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POPCONNECTION - Konzerte - Ride - 26. Mai 2015, Paradiso, Amsterdam
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Ride

RIDE

26. Mai 2015, Paradiso, Amsterdam
Autor: Katja Embacher
Foto: Pressefoto

Ride. Reunion. 2015. 18 Jahre nach dem Split der Band erscheint die Ankündigung der Europa-Tourdaten Ende letzten Jahres fast surreal. Für mich bedeutet die Bekanntgabe der Konzertdaten eine Fahrt nach Amsterdam. Mit einer Erwartungshaltung im Gepäck, die so groß ist, dass sie nicht in den Trolley passt. Also packe ich sie auf meine Schultern und trage sie mit mir bis ins Paradiso, eine der schönsten Spielstätten der niederländischen Hauptstadt.

Das Paradiso ist nicht einfach nur eine Konzertlocation. Das hier ist Geschichte. Man atmet sie, während man durch die Pforten ins Foyer tritt. Man kann sie spüren, wenn man im Grote Zaal vor der Bühne steht. Sie umgibt dich, wenn du oben auf einer der Galerien stehst. Auf dem Podium unter den riesigen Bogenfenstern haben Legenden gespielt: Rolling Stones, Sex Pistols, Joy Division, David Bowie, Pink Floyd, Nirvana. Heute ist es die Geschichte von Ride, die in dem ehemaligen Kirchengebäude an der Weteringschans weitergeschrieben wird. Das Quartett, das nach seiner Gründung in den späten 80ern zu einer der Ikonen des Shoegaze avancierte, gehört zu jenen Bands, deren Alben die musikalische Sozialisation so manchen Musiknerds geprägt haben. So auch meine, die ich an diesem Abend auf der unteren Galerie meinen Platz gefunden habe.

Unter den Intro-Klängen des This Mortal Coil-Songs "Fyt" betreten Ride die Bühne. Ihnen brandet ein Applaus von 3.000 Händen entgegen, während Andy Bell, Mark Gardener, Laurence Colbert und Steve Queralt sich hinter ihre Instrumente begebe und mit "Leave Them All Behind" ihr Set beginnen. Psychedelische Lichtkreise wandern über die dreiäugige Fensterfront, während der Sound erhaben durch den Raum gleitet und dabei 1.500 Gesichter streift. Das Paradiso ist bis auf den letzten Platz ausverkauft. Das Gros der Anwesenden kennt die Band noch aus ihren Heydays. Das Durchschnittsalter bewegt sich demnach irgendwo zwischen Mitte 30 und Mitte 40. Von Äußerlichkeiten abgesehen hat sich nicht viel verändert. Da erstere belanglos sind, fällt letzteres umso stärker ins Gewicht.

Ride zelebrieren an diesem Abend eine Zeitreise mit Stahlsaiten als Transportmittel. Die Band aus Oxford spielt sich durch ein Set aus alten Lieblingsliedern - "Seagull", "Taste", "Sennen", "Dreams Burn Down", "Cool Your Boots", "Paralysed" - mit jedem Song steigert sich die Stimmung im Saal. Einen der Höhepunkte erreicht der Trip in die Vergangenheit, als das Quartett "Vapour Trail" anstimmt. Bereits bei den ersten Akkorden geht ein Raunen durch die Menge, dem ein Ruck folgt. Chöre branden durch den Saal. Der Blick nach unten offenbart eine Menschenmenge, die die Arme in die Luft reckt, während um mich herum all jene aufstehen, die es sich zuvor auf den Stühlen der Galerien Platz gemütlich gemacht hatten. Ein großer Moment! Ob die Gänsehaut auf meinen Armen oder das Grinsen in meinem Gesicht überwiegt, vermag ich nicht zu sagen. Mit Sicherheit weiß ich jedoch, dass diese fünf Minuten zu den besten in der Geschichte meiner Konzertbesuche zählen. Ohne Umwege folgt mit "Drive Blind" ein weiteres Highlight. Mit einem Soundgewitter aus Gitarren und Lichtblitzen prügeln Ride das Publikum aus dem offiziellen Set hinaus in den Zugabenblock, um ihnen in eben diesem noch "Nowhere", das enthusiastisch gefeierte "Mouse Trap" und "Chelsea Girl" um die Ohren zu schlagen.

Als ich den Grote Zaal nach einem knapp zweistündigen Set verlasse, fühle ich mich leicht. Die Erwartungshaltung ist weg. Erfüllt. Verschwunden irgendwo im Deckengewölbe des Paradisos. An ihre Stelle ist ein immenses Glücksgefühl getreten, wie nach einer doppelten Portion Prozac. Ein nostalgisches Seufzen und ein Grinsen, das ich mir auch zwei Tage später immer noch nicht ganz aus dem Gesicht wischen kann. Ride. Reunion-Tour 2015. Und, verdammt noch mal, ich war dabei!



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