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POPCONNECTION - Konzerte - Editors - 24. April 2010, Pier 2, Bremen
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Editors - 24.04.2010, Pier 2, Bremen

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24. April 2010, Pier 2, Bremen
Autor: Katja Embacher
Foto: Jenny Schnabel

Ein azurblauer Himmel erstreckt sich über Bremen. Nachdem man den Nachmittag damit verbracht hat, an der Weser-Promenade nahe des Pier 2 Sonne zu tanken, erscheint der Gedanke, den Tag in den dunklen Synthiewelten der Editors ausklingen zu lassen, fast ein wenig seltsam. Es dauert einen kurzen Moment, bis sich die sonnenverwöhnten Augen an die Dunkelheit innerhalb der Konzerthalle gewöhnt haben. Der erste Blick schweift durch den bis dato halb gefüllten Raum, der zweite bleibt an der Bühne haften. Nach der formidablen Light-Show der letzen Tour ist man gespannt, womit die Editors dieses mal aufwarten werden. Ein schwarzer Vorhang schürt die Erwartung und hütet das technische Geheimnis.

Der Beginn der Show ist für 20:00 Uhr angesetzt. Durch den Ausfall der Opener Airship heißt es für die Anwesenden ausharren, bis iLiKETRAiNS um 20:30 Uhr die Bühne betreten und das Publikum mit einem faszinierenden Auftritt für die Wartezeit entschädigen. Die Kraft liegt in der Ruhe der Songs und der unglaublich vereinnahmenden Gesangsleistung von David Martin. Fast schüchtern bedankt er sich bei den Anwesenden dafür, dass sie iLiKETRAiNS gemocht haben. Als wenn man bei dieser großartigen Band anders könnte, als sich seufzend zu verneigen.

Das Geheimnis der Light-Show wird um Viertel vor zehn gelüftet. Das Auge erblickt ein mechanisch anmutendes Gebilde, das an das Innenleben einer Maschine erinnert. Skizzierte Zahnräder und Apparaturen, in die vier LED-Wände eingebettet sind, die wie Bilderrahmen gestaltet sind. Mögen diese zunächst noch ein wenig unscheinbar erscheinen, so wird im Laufe des Konzerts klar, welche optischen Möglichkeiten diese kleinen Freunde bieten.

Die Editors eröffnen ihr Set mit den brachialen Synthieklängen von "In This Light And On This Evening", die sich dumpf grollend ihren Weg durch den Raum bis hinauf in die Emporen des Pier 2 bahnen. Ähnlich wie das Bühnenbild funktionieren auch die Editors wie eine perfekt geölte Maschine: Jeder Akkord sitzt, jeder Ton wird getroffen. Mit punktgenauer Präzision werden Sänger Tom Smiths Gitarren gereicht, die er schwungvoll ergreift, während er zwischen Keyboards und Synthezisern hin und her wirbelt. Trotz multiinstrumentaler Höchstleistung findet sich der agile Frontmann jedes Mal rechtzeitig zum vokalen Einsatz am Mikrophonständer ein. Ebenso bleibt Zeit für gekonnt platzierte Theatralik zur Emphase der Songs und - trotz aller Routine - für sympathische Kommentare zur leicht maroden Bestuhlung von Drummer Ed Lay.

Das Set fokussiert sich in erster Linie auf Songs des aktuellen Longplayers "In This Light And On This Evening", das durch große Highlights wie "Bullets", "Munich" oder "An End Has A Start" komplettiert wird. Als "Smokers Outside Hospital Doors" nach der desillusionierten Feststellung "I can't believe you if I can't hear you" in den Chorpart mündet, für den Bassist Leetch und Schlagzeuger Lay gesangstechnisch bemüht werden, macht sich bei der Schreibenden trotz der zuvor getankten Sonnenwärme ein Frösteln bemerkbar, das sich im weiteren Verlauf des Songs zu einer waschechten Gänsehaut auswächst. Neben neuen und alten Lieblingsstücken haben die vier Briten mit der B-Seite "My Life As A Ghost" und dem bisher unveröffentlichten "Last Day" auch bisher unbekanntes und ungehörtes Material im Gepäck. Einziger Wermutstropfen bleibt, dass es "You Are Fading" an diesem Abend nicht in die Setliste geschafft hat. Beeindruckend ist dabei immer wieder die Arbeit des Lichttechnikers, der an diesem Abend ganze Arbeit leistet. Hinter Lasern und Spots zaubern die LED-gesteuerten Bilderrahmen flackernde Lichtreflexe an die Bühnenwand, bei "Eat Raw Meat = Blood Drool" fließen rote Schnüre herunter, die im Refrain in die (Schlag)Worte "You", "Him" und "Her" münden. Von schemenhaft übereinandergelegten Bildsequenzen bis hin zu Einblendungen der Akteure auf der Bühne, die über Miniaturkameras eingefangen werden, reicht die Bandbreite der Technik. Ein Beiwerk, dass zweifelsohne zu beeindrucken weiß, ohne vom eigentlichen Geschehen abzulenken.

Nach einer Stunde Spielzeit verabschieden sich die Editors von den Anwesenden. Die Verlängerung in Form des Zugabenblocks wird von Sänger Tom eingeläutet, der sich festen Schritts zum Piano begibt, um "No Sound But The Wind" aus dem "New Moon"-Soundtrack anzustimmen. Die Anwesenden folgen ihm andächtig, um kurze Zeit später mit "Bricks And Mortar" wieder in jene Energetik hineingerissen zu werden, der man sich den ganzen Abend über nicht entziehen kann. Die Leuchtdioden zeichnen die Linien eines Herzschlags, vier überdimensionale EKGs, die zwischen hektischem Kammerflimmern und einzelnen Ausschlägen pendeln. Man wartet auf eine Flatline zum Ausklang, die jedoch nicht erscheint. Stattdessen legen die Editors mit "Papillon" noch eine letzte Schippe drauf. Jeder, der latent die Befürchtung in sich trug, die Band könnte mit ihrem Wechsel in synthetische Soundgefilde einen Teil ihrer Anhängerschaft verloren haben, wird hier eines Besseren belehrt. Das Publikum ist nicht nur anwesend, es ist mittendrin in dem allumfassenden Synthie-Gewitter. Es wird gesprungen, die Arme gen Himmel gereckt. Die aufgeheizte Stimmung hält auch noch bei dem trotzig aufstampfenden "Fingers In The Factories" an, mit dem sich die Editors nach knapp eineinhalb Stunden endgültig von den Bremern und Zugereisten verabschieden.

Als man das Pier 2 verlässt darf man sicher sein, an diesem Abend die Welt einatmen gehört zu haben.


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