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POPCONNECTION - Konzerte - The Big Pink - 31. Oktober 2009, Gebäude 9, Köln
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The Big Pink - 31.10.2009, Gebaeude 9, Koeln

THE BIG PINK

31. Oktober 2009, Gebäude 9, Köln
Autor: Katja Embacher
Foto: Jenny Schnabel

Es ist Halloween, die Nacht, in der die Geister umherirren, bevor der Fährmann ihre Seelen einsammelt, um sie endgültig in die Welt jenseits des großen Flusses der Zeit zu geleiten. Es ist kalt, nasses Laub unter den Füßen kommentiert jeden Schritt in Richtung des Gebäude 9 mit einem fauligen Schmatzen. Der perfekte Rahmen für ein Konzert von The Big Pink - der noisy Shoegaze-Entdeckung des Jahres!

Geisterhaft ist auch der erste Eindruck, den man an diesem Abend hat, als The Big Pink nebst Live-Bassist Leopold Ross und Drummerin Akiko Matsuura in einem flackernden Stroboskop-Inferno die Bühne betreten. Die Zelebration des keltischen Winteranfangs lassen sich die Briten trotz Tourlebens nicht nehmen: Schwarz-weiße Schminke ziert die Gesichter, rote Rosen prangen an den Shirts. Flores para los muertos. Ein Hauch von 80s-Punk umweht das Outfit von Sänger Robbie Furze, der mit einem ärmellosen T-Shirt, schweren Boots und gemäßigtem Locken-Iro die Bühne entert und sich sogleich an seiner Gitarre zu schaffen macht. In dem neun Stücke umfassenden Set bleibt keine Zeit für große Gesten.

Mit punktgenauer Präzision greifen die Akkorde und Basslines ineinander. Jeder Ton, jeder Vocalpart sitzt wie eine Eins. Die musikalische Erfahrung des Duos Furze/Cordell merkt man hier mehr als deutlich. Der Ex-Gitarrist Alec Empires Robbie Furze und sein Hate Channel-Kompagnon und Chef des Merok Labels Milo Cordell gehören zweifelsohne zu den alten Hasen des Business. Auch das Publikum bewegt sich vom Altersdurchschnitt eher an und über der magischen 30er Grenze. Menschen, denen Adorable noch ein Begriff ist und die beim Namen My Bloody Valentine nicht von dem unseligen Remake eines Films sprechen. Solide Freunde des Independent ohne Pseudo-Schick und Fönfrisur, deren musikalische Sozialisation in den späten 80ern und frühen 90ern begann. The Big Pink greifen eben diese Einflüsse auf und machen der Tradition des Shoegaze an diesem Abend alle Ehre. Interaktionen mit dem Publikum sind nebensächlich. Die Anwesenden werden erst nach dem fünften Tracks des Abends kurz und knapp begrüßt. Man konzentriert sich auf das Wesentliche: Die Musik. The Big Pink brauchen keine großen Worte, um zu überzeugen. Allerdings lässt sich Robbie Furze zwischenzeitlich durchaus zu körperlichen Anstrengungen hinreißen, wenn er druckvoll in die Saiten seiner Gitarre holzt und dabei im Takt mit dem Fuß aufstampft. Energetik, die Spuren hinterlässt. Jene Schweißperlen, die der drahtige Londoner nicht aus seinen dunklen Locken heraus in kleinen Tropfen ins flackernde Licht schleudert, ziehen kleine schwarze Linien in das weiße Make-Up und lassen die Schnittstellen von Weiß und Schwarz zu einem weichen Grau verschwimmen.

Als die ersten Klänge von "Velvet" angestimmt werden, fühlen sich einige jüngere Damen aus dem Publikum geneigt, nach vorn zu treten, um den geringen Platz vor der Bühne als Tanzfläche zu nutzen. Die restlichen roundabout 120 Anwesenden verharren in stummen Nicken und Wippen. Ein Blick in die Runde zeigt beeindruckte Gesichter, die die Atmosphäre des Abends in sich aufzusaugen scheinen. Ebenso wie den Nebel, der sich immer wieder seinen Weg über die Bühne und ihren Rand hinaus in den dunklen Saal bahnt. Ein surreales Szenario aus wabernden Schwaden, und grellgelben Spotlights. Mittendrin die schemenhaften Umrisse der Hauptakteure, die ihren Soundmix aus ausgedehnten Gitarrensoli und dunklen Synthieklängen mit Tracks wie "Crystal Visions", "Frisk" oder "Count Backwards From Ten" regelrecht durch den Raum zu pressen scheinen.

Nach einer Dreiviertelstunde ist der Spuk vorbei. The Big Pink entlassen die Anwesenden mit der Hit-Single "Dominos" hinaus in die nasskalte Nacht. Noch knappe zwei Stunden bis zur Geisterstunde. Zeit genug, um mit dem Snack-Automaten am Deutzer Bahnhof "Trick or Treat" zu spielen. Zeit genug, um im Zug noch zwei Mal "A Brief History Of Love" zu hören. Zeit genug, um sich noch einmal retrospektiv in der Atmosphäre des Abends zu verlieren. Wortlos, sprachlos und immer noch beeindruckt von dieser großartigen Live-Band.


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