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POPCONNECTION - Konzerte - Oasis - 16. Januar 2009, Alsterdorfer Sporthalle, Hamburg
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Oasis - 16.01.2009, Alsterdorfer Sporthalle, Hamburg

OASIS

16. Januar 2009, Alsterdorfer Sporthalle, Hamburg
Autor: Andreas Kussinger
Foto: Jenny Schnabel

Eineinhalb Jahrzehnte ist es schon her, dass fünf Jungs aus Manchester, die sich nur für die Spiele von Man-City und noch ein bisschen mehr für Musik interessierten, den Rock'n'Roll neu erfanden. Heute sind von den fünf nur noch zwei übrig geblieben, der Name der Band, ohnehin nur mit dem Nachnamen der beiden Veteranen untrennbar verbunden, ist immer noch der selbe – Oasis, gehasst, geliebt, dazwischen geht nicht. Auch daran hat sich nichts geändert. Mittlerweile sind die Herren Gallagher Familienväter, die letzte Bühnenschlägerei ist fast vergessen, und Machester City gehört einem ausländischen Finanzinvestor – Trotzdem haben sie im vergangenen Jahr ein neues Album veröffentlicht und sich auf die Reise gemacht, um irgendwann 2009 die größte Tour der Bandgeschichte zu ende gespielt zu haben. Am 16. Januar führte sie der Weg nach Hamburg, und wir waren dabei. Still mad fer it!

Alsterdorfer Sporthalle – Das klingt für nicht mit der Örtlichkeit vertraute, weit angereiste Fans mehr nach Freizeit-Fußballturnier denn nach "Cigarettes & Alcohol". Vor der Halle angekommen kann man dann zwar keinen alten Herren beim Fußballspielen zusehen, wohl aber eifrigen Leichtathleten, die in der benachbarten Trainingshalle Räder schlagen, am Reck turnen oder an ihrer Sprintschnelligkeit arbeiten, während die ersten Oasis Fans sich vor den Einlassschleusen mit Kippe und Bier die Beine in den Bauch stehen. Drinnen angekommen herrscht tatsächlich Sporthallen-Flair, statt Leistungssportlern trifft man aber eine lustige Mischung verschiedenster Menschen. Da sind deutsche Liam Look-a-Likes und kahl geschorene Engländer, ein paar ergraute Mods und sehr viele Mittdreißiger mit Bauchansatz – 15 Jahre im Rock'n'Roll Geschäft gingen auch an den Fans nicht spurlos vorüber.

Bevor Oasis die Bühne betreten, schicken sie die Kinder aus der Nachbarschaft auf die Bühne. Twisted Wheel, ebenfalls aus Manchester, klingen in guten Momenten wie The Jam und in schlechten wie eine Schüler-Punkrockband aus Neumünster, können aber zumindest mich mit ihrem recht kompromisslosen, antiquarischen Punksound überzeugen. Beim Rest des Publikums halten sich die "Buh"- und "Oasis" Rufe in etwa die Waage mit Beifallsbekundungen, der mit Abstand größte Teil der Oasis Fans nutzt die verbleibende Zeit jedoch lieber, um sich mit Bier zu versorgen. Vielleicht sind einige auch neidisch auf München, immerhin werden dort Glasvegas den Abend eröffnen.

Um Punkt 21:00:02 Uhr erlöschen die Lichter und Oasis betreten zu den Klängen von "Fucking In The Bushes" die Bühne und werden empfangen vom obligatorischen Becherhagel. Alles wie immer also, zum Glück, denn auch der wohlige Gänsehaut-Schauer bleibt nicht aus. Bei "Rock'n'Roll Star" kommen die angesprochenen Mittdreißiger zum Zug, die lautstark mitsingen und ihrer Jugend nachtrauern. "Lyla" und "The Shock Of The Lightning", die Hits der neuen Zeit, überzeugen schließlich auch die jüngeren Fans, die 1994 noch Die Prinzen und Die Ärzte hörten. Bei "Cigarettes & Alcohol" sind schließlich alle lautstark mit dabei, der gemeinsame Nenner aller Generationen von Oasis-Fans.
Das übrige Set bietet keine Überraschungen, die echten Fans hatten sich ohnehin schon im Vorfeld die Setlisten vergangener Konzerte besorgt. Gerüchte, wonach "The Importance Of Being Idle" zugunsten von "Half The World Away" aus dem Programm fliegt, stellen sich als falsch heraus. An B-Seiten aus der guten alten Zeit mangelt es dennoch nicht, Noel gibt "The Masterplan" zum Besten, abgerundet wird das Konzert natürlich von "I Am The Walrus". Über die Auswahl der Songs vom aktuellen Album kann man streiten, statt "Bag It Up" und "The Turning" bekommt man, neben dem wunderbaren "I'm Outta Time", "Ain't Got Nothin'" und "To Be Where There's Life" zu hören.

Oasis bieten eine tolle Show, absolut professionell, die Posen wurden über Jahre hinweg perfekt einstudiert und werden auf den schmalen Leinwänden über den Köpfen der Band mit Nahaufnahmen perfekt in Szene gesetzt. Das Publikum ist zur Stelle und bildet den würdigen Rahmen für die Gallaghers, die für den oft beschworenen Rock-Olymp schlichtweg zu cool sind. Nach wie vor. Liams Stimme ist eine Katastrophe, aber nachdem man die Hoffnung, dies würde sich jemals wieder ändern, schon etwa 2001 aufgegeben hat, fällt dies nicht weiter ins Gewicht. Ansonsten gibt er sich sprichwörtlich zugeknöpft, dicker Mantel und Schal bleiben bis zum letzten Akkord am Körper. Ein bisschen gespielte Empörung über die Bühnentechnik und die Einstellung der Monitore, die üblichen "This One's for The Ladies" Ansagen und eine kleine Autogrammpause während eines Gitarrensolos reichen, um sich der Gunst des Publikums sicher zu sein. Noel gibt sich gut gelaunt und einigermaßen redselig, bei seinen Soloparts gewohnt genial – Vor allem "Falling Down" entpuppt sich auch live als bester Song des neuen Albums. "The Masterplan" und "Don't Look Back In Anger" gehören ebenfalls zu den grandiosesten Momenten des Abends. Neu hinzugekommen ist Schlagzeuger Chris Sharrock, der mit seiner wirklich furiosen, sehr sehenswerten Spielweise nicht nur klanglich, sondern auch visuell überzeugt. Ja, und die anderen beiden? Gem Archer steht so weit am Bühnenrand, dass man ihn schon beinahe für einen Roadie halten könnte, Andy Bell kaut Kaugummi. Mehr gibt's dazu eigentlich nicht zu sagen.

Highlights des Abends? Viele, sehr viele. "Slide Away" ist immer noch so schön, dass es weh tut, "Don't Look Back In Anger", gesungen von 5000 Fans und von Noel auf der Akustikgitarre begleitet, sorgt zuverlässig für Gänsehaut und ehrfürchtiges Staunen. "Wonderwall" beschert schließlich auch den Mädchen auf den Tribünen einen gelungenen Abend. Alle sind also zufrieden. Alle? Bis auf die Leichtathleten, die, entnervt angesichts der rauchenden, trinkenden und Parkraum wegnehmenden Eindringlinge in ihr Reich, wohl so gar nicht verstehen können, wie man anno 2009 noch so verrückt nach Musik des vergangenen Jahrzehnts sein kann. Aber ich hab Freitag-Abends auch besseres zu tun als Reckturnen!


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