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POPCONNECTION - Im Interview - The Wombats: "Auf Tour führen wir ein ziemlich eigenartiges, verrücktes Leben"
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The Wombats

THE WOMBATS

"Auf Tour führen wir ein ziemlich eigenartiges, verrücktes Leben"
Datum: 06. April 2008 (München)
Interview: Andreas Kussinger
Foto: Pressefoto

Sonntag-Mittags in einem Hotel am Münchener Hauptbahnhof. In einem Zimmer im 14. Stock könnte Matthew Murphy, Frontmann der Indie-Rock Formation The Wombats, den majestätischen Ausblick über die bayerische Hauptstadt genießen. Angesichts der stattlichen Liste mit Interviewterminen, die er mir zeigt, wird er dazu allerdings wenig Gelegenheit haben. Matthew sieht müde aus, ist aber dennoch gut aufgelegt und hat auch für POPCONNECTION ein paar Minuten Zeit.



POPCONNECTION: Wann warst du eigentlich das letzte Mal Zuhause in Liverpool? Ihr seid ja schon seit Ewigkeiten auf Tour...

Matthew: Ja eine Ewigkeit! Hmm, das letzte Mal in Liverpool, das muss so 6 Monate her sein...


POPCONNECTION: Und in den kommenden Monaten geht's noch mal um die Welt. Auf eurer Seite stehen bis September so etwa 50 Gigs... Ist das zu schaffen, oder geht euch das ständige Tourleben euch langsam auf den Geist?

Matthew: Ja, wir sind schon wirklich sehr viel unterwegs. Die Konzerte entschädigen für die ganze Fahrerei. Die Gigs machen eigentlich immer Spaß. Nur das Drumherum - Soundcheck, straffer Zeitplan, von Termin zu Termin hetzen - das ist manchmal ziemlich nervig.


POPCONNECTION: Ok, lass uns mal auf eure bisherige Karriere zurückblicken. Eure Geschichte unterscheidet sich ja doch ziemlich von anderen Bands. Ihr habt euch beim Liverpool Institute for Performing Arts kennen gelernt. Man könnte also sagen, ihr seid eine "gelernte Rockband", oder?

Matthew: Nein, das würde ich nicht sagen. Das LIPA hat für uns als Band nur die Bedeutung, dass ich dort Dan getroffen habe. Man lernt dort nicht wie man eine Band aufbaut oder wie man Songs schreibt. Alles in allem ist es eigentlich eine ziemlich dumme Institution.


POPCONNECTION: Dann habt ihr eure erste CD nicht in Großbritannien veröffentlicht, sondern eigenartigerweise in Japan. Wie kam es dazu? Wart ihr damals dann auch in Japan auf Tour?

Matthew: Myspace! Dieses Japanische Label (Vinyl Junkie Recordings, Anm. d. Red.) schickte uns eine Nachricht. Sie sagten, ihnen gefällt unsere Musik und sie würden gerne in Japan etwas von uns veröffentlichen. Die Typen boten uns dann etwa 1000 £ an und wir haben alles in Eigenregie von England aus organisiert, auch die CDs haben wir selbst aufgenommen. Naja, es hat sich dann auch nicht so toll verkauft. Ich glaube, dass deutlich mehr Leute in Großbritannien die Japan-Version unseres ersten Albums besitzen, als Japaner. Eine Japan-Tour gab es zu dieser Zeit auch noch nicht. Vor ein paar Wochen waren wir dort, aber im Rahmen unserer aktuellen Tour mit unserem eigentlichen Debütalbum, mit dieser frühen Veröffentlichung hatte das nichts zu tun.


POPCONNECTION: Einige Zeit später hat es ja dann auch mit dem Plattenvertrag in Großbritannien geklappt. Und von da an ging es ja schnell sehr steil bergauf, und das nicht nur in eurer Heimat, sondern auch in ganz Europa und den USA...

Matthew: Ja in Großbritannien sind wir richtig durchgestartet, das war nicht ohne. Schon erstaunlich, auch wie schnell wir in anderen Ländern Erfolg hatten. Aus den USA kommen wir gerade, dort fangen wir aber noch mal ganz von vorne an. Eigentlich kannte uns dort noch niemand. In Europa und auch Australien ist das anders, das ist schon alles sehr verrückt.


POPCONNECTION: Jetzt seid ihr für ein paar Tage in Deutschland unterwegs und spielt in all den angesagten Clubs der Republik. Die München-Show im Atomic Cafe war nach wenigen Wochen ausverkauft, ihr hättet bestimmt auch eine große Halle voll bekommen. Was ist euch lieber, Clubshow oder eine große Bühne?

Matthew: Nun, eigentlich mögen wir beides. Die kleinen Clubshows sind natürlich viel intimer, ich glaube vor allem das Publikum hat mehr Spaß, wenn es näher an der Band dran ist. Und auch für uns ist es dann leichter, die Atmosphäre aufzunehmen und einen Zugang zu den Leuten vor der Bühne zu finden, mit ihnen zu reden und Spaß zu haben. Auf großen Bühnen zu spielen ist auch klasse, aber ich kann mir im Moment nicht vorstellen, etwa im Wembley-Stadion eine Show zu geben.


POPCONNECTION: Ihr spielt im Sommer ja auch auf einigen großen Festivals, das kommt dem Wembley-Stadion ja schon sehr nahe...

Matthew: Ja, das stimmt. Aber Festivals haben auch wieder eine andere, ganz besondere Atmosphäre. Die Faszination liegt, glaube ich, darin, zu sehen, wie eine riesige, kaum zu überblickende Menschenmenge zu deinen Liedern springt und klatscht. Wir sind unter anderem auf dem Glastonbury, und auch in Deutschland beim Hurricane/Southside, darauf freuen wir uns sehr.


POPCONNECTION: Und was erwartet ihr euch vom heutigen Abend? Ihr seid ja nicht zum ersten Mal in München, wie hat es euch damals gefallen?

Matthew: Das erste Mal als wir in München gespielt haben, war das im Rahmen der "British Music Week", damals auch im Atomic Cafe. Aber das war irgendwie komisch, es waren kaum Leute da, und es hat uns nicht besonders gefallen. Aber ich bin mir ganz sicher, dass das heute Abend zehn mal besser wird, sicher nicht zu vergleichen mit unserem ersten Atomic-Gig. Wir werden eine Menge Spaß haben!


POPCONNECTION: Spaß ist ein gutes Stichwort. Eure Texte sind ziemlich melancholisch, manchmal auch traurig, das passt eigentlich gar nicht zu eurem Sound. Auch der Bandname lässt vermuten, dass ihr euch selbst nicht so ernst nehmt. Wieso steckt also soviel Schwermut in den Texten, die du schreibst?

Matthew: Das täuscht wohl, ich bin ein ziemlich melancholischer, und irgendwie auch ein recht unglücklicher Typ. Die Texte reflektieren meine ganz persönliche Gefühlswelt und entsprechen meinem Charakter. Unsere Musik hingegen entsteht, wenn wir alle zusammen sitzen, Spaß haben und gemeinsam an neuen Songs feilen. So kommt es zu diesem Stimmungs-Unterschied. Meine Texte sind im Großen und Ganzen "Geschichten aus dem wahren Leben". Songs zu schreiben ist im Prinzip meine ganz persönliche Form der Therapie. Unser ganzes Album könnte man als Tagebuch meines Lebens seit meinem 18. Geburtstag sehen. Ich habe in den vergangenen Jahren einiges erlebt, und vieles davon habe ich in den Songs verarbeitet. Der Albumtitel ("A Guide To Love, Loss & Desperation", Anm. d. Red.) ist damit die folgerichtige Überschrift über den Songtexten.


POPCONNECTION: Wobei "My First Wedding" hoffentlich keine wahre Geschichte aus deinem Leben erzählt, oder?

Matthew: (lacht) Ohja, stimmt, das ist wirklich einer der wenigen Songs, die auf keiner wahren Begebenheit basieren. Das macht die Geschichte, die der Song erzählt, ziemlich lustig. Erlebt haben möchte ich sie nicht. Achja, du hast nach dem Bandnamen gefragt. Wie du sicher schon vermutest war da reichlich Alkohol im Spiel. An einem Abend haben wir uns ziemlich betrunken und dann richtig dumme Songs über Koalas, Wombats und Ziegen geschrieben. Am nächsten Morgen hießen wir dann "The Wombats". Eigentlich hatten wir immer vor, uns noch einen sinnvolleren Namen zu geben, aber dazu kam es nicht mehr. Wir mögen ihn mittlerweile auch sehr. Er erinnert uns permanent daran, dass wir im Leben nicht alles so furchtbar ernst nehmen sollten.


POPCONNECTION: Gut, wir haben schon davon gesprochen, dass ihr ein sehr krasses Tourprogramm habt. Ich sehe, auf dem Bett liegt die Gitarre bereit, kommst du denn dazu, neue Sachen zu schreiben?

Matthew: Nicht wirklich. Auf dieser Tour haben wir einen neuen Song im Programm, der vor kurzen entstanden ist, als wir mal wieder zwei, drei Wochen Tourpause hatten. Auf Tour schreibe ich ungern Songs, ich möchte in meinen Texten Geschichten des täglichen Lebens erzählen. Tourleben hat damit nicht viel gemein. Auf Tour führen wir ein ziemlich eigenartiges, verrücktes Leben.


POPCONNECTION: Mal ehrlich, wenn du so vom Tourleben erzählst, wirkst du beinahe verbittert. Vermisst du das "gewöhnliche Leben", von dem du gerade erzählt hast, ziemlich?

Matthew: Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen und zu spielen. Im Großen und Ganzen macht das Tourleben Spaß. Ich will nicht klagen. Aber es ist schon hart auf Dauer. Ich vermisse meine Freundin… Sie fehlt mir wirklich sehr! Ohne feste Freundin, die in London sitzt, wäre das ganze sicherlich einfacher, vielleicht wäre ich dann auch glücklich, wenn ich bis zum Ende meines Lebens auf Tour gehen würde... Bald kommt sie zu ein paar Shows nach Italien, aber sie ist auch ziemlich zugedeckt mit Arbeit und kann nicht oft für ein paar Tage am Stück verreisen.


POPCONNECTION: Nochmal zurück zu eurer Musik. Wie viele eurer Fans können wohl etwas mit Joy Division anfangen, was denkst du?

Matthew: Ohja, ich weiß was du meinst, das ist schon verrückt. Zu "Let's Dance To Joy Division" geht das Publikum bei uns ab, und alle singen lauthals mit. Joy Division und "Love Will Tear Us Apart" kennen aber wohl nur die wenigsten. Aber in dem Song geht's ja auch nicht direkt um Joy Division.


POPCONNECTION: Vielen Dank, dass du trotz deiner Abneigung gegen das von Terminen bestimmte Tourleben Zeit für das Interview hattest.

Matthew: Oh sehr gerne, es war sehr nett! Sehn wir dich heute Abend?


POPCONNECTION: Aber natürlich. Viel Spaß heute Abend, ich bin mir sicher, dieses mal werdet ihr Spaß haben im Atomic Café.

Matthew: Bestimmt! Dir auch viel Spaß, bis dann!


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