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POPCONNECTION - Interviews - Cold War Kids: "Da wurde einiges falsch interpretiert"
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Cold War Kids

COLD WAR KIDS

"Da wurde einiges falsch interpretiert"
Datum: 18. November 2008 (München)
Interview: Andreas Kussinger
Foto: Pressefoto

Cold War Kids, Amerikas Indie-Lieblinge von 2006, melden sich zurück und sind mit neuem Album im Gepäck auf Europatour. Wir trafen Schlagzeuger Matt Aveiro und Bassist Matt Maust vor dem Konzert im Münchener Atomic Cafe zum Interview.
Im Backstageraum herrscht Grabesstille, jeder der Anwesenden hat sein Haupt gesenkt und liest, hoch konzentriert, in einem Buch. Mit leiser Stimme kündigt mich der Tourmanager an und Schlagzeuger Matt Aveiro sowie Bassist Matt Maust legen eher widerwillig ihre Lektüre zur Seite, um mich zu begrüßen. Small Talk ist nicht gerade ihre Lieblingsbeschäftigung, aber nach und nach beginnen sie dann doch, etwas aufzutauen:



POPCONNECTION: Ihr seid heute binnen Jahresfrist zum zweiten Mal in München, und wie schon im vergangenen Winter ist das Konzert seit Wochen ausverkauft. Eigentlich müsste man annehmen, dass ihr gerade richtig durchstartet in Deutschland. Wieso seid ihr trotzdem eher noch ein Geheimtipp in Deutschland, was denkt ihr?

Matt Aveiro: Ähm, nun ja, ist das so? Ich glaube wir haben uns in Deutschland ganz gut gemacht bisher. Natürlich hoffen wir, dass wir mit dem neuen Album wieder einige neue Fans hinzugewinnen können, deswegen sind wir hier.


POPCONNECTION: Stimmt ihr mir zu, wenn ich behaupte, dass ihr ziemlich polarisiert?

Matt Aveiro: Du meinst, dass man uns nur hassen oder lieben kann, nichts dazwischen? Ja ich glaube schon, dass du da Recht hast. Aber als Band achten wir da eigentlich nicht wirklich drauf, wir sehen ja auf Tour fast nur die Leute, die uns mögen.


POPCONNECTION: In den USA habt ihr ja einen recht erfolgreichen Start hingelegt mit dem neuen Album...

Matt Maust: Für diese Aussage ist es vielleicht noch etwas zu früh, es ist ja gerade erst raus gekommen. Aber die ersten Wochen nach der Veröffentlichung lief es ganz gut.
 

POPCONNECTION: Immerhin habt ihr den Sprung in die Charts geschafft.

Matt Maust: Haben wir? Wir waren schon auf Tour, als das Album raus kam, und sind es immer noch. Eigentlich habe ich schon lange nichts mehr von der Heimatfront gehört...

Matt Aveiro: In Kalifornien wartet Matts aktuelle Billboard-Ausgabe darauf, aus dem Briefkasten geholt zu werden...


POPCONNECTION: Wie lange seid ihr denn schon auf Tour?

Matt Maust: Seit August. Zuerst waren wir in Australien und in Großbritannien bevor schließlich unsere US-Tour begann. Und jetzt geht es noch weitere zwei Wochen durch ganz Europa.


POPCONNECTION: Zieht es euch wieder nach Hause, oder macht es noch Spaß?

Matt Maust: Das ist nicht jeden Tag gleich. Heute liebe ich es, gestern waren wir in Prag, unser erstes Konzert in Osteuropa, und es war wohl eines der besten Konzerte, das wir je gegeben haben. Phantastisches Publikum, und eine wirklich gute Show.


POPCONNECTION: Und jetzt also Deutschland. Was haltet ihr denn von der Musikszene hierzulande? Kennt ihr euch aus?

Matt Aveiro: Du meinst Techno? Hmm, also aktuell kenne ich überhaupt nichts, aber ich mag das Kraut Rock Zeug. Faust zum Beispiel.


POPCONNECTION: Lasst uns mal über eure Texte reden. Schon vor und während der Veröffentlichung eures Debütalbums "Robbers & Cowards" wurdet ihr ja oft, nun ja, beinahe angefeindet wegen eurer "christlichen" Texte. Wie seht ihr das? Seht ihr euch wirklich als "christliche" Band, wollt ihr mit eurer Musik gar missionieren?

Matt Aveiro: Nein, da wurde einiges falsch interpretiert. Das wurde von irgendjemandem in unsere Texte hineininterpretiert, und, obwohl das falsch war, verbreitete sich das dann weiter. Wir wollten sicherlich etwas anderes mit unseren Texten ausdrücken, als es von einigen Journalisten anschließend interpretiert wurde.

Matt Maust: Unsere Texte handeln von Moral, von Verzweiflung und Hoffnung, und einige haben das dann als "christlich" interpretiert, aber ich denke nicht, dass das ein recht passendes Wort ist.


POPCONNECTION: Ihr habt euch ja an einem sehr konservativen, christlichen College kennen gelernt, das war sicher ausschlaggebend dafür. Und eure Themen sind schon schwere Kost, es geht um Selbstmord, Gewalt, Trinksucht...

Matt Maust: Ja, unsere schulische Vergangenheit hat sicher einige dazu verleitet, diesen Zusammenhang zwanghaft zu suchen. Aber ich glaube es ist sehr weit hergeholt, von der Schulausbildung der Bandmitglieder auf die Musik Rückschlüsse zu ziehen. Klar sind unsere Texte ernst. Wir sind alle große Fans von Neil Young, Nick Cave, Bob Dylan oder auch The Clash. Das inspiriert uns beim Songschreiben. All die Bands und Künstler, die vor uns schon gesagt haben, wie die Dinge sind. Ich finde es eigentlich recht interessant, dass die Leute denken, es handele sich bei moralischen Texten um etwas neues, eine neue Herangehensweise. Dabei lassen wir uns auch nur von unseren Vorbildern inspirieren wie viele Bands zuvor auch.


POPCONNECTION: In Deutschland sind Songtexte dieser Art tatsächlich ungewohnte Töne. Das liegt zum einen an der hiesigen Musikszene, zum anderen auch an den Texten der zahllosen britischen Bands, die mit ihrem "Spaß- und Trink-Indie-Pop" seit Jahren große Erfolge verbuchen.

Matt Maust: Damit kann ich nicht so wirklich viel anfangen. Unser Interesse gilt eher Texten mit etwas längerer Halbwertszeit als bei diesen Partysongs.


POPCONNECTION: Eigentlich passen die Texte ja so gar nicht zum Lebensgefühl euer Heimat Kalifornien.

Matt Aveiro: Ja, mit den meisten anderen kalifornischen Bands haben wir nicht sehr viel gemeinsam. In die dortige Musikszene passen wir nicht wirklich rein. Folgerichtig waren wir bisher auch viel mehr mit Bands aus New York oder Seattle unterwegs.


POPCONNECTION: Ist Politik denn ein Thema für euch? Bei den Wahlen haben viele eurer US-Kollegen ja Wahlwerbung betrieben.

Matt Aveiro: Eigentlich nicht wirklich. Natürlich interessieren wir uns dafür und wir versuchen auch auf Tour, uns auf dem Laufenden zu halten. Aber das spielt weder in unseren Texten eine Rolle, noch beeinflusst es uns sonst in irgendeiner Weise.

Matt Maust: Das ist ein schwieriges Thema. Ich mag es nicht besonders, wenn Bands oder Künstler ihren Fans das Denken abnehmen. REM zum Beispiel, die den Fans sagen, wen sie wählen sollen. Künstler sollen den Menschen nicht die Antworten geben, sondern die Fragen stellen.


POPCONNECTION: Also würdet ihr nicht wie Bruce Springsteen auf einem Parteitag auftreten?

Matt Aveiro: Wenn wir mal so alt sind, vielleicht schon, wer weiß. Er ist ja schon ein bisschen reifer als wir. Aber gerade Bands, die sehr junge Fans haben, sollten sich mit solchen Meinungsäußerungen zurückhalten. Die Fans nehmen ja alles für Bare Münze, was ihre Idole erzählen, ohne überhaupt einmal darüber nachzudenken.

Matt Maust: Wir haben dieses Jahr auch schon Shows mit einer anderen Band gespielt, die gleich mehrmals während ihres Sets den Zuschauern "Wählt Obama!" zuriefen. Das ist eigentlich das Gegenteil von dem, was wir für richtig halten. Wir wollen die wichtigen, sozialen Fragen stellen, nicht die Antworten geben. Und dabei wollen wir so weit wie möglich objektiv bleiben.


POPCONNECTION: Kommen wir zurück zu eurer Musik. Wie würdet ihr eigentlich euren Stil bezeichnen? Ihr habt ja einen sehr eigenwilligen Stil mit vielen Blues- und Soulelementen.

Matt Maust: Ich denke, Soul-Punk passt ganz gut. Wir lieben sowohl Soulmusik als auch guten, alten Punkrock. Mit Blues in Verbindung gebracht zu werden gefällt uns nicht so sehr. In den USA wird als Blues oft nur dieses Hard Rock Cafe Zeug bezeichnet.


POPCONNECTION: Was darf man von eurer Show heute Abend erwarten?

Matt Aveiro: Viele neue Songs, nur ganz wenig von unserem ersten Album. Auch ein paar noch unveröffentlichte Sachen. Vielleicht bekommst du auch ein Cover zu hören. Wir arbeiten gerade an einem Talking Heads Cover, mal sehen, wenn es beim Soundcheck gut funktioniert, werden wir den Song vielleicht spielen.


POPCONNECTION: Hört sich sehr interessant an. Ich freu mich darauf. Vielen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt!

Matt Maust: Wir danken auch, viel Spaß heute Abend!


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