POPCONNECTION
NEWS
REVIEWS INTERVIEWS KONZERTE FEATURES KÜNSTLER A-Z
POPCONNECTION - Im Interview - Travis: "Wir waren eigentlich schon immer eine Indie-Band"
Home » Interviews » Travis: "Wir waren eigentlich schon immer eine Indie-Band"
INTERVIEWS
Travis

TRAVIS

"Wir waren eigentlich schon immer eine Indie-Band"
Datum: 02. September 2008 (Köln)
Interview: Amy Zayed
Foto: Pressefoto

Travis zählen wohl zu den sympathischsten Bands der britischen Musikszene. Jetzt melden sich die vier Schotten mit ihrem mittlerweile sechsten Studio-Album "Ode To J Smith" zurück. Wir haben Sänger Fran Healy und Gitarrist Andy Dunlop im Radison Hotel in Köln zum Interview getroffen und mit ihnen über das neue Album gesprochen.



POPCONNECTION: Wer ist J. Smith?

Fran: Irgendwie ist das schon cool...wir haben vor diesem Promo-Trip nie darüber gesprochen, um was es auf diesem Album ging. Ich wollte weder darüber sprechen, wer J. Smith ist, noch darüber, worum's auf dem Album geht. Zumindest nicht bevor die ersten Plattenrezensionen geschrieben sind. J. Smith ist die Hauptfigur in einer Art Roman, den wir geschrieben haben. Er ist die Hauptfigur und somit auch der rote Faden, der sich durch das Album zieht. Es geht um seine Geschichte. Um einen Tag in seinem Leben oder besser gesagt, den letzten Tag seines Lebens, wenn man so sagen möchte. Es ist ein sehr düsteres Album geworden, aber auch mit sehr viel Galgenhumor. Es hat schon Witz, aber es ist trotzdem ein sehr eigenartiger Witz. Wie zum Beispiel auf dem Titelsong "J. Smith". Da kommt er in den Himmel, und die Engel singen ihm auf Latein was vor. Sie singen ihm ein Willkommenslied. Und dann sagen sie: "Moment mal! Du stehst ja gar nicht auf der Gästeliste!" Und das läuft alles auf Latein ab und sie verbannen ihn in die Hölle! Und dann fangen sie an ihn zu beschimpfen mit Sätzen wie: "Möge auf ewig Kohle in deinem Arsch sein". Das ist wohl so eine alte lateinische Beleidigung.
 
 
POPCONNECTION: Hattet ihr Angst ein Konzeptalbum zu machen?

Fran: Ich fand die Vorstellung ganz schrecklich gefragt zu werden: Ist das ein Konzeptalbum? Ich hasse die Vorstellung ein Konzeptalbum gemacht zu haben. Ich mag dieses Wort nicht. Dabei muss ich immer an Drachen und Zauberer und 15 Minuten lange Rockepen denken. Diese Platte ist nur 34 Minuten lang. Wir haben eben nur schnell eine Platte gemacht über einen Menschen namens J. Smith...

 
POPCONNECTION: Worum geht's denn in dem musikalischen Roman?

Fran: Es fängt mit "Chinese Blues" an. Ich stelle mir vor, dass der Film oder das Buch damit anfängt, dass J. Smith das Gefühl hat, dass er nichts hat, wofür er leben möchte. Er hat die Schnauze einfach gestrichen voll. Er hat keinen Bock mehr auf die Welt. Und so denkt er sich: "Ok! Das war's! Ich mach Schluss! Ich bring mich um!" Es gibt da so schöne Stellen in dem Lied - so nach dem Motto: "Du könntest von einem Bus überfahren oder von hinten abgestochen werden. Und ich mach's eben einfach selber!" Später wird ihm allerdings klar, dass er doch wieder leben will. Leider hat das Schicksal was anderes mit ihm vor und macht in dem Moment mit ihm Schluss, als er tatsächlich selber wieder leben will...
 

POPCONNECTION: Auf dem Album ist ja kein einziges Liebeslied drauf. Das einzige, was einem Liebeslied ähnlich ist, ist "Friends". Worum geht's da und welche Rolle spielt das Lied in der Geschichte?

Fran: "Friends" ist aus der Sichtweise einer Frau geschrieben. Hier spricht die Frau oder Freundin von J. Smith. Sie redet davon, dass sie ihn immer noch liebt, obwohl er sie wie Dreck behandelt hat. Es stellt eine sehr alltägliche Situation dar, die ich sehr oft bei Frauen gesehen habe, wenn es um ihren Freund geht.

 
POPCONNECTION: Ich habe irgendwo gelesen, dass ihr das Album innerhalb von fünf Wochen geschrieben habt? Warum so schnell?

Fran: Dougie sollte im März Vater werden. Und wir wollten die Platte unbedingt vorher fertig bekommen. Wir wussten, wenn wir die Platte nicht vorher schreiben, wird sie niemals 2008 noch fertig!

Andy: Solche Deadlines sind manchmal ganz hilfreich, weil wir wirklich schlecht darin sind, sonst irgendwelche Pläne einzuhalten! Musiker sind immer beschissen darin, irgendwelche Zeitpläne einzuhalten! Ach komm. Ein Monat früher oder später wird doch nicht so schlimm sein. Sagt man so. Beim letzten Album war's nämlich genauso. Wir wollten nie so lange damit warten, wir wollten es diesmal halt besser machen. Als wir erfuhren, dass Dougie Vater werden sollte, wollten wir, dass er etwas Zeit hat für das Kind. Fran und ich sind ja schon Väter und hatten uns die Zeit genommen einfach nur Väter zu sein. Und wir wollten, dass Dougie das auch machen kann. Wir wollten ihm dann vier, fünf Monate Zeit lassen, sich mit seinem Sohn zu beschäftigen. Wenn wir also das Album nicht sofort gemacht hätten, dann wären wir jetzt immer noch dran.

Fran: Ach, ich wär wahrscheinlich noch in der Schreibphase! Und daher kam auch die Idee ein Album zu machen, dass eigentlich ein musikalischer Roman ist oder ein Drehbuch ohne Film. Jeder Song beinhaltet eine Szene und das hat unheimlich geholfen das Album so schnell zu schreiben. Man hat als erstes eine Hauptrolle und man hat ganz viele Songs und dann setzt man sich hin, und sagt: "Ok! Dieser Song funktioniert und dieser auch. Aber dieser hier geht gar nicht, weil er nicht in die Geschichte passt." Und das macht das Schreiben sehr viel einfacher. Man weiß dann irgendwann: "Also hier brauchen wir auf jeden Fall noch einen Song für diese Szene und für die da auch noch, weil wir diesen Teil der Geschichte noch nicht erzählt haben." Und dann schreibst Du einfach einen, der das tut.

 
POPCONNECTION: Schon fast ein bisschen wie schottische Poesie?

Fran: Wir haben gerade noch über den schottischen Poeten Robert Burns gesprochen. Ich denke da gerade an "Tam O'Shanter". das ist eines der berühmtesten Gedichte von Burns. Das ist auch so ein langes Gedicht, wo es nur um einen Typen geht. Und das ist total düster!

Andy: Der trifft den Teufel!

Fran: Genau!

Andy: Teufel heißt auf schottisch "Deil...devil's deil."
 

POPCONNECTION: Denkt ihr drüber nach einen Film zu machen oder plant ihr ein passendes Video?

Andy: Das schöne daran ist doch, dass es wie ein Buch ist, wo sich jeder seine eigenen Bilder denken kann. Jeder hat doch ganz verschiedene Vorstellungen. Fran sieht den ersten Song zum Beispiel ganz anders als ich. Ich sehe darin eine geschäftige Großstadt. Da steht er auf einer großen Brücke in London und denkt: "Wir werden doch eh alle sterben! Ob durch einen Herzinfarkt oder weil uns ein Bus anfährt...ist doch egal!" Aber genau das ist das schöne an Romanen. Kurt Vonnegut hat mal gesagt, dass er es hasst, wenn seine Bücher verfilmt wurden. Als zum Beispiel "Slaughterhouse Five" verfilmt wurde, hatte er das Gefühl, dadurch gibt es nur dieses eine "Slaughterhouse Five", was jeder durch den Film kennt. Davor gab's Millionen von Vorstellungen davon. Es hatte jeder seine eigenen Bilder dazu im Kopf. Und das gefällt mir, dass jeder sein eigenes Bild, seine eigene Interpretation haben kann.

Fran: Wir werden dazu nie einen Film machen. Andy hat recht! Jeder sollte seine eigenen Bilder malen! Für mich zum Beispiel spielt die erste Szene in Glasgow in einem kleinen Ort namens Anderston. Der Ort hat einen 70er Jahre Touch mit ganz vielen Gebäuden aus den 70ern und direkt daneben stehen uralte Kirchen und Kathedralen! Ich stell mir den Typen vor, wie er auf einem dieser Gebäude steht...irgendwie find ich das cool!
 

POPCONNECTION: Inwiefern glaubt ihr kann man oder soll man visuelle Kunst mit Musik kombinieren? Ich meine, wenn man überlegt, wie viel heutzutage auf Videos und Animationen und überhaupt visuelles ausgerichtet ist?

Fran: Für mich ist Musik eben Musik und visuelle Kunst ist visuelle Kunst! Klar kann man beides kombinieren. Aber oft ist es doch gerade dass, was man nicht sieht, was einen so richtig packt! Was man nicht sieht ist meistens viel spannender! Wenn man etwas nämlich nicht sehen kann, muss man sich ein eigenes Bild malen! Wir hatten auf "The Man Who" einen Song der hieß "Slide Show". Und genau das ist unser Ansatzpunkt gewesen. Ich glaube Musik fängt all diese Gefühle ein und diese Gefühle setzen dann eine Chemie frei. Diese Chemie erzeugt dann Bilder und weckt Erinnerungen. Musik ist eines der mächtigsten Medien! Aber es ist ein unsichtbares Medium! Deshalb liebe ich es so! Es spielt sich alles allein in deinem Gehirn ab. Alles in dieser großartigen Erfindung namens Gehirn. Mir hat gestern jemand eine Geschichte von einem Mann erzählt, den wir kennen und mit dem wir zusammengearbeitet haben. Und ich konnte ihn sofort sehen! Ich hatte sofort ein Bild im Kopf! Ich kann ihn immer noch sehen! Meine Augen sind offen, und er ist nicht da, aber ich sehe ihn! Warum sehe ich das? Wie geht das, dass man einfach so Bilder sieht? Das ist doch verrückt!

 
POPCONNECTION: In "Slide Show" erwähnt ihr ja dann auch die Titel von anderen Liedern die wieder als Schlagwörter für Erinnerungen dienen?

Andy: Wir haben Lieder wie "Design For Life" erwähnt, weil man das Gefühl hat, sie gehören einem selbst. In dem Moment, wo sie veröffentlicht werden, gehören sie einem selbst, weil sie zu deiner Erinnerung dazugehören. Du erinnerst dich daran, als du jung warst und irgendeine Beziehung in die Brüche gegangen ist und du das Lied gehört hast. Und plötzlich gehören sie dir! Manchmal sind das ganz schreckliche Songs. Du hörst dann irgendeinen Phil Collins-Song und denkst: "Mein Gott! Das ist ja mein Lied! Der spricht ja über MICH!!!" Sie gehören dir, weil du deine eigenen Gefühle damit verbindest. Wenn ich Songs höre, aus der Zeit, wo wir jung waren, dann bringen die mich in die damalige Zeit zurück. Und ich verbinde damit ganz persönliche Erinnerungen. Und jemand anderes hat wahrscheinlich ganz andere Erfahrungen mit dem Song gemacht.

 
POPCONNECTION: Beim letzten Album haben alle gesagt: "Oh Gott! Jetzt werden Travis total sentimental und machen Musik für Rentner." Mit diesem Album geht ihr ja doch etwas zurück in die Rockschiene. War das beabsichtigt?

Fran: Wir waren eigentlich schon immer eine Indie-Band. Aber wir haben einen kurzen Abstecher in zum Pop gemacht, denn Pop ist ein ziemlich verführerisches Genre! Es saugt dich auf, und du wirst davon besessen, den perfekten Popsong zu schreiben! Und ich wollte das unbedingt! Das letzte Album hat sehr darunter gelitten! Es war eine Reaktion auf "12 Memories", das Album davor. "12 Memories" ist eines meiner Lieblingsplatten von uns, weil es eine der persönlichsten ist. Leider hatte es diesen bitteren Nachgeschmack, dass alle meinten, es sei eine politische Platte. Es gab einen Song darauf, auf dem ich gesagt habe: "Verdammt! Geht nicht in den Krieg!" Und plötzlich meinten alle, es sei ein politisches Album. Wir wollen nicht, das Travis politische Songs schreibt! Das wollten wir wirklich nie! Es hatte nichts mit Politik zu tun! Es gibt viele Leute, die "12 Memories" gerade für sich wiederentdecken, und es als eines ihrer liebsten Travis-Alben loben, aber danach waren wir echt fertig, und dachten: "Was sollen wir jetzt machen?" Wir haben nicht viel mit "12 Memories" getourt. Neil hatte sich fast das Genick gebrochen und wäre beinahe gestorben und wir waren total verwirrt! Also haben wir uns ein paar Jahre rar gemacht. Und aus dieser Verwirrung entstand dann "The Boy With No Name". Es war fast so, als ob ich wieder Songs schreiben üben müsste. Ich musste meine Muse oder meine Inspiration wieder finden! Das Album war eine Art Übungsbuch. Es gibt ein paar wirklich schöne Songs darauf. "Closer" zum Beispiel ist ein wunderbarer Song. Und es gibt noch ein paar andere schöne Sachen auf der Platte. Aber als ganzes Gesamtwerk war's so, als ob wir nicht wüssten, was wir eigentlich wollten: Wollen wir dies, oder das? Das Album war nicht wirklich selbstbewusst. Die einzelnen Lieder waren ok.

Andy: Jedes Lied für sich beweist, dass wir die einzelnen Genres des Songwritings drauf haben. Aber als Gesamtwerk wussten wir wirklich nicht, wer wir waren und alle anderen haben sich auch gefragt: "Wer sind nun eigentlich Travis?" Wir wussten selbst nicht, wo wir eigentlich hin wollten. Songs wie "Selfish Jean" und "Eyes Wide Open" waren die letzten zwei Songs, die wir für das Album damals aufgenommen haben und vielleicht zeigen die so ein bisschen den Weg zu "J. Smith".

Fran: Was uns wirklich unser Selbstbewusstsein wiedergegeben hat, war einfach wieder live zu spielen...

 
POPCONNECTION: War es vielleicht auch der Druck, der einfach nach "The Man Who" und "The Invisible Band" auf euch gelastet hat. Die Alben waren ja nun weltweit supererfolgreich. Dann kam "12 Memories" und vielleicht war's dann auch einfach zuviel?

Fran: Genau! Aber da muss man als Band durch! Diese Erfahrung muss man machen! Wenn man schon 10 Jahre zusammen ist, und dazu noch Erfolg hat, gibt es immer den Moment, wo man einfach nicht mehr weitermachen möchte. Du fragst dich: "Was ist meine Motivation für all das hier?" Weil du plötzlich viel Geld verdienst, also ist das keine Motivation mehr! Dann bist du berühmt und auch das interessiert dich dann irgendwann nicht mehr wirklich. Und Ruhm hat dich eh nie interessiert. Und plötzlich wird alles einfach unwichtig. Dann schreibst du plötzlich Popsongs, die jeder mitsingt und plötzlich inspiriert dich selbst das nicht mehr. Und dann fragst Du dich: "Was hat hier überhaupt noch Sinn?" Ich meine, das ist fünf Jahre her. Aber wir sind ja noch jung und du musst solche Phasen durchmachen. Als wir angefangen haben, waren wir Anfang 20 und in der letzten Phase des Erwachsenwerdens. Und diese Phase konnte jeder öffentlich miterleben - auf Platte und auch so! Aber ich glaube, diese Phase des Uninspiriertsein änderte sich schlagartig, als wir letztes Jahr mit "The Boy With No Name" auf Tour gingen. Wir dachten: "Wow! Da ist es wieder! Wir sind wieder da!" Und dieses Selbstbewusstsein wurde immer stärker bis wir letzten November beschlossen, das Album zu machen. Und es war total einfach! Wir sind ins Studio gegangen, es ging ganz schnell! Danach haben wir noch fünf Shows gespielt, sind wieder zurück ins Studio gegangen und haben's aufgenommen.

 
POPCONNECTION: Wie macht ihr das mit dem Engelsgesang eigentlich live?

Fran: Das haben wir tatsächlich geschafft! Klingt super! Wir haben all die verschiedenen Einzelteile gesampelt. Klingt genau wie auf Platte! Wir wollen das unbedingt live machen.

 
POPCONNECTION: Und? Wann gibt's dann endlich Travis wieder live?

Andy: Hoffentlich nächstes Jahr! Wir wollten eigentlich schon dieses Jahr kurz vor Weihnachten kommen. Aber die Veranstalter wollen uns lieber nächstes Jahr haben, weil im Herbst so viele andere Konzerte sind. Also erst nächstes Jahr! Aber wir kommen auf jeden Fall! 

Fran: Wenn wir nach Deutschland kommen, ist unsere Show dann auch hoffentlich schon viel ausgereifter als jetzt! In England machen wir gerade ganz kleine Clubshows. Und danach fahren wir nach Amerika, um dort auch kleine Clubshows zu spielen. Wir wollen alles ganz klein halten. Ich würde mir so sehr wünschen, dass die Leute alles andere vergessen und diese Platte einfach nur als eine Art Suite sehen würden! Nicht Sweet, wie in Süß.

Andy: Nee, das war das letzte Album!

Fran: Die Platte soll die Leute auf eine Reise mitnehmen. Ich würde es live gern tatsächlich wie eine Suite am Stück durchspielen! Wir haben das im Februar gemacht. Bevor wir das Album aufgenommen haben, haben wir's einmal komplett durchgespielt, so wie wir die Geschichte für uns im Kopf hatten. Und dann haben wir Sachen auch geändert, weil uns plötzlich klar wurde, dass einige Sachen keinen Sinn machen und andere schon. Das war sehr wichtig für das Album! Ich denke, für die Show ist das auch sehr wichtig! Am liebsten würde ich die Songs genau in dieser Reihenfolge einplanen und erst dann die Show drum herum planen! Wenn das klappt, wüsste ich jetzt schon einen richtig schönen Opener für die Show! Wir hatten an die Rede aus einem Film namens "Network" gedacht. Das ist ein toller Film, in dem der Protagonist Howard Beal heißt. Der Schauspieler, der ihn spielt, ist auch super! Peter French heißt er. Leider ist er tot. Er hat nach seinem Tod einen Oscar für diesen Film bekommen. Auf jeden Fall passt sein Monolog großartig zu dem Album. Aber wahrscheinlich werden wir wohl dafür angezeigt werden, wenn wir ihn benutzen.

 
POPCONNECTION: Habt ihr euch in den letzten 10 Jahren und nach euren Ups und Downs verändert?

Andy: Ich bin immer noch von Musik besessen wie eh und je! Ich kann mir ein Album zigmal anhören! Ich lebe es dann und geh richtig darin auf, genau so wie mit 15 oder 16! Was sich ändert, ist, dass man sich nicht mehr über die Musik definiert. Wenn man 15 ist, identifiziert man sich oft mit einem gewissen Genre. Nehmen wir an, du magst Metal. Dann sagst du: "Ich bin ein Metalkid! Ich zieh mich an wie ein Metalkid! Ich rede wie ein Metalkid! Und ich häng nur mit anderen Metalkids rum! Weil ich absolut Metal bin!" Und wenn du älter wirst - mit 20 oder 30 - denkst du einfach: "Ich liebe dieses Album! Ich muss es noch mal und noch mal und noch mal hören! Egal welches Genre! Ich liebe dieses Album und fühle es irgendwie!" Aber meine Leidenschaft für Musik hat sich nie geändert! Musik kann mich immer noch berühren oder glücklich machen! Musik kann mich auch immer noch zum Weinen bringen!

 
POPCONNECTION: Ihr habt euch aber ein ziemlich großes Ziel gesetzt, Klanglandschaften zu malen, die sozusagen "Kino im Kopf" erzeugen?

Andy: Klänge sind sehr wichtig für Musiker. Bevor es Rock 'n' Roll überhaupt gab, gab es zum Beispiel Dampflokomotiven. Die hatten einen besonderen Klang! (trommelt den Klang nach) Also hat man versucht, diesen Sound in der Musik einzufangen. Wenn man sich heute Techno anhört, dann ist das der Sound des modernen Lebens. Man hört Hup- und Autogeräusche heraus. Da piept und hupt alles. Musik ist letztlich nichts anderes als ein Spiegelbild des alltäglichen modernen Lebens, zu dem man noch ein bisschen Melodie hinzufügt. Das ist wie Mathematik. Diese Note plus jene Note ergibt diesen Akkord.

Fran: Musik versucht heutzutage auch gar nicht mehr wirklich modern zu sein. Es gibt fast jede Woche irgendeine neue Gitarre oder ein neues Instrument. Aber die meisten Musiker interessiert es nicht. Man hat ein gewisses Sättigungsgefühl erreicht. Musik ist mittlerweile eher etwas, was nichts mehr mit neuer Technik zu tun hat. Sondern man versucht einfach überall mal reinzuschnuppern und was neues auszuprobieren.


POPCONNECTION: Habt ihr eigentlich Angst, dass die Rechnung mit der Geschichte nicht aufgeht und dass dann die Leute sagen, jetzt driften sie total ab?

Fran: Ja, aber vielleicht muss man in all diese Löcher reinpacken und alles ausprobieren und versuchen verschiedene Lücken zu füllen, von denen man meint, dass man sie füllen kann. Das ist doch dass, was einen Musiker inspiriert!

Andy: Ich habe kürzlich was über einen Musiker namens Tod Rundergren gelesen. Der hat gerade ein neues Album veröffentlicht. Das ist so jemand, der immer was neues ausprobiert. Und der wurde dafür kritisiert. Und er hat im Interview gesagt: "Ich wollte nie irgendwie abdriften. Aber ich dachte, dass man das als Künstler so macht. Kunst bedeutet doch, neue Sachen auszuprobieren. Wenn man eine Sache ausprobiert hat, versucht man was anderes. Und nun gibt's Leute, die das komisch finden? Die wollen dass ich eine Sache mache, und sagen: Du hast so eine schöne Soulstimme! Warum bist du nicht einfach Soulsänger?" Und der Typ hat das nicht verstanden. Es ist doch das, was ein Künstler tut! Was neues auszuprobieren! Ich fand das irgendwie süß, dass er sich darüber aufgeregt hat, dass die Leute ihn dafür kritisiert haben, dass er nicht nur eine Seite hatte...


Mehr zu Travis auf POPCONNECTION

SUCHE
A B C D E F G
H I J K L M N
O P Q R S T U
V W X Y Z 0-9 #
AKTUELLE INTERVIEWS

we_path

William McCarthy

we_path

Nada Surf

we_path

Waxahatchee

we_path

JAPANDROIDS

we_path

DIAGRAMS

we_path

THEES UHLMANN
ZUFÄLLIG SCHON GELESEN?

we_path

SOPHIA

we_path

Waxahatchee

we_path

GREGOR MCEWAN
myspace_de twitter_de facebook
INTERN EXTERN
Kontakt Facebook
Impressum last.fm
   © 2017 Popconnection.de | Das Online-Magazin für alternative Popmusik | CMS by webEdition