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POPCONNECTION - Interviews - Cloudberry: "Die nächste Platte ist für mich eine persönliche Herausforderung"
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Cloudberry

CLOUDBERRY

"Die nächste Platte ist für mich eine persönliche Herausforderung" (EXKLUSIV!)
Datum: 24. Juni 2006 (Münster)
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Gut ein Jahr ist es her, dass das zweite Album "Destroyer" der Frankfurter Band Cloudberry um Mastermind Marco Pleil erschienen ist. Ein Album, dem es mit einer Laufzeit von knapp 30 Minuten gelungen ist, uns mit 16 Indie-Rock-Perlen der alten Schule zu beehren. Anfang Juni haben sich Cloudberry ins Tonstudio 45 nach Friedrichsegen begeben, um dort die ersten fünf Tracks für den "Destroyer"-Nachfolger aufzunehmen. Produziert hat das Ganze niemand geringeres als Kurt Ebelhäuser von Blackmail/Scumbucket.

POPCONNECTION hat sich mit Marco Pleil getroffen, um mit ihm über die Aufnahmen zu sprechen. Im Gepäck hatte er die Hörproben der fünf eingespielten, noch ungemasterten Tracks. Doch selbst unvollendet überzeugten die Songs bereits beim ersten Hören. Waren die Stücke auf der
"Destroyer" doch eher kryptisch gehalten, klingen die neuen Songs wesentlich eingängiger und lockerer. Indie-Pop-Hymnen mit Ohrwurmcharakter und wunderschön ausgefeilten Melodien wie beispielsweise "Hits & Hugs". Die Arrangements der neuen Songs variieren wunderbar zwischen Melancholie und Euphorie. Kompositorisch schön gemacht ist auch das leicht psychedelisch klingende Orgel-Intro, das den Track "Soulflares" einleitet. Die Länge der Songs differenziert sich ebenfalls deutlich von den Stücken auf "Destroyer". Reichte hier kaum ein Track über zwei Minuten hinaus, so sind die neuen Songs um einiges länger, mit Ausnahme von "Ripcord". Der Song endet in guter Cloudberry-Manier nach 1:33 Minuten völlig abrupt. Hier hätte man sich ein paar Sekunden mehr gewünscht. Aber egal, die Hörproben haben mich auf jeden Fall überzeugt. Bleibt nun noch der Plausch mit Marco Pleil über die Aufnahmen bei einem kühlen Bier in der Sonne.



POPCONNECTION: Du hast ja die neuen Songs gemeinsam mit Kurt Ebelhäuser aufgenommen. Wie kam es denn überhaupt zu dieser Zusammenarbeit?

Marco: Den Kurt kenn' ich von der Scumbucket-Tour letztes Jahr, die ich ja zwei Mal zwei Wochen begleiten durfte. Kennengelernt hab ich ihn über den Guido Lucas, der die "Destroyer"-Platte produziert hat. Er hat mich kurz nach der Produktion gefragt, ob ich Lust hätte, auf den zwei Touren zum "Kiss Than Kind"-Album Keyboard und Gitarre zu spielen und das war's. So hab ich den Kurt kennengelernt...


POPCONNECTION: Wie war für dich die Zusammenarbeit mit Kurt im Nachhinein?

Marco: Sehr, sehr toll. Das war auch ein kleines Experiment, weil ich eine kreative Hand in der Produktion dabei haben wollte. Die Produktion mit dem Guido Lucas war ja im Prinzip nur reines Aufnehmen, von dem, was ich dem Tontechniker gesagt hab. Da war dann relativ wenig Produzenteneinfluss da, von jemandem, der auch mal Tipps und Vorschläge zu den Songs gibt. Deshalb wollte ich das mit dem Kurt mal ausprobieren. Hat prima geklappt.


POPCONNECTION: Wenn ich mir die neuen Songs jetzt so anhöre, fällt mir schon auf, dass sie textlich nicht mehr so kryptisch sind, wie die Songs auf "Destroyer". Gibt es dafür einen Grund?

Marco: Textlich war es bei der "Destroyer" eine Protesthaltung gegen dieses ganze "Was willst du mit der Musik sagen"-Ding. Da hatte ich überhaupt keinen Bock drauf. Da lag der Fokus auch mehr auf den Songs, weil es die erste Band-Platte war. Auf der "Elijah" war alles ja sehr elektronisch, da hatte ich textlich auch nicht so die Ambitionen, was zu sagen. Was bei den neueren Sachen schon der Fall ist. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich älter und ruhiger werde und vielleicht jetzt auch mal das Gefühl habe, Statements zu ein paar Sachen zu geben. Absolut unpolitische Sachen, aber in meiner persönlichen Politik. (lächelt)


POPCONNECTION: Auch musikalisch klingen die neuen Songs wesentlich eingängiger als die Stücke auf "Destroyer". Woran liegt das?

Marco: Das liegt an der Produktion, würde ich sagen. Das war auch das erste, was der Kurt am Ende gesagt hat, nachdem wir die Mixe fertig hatten. Es klingt alles extrem poppig, was aber nicht schlimm ist. Das liegt aber auch an den Songs selbst. Die neuen Songs sind alle ein bisschen ruhiger und ein bisschen introvertierter. Und ich glaube, hätten die neuen Songs die Produktion von der "Destroyer", dass würde auch nicht so richtig passen. Ich find's super so, wie's ist...


POPCONNECTION: Also, bist du schon mit den neuen Songs zufrieden?

Marco: Normalerweise würde ich immer nach zwei Wochen die Songs wieder komplett anders aufnehmen. Es gibt noch ein paar Einzelheiten, ein paar Sachen im Mix, die noch mal überarbeitet werden, wenn der Rest der Platte steht. Aber prinzipiell find ich das alles prima, so wie's ist.


POPCONNECTION: "Soulflares" beginnt ja mit einem leicht psychedelisch-angehauchten Orgel-Intro. War das deine Idee mal so etwas zu machen?

Marco: Das war die Idee vom Kurt. Der Song an sich stand und ich meinte, da muss noch irgendwas vorne dran, so als Einleitung. Da hat er vom Blackmail-Set so eine uralte schwere Orgel ausgepackt. Wir haben uns dann zwei Stunden hingesetzt und ein Intro zusammengebastelt. Das find ich mittlerweile so toll, dass dies auch das Intro für die Shows zum neuen Album werden soll.


POPCONNECTION: Betrachtet man die beiden Vorgängeralben "Elijah" und "Destroyer" und nun die neuen Songs, so fällt auf, dass sich jede einzelne Platte voneinander differenziert. Ist es dir bewusst wichtig, dass jedes Album eigenständig für sich steht und sich voneinander unterscheidet?

Marco: Nicht bewusst. Das ist ein Lernprozess. Es gibt viele Bands, auch gerade junge Bands oder Newcomerbands, die wollen mit der ersten Platte gleich ne 100 % Platte machen, das Beste, was man irgendwie machen will. Das war bei mir nicht der Fall.
Nachdem ich über 100 Demos aufgenommen hatte, war die "Elijah" für mich dann irgendwie ein Statement. Jetzt musste ich einfach mal sagen, hier ist Cloudberry. Das waren die ersten Songs. Dann kamen irgendwie die Sache mit dem Livespielen und der Band dazu. Wir haben dann grundsätzlich alles mit echtem Schlagzeug und echtem Bass gespielt. Das war dann das zweite Statement, erstmal in dieses Bandgefüge reinkommen.
Und die nächste Platte ist für mich eine persönliche Herausforderung mal ein Singer/Songwriter-Ding zu machen. Da denkt man jetzt gleich an diesen ganzen Kram aus Amerika wie Bob Dylan und Johnny Cash und so. Das ist ja auch alles super und toll. Aber ich bin da schon extrem poppig ausgelegt. Das ist so n bisschen die Herausforderung für mich so Singer/Songwriter-Poptum. Es geht halt immer weiter. Ich denk mich auch mehr in Arrangements rein als bei der "Destroyer". Da hab ich einen Song innerhalb von drei Tagen geschrieben und dann war er fertig. Und jetzt ist es teilweise so, dass ich Songs auch mal liegenlasse und dann erst wieder dran gehe. Und keine Ahnung, vielleicht wird das vierte Album ja ein Streicheralbum. Wer weiß...mal schauen.


POPCONNECTION: Würdest du den Lernprozess auch als eine Weiterentwicklung sehen?

Marco: Das hoff ich doch. (grinst)


POPCONNECTION: Oder würdest du sagen Cloudberry ist "erwachsen" geworden?

Marco: Erwachsen, nein. Ich halt mich selbst nicht für erwachsen. Ich versuch einfach nicht stehen zu bleiben. So wie Bad Religion. Immer wenn von denen ein neues Album kommt, weißt du genau was drauf ist. Da gibt's keine Überraschungen mehr. Ich hab z.B. vier Songs im Demostadium gehabt, wo ich gedacht hab, dass hätte auch auf der "Destroyer" sein können. Das ist dann für mich so ein Qualitätsstandard, wo ich dann sag "Nö". "Aftermath" hab ich z.B. einem Freund vorgespielt und der meinte, das wäre eine typische Cloudberry-Nummer. Ich finde, in gewisser Weise hat er Recht, aber es klingt doch irgendwie auch ein bisschen anders. Das ist meine Intention, schon eine eigene Note zu haben, aber sich nicht zu wiederholen.


POPCONNECTION: Du bist nur zusammen mit deinem noch relativ neuen Schlagzeuger Thomas Hofmann ins Studio gegangen, um die neuen Songs einzuspielen. Hast du die restlichen Instrumente komplett selbst eingespielt?

Marco: Die Gitarren hab zum Großteil ich eingespielt und ein paar Sachen hat der Kurt gemacht. Thomas hat Schlagzeug gespielt und bei einem Song noch Orgel. Und drei Viertel von Blackmail haben bei "Hits & Hugs" Background gesungen.


POPCONNECTION: Welche drei Viertel von Blackmail waren das?

Marco: Der Mario, der Carlos und der Kurt. Der Aydo war nicht dabei.


POPCONNECTION: Wie kam es denn dazu, dass die Blackmail-Jungs gesagt haben: "Da singen wir jetzt den Background"?

Marco: Wir waren im Studio und haben geprobt und da hat der Kurt gesagt: "Kommt rüber, wir brauchen eine bisschen andere Tonfarbe." Und jetzt hab ich ein paar Gaststars drauf. (grinst)


POPCONNECTION: Was geschieht jetzt als nächstes mit den aufgenommenen Songs?

Marco: Wir suchen jetzt ein neues Label. Die "Destroyer" ist ja auf dem verlagseigenen Label erschienen. Wir sind ja damals mit den 8-Spur-Demos von den Songs schon hausieren gegangen, die auch nicht so grundlegend anders klangen als die Endaufnahmen. Aber jetzt wollen wir ja einen Schritt weitergehen, nicht nur im Songwriting, sondern auch in der Veröffentlichungspolitik und allem. Und deshalb gehen wir jetzt mit den fünf aufgenommenen Tracks auf Labelsuche. Wir werden auch die nächste Aufnahmesession wieder nur fünf Songs machen und nicht alles auf einmal, wie bei der "Destroyer". Nur fünf Songs, damit man auch mal was liegenlassen kann und auch mal richtig dran arbeiten kann. Nicht nur aufnehmen und fertig. Das sind so die nächsten Schritte, denk ich.


POPCONNECTION: Und wann geht's dann wieder ins Studio für die nächste Aufnahmesession?

Marco: Im Frühherbst. Kommt drauf an, wie der Kurt Zeit hat. Der ist ja auch sehr beschäftigt im Moment.


POPCONNECTION: Hast du schon einen ungefähren VÖ-Termin für das komplette Album ins Auge gefasst?

Marco: Juni 2010. (lacht) Das kommt jetzt darauf an, wie schnell wir ein interessiertes Label finden.


POPCONNECTION: Gibt es denn schon einen Namen für das Album?

Marco: Ja, den Namen gibt's, den verrat ich aber noch nicht. Was ich verrate ist, dass in einem der fünf Songs der komplette Albumtitel als Textzeile zu hören ist. (grinst)


POPCONNECTION: Dann rätsle ich jetzt mal, um welche Textzeile es sich handelt und bedanke mich ganz herzlich für das wunderbare Interview und dafür, das ich die Ehre hatte, die neuen Song hören zu dürfen. Danke!

Marco: Ich danke auch.


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