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POPCONNECTION - Im Interview - Thees Uhlmann: "Der Satz ist das, was die Summe der Wörter ist"
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Thees Uhlmann

THEES UHLMANN

"Der Satz ist das, was die Summe der Wörter ist"

Interview: Jenny Schnabel
Foto: pertramer.at

Nach fünf Tomte-Alben gönnt sich Sänger Thees Uhlmann eine kleine Auszeit von seiner Stammband und legt sein erstes selbstbetiteltes Soloalbum vor. Wir haben mit ihm über sein Solodebüt gesprochen.



POPCONNECTION: Wie bist du auf die Idee gekommen nach fünf Tomte-Alben jetzt ein Soloalbum zu machen?

Thees: Nachdem wir die letzte Tomte-Platte "Heureka" fertig hatten, hab ich zwei, drei Monate nachgedacht und dann ist mir der Gedanke gekommen: Ich könnte ja mal eine Soloplatte machen. Ich hab viel mit Musikern zusammen gearbeitet, die auch immer ihre Nebenprojekte hatten. Ich hatte einfach Lust, mir künstlich etwas zu erschaffen, was ich zum ersten Mal mache. Meine erste Tour, meine erste Platte. Ich muss nicht "Schönheit der Chance" spielen, was natürlich ein Segen ist, wenn man das spielen darf. Aber ich wollte mal was ohne Netz und doppelten Boden machen. Ich hatte mal Lust so einen 15 Jahre Rucksack abzulegen und einfach eine neue Platte zu machen.


POPCONNECTION: Im Gegensatz zu deinen Texten bei Tomte, gehst du auf deiner Soloplatte textlich mehr in Richtung Storytelling. Wo nimmst du deine Geschichten her?

Thees: Wenn du so einen Song nimmst wie "Mädchen von Kasse 2", da hab ich mir Gedanken darüber gemacht, wie das ist bei Schlecker an der Kasse zu sitzen, einen harten Job zu machen und dafür nur 400,00 Euro zu bekommen. Sie lebt ja nicht davon, sondern sie macht den Job, dann geht sie irgendwo anders hin und dann geht sie noch irgendwo anders hin und dann dreht zuhause noch der pubertierende Sohn durch. Mir schwebt dann so was im Kopf rum, ich denke darüber nach und dann kommt da so ein Text bei raus. Häufig sind das auch so Sachen, die einfach so passieren. Dann läuft das durch mein Gehirn durch und wenn das dann nicht aus meinem Gehirn rausfällt, wird da normalerweise ein Song draus.


POPCONNECTION: Gibt es so etwas wie ein zentrales Thema oder einen roten Faden auf der Platte?

Thees: Viele würden sagen "Ja", ich würde jetzt im Endeffekt sagen "Nein". Natürlich ist da ein Dorf-Song drauf, was ja vielleicht relativ ungewöhnlich ist, dass ein deutscher Avantgarde-Künstler wie ich einen Song darüber macht, wie es ist auf dem Dorf groß zu werden. (lacht) Aber auf der anderen Seite ist das auch kein roter Faden, weil es daneben auch andere Songs auf der Platte gibt wie eben "Mädchen von Kasse 2" oder "Sommer in der Stadt", was für mich der urbanste Song ist, den ich jemals geschrieben habe. Die große Veränderung ist für mich einfach, dass sich alles reimt oder alles reimen muss. Das hat mir großen Spaß gemacht und Sachen zu schreiben, die keine zweite Ebene haben. Das war einfach ein Kick für mich. Bei Tomte kann ich dir Texte zeigen, wo es von mir gemeinte vier oder fünf Ebenen gibt. Und bei meiner Soloplatte ist es ganz oft einfach nur so: Der Satz ist das, was die Summe der Wörter ist.


POPCONNECTION: Der Sound auf deiner Soloplatte ist wesentlich breiter  und opulenter. Man hört Klavier, Mundharmonika,  Akkordeon,  Bläser und Streicher. Wie kommt's?

Thees:
Mit Tobi [Kuhn] zusammen war das einfach so: Komm jetzt machen wir mal was anderes. Ich hab zum Beispiel bei Tomte bis auf das Riff von "Heureka" alles auf der Gitarre komponiert. Für meine Soloplatte hab ich bis auf anderthalb Songs alles am Klavier geschrieben. Du hast dann eine ganz andere Herangehensweise und es sind auch andere Melodieverläufe. Und wenn man sich einer Sache öffnet und sagt, ich mach das jetzt mal ein bisschen anders, dann kommt man auf so Ideen mit Mundharmonikas und so'n Zeugs. Tobi ist auch so ein Produzent, der hört Instrumente bevor sie da sind.


POPCONNECTION: Wie du gerade sagst, hast du die Platte zusammen mit Tobias Kuhn als Produzent aufgenommen. Wie lief die Zusammenarbeit?

Thees: Ich bin nach München gefahren in sein kleines Studio und dort haben wir sehr sehr gute Demoaufnahmen gemacht. Er kennt sich halt wahnsinnig gut mit dem Aufnehmen aus. Dann haben wir uns noch mal alle in Berlin getroffen - auch mit der kompletten Band - und haben die Demos noch mal eingespielt, aber auch Teile der Demos übernommen. Es gibt auf der Platte Gitarren- und Bassspuren, die haben wir bei Tobi im Studio aufgenommen. Weil uns das so gut gefallen hat, haben wir das so gelassen. Die Platte mit Tobi als Produzent zu machen, war für mich einfach das Größte.


POPCONNECTION: Du singst in "Lat: 53.7 Lon: 9.11667": "Hier komm ich her - hier bin ich geboren". Wie war es denn in Hemmoor aufzuwachsen und seine Kindheit und Jugend dort zu verbringen?

Thees: Das war langweilig und charmant. Es ist natürlich geiler, wenn du ein 17-jähriges Hardcore-Kid bist, wie ich es war, und du jeden Tag der Woche auf ein anderes Konzert gehen kannst. Der Drang zur Musik ist, glaub ich, bei mir aber noch viel größer geworden, weil das nicht verfügbar war. Sondern es musste organisiert werden, es musste gelogen werden, es musste Geld gespart werden und man sah aus wie ein Trottel, wenn man da aufgetaucht ist. Und ansonsten… Gestern haben wir in Hemmoor gespielt und ich hab meine Band ins Hotel ins nächste Dorf gefahren, und da ist mir so aufgefallen: Wir sind so wahnsinnig viel Fahrrad gefahren. Ich hatte einen Kumpel in Hechthausen und einen in Lamstedt, die Dörfer sind alle so 10 km voneinander entfernt. Wir sind dann erst nach Hechthausen und haben den einen abgeholt, sind dann nach Lamstedt und haben den anderen abgeholt. Dann haben wir noch was vergessen und sind wieder zurück gefahren, sind dann nach Hemmoor auf eine Party gefahren und sind dann abends wieder zu dem Kumpel gefahren, weil die Eltern nicht da waren. Am Tag so einfach mal 30, 40 km fahrradzufahren, dabei beste Laune zu haben und das nicht in Frage zu stellen, das war halt so. Man soll das ja auch nicht glorifizieren, aber man kann ruhig darüber singen. Weil es halt auch witzig ist.



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