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POPCONNECTION - Konzerte - Black Rebel Motorcycle Club - 03. Mai 2010, Essigfabrik, Köln
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Black Rebel Motorcycle Club - 03.05.2010, Essigfabrik, Köln

BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB

03. Mai 2010, Essigfabrik, Köln
Autor: Katja Embacher
Foto: Tessa Angus

Es ist ein ungemütlicher Wind, der die Konzertbesucher des Black Rebel Motorcycle Club begrüßt, als sich die Türen der Linie 7 des KVB öffnen. Nach einem kurzen Moment der Orientierungslosigkeit erblickt man im abendlichen Zwielicht die Aurora Türme: Überdimensionale Zeigefinger aus Beton, die den Weg zur Essigfabrik weisen. Die Halle ist umgeben von einer schier endlosen Mauer. Um dem Weg zum Eingang abzukürzen, wird diese kurzerhand geentert. Im Innern erwarten die Besucher weißgetünchte Wände und eine hohe Deckenkonstruktion, die viel Raum für Sound lässt. An einigen Stellen schält sich die Farbe in breiten Blätter herunter. Dazwischen Rohre und Leitungen, an denen silberne Folienstränge baumeln.

Es ist Viertel vor zehn, als der Black Rebel Motorcycle Club die Bühne der Essigfabrik betritt. Ohne große Umschweife begeben sich Peter Hayes, Robert Levon Been und Drummerin Leah Shapiro zu ihren Instrumenten, um mit "War Machine" den ersten Track des Abends anzustimmen. Wie ein intonierter Nebel wabert der Sound durch die Halle, legt sich um die Schultern der Anwesenden und lässt sie nicht mehr los. Lässig lehnt man sich zurück in das dicht gesponnene Netz des psychedelischen Songs. Der BRMC lässt sich Zeit für den Aufbau der Atmosphäre. Bedächtig, fast behäbig wirkt der Einstieg in das Set. Das Trio scheint es zu genießen, mit den Erwartungen des Publikums zu spielen. Diese sind hoch. Immerhin steht der BRMC für Qualität wie für Quantität. Neben seinem großartigem Live-Potential weiß die Band auch durch zum Teil dreistündige Konzertunterhaltung zu überzeugen. Im Mittel der regulären Spielzeit zieht das Trio das Tempo an. Die musikalische Interaktion mit dem Publikum nimmt zu. An Ansagen wird dagegen gespart. Vielleicht haben sich Hayes und Levon Been im Vorfeld ausgerechnet, auf wie viele Songs man im Set verzichten müsste, würde man die Zeit mit redundantem Geplauder verbringen. Vielleicht sind sie auch einfach nur wortkarg. Anstelle verbaler Kommunikation scheint die Band stattdessen die musikalische Variante des Ambilight für sich entdeckt zu haben: Ein Meer aus rotem Licht ergießt sich bei "Red Eyes And Tears" über die Bühne und lässt die drei Akteure wie Schatten darin tanzen. Das Publikum absorbiert die frei gewordene Energie. Brandaktuelle Tracks wie "Beat The Devil’s Tatoo" oder "Aya" werden ebenso frenetisch gefeiert, wie große Hits á la "Love Burns" oder "Berlin". Der wuchtige bassgetriebene Sound okkupiert die Halle, nimmt sich den Raum, den er braucht, schraubt sich unter die Decke der Essigfabrik, als wolle er die abgeplatzten Farbblätter ergreifen, um sie in breiten Streifen herunterzureißen. In ihm lassen sich Crowdsurfer auf den Händen der restlichen Konzertbesucher treiben. Den Abschluss des regulären, 13 Stücke umfassenden Sets bildet "Whatever Happened To My Rock 'N' Roll".

Die Antwort auf die Frage des Tracks erhalten die Anwesenden im ersten Zugabenblock. Den Einstieg in diesen liefert ein akustischer Alleingang von Robert Levon Been, für den der Sänger den Bass gegen eine Gitarre eintauscht und direkt vor dem Absperrgitter des Fotograbens Platz nimmt. Handys werden gezückt, um den Moment foto- oder videografisch festzuhalten. Levon Been zeigt sich von dem Gewusel unbeeindruckt. Professionell spielt er sich durch den Song und leistet dabei gesangstechnisch makellose Arbeit. Der Zugabenblock umfasst sechs weitere Tracks, unter denen sich auch das großartige "Six Barrel Shotgun" und "Spread Your Love" befinden. Nach einem kurzen Break finden sich Hayes, Levon Been und Shapiro erneut auf der Bühne ein, um mit "Stop" den zweiten Zugabenblock einzuläuten. Es folgen "Shadow’s Keeper" und "Open Invitation", mit denen BRMC das Konzert nach 120 Minuten beenden.

Vor der Essigfabrik trifft man im Schatten der Aurora Türme auf Freunde, deren Begrüßung aus einer Frage besteht: "Wie geil war das denn, bitte?!" Dass man den Black Rebel Motorcycle Club an diesem Abend in Höchstform erlebt hat, ist demgegenüber keine Frage, sondern ein Fakt. Das Trio hat sich das Prädikat, eine der besten Live-Bands dieser Tage zu sein, zurecht erspielt. Was die berüchtigte Drei-Stunden-Spielzeit-Marke betrifft: Wo bliebe die Spannung, wenn jeder Gig 360 Minuten umfassen würde? Unberechenbar sind eben nur Rebellen.


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