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POPCONNECTION - Interviews - Atomic: "Wir sind Atomic, nicht Oasis..."
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Atomic

ATOMIC

"Wir sind Atomic, nicht Oasis..."
Datum: 07. März 2006 (E-Mail)
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Sie klingen very british, tragen Lederjacken und machen coole Musik. Die Rede ist von Atomic, fünf Jungs aus dem Bayrischen Wald, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ihren Traum zu verwirklichen. Erste Erfolge verzeichnete die Band bereits 2002 mit ihrer EP "The Big Issue", die sogar vom britischen NME rezensiert wurde. Neben zahlreichen Konzerten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien und England, spielten die Jungs 2003 auch im Vorprogramm von Paul Weller. Nun haben Atomic mit "Wonderland Boulevard" ein großartiges Debüt-Album hingelegt und ihr Traum scheint in greifbare Nähe zu rücken.

In einem Interview spricht Sänger Thomas Marschel über Ursprünge, Vergleiche und die Zukunft von Atomic. Und erzählt von einem grandiosen Oasis-Konzert…




POPCONNECTION: Wie ich dem Pressetext eurer Homepage entnehmen konnte, habt Ihr bisher über 125 Konzerte in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien und sogar in England gespielt. Wie schwierig ist es für eine Band aus Deutschland, im Ausland erfolgreich zu sein?

Thomas: Also, in Österreich und der Schweiz ist das jetzt nicht so schwierig, aber in England als deutsche Band so richtig Erfolg zu haben, wie z.B. jetzt die Kaiser Chiefs oder Arctic Monkeys, das ist eigentlich fast unmöglich. Da müssten wir schon so Musik wie Rammstein, DJ Ötzi oder Kraftwerk machen, dann würde das eher hinhauen. Aber zumindest es dort als deutsche Band zu versuchen, auch Erfolg zu haben, ist auch etwas, worauf wir stolz sind. Wenn man es wie wir in den NME schafft, mit Foto abgedruckt zu werden, dort ein paar Konzerte zu spielen, von UK Radios gespielt zu werden, weitere schöne CD-Reviews von britischen E-Zines bekommt, das würde wohl jede deutsche Band bestimmt auch glücklich machen, weil das was ganz besonderes ist - uns hat es auf jeden Fall sehr glücklich gemacht. Ich weiß, das klingt jetzt natürlich saublöd, aber Atomic hat meiner Meinung in England schon mehr erreicht, als wir uns je erträumt haben. Oder kennst du eine einzige deutsche "unsigned band", der im NME schon mal Aufmerksamkeit geschenkt wurde?


POPCONNECTION: Ihr habt 2003 im Vorprogramm von Ur-Mod Paul Weller gespielt. Was war das für ein Gefühl?

Thomas: Das war natürlich ein Großereignis für uns, das wir so schnell nicht vergessen werden. Für uns ist Paul Weller ein Gott. Das war ein unbeschreibliches Gefühl für uns. Auch ein weiterer Traum, der wahr wurde. Es ist halt einfach so schön, mit dem Musik machen solche Sachen zu erreichen, die einem soviel bedeuten und Kraft für weiteres geben. Das war nicht einfach nur "Hey geil, wir dürfen vor einem bekannten Act vor vielen Leuten spielen." An das haben wir dabei nie gedacht. Das war eine ganz andere Geschichte für uns.


POPCONNECTION: Der Bayerische Wald gehört nicht gerade zu den Musikhochburgen wie Hamburg oder Berlin. Wie sieht es mit der Musikszene in dieser Region aus?

Thomas: Ganz finster eigentlich. Hier bei uns gibt es neben den Volksmusikkapellen hauptsächlich Cover-Bands aber auch ein paar Classic Rock- und Heavy Metal-Combos. Im Bayerischen Wald, glaube ich, gibt es in Sachen Brit-Pop oder Indie nur Atomic soviel ich weiß. Aber ich werde das nächste Mal noch tiefer in die Wälder gehen - weil wer weiß, vielleicht gibt's ja doch noch irgendwo eine andere. ;-)


POPCONNECTION: Ihr habt euch nach dem Münchner Szene-Club Atomic Café benannt. Eine Hommage oder einfach nur ein griffiger Name?

Thomas: Beides! Wir wollten immer einen Bandnamen, den man sich gut einprägen kann und nicht aus zig Wörtern besteht. Nach unserem ersten Besuch im Atomic Cafe kamen wir auf die Idee, uns Atomic zu nennen, zumal in dem Club sowieso ausschließlich die Musik läuft, die wir so lieben. Echt toller Club das Atomic Cafe.


POPCONNECTION: In den letzten Jahren kamen verstärkt gute Bands mit Potential aus Deutschland. Wie siehst du diese Entwicklung? Muss coole Musik nicht mehr unbedingt nur aus England kommen?

Thomas: Das stimmt schon. Es sind zwar mehr deutschsprachige Bands, aber es geht mit deutschen Bands wirklich aufwärts. Das ist schön zu sehen. Eigentlich ist mir das völlig egal, wo die Bands herkommen und wenn sie aus dem letzten Loch in Sibirien stammen. Hauptsache sie haben tolle Songs und coole Lederjacken.


POPCONNECTION: Im Bezug auf Atomic fallen ständig die Worte "Sounds like Manchester" oder "Klingen wie Oasis" und ich weiß, dass zwei Mitglieder der Band zu den "Oasis Ultras" gehören. Wie stark ist der Bezug zu dieser Band?

Thomas: Einer von den "Oasis Ultras" bin übrigens ich. ;-) Der Bezug zu Oasis ist bei weitem nicht mehr so krass wie früher. Atomic hat sich in der derzeitigen Besetzung (Thomas Marschel, Rainer Marschel, Stefan Vogl, Holger Jacob und Wolfgang Jung) weiterentwickelt und wir gehen jetzt unseren eigenen Weg. Dass wir zwei Brüder in einer Band sind, das wird sich auch nicht mehr ändern lassen und deswegen wird das später auch noch ab und an deswegen zum Vergleich kommen. Und es zu leugnen, dass wir uns nicht auch ein bisschen nach Oasis anhören, würde ich auch nie machen. Aber wir sind Atomic, nicht Oasis... Ich finde die Band immer noch toll und sie gehören auch immer noch zu unseren musikalischen Vorbildern, meines Bruders und mir, aber sie stehen da bei weitem nicht mehr allein. Dazu muss gesagt werden, ich spreche hier nicht für meine komplette Band, die relativ wenig bis gar nicht Oasis hören und das wirkt sich auch positiv auf den aktuellen Bandsound aus.


POPCONNECTION: Also nerven euch derartige Vergleiche schon ein wenig?

Thomas: Ich glaub ein bisschen hört man das in meiner letzten Antwort schon raus. Auf Dauer ist das schon ein bisschen nervig. Ich werde es wie gesagt aber jetzt nicht leugnen, dass wir unter anderem auch nach Oasis klingen. Es ist ja auch so und was soll daran schlimm sein. Kennst du den Hollywood Action-Star Jean-Claude Van Damme? Der hat mal auf eine Interviewfrage, ob es ihn nach über 20 Jahren Karriere noch immer nervt, dass man ihn überall 'The Muscles from Brussels' nennt, geantwortet: "Eigentlich schon, aber 'The Muscles from Brussels' genannt zu werden, ist auf jeden Fall besser, als plötzlich 'The Idiot from Brussels' genannt zu werden." So sehen wir das auch. Es ist besser, wenn jemand sagt, du hörst dich nach Oasis an, als wenn jemand sagt, du hörst dich nach Scheiße an. Es beschwert sich ja schließlich auch keiner, dass sich Bloc Party nach The Cure anhört oder die Strokes nach Iggy Pop & the Stooges oder Velvet Underground. Ganz im Gegenteil. Ein paar Millionen Menschen stehen darauf, macht das glücklich und geben eine Menge an Geld dafür aus. Man kann den Rock 'n' Roll einfach nicht mehr neu erfinden und das ist nun mal so. Ich glaub, der Vergleich wird in Zukunft auch noch ab und an fallen, zudem uns der NME als "The German Oasis" gepriesen hatte und es nur wenige deutsche Bands gibt, die es in den NME geschafft haben. Aber wir sind wie gesagt sehr Stolz auf diesen NME Artikel. Wer wäre das nicht?


POPCONNECTION: Abgesehen von Oasis, von welchen anderen musikalischen Vorbildern lasst ihr euch inspirieren?

Thomas: The Beatles, Rolling Stones, The Who, The Kinks, Mando Diao, Ash, The Stone Roses, Travis, Hurricane #1, The Verve, Paul Weller, The Jam, Ocean Colour Scene, Cast, Stereophonics, John Lennon und Coldplay. Aber grundsätzlich saugen wir auch immer viel Aktuelles zur Inspiration auf wie z.B. die Arctic Monkeys, Kaiser Chiefs, Richard Ashcroft, Tomte usw... Es gibt ständig eine Menge an guten neuen Songs von Bands, die einen inspirieren. Sorry, an alle anderen, die ich vergessen habe, zu erwähnen.


POPCONNECTION: Ihr habt zu "(You're) A Shining Star" auch ein Video produziert, das sich auch auf dem Album befindet. Lohnt es sich vom Kostenaufwand her überhaupt noch für eine kleine Band, ein Video zu machen, da es wahrscheinlich schwierig ist, es bei den Musiksendern unterzubringen, nachdem Sendungen wie "Fast Forward" nicht mehr existieren?

Thomas: Meiner Meinung nach lohnt sich das immer, weil es auch kleinere Sender gibt, die Videos spielen und man so auch gut die Band vorstellen kann für Booking etc. und auch den Fans einen weiteren Anreiz und eine Freude mit so was machen kann, wenn du das z. B. als Bonus noch auf eine CD oder DVD packst. Für jede gute Band, die eine Platte im Laden stehen hat und was von sich hält, sollte ein Video ein MUSS sein. Zudem ist ja das auch eine schöne Erfahrung und eine Erinnerung für Lebzeiten, einmal so was gemacht zu haben. Wir werden definitiv wieder ein Video bei unserer nächsten Platte produzieren lassen.


POPCONNECTION: Ihr habt euer Album "Wonderland Boulevard" auf dem Indie-Label Redwinetunes veröffentlicht. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Thomas: Eigentlich ganz simpel. Wir haben uns bei Redwinetunes um einen Release beworben und sind bei ihnen unter Vertrag genommen worden. Das hört sich jetzt uncool an, ich weiß, aber das war so. Aber es gibt eine wunderbare schöne Geschichte dazu und zwar: Ich und mein Bruder waren 1996 bei einem Oasis Konzert in München im Wappensaal zu Besuch. Das erste Konzert, das wir in unserem Leben überhaupt besucht hatten. Damals haben wir noch in keinster Weise ans Musik machen gedacht. Doch dieses Konzert hatte solche wahnsinnige Magie und war letztendlich auch Auslöser und Motivation für uns beide, ein Musikinstrument zu erlernen und eine Band zu gründen. Die Ironie des Schicksals, die Supportband des Abends hieß Cat Sun Flower. Wie es sich später herausstellte, ist der Labelchef von Redwinetunes der Bassist dieser Band und jetzt brachte er mit seinem Label unser Debüt-Album heraus. Das ist doch eigentlich auch was ganz besonderes, dass uns der Weg nach 10 Jahren deswegen wieder zusammengeführt hat.


POPCONNECTION: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Thomas: Bis Ende des Sommers werden wir noch einige Club Konzerte spielen und auch ein paar Festivals. Dann im Frühjahr "vielleicht" noch eine Single von "Wonderland Boulevard" auskoppeln - den Song "Monkey Fingers". Ja und dann geht's wieder ab ins Studio und wir nehmen die neuen Songs für unser nächstes Album auf, welches auch so schnell wie möglich veröffentlicht werden soll, denn unser Debüt-Album hat einfach zu lange auf sich warten lassen. Wir sind heiß auf eine neue Platte. Die ersten Songs, die bestimmt auf dem Album Platz nehmen werden, sind musikalisch eine Weiterentwicklung und zeigen, dass wir immer mehr unseren eigenen Weg finden. Das wird für uns die spannendste Atomic Platte überhaupt.


POPCONNECTION: Vielen Dank für das Interview!

Thomas: Danke für die Aufmerksamkeit!



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