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POPCONNECTION - Interviews - An Horse: "Wir haben die Betten umgestellt"
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An Horse

AN HORSE

"Wir haben die Betten umgestellt"

Interview: Jenny Schnabel
Foto: Amelia Shaw

Hinter der Band mit dem grammatikalisch inkorrekten Namen An Horse verbergen sich Kate Cooper und Damon Cox aus Brisbane, Australien. Kennen gelernt haben sich die beiden 2007 in einem Plattenladen, in dem sie gemeinsam gearbeitet haben. Nach nur einem ersten Auftritt wurde ihnen prompt ein Toursupport für Tegan and Sara in den USA angeboten, die sich so begeistert von ihrer Support-Band zeigten, dass sie An Horse zu einer ihrer Lieblingsbands ernannten. Im März 2010 hat das Duo hierzulande seinen ersten Longplayer "Rearrange Beds" auf dem Hamburger Label Grand Hotel van Cleef veröffentlicht. Der Nachfolger steht bereits in den Startlöchern und soll im April 2011 erscheinen.

Wir haben Kate und Damon vor ihrem Auftritt beim Fest van Cleef zum Interview getroffen.



POPCONNECTION: Dies ist der vierte Tag des Fest van Cleefs. Welche der Shows hat euch bisher am besten gefallen?

Damon: Sie waren alle großartig! Eine so wie die andere. Das gesamte Line-Up des Festivals ist toll. Die Leute vom Label sind ebenfalls fantastisch. Das Ganze ist fast wie eine große Reisefamilie. Das ist cool! Wir lieben es ohnehin nach Deutschland zu kommen. Es hat jedes Mal Spaß gemacht hier. Alle sind sehr freundlich und das Publikum ist großartig.


POPCONNECTION: Ihr seid von Januar bis Juli kontinuierlich auf Tour gewesen. Wisst ihr eigentlich noch, wie euer Zuhause ausschaut, wenn ihr so viel unterwegs seid?

Damon: Manchmal vergesse ich das! (lacht) Wir hatten zwischenzeitig ein paar Monate frei, in denen wir nach Hause geflogen sind und uns erholen konnten. Das war gut. Dies ist der letzte Gig des Jahres für uns und dann haben wir erst mal frei bis im April unser neues Album erscheint. Von da an werden wir wieder sehr beschäftigt sein. (grinst)


POPCONNECTION: Hier in Deutschland gibt es ein Sprichwort: "Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen". Gibt es irgendwelche lustigen oder bizarren Geschichten, die euch auf der Tour passiert sind?

Damon: Es passiert eigentlich immer irgendetwas.

Kate: Oh ja! Und manchmal passieren auch sehr peinliche Dinge, über die man nicht sprechen kann. (grinst)

Damon: Vielleicht die Geschichte mit dem Abführmittel? Kate hatte zu viel Abführmittel genommen… (lacht)

Kate: Ich hab nicht zu viel davon genommen! Ich esse das Zeug doch dauernd, ich weiß, wie man das dosiert! (lacht) Nein, ich hatte damals amerikanisches Essen gegessen - und ich brauchte ein wenig Hilfe…

Damon: … also mussten wir einen Notstop an der Straßenseite einlegen…

Kate: Das war wirklich schrecklich! (lacht) Es gibt viele solcher Geschichten, sie sind alle ein wenig verrückt, aber auf eine gute Art und Weise.

Damon: Was mir noch einfällt, ist, wie wir in London festsaßen und darauf gewartet haben, dass wir von der US-Botschaft unsere Pässe zurück bekommen. Wir hatten kein Geld und wollten weiter nach Schweden, um dort auf einem Festival zu spielen, das die kompletten Kosten unserer Tour abdecken sollte… das war übel! Solche Geschichten brauchen wir nicht mehr.


POPCONNECTION: Ihr habt u.a. Tegan & Sara supportet, mit denen ihr soundtechnisch auch häufig verglichen werdet. Ärgert euch dieser Vergleich oder stimmt ihr mit dem überein?

Damon: Die Vermutung liegt natürlich nahe. Wobei ich nicht finde, dass wir uns so ähnlich klingen. Ich glaube, es liegt daran, dass wir viel zusammen gespielt haben und weil Tegan & Sara uns wirklich sehr unterstützt und uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben. Die Art und Weise, wie sie die Band und das Business händeln hat uns stark beeinflusst. Sie machen wirklich eine sehr gute Arbeit, die man mit unserer durchaus vergleichen kann.


POPCONNECTION: Ihr zwei habt gemeinsam in einem Plattenladen gearbeitet. Was bevorzugt ihr persönlich: Das gute alte Vinyl oder MP3s?

Damon: Immer noch Vinyl-Platten. Die Vorteile von MP3s sind zwar fantastisch: Man kann Bands innerhalb von einigen Minuten für sich entdecken, indem man sich einfach ein MP3 anhört. Gerade wenn man viel unterwegs ist. Ich habe z.B. keinen CD-Player in meinem Notebook, von daher weiche ich dann natürlich auf MP3s aus. Aber wenn ich wieder zu Hause bin, ist es einfach ein gutes Gefühl, wieder CDs und Vinyl-Platten hören zu können.


POPCONNECTION: Ja, das kann ich verstehen. Wie seid ihr denn von Arbeitskollegen zu Bandmates geworden?

Damon: Ich glaube, wir haben uns einfach sehr gut verstanden. Bevor wir zusammengearbeitet haben, kannten wir uns gar nicht. Dann haben wir allerdings schnell festgestellt, dass wir dieselbe Art von Musik und Konzerte mochten. Wir haben den ganzen Tag Musik gehört und viel darüber gesprochen. Es hat dann ein paar Jahre gedauert, bis die Idee im Raum stand, gemeinsam Musik zu machen. Zu der Zeit haben wir noch in anderen Bands gespielt, in denen wir nicht wirklich glücklich waren. Es gab in Brisbane auch nicht viele Möglichkeiten, hauptberuflich Musik zu machen. Du arbeitest halt tagsüber in einem Plattenladen und spielst vielleicht alle sechs Wochen Konzerte mit deiner Band. Und das war's. In Australien gibt es nicht so viele Städte, in denen man spielen kann und man tourt vielleicht für eine Woche oder so und dann kommt man wieder nach Hause. Also sprachen wir darüber, wie es wäre, gemeinsam Shows zu spielen und sich zu betrinken und dergleichen. Kate spielte einige Solo-Shows in der Umgebung und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, sie bei einigen Gigs zu begleiten. An dieser Stelle hat es dann irgendwie "Klick" gemacht und wir nahmen einige Songs zusammen auf und gaben sie Tegan & Sara, als sie bei uns in der Stadt gespielt hatten. Wir kannten die beiden bereits und einen Monat später riefen sie uns an und fragten "Hey, habt ihr Lust, uns auf unserer Tour zu supporten?". Das war verrückt - und großartig!


POPCONNECTION: Stimmt es, dass ihr den Plattenladen zu eurem Proberaum umfunktioniert habt? Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Damon: Ja, das stimmt. In diesem Plattenladen haben manchmal am Wochenende Bands gespielt. Also gab's dort bereits im hinteren Bereich des Ladens eine P.A. und eine kleine Bühne. Nachdem wir abends geschlossen hatten, begannen wir, nach unserer Arbeit dort zu proben. Das war cool. Wir haben es dem Chef natürlich nie verraten! (lacht) Das war zu einer Zeit, in der es vielen Plattenläden nicht besonders gut ging und viele von ihnen schließen mussten. Dementsprechend war unser Chef nie vor Ort. Er hatte andere Dinge zu erledigen. Unter anderem gehörte ihm auch noch ein Plattenlabel, um das er sich kümmern musste. Ich glaube, er hat es nach einiger Zeit trotzdem irgendwie herausgefunden, aber es hat ihm nichts ausgemacht. Es war ein toller Platz zum Proben.


POPCONNECTION: Ein T-Shirt soll schuld am Namen eurer Band sein. Ist das richtig?

Damon: Ja. (lacht) Kate hatte bereits diesen Namen für die Band, bevor ich überhaupt angefangen bin, gemeinsam mit ihr Musik zu machen. Ich glaube, es ging um eine Diskussion, die sie mit ihrer Schwester hatte. Ihre Schwester ist Lektorin und es ging um die Korrekte Verwendung von Grammatik, genauer gesagt darum, ob es richtig ist "an" zu verwenden, wenn der nachfolgende Buchstabe ein "H" ist. Aus Spaß gaben sie Kate einen Sweater, auf dem "An Horse" stand und sie dachte, das sei ein cooler Bandname. Also haben wir ihn verwendet.


POPCONNECTION: Kate, hast du das Shirt immer noch?

Kate: Oh ja! (grinst)


POPCONNECTION: Ihr habt keinen Bassisten in eurer Band. Gab es jemals die Überlegung, sich jemanden zu suchen, der den Bass übernehmen könnte?

Damon: Nein, es fühlte sich einfach gut an, wenn es nur wir beide sind. Es hörte sich auch gut an, sodass wir nicht zwangsläufig einen Bassisten gebraucht haben. Nur zwei Leute in einer Band zu haben war sehr erfrischend. Besser, als wenn vier oder fünf Persönlichkeiten aufeinander geprallt wären. Es machte alles einfacher. Also haben wir es so belassen. Auch wenn es immer wieder Leute gab, die versucht haben, bei uns als Bassist einzusteigen und denen wir dann immer nur gesagt haben: "Ach nee, es ist schon ok so." (lacht)


POPCONNECTION: "Rearrange Beds" beschäftigt sich hauptsächlich mit einer zerbrochenen Beziehung. Kate, tendierst du dazu, über Dinge zu schreiben, die dich persönlich tangieren?

Kate: Ja, absolut. Die meisten Leute schreiben so etwas in ihr Tagebuch - ich mag es, allen davon zu erzählen. Ich kann nur über etwas schreiben, das ich kenne, das mir vertraut ist. Ich bewundere viele Menschen, die über fiktionale Charaktere schreiben können. Ich kann es nicht. Darin bin ich einfach nicht gut.


POPCONNECTION: War es denn insbesondere im Bezug auf dieses Thema so, dass du mit dem Schreiben darüber einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen wolltest?

Kate: Nein. Es ging mehr darum, darüber zu singen, es aufzuwühlen und sich zu denken: "Fick dich!" - in Bezug auf die andere Person versteht sich. (lacht) Ich wünschte, es wäre ein Schlussstrich gewesen… das ist auch etwas, das ich nicht besonders gut kann. Aber seitdem ist viel Zeit vergangen und die Songs haben sich seitdem verändert.


POPCONNECTION: Wessen Idee ist der Titel "Rearrange Beds" gewesen?

Damon: Ausschlaggebend war eine Unterhaltung, die Kate mit einer Freundin hatte.

Kate: Genau. Meine Freundin und ich haben unser Zimmer umgestellt. Wir teilten uns die Zimmer. Sie lebte in Melbourne und in Queensland. Wir haben die Betten umgestellt… ja, aus welchem Grund auch immer. Wir hielten das damals jedenfalls für eine gute Idee. (lacht) Wir fanden es lustig. Und ich mag einfach die Art und Weise, wie der Titel klingt. Er ist cool. Ich glaube, der Titel passt einfach sehr gut, er trifft das Thema.


POPCONNECTION: Meine erste Assoziation mit dem Titel war, Dinge umzustrukturieren und neu zu gestalten…

Kate: Genau das war es, worum es in der Unterhaltung ging: "Lass uns die Betten umstellen, damit die kreative Energie besser fließen kann." Die Doppeldeutigkeit liegt darin, dass es eben auch um das Umgestalten von Leben geht, oder besser gesagt, von meinem Leben. Also das Schlafzimmer und das Bett und so weiter…


POPCONNECTION: Es gibt auch eine Remix-EP zu "Rearrange Beds". Wie war es für euch, eure Song in einer elektronisierten Version zu hören?

Kate: Großartig! Viel besser, als wir es erwartet haben!

Damon: Anfangs war es ein wenig seltsam. Du gibst deine Songs jemandem, der daraus machen kann, was er will und hast in dem Moment nicht mehr viel mit dem kreativen Prozess zu tun. Ich höre nur selten elektronische Musik. Also fragte ich unseren Manager Terry und ein paar weitere Leute, ob die Remixe gut geworden sind, weil ich es nicht wirklich beurteilen kann. Nach einer Weile fand ich dann immer mehr Zugang dazu und begann, es zu mögen. Es ist wirklich toll geworden!

Kate: Es ist wie bei allen Dingen, von denen man lernt, wie man sie hören muss, damit sie einem gefallen. Mittlerweile ist Damon Stammgast in Tanzclubs. (lacht)

Damon: Genau! Ich kann einfach nicht anders! (lacht)


POPCONNECTION: Ihr habt vorhin erwähnt, dass im April ein neues Album von euch erscheinen wird. Was dürfen wir vom nächsten Album erwarten?

Damon: Das Songwriting ist besser.

Kate: Bessere Songs, eine bessere Produktion und eine bessere Spielweise. Als wir "Rearrange Beds" aufgenommen haben, war das ganze nicht einmal als Album gedacht. Wir haben damals seit ungefähr einem oder zwei Monaten zusammen gespielt. Und jetzt haben wir hunderte von Gigs auf unseren Buckeln. Wir kommunizieren musikalisch und auch anderweitig ganz anders miteinander. Ich glaube, das hört man dem neuen Album auch deutlich an.


POPCONNECTION: Ich danke euch ganz herzlich für das Interview und wünsche euch gleich viel Spaß auf der Bühne!

Kate: Wir danken dir!



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