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POPCONNECTION - Konzerte - Blumfeld - 11. September 2014, Skaters Palace, Münster
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Blumfeld

BLUMFELD

11. September 2014, Skaters Palace, Münster
Autor: Katja Embacher
Foto: Frank Egel

Joyeux Anniversaire "L'Etat Et Moi"! Blumfelds musikalischer Meilenstein ist 20 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat sich die Band in Originalbesetzung auf eine kleine Jubiläumstour begeben, um das Ereignis mit den Fans zu feiern.

Blumfeld gehören zu den Urgesteinen der Hamburger Schule. Eine Band, die mit ihren politischen Texten beeinflusste und prägte. Nachdem sich Blumfeld 2007 auflöste, ist die Jubiläums-Reunion der erste Live-Auftritt seit sieben Jahren. Ein Gros des Münsteraner Publikums bewegt sich jenseits der Mittdreißigermarke. Aus den einstigen Politik-, Germanistik- und Philosophiestudenten sind Doktoren geworden, die das Management mittelständiger Unternehmen bereichern. Am Ende haben Alltag und Älterwerden uns alle eingeholt. Sie, mich und auch Blumfeld, die zwar zu früher Stunde, aber dennoch zu spät die Bühne betreten. Unter der Prämisse, dass das Konzert für 20 Uhr angesetzt war und überall auf den pünktlichen Beginn hingewiesen wurde, bewegt sich die Band mit ihrem Erscheinen um 20:30 Uhr jenseits aller akademischen Viertel.

Der Hubschrauber landet. Gleich zwei Mal. Nachdem das Intro in doppelter Form abgespielt wurde, beginnen Jochen Distelmeyer, Eike Bohlken und André Rattay mit der 20-Jahr-Feier zu "L'Etat Et Moi". Das Album ist nicht das einzige Geburtstagskind des heutigen Abends. Auch Schlagzeuger Rattay feiert seinen Ehrentag, zu dem ihm die Band zu fortgeschrittener Stunde mit Unterstützung des Publikums mit "For He's A Jolly Good Fellow" gratuliert. Begonnen wird jedoch mit "Draußen auf Kaution", das mich leider nicht so packen will, wie ich es mir an dieser Stelle gewünscht hätte. Ob es an dem mittelmäßigen Sound liegt oder an meiner zu hoch angesetzten Erwartungshaltung, vermag ich nicht einmal genau zu sagen. Vielleicht ist es eine Mischung aus beidem. Auch das Publikum wirkt etwas verhalten. Man applaudiert zwar brav, von jener Begeisterung, die man bei der Zelebration eines 20-jährigen Jubiläums erwartet, ist es jedoch weit entfernt. Das bemerkt auch Jochen Distelmeyer, der nach "Jet Set" die Anwesenden begrüßt und anmerkt, er habe Münster anders in Erinnerung. Dieses bzw. seine Konzertbesucher geben sich Mühe, kommen aber lautstärketechnisch wohl nicht an den Dezibelbereich vergangener Tage heran. Vielleicht sind wir alle ruhiger geworden. Gemäßigter. Routinierter. Letzteres trifft zumindest auf Blumfeld zu, die sich mit erfahrener Abgeklärtheit durch das Set spielen. Hier schließt sich der Kreis mangelnder Euphorie, denn auch seitens der Band hatte man ein anderes Begeisterungslevel erwartet.

Dabei ist das Konzert nicht schlecht: Es macht Spaß, Songs wie "Eine eigene Geschichte", "Ich – wie es wirklich war" oder "Zeittotschläger", die man lange nicht gehört hat, durch den Saal rumpeln zu hören. Ich mag das dumpfe Drängen, das Tracks wie "Ghettowelt" und "Von der Unmöglichkeit Nein zu sagen, ohne sich umzubringen" immer noch umgibt. Dieses berechtigte Dagegen, die sperrige Negation, die trotzige Verweigerungshaltung. Eben diese scheint auch Blumfeld noch anzutreiben. So lässt es sich Jochen Distelmeyer nicht nehmen, sich zu Beginn des ersten Zugabenblocks eine Zigarette anzuzünden, die er beim Versuch, sie in den Saiten seiner Gitarre zu verkanten, verliert. "Jaja, die kleinen Sünden...", kommentiert er den Verlust lachend. Den Rausschmeißer des Abends gibt mit "Verstärker" einer der besten deutschsprachigen Indie-Songs, die jemals das Licht der Welt erblickten.

Was ich dennoch merke, ist dass sich am heutigen Abend leider nicht "Mystery und Hystery und Hisstory verstärken". War die Erwartung zu groß oder ist unsere Generation einfach zu träge geworden, um musikalische Jubiläen angemessen zu zelebrieren? Die Antwort findet sich irgendwo dazwischen. Als eine Konzertbesucherin während einer kurzen Pause zwischen den Tracks den Wunsch nach "Kommst du mit in den Alltag" in die Stille rief, kommentierte Distelmeyer dies grinsend mit den Worten "Klar! Das hier ist mein Alltag – Dank euch!" Ja, er hat Recht. Ja, das erklärt die Routine, mit der Blumfeld hier heute Abend die Bühne betreten und "L'Etat Et Moi" präsentiert haben. Das erklärt jedoch auch, warum das Publikum verhaltener reagiert, als noch vor 20 Jahren. Weil es zu diesem Zeitpunkt nicht acht Stunden in einem Büro verbracht hat, bevor es auf ein Blumfeld-Konzert gefahren ist. Erwartungen hin, Maloche her, was Münster hier an diesem Abend erlebt hat, war ein Blumfeld-Konzert ohne Fehl und Tadel. Um diesen Abend einer Geburtstags-Reunion angemessen zu gestalten, hätte von beiden Seiten allerdings mehr kommen müssen.


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