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POPCONNECTION - Interviews - Grand Hotel van Cleef: "Wir haben das Label immer ein bisschen als Wohnzimmer empfunden"
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Grand Hotel van Cleef

GRAND HOTEL VAN CLEEF

"Wir haben das Label immer ein bisschen als Wohnzimmer empfunden"
Datum: 12. Juni 2008 (Phoner)
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Logo GHvC

Das Hamburger Label Grand Hotel van Cleef (GHvC) ist sozusagen das 5-Sterne-Hotel unter den hiesigen Indie-Labeln. Vor sieben Jahren von Thees Uhlmann (Tomte), Marcus Wiebusch (Kettcar) und Reimer Bustorff (Kettcar) gegründet, beherbergt das "Hotel" neben Tomte und Kettcar u. a. Künstler wie Death Cab for Cutie, Marr, Maritime, Home of the Lame, Olli Schulz & der Hund Marie und Bernd Begemann & Die Befreiung. Dabei verbindet alle Beteiligten nicht nur eine Geschäftsbeziehung, sondern vor allem eine Freundschaft. Seit 2006 veranstaltet das GHvC auch ein eigenes Festival, Fest van Cleef, bei dem es vor allem um eins geht: Die Liebe zur Musik. An jeweils drei Tagen in drei verschiedenen Städten treten sechs Bands des Labels und befreundete Bands auf. Auch in diesem Sommer geht das GHvC wieder auf Reisen und macht dabei Station in Mannheim (25.07.), Köln (26.07.) und Großefehn (27.07.). Mit an Bord sind neben Kettcar und Tomte auch Robocop Kraus, I Am Kloot, Niels Frevert und Ghost of Tom Joad.

Wir haben mit Reimer Bustorff, seines Zeichens Bassist bei Kettcar und einer der drei Labelchefs vom GHvC telefoniert und mit ihm ein wenig über das GHvC und das Fest van Cleef geschnackt.



POPCONNECTION: Wann und wieso entstand die Idee, ein eigenes Label zu gründen?

Reimer: Das ist schon ein bisschen länger her. Die Idee ist 2001 entstanden und zwar aus dem Grund, dass wir mit Kettcar schon ziemlich viele Songs fertig hatten und auch schon mit Tomte zusammen auf Tour waren. Außerdem haben wir von ganz vielen Leuten Lob bekommen, die gefragt haben, wann wir denn endlich ein Album raus bringen. Wir haben dann bei allen möglichen Plattenfirmen gefragt, ob die das mit uns zusammen realisieren wollen. Die haben dann alle gesagt, "Nö" und "Och mit deutschsprachiger Musik wird man nix" und haben alle möglichen Gründe gehabt, warum sie's nicht machen wollten. Und im Grunde ist das Label dann so ein bisschen aus der Not heraus entstanden.


POPCONNECTION: Welche Philosophie steckt hinter dem GHvC?

Reimer: Das Label gehört ja im Grunde Marcus (Kettcar), Thees (Tomte) und mir (Kettcar). Wir hatten von Anfang an aber diesen Grundgedanken, dass wir nicht nur die eigenen Bands - also Kettcar und Tomte - raus bringen wollen, sondern auch Bands, die wir toll finden. Dadurch ist es natürlich alles ein bisschen gitarrenlastig. Die Philosophie ist eigentlich, da wir selber Künstler sind, die Künstler auf dem Label auch "artgerecht" zu betreuen. Wenn man das so sagen kann. (lacht)


POPCONNECTION: Du hast gerade erwähnt, dass das Label dir, Marcus und Thees gehört. Wie werden bei euch Entscheidungen gefällt? Macht ihr das zu dritt?

Reimer: Das war tatsächlich so geregelt, sogar vertraglich, dass jedes Signing einstimmig entschieden werden muss. Und, dass jeder das richtig super finden muss, bevor wir überhaupt irgendwas anfassen. Das haben wir mittlerweile ein bisschen aufgeweicht, weil wir gemerkt haben, dass uns das auch ganz schön blockiert. Ein gutes Beispiel war jetzt Escapado, die sehr sperrig sind und eher eine Hardcore-Band als eine Gitarrenpop-Band. Thees kam mit denen um die Ecke und ich dachte so "Oh Gott, Oh Gott, Oh Gott! Was ist das denn jetzt?! Das passt ja überhaupt nicht zu uns." (lacht) Mich hat es erst überhaupt nicht so überzeugt und Thees hat es dann durchgedrückt. Doch mittlerweile find ich's total super. Ich finde, dass es total gut zu uns passt und insofern war das eine ganz gute Entscheidung, dass wir das Ganze nicht mehr so eng sehen.


POPCONNECTION: Ihr seid ja alle auf der einen Seite Musikliebhaber und auf der anderen Seite aber auch Geschäftsmänner. Was steht da im Bezug auf das GHvC eher im Vordergrund: Das Musikliebhabertum oder der Geschäftssinn? Oder kollidiert das manchmal auch miteinander?

Reimer: Leider steht man sich da sehr häufig im Weg und kommt sehr häufig in diese Situation und beschäftigt sich mit dieser Fragestellung. Das ist in der Tat ein Problem, was wir natürlich auch nicht lösen können. Wir müssen uns eigentlich dafür entscheiden, die Sachen nicht zu machen, die wirtschaftlich keinen Sinn machen. Zum einen müssen wir das natürlich auch machen, um den Künstler oder die Bands ein bisschen zu schützen, weil viele natürlich auch denken, "Ja, wir bringen jetzt die Platte raus und dann sind wir nur noch Künstler bzw. nur noch Musiker." Und so funktioniert das ja leider nicht. Es ist ja auch bei Kettcar so gewesen oder bei unseren Vorgänger-Bands, dass wir nebenbei studiert und gearbeitet haben. Ich hatte zwei Jobs, ein Studium und die Band. Es ist wahnsinnig schwer, von der Musik leben zu können und darum muss man oft leider diese wirtschaftlichen Dinge in den Vordergrund stellen und sagen, es macht einfach keinen Sinn. Wir können's nicht machen. Auch nicht, wenn wir sagen, wir müssen keinen Gewinn machen. Es ist super, wenn wir plusminus Null fahren. Aber sogar das ist teilweise sehr schwierig.


POPCONNECTION: Wie seid ihr auf die Idee gekommen ein Festival (Fest van Cleef) zu veranstalten?

Reimer: Das war glaube ich wirklich so eine Bier-Idee. (lacht) Unsere Veröffentlichungen sind ja Freunde gewesen wie z. B. Olli Schulz oder Marr, mit denen wir gut befreundet sind und Tomte und Kettcar ist ja sowieso eng. Wir haben das Label immer so ein bisschen als Wohnzimmer empfunden, wo die Bands zusammenkommen und wo man sich untereinander auch versteht. Es gibt auch keine Band auf dem GHvC mit der wir keinen Kontakt haben. Mit Death Cab for Cutie ist das jetzt ein bisschen schwierig, weil die so durch die Decke gegangen sind. Aber auch da ist es so, wenn die in Hamburg sind, dann hat man zu denen Kontakt und man versteht sich untereinander. Da liegt das natürlich nahe, dass man auch zusammen spielen will. Und Tomte und Kettcar kannst du im Grunde aufgrund der Größe nur noch so zusammen rausschicken. So ist diese Festival-Idee entstanden. Aber auch gleich mit diesem Gedanken, dass es super wäre, wenn wir auch andere Bands da mit reinkriegen. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass wir jedes Jahr einen internationalen Künstler haben wollen. So zum Beispiel die Weakerthans, die im letzten Jahr mit dabei waren oder wie dieses Jahr Voxtrot, die wir ganz toll finden. Aber wir freuen uns natürlich auch so einen Typen wie Niels Frevert im Line-Up zu haben. Das ist für uns natürlich super, dass wir das selber entscheiden können und manchmal klappt das natürlich auch nicht wie z. B. The National oder so was. Da merkt man dann, dass man sich das doch nicht ganz leisten kann, weil die einfach zu teuer sind. Zurecht ja aber auch. Naja, und dann schwenkt man halt um und stellt sich im Grunde ein Line-Up zusammen, dass einem selber gut gefallen würde. Und so entsteht dann dieses Festival.


POPCONNECTION: Wer ist für das Line-Up verantwortlich? Seid da auch ihr drei für verantwortlich?

Reimer: Nicht mal nur wir drei, sondern da hängen noch mehr Leute mit drin. Wir haben auch jemanden, der das für uns bucht. Dann Simon, unser fester Mitarbeiter, der natürlich auch die Entscheidungen mit trifft. Es ist nicht so, dass wir drei die Firma alleine werfen. Mittlerweile sitzen wir hier im Büro zu Fünft. Thees sitzt ja in Berlin, das ist der Sechste und dann haben wir einen in Köln sitzen, der das Booking für uns macht, das ist dann der Siebte. Und wir alle diskutieren darüber. Es ist so, dass wir Listen machen: Jeder macht Vorschläge, welche Bands er gerne dabei hätte. Und da darf man dann nicht so AC/DC drauf schreiben. (lacht) Was dann am Anfang gerne gemacht wurde, aber so einen Spaß haben wir uns verboten. Also, so realistische Bands, die man wirklich mal anfragen könnte und da versucht man dann auf einen Nenner zu kommen, was relativ einfach ist, weil wir vom Musikgeschmack nicht so weit auseinander sind. Und so entsteht das Line-Up dann.


POPCONNECTION: Das Fest van Cleef findet jedes Jahr in drei verschiedenen Städten statt. Wieso habt ihr euch dafür entschieden, das Ganze als kleine Festival-Tour an verschiedenen Orten zu veranstalten und nicht jedes Jahr an einem bestimmten Ort wie z. B. Hamburg.

Reimer: Wir haben lange überlegt, ob wir das nicht irgendwie so fest an einem Ort etablieren können. Wir haben natürlich auch lange überlegt, wie geil das wäre, wenn die Leute da zelten könnten. In Hamburg ist es ganz schwierig, da eine geeignete Location zu finden. Es gibt jetzt hier ein Festival - Dockville heißt das - da kann man auch zelten. Aber da sind wir leider nicht drauf gekommen, dass auf dieser Fläche zu machen. Wir haben überlegt, wie könnte man das Ganze aufziehen, natürlich mit zelten, aber das war uns dann alles ein bisschen groß und ein bisschen riskant. Hamburg ist ja auch wettermäßig sehr heikel. Wir haben selber schon auf vielen Festivals gespielt, die dann ins Wasser gefallen sind und wo wir auch wissen, dass sich die Veranstalter bis über beide Ohren verschuldet haben. Es ist einfach wahnsinnig riskant, so ein riesen Festival aufzuziehen. Und so haben wir uns gedacht, wir machen das viel einfacher und machen das ein bisschen so wie die ganzen Motown-Bands damals, die alle in einen Bus gesetzt wurden. Oder man kennt das ja auch aus dem Johnny Cash-Film, wo mehrere Musiker einfach zusammen auf Tour geschickt wurden. So haben wir uns dann auch überlegt, dass wir zwei Busse nehmen, da sechs Bands reinsetzen und dann von Ort zu Ort fahren.
Vor Ort arbeiten wir mit örtlichen Veranstaltern zusammen, was uns alles natürlich auch viel leichter macht, weil man sich nicht um alles selber kümmern muss und uns damit ganz viel Arbeit abgenommen wird.


POPCONNECTION: In diesem Jahr findet das Fest van Cleef in Großefehn in Kooperation mit dem Festival Omas Teich statt. Wie kam diese Kooperation zustande?

Reimer: Das ist ein bisschen skurril gewesen. Der Sonntag ist ja eh immer ein bisschen schwierig, weil man meistens früher aufhören muss. Wir kommen am Sonntag aus Köln dort an und können dann ja auch nicht morgens um acht schon da sein. Wir kommen in Großefehn erst ein bisschen später an und dann muss da noch alles aufgebaut werden und so. Man kann ja auch nicht schon um zehn Uhr mit dem Line-Up anfangen, das funktioniert nicht, aber man muss trotzdem früher aufhören. Darum ist der Sonntag immer ein bisschen schwierig gewesen. Die Leute von Omas Teich haben dann bei uns angefragt. Wir haben nach einer Location gesucht und plötzlich kam diese Anfrage, ob wir das nicht da am Sonntag machen wollen. Und wir haben uns gesagt, es ist alles da, die Bühne steht da, das ganze Equipment, was man dann braucht - PA und so - das ist alles da. Für uns ist das natürlich super, weil wir kennen das Festival Omas Teich und finden das großartig und sind so dementsprechend froh, dass wir Teil des Ganzen sein können. Ich glaube, das ergänzt sich auch ganz gut und das passt ganz gut zusammen.


POPCONNECTION: Welche Erwartungen habt ihr fürs diesjährige Fest van Cleef?

Reimer: Ich erwarte erstmal, dass gutes Wetter ist. Da haben wir nämlich letztes Jahr in Karlsruhe auch so ein bisschen Probleme gehabt, wo es teilweise sehr doll geregnet hat. Das ist das Wichtigste und einfach, dass man Spaß hat. Ich hab da wirtschaftlich gesehen, überhaupt keine Erwartungen oder Hoffnungen oder so. Das ist alles für uns nicht so ein Faktor, sondern uns geht es wirklich darum, dass man untereinander Spaß hat und dass die Besucher sich natürlich auch gut unterhalten fühlen. Und, dass wir im Grunde bei jedem einzelnen Festival eine schöne Atmosphäre hinkriegen. Einen gelungenen Tag für alle Beteiligten. Das ist auch noch wichtig.


POPCONNECTION: Vielen herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast und viel Erfolg weiterhin mit dem GHvC und natürlich mit dem Fest van Cleef!

Reimer: Ich danke auch! Und man sieht sich dann in Köln!


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