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POPCONNECTION - Interviews - Buffalo Tom: "Wir wären nie gute Rockstars geworden"
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Buffalo Tom

BUFFALO TOM

"Wir wären nie gute Rockstars geworden"

Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Sie gehörten in den 90ern neben Bands wie Dinosaur Jr., Pavement und den Lemonheads zum festen Bestandteil der amerikanischen Indie-Rock-Szene. Trotz einer treuen Fangemeinde blieb dem Trio aus Boston der ganz große kommerzielle Durchbruch leider verwehrt, vielmehr galten Buffalo Tom immer eher als Geheimtipp unter Indie-Liebhabern. Nach sechs Studioalben legten Bill Janovitz, Chris Colbourn und Tom Maginnis 1998 eine neunjährige Schaffenspause ein, aus der sie sich 2007 mit "Three Easy Pieces" wieder zurückmeldeten. Anfang März erschien mit "Skins" ihr achtes Studioalbum und das zweite Album nach ihrem Comeback.

Wir haben Chris Colbourn vor ihrem einzigen Deutschlandkonzert in Köln zum Interview getroffen und mit ihm über die Vergangenheit und die Gegenwart von Buffalo Tom gesprochen.



POPCONNECTION: Das letzte Mal, dass ihr in Köln gespielt habt, war 2007 - auch hier im Luxor. Wie es für euch, wieder hier zu sein?

Chris: Es ist schon seltsam. Ich erinnere mich nicht wirklich an diesen Laden, aber an einen Club gegenüber, in dem wir vor 20 Jahren oder so gespielt haben. Ich weiß noch, dass ich mich besonders für die Geschichte der Stadt interessierte, als ich das erste Mal nach Köln kam und wie es war, durch die Straßen zu laufen. Es ist eine sehr bewegende Stadt. Wenn wir in Deutschland unterwegs sind, ist es eben die Geschichte, die mich am meisten fasziniert. Als wir hier das erste Mal auf Tour gewesen sind, haben wir in Heidelberg gespielt, wo wir nie wieder gewesen sind - und ich liebe diese Stadt. Ich bin auch nur ein Mal in Münster gewesen. Ich weiß noch, dass wir dort eine historische Stadtführung am morgen nach dem Gig gemacht haben. Das sind die Dinge, an die ich mich erinnere, weniger an die Konzerte selbst. Aber an Leute, die ich auf ihnen getroffen habe, kann ich mich auch noch erinnern. Mit einigen von ihnen bin ich immer noch befreundet. Stefan, ein Freund von uns, der viele unserer Shows mitgefilmt hat, schickt mir manchmal Mitschnitte von vor 20 Jahren - er ist heute Abend auch hier. Und dann sehe ich mir diese Dinge an und denke nur "Oh mein Gott, wie alt bin ich eigentlich mittlerweile?" (lacht)


POPCONNECTION: Vor dem Release eures letzten Albums "Three Easy Pieces" habt ihr euch eine neunjährige Auszeit gegönnt - Buffalo Tom haben sich allerdings nie offiziell aufgelöst…

Chris: Ja, das ist richtig. Wir haben zwischendurch zwar auch geprobt und Songs geschrieben, aber wir haben alle Kinder. Jeder von uns hat im Laufe von 10 Jahren zwei Kinder bekommen und das nahm viel Zeit in Anspruch und veränderte uns. Wir hatten auch irgendwie die Nase voll vom Touren. Wir wollten uns einfach nur in irgendeiner Stadt niederlassen und ein normales Leben führen. Aufgrund dessen brauchten wir eine Pause. Ich mag es, unterwegs zu sein, in einem Bus durch die Gegend zu fahren, aber zu dem Zeitpunkt wollte ich einfach nur zu Hause sein und einen Hund haben - und jetzt habe ich einen Hund. Ich habe vorhin noch mit meiner Familie über Skype gesprochen und gesagt: "Holt den Hund rein!" (lacht)


POPCONNECTION: Was für einen Hund hast du denn?

Chris: Einen Golden Retriever. Ich habe einen kleinen Jungen, ein kleines Mädchen - und einen Golden Retriever. Das wollte ich wirklich mehr, als ein weiteres Album zu machen. (lacht)


POPCONNECTION: Siehst du dich momentan denn eher als Familienvater oder als "Rockstar"?

Chris: Wir waren ja nie wirkliche Rockstars wie die Pixies oder Dinosaur Jr. oder Evan Dando. Im Gegenteil: Wir waren sogar überrascht, dass wir überhaupt ein paar Platten veröffentlicht haben. Aber wir haben es geliebt, diese Alben zu machen. Es ist natürlich nicht immer eitel Sonnenschein, aber ich glaube, wir sehen uns eher als Familienväter mit Jobs. Wir sind alle verheiratet. Dann heißt es eben zwischendurch: "Hey, nächsten Freitag treffen wir uns zum Proben" und ich sage: "Ok, proben wir". Eigentlich ist es langweilig. Das hat nicht viel von einem Rockstar. Genau das ist es, was bei unserer Karriere schief gelaufen ist. (grinst)


POPCONNECTION: Wie hat die Pause denn eure jetzige Arbeit beeinflusst oder was hat sich verändert?

Chris: Es ist interessant. Ich meine, wenn man sich unsere Texte anschaut, dann gibt es immer ein Thema. Es ist die Art und Weise, wie Buffalo Tom das Leben wahrnehmen. Da sind z.B. diese Zwanzig-, Fünfundzwanzigjährigen Jungs mit der Angst vor dem Erwachsenwerden und der Verantwortung. Dann in den 30ern ist es die Angst vor der Veränderung oder dem Heiraten und Kinderbekommen und jetzt ist es so, dass meine Schwester Großmutter geworden ist. Meine Kids sind in der Schule und viele meiner Freunde befinden sich in Scheidung und so weiter. Das sind die Dinge, über die wir heute schreiben. Trotzdem ist es dieselbe Geschichte dahinter. Es ist eine Art Angst. Denn, obwohl wir uns in dieser Post-Whatever-Generation befinden, nenn es Post-Punk oder Post-Rock, ist da diese Besorgnis. Es ist nicht so, dass man sich um seine wirtschaftlichen Verhältnisse Gedanken machen müsste, sondern eher eine innere Unruhe, eine Art Melancholie, man fühlt sich ein wenig verloren. Bill und ich waren beide auf einer katholischen Schule und als wir heranwuchsen, wurden wir zu Agnostikern oder Atheisten. Aber wir sind sehr abergläubisch. Wir haben diese Dinge im Leben, an die wir irgendwie glauben wollen. Z.B. machen wir Witze über Geister in Hotels - wir waren schon in sehr seltsamen Hotels… wenn du in genug Hotels gewesen bist, wirst du einen Geist finden, der dich heimsucht. (grinst) Aber ich denke, das hängt alles mit dem Erwachsenwerden und der katholischen Erziehung zusammen. Auch die Angst vor Schuld und der damit verbundene Versuch, möglichst gute Eltern zu sein. Oder grundsätzlich hart zu arbeiten. Wenn wir eine Woche unterwegs gewesen sind und Konzerte gespielt haben, dann komme ich nach Hause und erkläre: "Ich habe nicht herumgehangen, ich habe Geld verdient". Wir möchten auch, dass viele Leute auf die Konzerte kommen, wir haben immer noch das Verlangen danach, berühmt zu sein - selbst mit 50. Was ein wenig seltsam ist, weil ich immer dachte, dass Rockstars viel cooler sein müssten. Von ihnen wird nicht erwartet, dass sie sich Sorgen machen. Aber wir sind alle ein wenig wie Woody Allen.


POPCONNECTION: "Skins" ist das zweite Album, dass ihr nach eurem Break herausgebracht habt. Inwiefern differenzieren sich "Skins" und sein Vorgänger "Three Easy Pieces" von euren älteren Werken?

Chris: Tja… in gewisser Art und Weise sind sie leider einfach ein Teil des Ganzen. Oder anders gesagt: Sie sind nicht bahnbrechend. Es ist ähnlich wie bei den Filmen von Woody Allen: Die späteren Werke haben Ähnlichkeit mit den älteren. Es gibt keine grundlegenden Unterschiede. Es ist nicht wie bei "Sgt. Pepper" und "Revolver". Es ist ein wenig traurig. Radiohead sind beispielsweise so berühmt dafür, dass sie sich ständig neu erfinden. Aber das ist nun mal das, was wir machen. Es ist das, worin wir am besten sind. Wenn wir versuchen würden, uns komplett zu verändern, dann würden wir uns verstellen. Dann wären wir nicht mehr authentisch.


POPCONNECTION: Ich finde, "Skins" klingt generell ein wenig nachdenklicher und melancholischer. Hängt das auch mit dem Älterwerden zusammen?

Chris: Ja, auf jeden Fall. Wenn man 25 ist, hat man zwar eine Menge Angst, aber man hat auch große Hoffnungen für die Zukunft. Ich würde nicht sagen, dass die Dinge uns jetzt düster erscheinen, denn wir führen alle generell sehr glückliche Leben und sind zufrieden. Aber im selben Moment gibt es Dinge, die einen beschäftigen. Ich treffe in der Schule die Eltern anderer Kinder und auf den ersten Blick sind alle glücklich mit ihren Kids. Aber wenn ich mit ihnen spreche, dann erzählt niemand gute Geschichten. Dann geht es um Scheidungen oder dergleichen. Nichts ist wirklich einfach. Ich meine, du bist nervös, wenn du 12 Jahre alt bist, du hast Angst, wenn du ins College gehst und du fragst dich, wie alles werden wird. Ich kenne so viele Leute, die sich mit 50 noch fragen, was sie irgendwann mal aus ihrem Leben machen wollen und ich denke mir nur "Oh mein Gott, jetzt ist es aus!" (lacht) Ich bin irgendein Kerl, der in einer Teilzeitrockband spielt und das macht, was er machen möchte. Das ist auch seltsam. Denn dann kommst du dir plötzlich alt vor. Meine Kids werden so schnell groß, mein Sohn wird acht. Ich erinnere mich noch daran, wie ich 12 Jahre alt war und nicht mehr mit meinen Eltern gesprochen habe. Ich glaube, es wird mich umbringen, wenn er erwachsen wird und aufs College geht. Das ist es, was mir Angst macht und das ist es, worüber ich auch manchmal schreibe. 


POPCONNECTION: Ihr spielt jetzt seit 25 Jahren zusammen. Eine sehr lange Zeit. Was ist die besondere Chemie zwischen euch?

Chris: Wir sind ein wenig wie Geschwister. Wir mögen uns nie wirklich. Wir können uns zwar komplett aufeinander verlassen, wir sind füreinander da, aber wir sehen uns nie als die besten Freunde an. Obwohl wir es eigentlich sind. Aber genauso sind wir ehrlich, wir sind gemein zueinander und wir beweihräuchern uns nie gegenseitig nach dem Motto "Oh, was für ein großartiger Song!". Wir machen das einfach nicht. Vielleicht ist das ein wenig traurig, aber ich glaube, das ist einfach gut so. Wir vertrauen einander und gehen höflich miteinander um. Und die beiden sind wirklich sehr nett! In meiner gesamten Zeit in einer Band habe ich erlebt, wie Leute die Aufmerksamkeit auf sich lenken, indem sie sich daneben benehmen. Aber ich glaube, solche Menschen sind lange nicht so interessant, wie Bill oder Tom, die es tatsächlich nicht besonders leicht gehabt haben im Leben. Manchmal denke ich, dass es Glück gewesen ist, dass keiner von uns Alkoholiker wurde. Wir haben nie harte Drogen genommen. Wir haben alles mögliche ausprobiert, um Spaß zu haben, aber Gottlob sind wir niemals abgerutscht. Das war wirklich Glück, weil ich denke, dass es vielen anderen Menschen anders ergangen ist.


POPCONNECTION: Gibt es denn etwas, dass du anders machen würdest, wenn du noch mal die Chance hättest, 20 zu sein?

Chris: Puh, das ist eine gute Frage und eine, über die ich häufig nachdenke. Nein, ich würde nichts anders machen. Die Entwicklung mancher Dinge macht mich traurig. Nicht unbedingt Dinge aus meinem Leben, aber von Leuten aus meinem Umfeld. Wir haben wirklich großes Glück gehabt. Wir haben das College beendet, sind auf Tour gegangen und haben es oft leicht gehabt. In einer perfekten Welt hätte ich vielleicht mehr Kinder gehabt und wäre früher Vater geworden. Aber wir sind glücklich darüber, dass wir Menschen gefunden haben, mit denen wir eine Familie gründen konnten, meine gesamte Familie lebt noch, all solche Dinge.


POPCONNECTION: Hast du dir manchmal gewünscht, Buffalo Tom wären erfolgreicher oder populärer?

Chris: Ich habe im Laufe der Zeit festgestellt, dass viele Leute Ziele haben wie möglichst viel Geld zu verdienen oder einen bestimmten Wagen zu fahren. Dabei ist so etwas gar nicht so wichtig. Es ist viel schöner, sich mit Menschen zu treffen, die man mag, einen bestimmten Song zu spielen oder bestimmte Städte kennenzulernen. Einfach in einem Café zu sitzen. Eine Woche mal die Arbeit liegen zu lassen, um nach Europa zu fliegen… das ist es, was einfach großartig ist. Aber nicht, ein Rockstar zu sein. Wir wären nie gute Rockstars geworden, egal, was wir gemacht hätten. Ich habe es nie bereut. Mir fällt auch niemand ein, von dem ich gedacht hätte, "Hey, wir hätten berühmt sein sollen - nicht du!" Und ich freue mich wirklich, dass die Flaming Lips, die Pixies, Dinosaur Jr. oder Pavement auf großen Festivals spielen, denn sie gehören zu meinen Lieblingsbands. Das ist großartig! Ich glaube, dass sie es absolut verdient haben!


POPCONNECTION: Denkst du, dass es junge Bands heutzutage schwerer haben, im Musikbusiness Fuß zu fassen oder ist es einfacher geworden?

Chris: Ich denke, es ist kompliziert. Es hat sich viel verändert. Heute ist es so, dass es der Plattenindustrie leider nicht so gut geht. Also bekommst du kein Geld. Aber mit den heutigen Möglichkeiten diverser sozialer Netzwerke bist du in der glücklichen Lage, dass ein guter Song auch wirklich wahrgenommen werden kann. Talent erlangt Aufmerksamkeit. Wenn man aus einer Kleinstadt kommt und dort eine gute Single macht, dann wird sie sich über das Netz verbreiten lassen. Wenn man dazu noch die Möglichkeit hat, möglichst viel live zu spielen, dann kann das Ganze auch funktionieren. Völlig unabhängig davon, ob man ein großes Plattenlabel hinter sich hat. Man kann auch auf andere Art und Weise mit der Musik Geld verdienen. Aber man muss sich stärker durchsetzen.


POPCONNECTION: War das zu der Zeit, als ihr eure ersten Alben veröffentlich habt, anders?

Chris: Wir haben damals Glück gehabt, weil wir aus einer Stadt dieser Größe kamen und Freunde hatten, die für unsere Singles geworben haben. Wir waren damals nicht wirklich talentiert. Wir brauchten Zeit, um uns zu entwickeln und wir hatten ein tolles Team hinter uns. Dann kamen wir an ein Major-Label - genau zu der Zeit, als wir Geld brauchten. Warner machte eine große Platte daraus, es war perfektes Timing. Wir haben viele Platten verkauft und Geld verdient, von dem wir uns Häuser leisten und unsere Familien ernähren konnten. Und wir wurden mit der Zeit immer besser. Als wir die größte Aufmerksamkeit bekamen, das war die Zeit, in der wir unsere besten Alben gemacht haben. Wir haben einfach Glück gehabt.


POPOCONNECTION: In den 90ern war Boston bekannt für einen bestimmte Musikszene, in der sich z.B. die Lemonheads oder Dinosaur Jr bewegten. Habt ihr euch jemals als Teil dieser Szene gesehen?

Chris: Wir haben uns mit diesen Künstlern identifiziert, aber zu dieser Zeit sind wir kaum in Boston gewesen. Ursprünglich kommen wir nicht dort her, wir sind nur zugezogen. Wir trafen Evan Dando also in Deutschland, wir sahen J Mascis in England. Ich kenne Teenage Fanclub besser, als die Bands aus Boston. Ich glaube auch nicht, dass es einen spezifischen Sound aus dieser Stadt gibt. Es gab vielleicht einen Seattle-Sound oder einen Liverpool-Sound, aber nun mal keinen Boston-Sound. Aber es gab einen Zusammenschluss von College-Studenten und eine bestimmte Art von Clubs, in die die Leute aus Boston gegangen sind. Dort sind sie dann auf all diese Bands aufmerksam geworden. Eigentlich sind genau diese Fans viel wichtiger als die Bands, weil sie ihnen den Erfolg erst möglich gemacht haben. Und das ist meiner Meinung nach wichtiger, als ein bestimmter Sound. Aber wir hatten schon das Gefühl, dass es im ganzen Land eine Menge Leute gab, die in derselben Art und Weise gedacht haben - und das, lange bevor es Kabelfernsehen und MTV gab.


POPOCONNECTION: Aus dieser Zeit stammt auch der Begriff des "Independent", der früher Bands bezeichnete, die bei einem Indie-Label unter Vertrag gewesen sind. Heute wird alles als "Indie" bezeichnet, dass nach Gitarren-Pop klingt. Wie hast du die Veränderung des Begriffes wahrgenommen?

Chris: Ja, es ist ein wenig irreführend. Als wir Kids waren, gab es nur Rockstars oder nichts - aber nichts dazwischen. Die Indie-Bands waren ein wenig "künstlerischer", weil sie nicht von der finanziellen Unterstützung großer Labels abhängig gewesen sind. Das war der Unterschied. Die Definition des Begriffs hat sich verändert. Es gibt jetzt "Indie-Rock". Coldplay werden als "Indie-Rock" bezeichnet und das ist nicht das, was der Begriff ursprünglich gemeint hat. Coldplay gehören zwar zu meinen Lieblingsbands, trotzdem passt der Begriff an dieser Stelle nicht. Ich glaube auch nicht, dass wir wirklich in diese Schublade passen.


POPCONNECTION: Ihr seht euch also nicht als klassische Indie-Band?

Chris: Wir suchten nach Kooperationspartnern, wir wollten Unterstützung und Input, weil es einfach so viel Arbeit war. Nein, wir sind keine Indie-Band. Wir haben ein Major-Label und einen Verlag, die es uns ermöglichen, nicht für einen Tourbus zahlen zu müssen, wenn wir z.B. in Omaha spielen. Im Gegensatz zu Mudhoney oder Dinosaur Jr waren wir immer schon eher eine klassische 60s-Pop-Band. Wir kamen nicht aus dieser Punk-Rock-Szene. Wir wollten, dass uns Leute weiterbringen. Wir sind sehr organisierte, gradlinige Leute. Wir fühlten uns so einfach wohler. Aber es war kein Kampf zwischen uns und den Independent-Bands. Wir wollten uns eine Fangemeinde aufbauen. Das hat auch irgendwie funktioniert. Das ist auch der Grund, wofür wir das alles machen. Es sind immer noch dieselben Leute, die wir damals auch schon angesprochen haben, indem wir eine Gemeinschaft aufgebaut haben. Nicht, indem wir uns als besonders cool haben abfeiern lassen. Das war lange, bevor es Facebook oder Myspace gab. Wir wollten einfach, dass die Menschen bei uns sind: Ein T-Shirt kaufen, auf Konzerte kommen und dort die Songs mitsingen. Das ist der Grund, warum wir auf die Bühne gehen.


POPCONNECTION: Welche Leute kommen denn heutzutage zu euren Konzerten? Sind es eher die langjährigen Fans oder begeistert ihr viele junge Leute?

Chris: Die längjährigen Fans. Selbst, wenn ich jetzt sagen würde, es sind junge Leute, würde das meinen, dass es Menschen ab dreißig aufwärts sind. So alt sind unsere Fans in dem Sinne gar nicht. Ich bin eine ganze Ecke älter als sie. Aber der Schnitt liegt wohl so bei Mitte 40. Manchmal sind ein paar Kids dort - mit ihren Eltern. (lacht) Dann muss ich schmunzeln, weil mich das daran erinnert, wie ich mir mit meinen Kindern Teenage Fanclub angesehen habe. Leute in den 20ern sind selten. Ich glaube auch nicht, dass das mit der puren Nostalgie zusammenhängt, das ist eher das Problem, wenn man acht Alben oder wie viele auch immer herausgebracht hat. Das ist dann irgendwie uncool.


POPCONNECTION: Es ist uncool, Platten zu veröffentlichen?

Chris: Ich erinnere mich daran, dass ich mich cooler gefühlt habe, als wir nur eine oder zwei Platten veröffentlicht hatten. Wir gingen in einen Plattenladen in Köln und uns haben Leute angesprochen: "Hey, ihr seid aus Boston! Euch kenne ich!" Heutzutage ist es dann eher so, dass wir gefragt werden, ob wir uns nicht im Laden geirrt haben. Nach dem Motto "Der Klassikladen ist am Ende der Straße. Ihr habt euch wohl vertan, Jungs!" (lacht) Irgendwie ist das enttäuschend. Selbst, als in den Vierzigern war, habe ich mich noch für cool gehalten. Aber wenn man Kinder hat, ändert sich das. Die Freunde meiner Kinder fragen mich manchmal, wo ich hin gehe. Und ich sage ihnen dann, dass ich in dieser Band spiele. Das ist dann schon komisch. Wenn man von einer Rockband spricht, dann meint man doch nicht so einen alten bierbäuchigen Kerl! Die denken sich dann, "Was macht der Typ? Zieht er sich wie ein Rockstar an und glaubt, er wäre einer?!" Wenn man von einer Rockband spricht, dann meint man so etwas wie Aerosmith - und davon sind wir meilenweit entfernt! Aber wir leben den Rock 'n' Roll. Wir sind quasi so etwas, wie die Stones! (lacht) Aber um ehrlich zu sein: Wir waren auch nicht besonders cool, als wir 20 gewesen sind. (grinst)


POPCONNECTION: Ich danke dir ganz herzlich für das tolle Gespräch, Chris!

Chris: Ich danke dir!



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