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POPCONNECTION - Konzerte - The Wombats - 06. April 2008, Atomic Café, München
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The Wombats - 06.04.2008, Atomic Cafe, Muenchen

THE WOMBATS

06. April 2008, Atomic Café, München
Autor: Andreas Kussinger
Foto: Pressefoto

Noch vor einem halben Jahr waren "Wombats" nur kleine, kuschelige Tiere, die außerhalb Australiens allenfalls WWF-Umweltschutzaktivisten ein Begriff waren. Seit sich drei Liverpooler nach einer durchzechten Nacht nach den Beuteltieren benannten und sich anschließend anschickten, mit ihrer Musik groß rauszukommen, denkt man beim Namen "Wombats" vor allem an die Hits "Kill The Director" und "Let's Dance To Joy Division", die sich im Gehörgang festsetzen. Am vergangenen Sonntag beehrten Matthew Murphy, Dan Haggis und Tord Øverland Knudsen im Rahmen ihrer Deutschlandtour das Münchener Atomic Cafe und sorgten für ausgelassene Stimmung, ohnmächtige Mädchen und den vielleicht jüngsten Altersschnitt in der Geschichte des Clubs.

Das Spektakel war seit Wochen ausverkauft, die letzten Schwarzmarktkarten wechselten bei Ebay für knapp 80 Euro den Besitzer. Erinnerte stark an Mitte Februar, als Pete Doherty mit seinen Babyshambles die bayerische Landeshauptstadt besuchte. Wenigstens konnte man sich bei den Wombats (relativ...dazu später) sicher sein, dass sie auch zum Konzert erscheinen würden, und zumindest ein Drittel der Band hatte ich ja Mittags bereits zum Interview getroffen. Wie immer wenn das Atomic Cafe ausverkauftes Haus vermeldet, ist auch dieses Mal ein Teil der Konzertbesucher dazu verdammt, statt der Bühne die beiden großen, roten Säulen in der Mitte des Raums anzustarren. Entsprechend groß ist bereits bei der Vorband das Hauen und Stechen um die besten Plätze.

Zur Vorband lässt sich nicht viel sagen, ein kurzer Blick auf die Bühne lässt mich irritiert feststellen, dass dort Typen mit schwarzen Hemden und roten Krawatten stehen, deren Erscheinungsbild mich an My Chemical Romance erinnert. Und ich meine, sofern ich dies nicht angesichts dieses ersten Eindrucks eine naheliegende Einbildung ist, unter den Augen des Sängers schwarze Schminke in Tränenform zu erkennen. Irgendjemand neben mir weiß, dass die Herren The Parlotones heißen und aus Südafrika kommen. Aha. Trotzdem lieber nochmal kurz der Bar einen Besuch abstatten und das Geschehen aus der Ferne betrachten. Vom Sound her gar nicht mal so übel, muss man anerkennen. Nach etwa einer halben Stunde ist das ganze dann auch zu Ende.

Nun, eine weitere halbe Stunde vergeht, ohne dass sich auf der mittlerweile umgebauten Bühne etwas regt. Wieder 20 Minuten später, werden die ersten Besucher, die sich wohl schon seit geraumer Zeit im dichten Gedränge unmittelbar vor der Bühne befinden, etwas ungeduldig. Wieder einige Zeit später wird man schließlich darüber in Kenntnis gesetzt, dass es eine Verzögerung gäbe und der Drummer "abgängig" sei. Was mag das wohl heißen. Der Vergleich mit Pete Doherty ist also doch nicht so weit her Nach weiteren 15 Minuten vermelden Freunde von mir, dass Schlagzeuger Dan soeben vorm Club aus einem Taxi gesprungen ist, und tatsächlich betreten zwei Minuten später drei Herren die Bühne und werden frenetisch begrüßt.

"Tut mir echt leid, dass ihr warten musstet, aber ich habe heute schon zwei Flugzeuge verpasst", berichtet uns der Herr an den Drums, die Menge nimmt es ihm nicht übel, vor allem weil die drei sich sofort mächtig ins Zeug legen und sich beim Publikum nach stundenlangem Warten offenbar einiges entlädt. Die Atomic-Haustechniker, die am vorderen Bühnenrand mit ihren Armen Absperrgitter spielen müssen, können einem schon nach wenigen Minuten leid tun. Schon bald müssen die weiblichen Besucher in den vorderen Reihen angesichts des gnadenlos schiebenden Mobs kapitulieren und ihr Glück weiter hinten versuchen (die Mädchen, die bis zum Schluss ganz vorne durchhalten, werden am Ende von ihren Freunden völlig entkräftet weggetragen werden). Vielleicht sollte man sich auf Seiten der Atomic-Geschäftsführung mal überlegen, die ein oder andere Karte weniger in den Verkauf zu geben. Immerhin gab es gegen Ende des Konzerts Gratis-Wasser für die dehydrierten Körper vor der Bühne.

Vom einstündigen Überlebenskampf, dem man sich ausgesetzt sah, abgesehen, hielt der Abend in jeder Hinsicht, was er versprochen hatte. Dem hervorragenden Ruf, den die Wombats bei der Live-Performance genießen, wurden sie absolut gerecht. Balladen? Fehlanzeige. Bei den Liverpoolern ist jeder Song ein drei minütiges Gitarrenfeuerwerk, sich dazu nicht zu bewegen fällt schwer. Den Melodien kann man sich nicht entziehen, und die einfach gestrickten, aber dennoch intelligenten Texte liegen einem sofort auf den Lippen, selbst wenn man das Album noch nicht allzu oft durchgehört hat. Die Jungs haben Spaß auf der Bühne, und lassen das Publikum daran teilhaben. Ein etwas korpulenterer Engländer, der mit Zwischenrufen vom Bühnenrand, später auch mit Tanzeinlagen auf der Bühne auffällt, wird uns schließlich als Tourbusfahrer vorgestellt. Nachdem er schon einmal bekannt gemacht wurde, bleibt er auch gleich auf der Bühne und singt ein bisschen mit. Frontmann Matthew redet viel mit dem Publikum, und sorgt so wenigstens für ein paar Sekunden Verschnaufpause, ehe der nächste Hit angestimmt wird. Hits? Nun ja, welche Songs soll man da herauspicken, natürlich das grandiose "Let's Dance To Joy Division", bei dem wirklich niemand im Raum mehr still steht, und auch "Moving To New York" und "Kill The Director". Auch ein neuer Song ist im Programm, der sich nahtlos in das Programm einfügt. Die drei Briten verausgaben sich wirklich auf der Bühne, der Tour-Kalender ist mit 50 Konzerten bis Mitte September voll, wie die Herren das durchstehen wollen, weiß ich nicht. Als Zugabe gibt's schließlich noch "Backfire At The Disco" und "My First Wedding".

Obwohl einige Konzertbesucher wohl noch eine Weile mit den Nachwirkungen kämpfen werden, es war ein wirklich gelungener Abend, an dem sich sicher niemand unzufrieden auf den Heimweg gemacht hat, auch wenn das ein oder andere Paar Schuhe oder Kleidungsstück die Show nicht überlebt haben sollte.


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