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POPCONNECTION - Konzerte - An Horse - 05. Juni 2010, Gleis 22, Münster
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An Horse - 05.06.2010, Gleis 22, Muenster

AN HORSE

05. Juni 2010, Gleis 22, Münster
Autor: Katja Embacher
Foto: Jenny Schnabel

Den Winter haben An Horse in Australien zurückgelassen. Kaum kommt das Duo nach Münster ins Gleis 22, ist plötzlich Sommer. So sehr sich die einen über die Sonne freuen, so undankbar ist es für die anderen, am ersten heißen Wochenende des Jahres ein Clubkonzert zu spielen. Wie es scheint, haben viele Münsteraner den heimischen Gartengrill einem Konzertbesuch vorgezogen. Das Gleis 22 ist an diesem Abend leider eher mittelprächtig gefüllt.

Support für die Band mit dem grammatikalisch inkorrekten Namen sind A Young Heart, das neue Projekt von Holger Kochs. Nach dem Split von Pale hat der Sänger umtriebig an neuen Songs gearbeitet. Die Mühe hat sich gelohnt! Es sind wunderbar warme wie intensive Indie-Klänge, die Kochs und seine Mitstreiter an diesem Abend präsentieren. Neben eigenen Tracks wie "A Song", "All Seems To Come Down" oder "You Possess My Heart" findet sich auch ein Cover des Kelly Clarkson-Hits "Since  U Been Gone" im Set, aus dem die Band eine gänsehauterzeugende Ballade geschustert hat. Die Songs von A Young Heart liefern nicht nur einen gelungenen Einstieg in den Konzertabend, sie machen auch Lust auf ein hoffentlich bald kommendes Album.

An Horse finden sich um 22:15 Uhr auf der Bühne ein. Für gewöhnlich ziehen Konzertbesucher in einem Club, der nur zu einem Drittel gefüllt ist, die Verschanzung in der hintersten Ecke des Raums einem Platz in der ersten Reihe vor. Nicht so bei An Horse. Kaum dass der Vorhang zu Seite geschoben wird, rücken die Anwesenden bis an den Bühnenrand vor. Vielleicht liegt es an dem energetischen Sound, den Kate Cooper und Damon Cox vom ersten Akkord an durch die P.A. jagen. Vielleicht ist der Grund aber auch in der sympathischen wie natürlichen Ausstrahlung des Duos zu suchen. Cooper zeigt sich ungeschminkt, im schlicht weißen T-Shirt. Einziger farblicher Fixpunkt ist ihre orangene Fender Telecaster. An Horse sind allerdings nicht nur sympathisch und natürlich, sondern auch äußerst fleißig. Seit Januar ist das Duo kontinuierlich unterwegs. Nach Supportshows für Tegan and Sarah, The Big Pink, Simon den Hartog oder Kaki King spielen die beiden Australier seit Ende Mai ihre erste Headliner-Tour in Deutschland. Das Leben im Tourbus hat seine Spuren hinterlassen. An Horse sind sich nicht sicher, in welcher Stadt sie heute überhaupt angekommen sind. Die gestrige Nacht in Hamburg war lang. Ja, sie seien ein wenig müde, geben sie zu. Nichtsdestotrotz möchten sie feiern. Vielmehr soll es das Publikum - denn, wenn dies feiert, werden sie es auch. Münster zeigt sich geneigt, diesem Wunsch nachzukommen. Neben "Party!"-Rufen lassen sich die Anwesenden auch zu ausgelassenem Hüpfen hinreißen.

Das Set inkludiert das komplette Debütalbum der Band. Nach einem energetischen Einstieg mit Songs wie "Rearrange Beds", "Camp Out" oder "Horizons" gönnen An Horse sich und dem Publikum mit der Ballade "Listen" eine kleine Verschnaufpause. Für Begeisterung sorgt im weiteren Verlauf das angetriebene "Postcards" oder "Shoes Watch", bei dem Cooper im abschließenden Gitarrensolo noch einmal alle Kraftreserven mobilisiert und energiegeladen die Saiten ihrer Gitarre beackert. Es macht einfach Spaß, die Interaktionen des perfekt aufeinander eingespielten Duos zu beobachten: Auf der einen Seite das kleine Energiebündel Kate, das mit seinen kleinen Füßchen rigoros die Pedale bearbeitet, auf der anderen Seite der braungebrannte Dave, dem in jeder Pause zwischen den Stücken ein sympathisches Lächeln über das Gesicht huscht. Präzise wie ein Uhrwerk greifen Vocals und Backings ineinander. Ebenso wie die kurzweiligen Ansagen. Neckereien untereinander sorgen für Lacher bei den Anwesenden: Running-Gags über Kates Mutter, die gestern auf der Reeperbahn im Partywahn verschütt gegangen sei oder flapsige Sprüche über (nicht vorhandene) Songs von David Hasselhoff auf Damons iPod. 

Nach einer Stunde beenden Cooper und Cox das reguläre Set. Zuvor gibt es noch einen kleinen Hinweis auf das mitgebrachte Merchandise: Die beiden müssen morgen weiter nach Kanada und jedes verkaufte Shirt bringe sie diesem Ziel ein wenig näher. Als Dankeschön würden sie auch jeden Käufer höchstpersönlich am Verkaufsstand umarmen - verschwitzt versteht sich. Den Anwesenden ist dies nicht genug. Sie fordern eine Zugabe. An Horse tun Münster den Gefallen und verabschieden sich mit einer druckvollen Coverversion des The Jealous Sound-Tracks "Abandon! Abandon!" vom Münsteraner Publikum.

Fast ist man geneigt, sich am Merch-Stand einzufinden und den einen oder anderen Artikel käuflich zu erwerben. Zum einen, um Kate Cooper und Damon Cox eine kleine Spende im Tour-Klingelbeutel zu hinterlassen, zum anderen, um die beiden einfach zu umarmen und sich persönlich für diesen wunderbaren Konzertabend persönlich zu bedanken. Dass die beiden dabei wahrscheinlich noch verschwitzter sind, als man selbst, macht diese Überlegung um so sympathischer.


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