ganz genau besprochen, dass wir eher in kleineren Klubs spielen möchten und so ungefähr auch ein paar Städte angegeben, von denen wir meinen, dass Leute da sein könnten, die das (unsere Musikrichtung) interessieren dürfte. Darüber haben wir das ganz grob eingegrenzt.


POPCONNECTION: Gibt es einen schriftlichen Vertrag mit Popmondial?

Matze: Nein, das ist alles mündlich getroffen und über Handschlag, Schlag auf den Po und ab dafür.


POPCONNECTION:Peter, du bist neben der Arbeit bei Station 17 auch noch bei Robocop Kraus tätig. Führte der Umstand, Teil von zwei Bands zu sein, zu Spannungen?

Peter: Ja, im ersten Moment schon. Man denkt sofort: "OK, da gibt's viel zu tun, da wird viel auf einen zukommen, wie viel Zeit bleibt jetzt noch für die andere Sache?". Das ist quasi so, wie wenn man zu seiner Freundin sagt: "Du, ich suche mir aber noch eine dazu." Das kommt dann auch nicht so gut an. Es ist so, dass ich vorher ganz genau gecheckt habe, wie viel Zeit wird gebraucht, wann muss ich wo verfügbar sein und krieg ich das alles unter einen Hut. Wir werden wahrscheinlich auch zusammen touren und Konzerte spielen. Das bietet sich ja an. Obwohl ich danach wahrscheinlich tot sein werde. Dann hab ich aber wenigstens eine gute Zeit gehabt.


POPCONNECTION: Wie lief denn das Robocop Kraus-Casting ab?

Peter: Das war kein Casting. Es ging so ab, dass ich die seit fast zehn Jahren kenne. Ich habe früher Konzerte veranstaltet, auch für Robocop Kraus. Über Jahre haben wir den Kontakt aufrecht erhalten und haben einen ähnlichen Musikgeschmack und musikalischen Werdegang. Und dann hab ich, als wir gerade auf Tour waren, von der Basser-Suche gehört. Wir spielten auch in Erlangen, also nahe bei Nürnberg, und dann sind die abends noch vorbeigekommen und wir haben drüber gesprochen. Das war dann mein Wunsch, und so bin ich noch einmal hingefahren und wir haben ein bisschen zusammen gespielt und dann war eigentlich klar, dass es passt.


POPCONNECTION: Wie sieht es mit euren Live-Gigs aus? Was war das schönste, was das schlimmste Konzert?

Peter: Schlimm war ein Konzert insofern, als dass wir als kajalverschmierter New Wave, Glam-Punk angekündigt wurden, und da sehen wir uns so gar nicht.


POPCONNECTION: Und wie steht's mit guten Auftritten?

Nils: Ein Konzert im Atomic Café in München war toll, und Österreich.

Jan-Eike: Da sind wir Freitags tausend Kilometer gefahren und waren Sonntag wieder in Hamburg. Das war ein Tag in der absoluten Natur, an einem Bach, wo ein winziges Festival veranstaltet wurde. Ich weiß nicht, ob uns das irgendwas für unsere Bandvita gebracht hat, aber das war absolut toll.

Matze: Eine tolle Klassenfahrt. Da fällt mir doch noch was ein. Unser schlimmstes Konzert hatten wir im Backstage, da war Peter nämlich so krank, dass wir angefangen haben zu spielen, er den ersten Ton gesungen hat, und dann kam da nur noch ein Ächzen raus. Da hat er sich umgedreht und meinte, dass ich singen müsste. Und ich kannte nur Textfragmente. (Lacher)

Peter (zu Matze): Du hast mir so den Arsch gerettet.

Matze: Da hab ich dann gesungen und dann kamen nach der Show sogar Leute und meinten, dass das gar nicht so schlecht war und wollten die Platte kaufen. Ich hab denen erklärt, dass ich darauf aber nicht singe und da bestand dann kein Kaufbedarf mehr. Deswegen mach ich jetzt ein Soloprojekt, bei dem ich nur Schlagzeug spiele und singe. (erneutes Gelächter)


POPCONNECTION: Mit wem würdet ihr gern mal touren?

Peter und Matze: Die meisten Bands sind tot. Mit den Ramones, mit den Beatles.


POPCONNECTION: Zum Schluss wüsste ich gerne, welche Frage ihr gern mal in Interviews gestellt bekämt?

Peter: "Warum seht ihr so gut aus?" (verschärftes Lachen)


POPCONNECTION: Warum seht ihr so verdammt gut aus? Ich komm da gar nicht drüber hinweg. Wie macht ihr das?

Matze: Wer schön sein will, muss leiden. Ich steh immer schon um fünf Uhr auf, um mit 'ner Pinzette kleine Härchen zu entfernen. Ich habe eine Faltencreme, die über Nacht vier Stunden einwirkt, und die muss ich dann abspülen, und das ist immer sehr aufwendig.


POPCONNECTION: Ihr habt keine Stylisten?

Matze: Ich möchte an dieser Stelle gern meinen Masseur, meinen Visagisten und meinen Haararchitekten grüßen!


POPCONNECTION: Das war's dann auch schon. Vielen Dank. Hat Spaß mit euch gemacht.

Alle: Danke, fanden wir auch.


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