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POPCONNECTION - Interviews - Frightened Rabbit: "Frightened Rabbit ist eine Art Club"
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INTERVIEWS
Frightened Rabbit

FRIGHTENED RABBIT

"Frightened Rabbit ist eine Art Club"
Datum: 14. August 2010 (Haldern Pop Festival)
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Dave Gourley

Vom einstigen Geheimtipp entwickelten sich Frightened Rabbit in den letzten Jahren zu einer der neuen Lieblingsbands der schottischen Musikszene. Im vergangenen Frühjahr hat das Quintett aus Glasgow mit "The Winter Of Mixed Drinks" sein mittlerweile drittes Album veröffentlicht, das sowohl bei Kritikern als auch Fans Begeisterungsstürme hervorrief.

Wir haben die beiden Hutchison-Brüder Scott und Grant auf dem Haldern Pop Festival zu einem kleinen Plausch getroffen und mit den beiden über das neue Album gesprochen.



POPCONNECTION: Ihr habt heute Nachmittag ein großartiges Konzert hier auf dem Haldern Pop Festival gespielt. Wie fühlt ihr euch?

Grant: Dankeschön! Wir fühlen uns großartig!

Scott: Wir haben es sehr genossen! Wir haben eine ziemlich lange und ausgedehnte Tour hinter uns: Australien, die USA, Ibiza - und schließlich sind wir hier. Aber es war toll! Ein exzellentes Publikum! Eines, das zuhört, anstatt nur zu trinken. Das war wirklich großartig.

Grant: Vor allem war es ein riesiger Unterschied zu Ibiza! Dort haben die Leute nur getrunken - und nicht zugehört. (lacht)


POPCONNECTION: Oh je, ich glaube, das macht's dann anstrengend, dort zu spielen…

Grant: Oh ja! Das war's. Aber es hat trotzdem Spaß gemacht. (grinst)


POPCONNECTION: Was waren eure ersten Eindrücke, als ihr hier auf dieses Festival gekommen seid?

Scott: Der erste Eindruck war das Line-Up der Bands. Es gab uns einen Einblick, wie das Ganze wohl werden würde. Einige unserer Lieblingsbands sind hier vertreten. Und das ist gut, denn es lässt darauf schließen, dass es sich hier um ein Publikum handelt, dass absolut musikbegeistert ist. Wir haben uns ein wenig umgesehen und festgestellt, wie klein das Gelände ist. Das ist super, weil es sehr einfach ist, sich zurecht zu finden. Und alles ist sehr entspannt. Genau das, was wir nach Ibiza gebraucht haben. (lacht)


POPCONNECTION: Lasst uns über euer neues Album sprechen: Der Titel der Platte ist "A Winter Of Mixed Drinks". Was bedeutet das?

Scott: Auf der einen Seite kann man diesen Titel wörtlich nehmen: Man hat eine Zeit, in der man viel trinkt. (grinst) Im Bandkontext betrachtet sieht das Ganze so aus: Wir begannen mit den Aufnahmen im Winter 2008/09 und wir sind viel unterwegs gewesen. Ich glaube, wir begannen, zu uns selbst wieder zu finden. Nicht durch das Trinken, sondern durch den Fakt, dass das Touren weniger Spaß machte. Und irgendwie wusste niemand von uns mehr so genau, warum wir das überhaupt machen, weil wir so lange unterwegs gewesen sind. Für mich war das der Winter der Mixgetränke. Aber das kann für jeden die Zeit bedeuten, in der man seine Ziele nicht kennt und alles erscheint ein wenig trostlos.

Grant: Es geht nicht zwangsläufig um den Winter, sondern um die Kälte und die Dunkelheit. So fühlte es sich zumindest für uns an. Trinken war nicht einfach nur trinken, sondern es wurde zu einem Teil dessen, was man tat.

Scott: Es war einfach kein Spaß mehr. Es war aber auch nicht so schlimm, wie sich das jetzt vielleicht anhört. Wir sind auch nicht in eine Spirale abgedriftet oder in ein Loch gefallen. Was der Albumtitel vielmehr ausdrückt ist, wie ich wieder zu mir zurückgefunden habe.


POPCONNECTION: "A Winter Of Mixed Drinks" klingt nichtsdestotrotz ein wenig optimistischer, als sein Vorgänger. Was ist für euch der größte Unterschied zwischen den beiden Platten?

Scott: Ich war in einer komplett anderen Verfassung, als ich die Texte geschrieben habe. Und das ist auch genau das, was die Musik reflektiert. Obwohl ich durch die Tour erschöpft gewesen bin, war ich doch sehr glücklich in einer Beziehung - was beim letzten Album nicht der Fall war. Und dann liegt es auf der Hand, dass die Texte anders werden. Die Dinge innerhalb der Band entwickelten sich ebenfalls besser. Ich konnte das tun, wovon ich immer geträumt hatte. An diesem Punkt war ich sehr glücklich, und dieses Gefühl ist auch in die Songs mit eingeflossen. Ich war wesentlich zufriedener. Auch mit den Aufnahmen, die uns die Möglichkeit boten, stärker zu experimentieren, beispielsweise mit Streichern, die anders platziert wurden, als auf unserer letzten Platte. Wir hatten mehr Zeit, Sachen auszuprobieren. Diesen Luxus hatten wir auf unserem zweiten Album nicht, das wir sehr schnell fertig gestellt haben. Ich glaube, unser Selbstbewusstsein ist gewachsen und wir sind alle sehr zufrieden mit dem Ergebnis.


POPCONNECTION: Die meisten Stücke des Albums wurden an der schottischen Küste geschrieben. Inwiefern hatte diese Umgebung Einfluss auf die Songs?

Scott: In erster Linie habe ich mich für dieses Haus an der Küste entschieden, weil ein Freund es mir für eine Weile unentgeltlich überlassen hat. Es war also ein kostenloses Quartier. (grinst) Zweitens wollte ich mich körperlich und seelisch erholen. Ich habe also mein Aufnahmeausrüstung mitgenommen, ohne zu erwarten, dass ich tatsächlich so schnell anfangen würde, zu schreiben, wie ich es dann im Endeffekt tat. Als ich dann täglich am Meer spazieren gegangen bin und mit Ideen zurückkehrte, kamen die Dinge ins Rollen. Und das hatte einen großen Einfluss. Eines der Hauptthemen des Albums ist das Meer. Auch, wie sich das Album bewegt, sein Rhythmus. Ähnlich wie Ebbe und Flut, in einer entspannten Art und Weise. Ich habe nie zuvor an der Küste gelebt, von daher war das schon prägend.


POPCONNECTION: Ich habe auch gelesen, dass die Gedichtsammlung "Songs Of The Crow" von Ted Hughes einen großen Einfluss auf das Album hatte…

Scott: Ich lese nicht viele Gedichte, aber über seine stolperte ich zur richtigen Zeit und am richtigen Ort. Ich kam zufällig darauf. Und plötzlich eröffnete sich mir eine neue Art des Schreibens. Hughes schreibt sehr natürlich und organisch über die Naturgewalten. Das schlug sich auch in meiner Art zu Schreiben nieder. Ein starker Einfluss, ja. Das war für mich auch neu. Vorher war es immer Musik, die mich in dem beeinflusst hat, wie ich mich fühlte. Und nun waren es diese Texte.


POPCONNECTION: Ihr habt zwei Videos zu "Nothing Like You" gemacht. Warum?

Grant: WIR haben eins gemacht… (lacht) Hast du sie beide gesehen?


POPCONNECTION: Ja, hab ich.

Grant: Eines der Videos hat eine Menge Geld gekostet und sieht aus, wie diese Standard-Rock-Band-Videos. Das gefiel uns aber nicht…

Scott: Nein, wir mochten es nicht. Das Label dagegen war ganz aus dem Häuschen, so nach dem Motto: "Wir werden alle damit überraschen!" Aber wir haben uns damit nicht wohl gefühlt, das war nicht das, was wir wollten. So fing das alles eigentlich an.

Grant: Es gab nicht das wieder, was wir sind. Wir wollten etwas, das persönlich ist. Und das Persönliche fehlt bei diesem Video komplett.

Scott: Es war langweilig! Absolut langweilig! (lacht)

Grant: Für die alternative Version hatten wir ein sehr begrenztes Budget, aber wir wirkten darin wenigstens nicht, wie eine x-beliebige Band.

Scott: Wenn ich Frightened Rabbit-Fan wäre und dieses Video sehen würde, wäre ich wahrscheinlich ziemlich enttäuscht. Und auf der anderen Seite: Wenn ich kein Fan wäre, würde mich dieser Clip nicht wirklich vom Hocker reißen. Es ist halt ein recht billiges Video…


POPCONNECTION: Aber manchmal sind gerade die Videos, die ohne großes Budget gemacht werden, die besten!

Grant: Ja, das auf jeden Fall! Und außerdem hat es so viel Spaß gemacht, dieses Video zu drehen. Ein Bekannter von uns arbeitet in einem Pub und wir konnten den Raum darüber nutzen. Es ist schon komisch, dass man in einer Band so viel Zeit miteinander verbringt und dabei manchmal vergisst, dass man zusammen so viel Spaß haben kann. Ich glaube, dieses Video hat uns alle daran erinnert, wie sehr wir uns mögen und wie sehr wir es genießen, miteinander abzuhängen. (lacht) Manchmal ist das Beisammensein ja recht zwangsmäßig. Aber an diesem Tag, als wir das Video gemacht haben - das war großartig! Es war echt lustig! Hoffentlich kommt das in dem Clip auch so rüber. Wir fühlen uns mit diesem Video einfach viel besser!


POPCONNECTION: Ja, mir gefällt diese günstigere Ausgabe auch besser.

Grant: Ja, mir auch! Ich mag es, mein Bestes zu geben! (lacht)


POPCONNECTION: Auf eurer Myspace-Seite steht, dass jeder bei Frightened Rabbit mitmachen kann. Was genau meint ihr damit?

Scott: Eben genau das! Das ist ähnlich, wie mit dem Video: Wir möchten die Leute in all das, was wir machen, involvieren. Wir wollen keine Trennlinie zwischen der Band und den Fans ziehen, weil sie die Band letzten Endes zu dem machen, was sie ist. Wir mögen es, mit den Fans in Kontakt zu stehen und keinen Unterschied zu ihnen zu machen. Genaugenommen ist Frightened Rabbit eine Art Club, dem man beitreten kann. Und wenn du vorbei kommst, um uns live zu sehen, dann fühlst du dich hoffentlich genauso wichtig, wie wir es dir vielleicht erscheinen mögen. Denn das Publikum ist genauso bedeutend, wie wir es sind. Es kann mit uns in Kontakt treten und wir können mit ihm interagieren. Ansonsten würde das Ganze nicht funktionieren. Ich glaube, das ist es, was wir damit meinen. Nicht unbedingt "Hey, kommt rauf auf die Bühne und spielt ein Instrument bei uns!" (lacht) Ich denke, der Einbezug des Publikums ist das, was die Menschen dazu bringt, sich für die Musik zu begeistern.


POPCONNECTION: Damit kommen wir auch schon zu unserer letzten Frage: Was können wir in Zukunft von euch erwarten? Arbeitet ihr bereits an neuem Material?

Grant: Im Moment beschäftigen wir uns nach wie vor auch noch mit unserem aktuellen Album, das ja erst im März veröffentlicht wurde. Und da es immer noch Menschen gibt, die noch nie etwas von uns gehört haben, werden wir natürlich noch weiter touren. Und wenn das alles vorbei ist, werden wir anfangen, uns Gedanken über das kommende Album zu machen.

Scott: … ein weiterer Winter Of Mixed Drinks. (lacht)


POPCONNECTION: Oder vielleicht einer der heißen Schokolade…

Scott: Das ist eine gute Idee! Dann kommt man auch früh ins Bett! Das wäre wahrscheinlich ein sehr langweiliges Album. (lacht)


POPCONNECTION: Ich danke euch beiden ganz herzlich für das Gespräch! Ich denke, man sieht sich im November, wenn ihr in Münster spielt.

Grant: Ja, auf jeden Fall! Das letzte Mal, als wir in Deutschland gespielt haben, waren die Shows so toll, dass wir's kaum erwarten können, endlich wieder hier zu sein.

Scott: Wir bringen dir dann auch heiße Schokolade mit. (lacht)



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