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POPCONNECTION - Interviews - Waxahatchee: "Es gibt immer noch eine Menge Sexismus in der Musikindustrie"
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Waxahatchee

Waxahatchee

"Es gibt immer noch eine Menge Sexismus in der Musikindustrie"
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Hinter dem Pseudonym Waxahatchee steckt die amerikanische Songschreiberin Katie Crutchfield. Aufgewachsen in Birmingham, Alabama, erlangt die 26-Jährige ihre musikalische Sozialisation in der dortigen Underground-Punkszene. Mit ihrer Zwillingsschwester Allison gründet sie diverse Bandprojekte, u.a. P.S. Eliot, der Band, mit der sie auch außerhalb der lokalen Szene Bekanntheit erlangt. 2011 trennen sich die musikalischen Wege der beiden Crutchfield-Schwestern und Katie macht unter dem Namen Waxahatchee alleine weiter. Als Waxahatchee singt Katie Crutchfield zu nostalgischem Indierock über die Unsicherheiten des Erwachsenwerdens und der Suche nach einem Platz in der Welt. Auch auf ihrem dritten Album "Ivy Tripp" ist diese Suche nach wie vor das zentrale Thema.

Im Gespräch erzählt Katie Crutchfield über ihr Album "Ivy Tripp", welche Bedeutung die 90er für sie haben und von ihren Erfahrungen als Frau in der Musikindustrie.



In den letzten zwei Jahren gab es viele positive Entwicklungen in deiner Karriere. Wie hat sich dein Leben in den letzten zwei Jahren verändert?
Katie: Der größte Unterschied ist, dass ich jetzt viel mehr Zeit habe, um Musik machen zu machen. Das war früher nicht so. Ich hatte einen Job und konnte nur in meiner Freizeit Musik machen. Jetzt, wo ich nichts anderes mehr mache, verbringe ich viel mehr Zeit damit. Es ist zu meiner Vollzeitbeschäftigung geworden. Und das ist sehr schön.


Du hast vor allem seit deinem letzten Album ein immer größer werdendes Publikum erreicht. Hat die Tatsache, dass immer mehr Leute deine Musik hören, die Arbeit an deinem neuen Album beeinflusst?
Katie: Es hat mich nicht wirklich beeinflusst, als ich das Album gemacht habe. Ich konnte es währenddessen ziemlich gut ausblenden und darüber bin ich froh. Bevor ich mit den Aufnahmen anfing, habe ich allerdings schon darüber nachgedacht, dass es diesmal mehr Leute hören würden und das machte mich ein kleines bisschen nervös. Die neue Platte "Ivy Tripp" war das erste Album, von dem ich tatsächlich wusste, dass es sich Leute anhören würden. Ich hatte schon Angst, dass die Arbeit daran schwierig werden würde. Aber ich habe es geschafft, mich davon zu distanzieren.


Du hast für die Aufnahmen ein Haus auf Long Island gemietet. Warum hast du ein Haus anstelle eines Studios gewählt?
Katie: Ich wollte einfach in Ruhe mit diesem Album experimentieren und mir dafür alle Zeit der Welt nehmen. Ich habe mit Keith Spencer und  Kyle Gilbride zusammengearbeitet und wir haben das Album quasi gemeinsam erarbeitet. Wir haben mit den nackten Versionen der Songs angefangen und sie zusammen aufgebaut. Das in einem Studio zu machen, ist teuer. Außerdem ist es dort manchmal auch eine unpersönliche und ungewohnte Atmosphäre. Ich finde es schöner, wenn man irgendwo ist, wo man sich wohl fühlt und alle Zeit der Welt nehmen kann.


Die ersten beiden Alben hast du in sehr kurzer Zeit geschrieben. "Ivy Tripp" ist über einen wesentlich längeren Zeitraum entstanden. Woran hat es gelegen?
Katie: Das erste Album habe ich innerhalb einer Woche geschrieben und aufgenommen. Das zweite Album habe ich in kurzen Episoden innerhalb von sieben Monaten geschrieben. Ich glaube, der Hauptgrund ist, dass ich jetzt viel mehr Zeit hatte, um zu schreiben. Es war alles was ich tat. Ich habe ausschließlich an der Platte gearbeitet. Ich hatte nichts anderes zu tun. Ich habe mir Zeit gelassen, weil ich es konnte. Vorher musste ich mich um so viele andere Dinge kümmern. Ich hatte dann immer nur diese einzelnen Inspirationsmomente und versuchte, so viel wie möglich aus ihnen herauszuholen. Jetzt ist das hier mein Vollzeit-Leben, also ist das Schreiben ein Prozess, auf den ich auch mehr Zeit verwenden kann.


Dein neues Album heißt "Ivy Tripp". Woher stammt der Titel?
Katie: Es ist ein Begriff für eine Art Orientierungslosigkeit, den ich mir ausgedacht habe. Es gibt diejenigen, die ein traditionelles Leben führen, eine genaue Vorstellung von ihrem Leben haben und bestimmten Bahnen folgen. Andere wollen in ihrem Leben vieles ausprobieren und versuchen, ihr Glück auf unkonventionelle Art zu finden. Das Album thematisiert eine Gegenüberstellung und die Art und Weise, wie sich diese beiden Dinge widersprechen.


Glaubst du, dass Menschen, die eine genaue Vorstellung von ihrem Leben haben und bestimmten Bahnen folgen, mit ihrem Leben glücklicher sind?
Katie: Nein, das glaube ich nicht. Das ist eine der großen Ideen, dass dich keiner der beiden Wege unbedingt glücklicher oder weniger glücklich macht.


Hast du für dich selbst herausgefunden, was dich glücklich macht?
Katie: Ja, ich mag, was ich jetzt tue. Ich hoffe, dass ich das auch weiterhin tun kann.


Hast du jemals gezweifelt und gedacht, ein normales Leben wäre die bessere Option gewesen?
Katie: Ich empfinde mein Leben mittlerweile als eine Kombination aus beidem. Ich habe das Gefühl, eine gewisse Sicherheit und Routine in meinem Leben zu haben und gleichzeitig habe ich einen Job, der mir Spaß macht.


Hat dich jemals jemand dazu gedrängt, eine bestimmte Richtung im Leben einzuschlagen?
Katie: Ursprünglich war dieses Musikding nicht das, was sich meine Eltern für meine Schwester und mich vorgestellt hatten. Trotzdem haben sie uns dazu ermutigt. Im Grunde genommen haben sie uns entscheiden lassen. Nach dem Motto "Solange ihr euch selbst versorgen könnt, könnt ihr tun, was ihr wollt". Das war immer gut und entspannt. 


Viele Musikjournalisten vergleichen deinen Sound mit den 90ern. Wie stehst du dazu?
Katie: Die 90er sind seit 20 Jahren vorbei, aber ich bin mit dieser Zeit sehr verbunden, weil mir diese Musik wichtig ist. Als ich anfing, Musik zu machen, war das der Sound, auf den ich stand. Auch, wenn ich erst in den frühen 2000ern angefangen habe, Musik zu machen, war das die Musik, die wirklich zu mir gesprochen hat. Ich glaube, das wird deshalb immer die Art sein, in der ich Songs schreiben werde und bis zu einem bestimmten Grad war das auch immer der Sound, der mich inspiriert hat. Aber ich denke auch, dass es zurzeit so eine Art Trend ist und Musikjournalisten meine Musik daher oft damit vergleichen. Selbst, wenn meine Musik nicht wirklich so sehr nach den 90ern klingen würde, wären es trotzdem die 90er. Also versuche ich nicht darüber nachzudenken und mir keine Gedanken darüber zu machen, ob es zu sehr nach den 90ern oder nicht genug nach den 90ern klingt oder so was. Ich schreibe die Songs, die ich schreibe und mache Musik, die mir gefällt. Und dann sehen wir weiter.


Die Indie-Rock Szene oder Punk-Rock Szene ist eine Männerdomäne. Wie sind deine Erfahrungen als Frau in der Musikindustrie?
Katie: Es gibt in meiner Szene eine Menge Bands, die ausschließlich aus Männer bestehen. Aber ich habe wirklich Glück, denn ich bin Teil einer Gemeinschaft, die meistens sehr einbeziehend ist. Das ist toll und ich bin froh darüber. Dennoch gibt es immer noch eine Menge Sexismus in der Musikindustrie und auch in kleinen Musikszenen. Das werde ich wohl leider immer wieder erleben. Aber ich glaube, dass es besser wird. Seit dem Zeitpunkt, an dem ich anfing, Musik zu machen bis jetzt kann ich schon eine Veränderung feststellen. Ich merke, dass viele Dinge, die früher oft vorgekommen sind, jetzt nicht mehr vorkommen. Es ist gut, eine Veränderung zu beobachten. Aber es ist immer noch ein langer Weg.


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