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POPCONNECTION - Im Interview - Lucid: "Ich lege in meinen Songs viel Wert auf Details"
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Lucid

LUCID

"Ich lege in meinen Songs viel Wert auf Details"
Datum: 08. März 2010 (E-Mail)
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Sven Ehlers

Bereits im Alter von 14 Jahren schrieb Claudia Fink ihre ersten Songs und begleitete nur fünf Jahre später Mike Oldfield als Support auf seiner Deutschlandtour. Unter dem Namen Lucid kreiert die Frankfurterin seit 2002 als Singer/Songwriterin ein individuelles Soundkonzept, das sie selbst als "Spacefolk" bezeichnet. Nach ihrem ersten inzwischen vergriffenen Album „One More Game“, produzierte sie gemeinsam mit Grammy-Preisträger Christoph Claßen das Album "Tuesday, 12.15", das 2005 beim Hamburger Label Kontext Records erschienen ist und trat ein Jahr später mit vier Songs live im ARD-Tatort "Unter Kontrolle" auf.

Kürzlich hat Lucid ein Live-Album mit 15 Songs aufgenommen, das bei einem eigens dafür einberufenen Wohnzimmerkonzert eingespielt wurde. Im Interview erzählt Claudia Fink über die Entstehung des Live-Albums und was sich hinter ihrem Soundkonzept verbirgt.



POPCONENCTION: Deine ersten Songs hast du bereits im jungen Alter von 14 Jahren geschrieben und du bist Absolventin der Frankfurter Hochschule für Musik und Gestaltung (Gesang, Gitarre, Klavier). Wie bist du zur Musik gekommen?

Claudia: Musik hat mich schon immer fasziniert. Die Legende sagt sogar, dass ich erst gesungen und dann gesprochen habe. Tatsächlich belegt ist jedenfalls, dass ich mit 3 Jahren ein ansehnliches Repertoire an Kinder- und Weihnachtsliedern hatte, das auch auf Tonband und MC verewigt ist. Ich habe jahrelang begeistert Blockflöte gespielt und gesungen, aber als ich mit 13 meine erste Gitarre bekam, gab es kein Halten mehr. Sie durfte sogar bei mir im Bett schlafen, schließlich haben wir ja auch den ganzen Tag zusammen verbracht. Ich denke, ich habe mich schon immer für viele unterschiedliche Stile begeistert, von Pop und Rock über Klassik bis Jazz.


POPCONNECTION: Du hast 2002 unter dem Namen Lucid begonnen einen individuellen Sound, den du als "Spacefolk" bezeichnest, zu entwickeln. Welches Sound-Konzept verbirgt sich dahinter?

Claudia: Die Idee von "Spacefolk" war, ein luftiges Klanggerüst zu haben: leichtfüßiges Schlagzeug, eher perkussiven als drückenden Bassklang, gezupfte Akustikgitarren, E-Gitarren, die Schwebeklänge erzeugen, zarte Rhodes Piano-Sounds und eine ätherische Stimme. Ich wollte dem komprimierten und vollgestopften Popsound, der im Radio läuft, bewusst etwas entgegensetzen. Mittlerweile habe ich meine Sound-Vorstellungen etwas erweitert: Für die nächste Produktion denke ich an zusätzliche Klangfarben wie Streicher, ausgefallene Perkussionsinstrumente und programmierte Beats.


POPCONNECTION: Was unterscheidet dich von herkömmlichen Singer/Songwriterinnen?

Claudia: Was sind herkömmliche Singer/Songwriter? Der Begriff Singer/Songwriter sagt ja eigentlich nichts über den Stil und den künstlerischen Ansatz, sondern nur: hier singt jemand (oft alleine) Songs, die er oder sie selbst geschrieben hat. Der Ursprung, heute müsste man sagen, das „Klischee“ des Singer/Songwriters ist ja der Sänger mit Akustikgitarre, der zu relativ einfach gestrickter Folk-, Blues- oder Country-Music Alltagsgeschichten erzählt. Meine großen Vorbilder wie etwa Joni Mitchell oder Rickie Lee Jones sind wesentlich vielseitiger. Ihre Texte haben literarische Qualität und oft philosophische Themen, sie spielen mehrere Instrumente, bedienen sich unterschiedlicher Musikstile. Von dem  traditionellen Stereotyp unterscheide ich mich allein schon dadurch, dass ich auch auf der Bühne verschiedene Instrumente (Piano, Gitarre, Sansula, Loopmachine) spiele. Außerdem lege ich in meinen Songs viel Wert auf Details, beispielsweise sorgfältig gesetzte Chorstimmen und ausgefeilte Texte, die mehr sind als ein vertontes Tagebuch. Das kann dann schon mal ne Weile dauern, bis ein Stück fertig ist.
 

POPCONNECTION: Worum geht es in deinen Texten und was sind deine Inspirationsquellen?

Claudia: Früher waren es oft Sehnsüchte oder Beziehungserfahrungen, derzeit beschäftigen mich tiefergehende Wahrheiten: Wie kann man ein Leben führen, dass sich selbst und der Welt gegenüber aufrichtig ist? Das hat viel mit Selbsterkenntnis zu tun und der Fähigkeit, auch in scheinbar ausweglosen Situationen Hoffnung und Mut zu bewahren. Der Song "Paradise Lost" dreht sich genau darum. Das Paradies, also das vollkommene Glück, geht verloren aufgrund eines Fehlers, der noch dazu vorhersehbar war. Das ist tragisch und kommt im Leben immer wieder vor. Entscheidend ist, wie man mit dieser Tragik umgeht. Wie man handelt, wenn man glaubt, nichts mehr zu verlieren zu haben.


POPCONNECTION: Du hast gerade ein Live-Album aufgenommen, das auf eine besondere Art entstanden ist. Kannst du uns ein wenig darüber erzählen?

Claudia: Das Projekt heißt WohnZimmerKopfHörer Konzert (kurz: WoZiKoHö). Ich habe schon immer gerne in Clubs gespielt, die eine wohnzimmerartige Atmosphäre haben, mit gemütlichen Sitzgelegenheiten, Stehlampe und aufmerksamem Publikum. "Schlafzimmer-Aufnahmen" bzw. "Bedroom-Recordings", wie es auf Englisch heißt, hatte ich früher schon gemacht und festgestellt, dass mir dabei das Publikum fehlt. Mit Zuhörern, für die ich direkt singe, machen die Songs und auch das Singen selbst noch mehr Sinn,  diese Dynamik und Spannung wirken auf Stimmung und Stimme. So kam ich auf die Idee, zu den nächsten Heim-Aufnahmen ein paar Leute einzuladen, die mir dabei zuhören, und zwar wie im Studio über Kopfhörer. Aus der intimen Situation entwickelte sich eine interessante Spannung - es gab ja, wie im Konzert, nur einen Versuch, den Song gut zu spielen. Das aufgenommene Material habe ich dann zuhause klanglich etwas nachbearbeitet und ein paar zusätzliche Gitarrenpassagen hinzugefügt. So wurde daraus ein schönes Live-Album mit 15 Songs, warmem Sound - und ein paar lustigen, atmosphärischen Hintergrundgeräuschen.

 
POPCONNECTION: Woher kam die Idee, auf diese Art ein Live-Album einzuspielen?

Claudia: 2008 und 2009 hatte ich sehr viele Solo-Auftritte, oft auch als Support für größere Acts (Suzanne Vega, Joshua Radin u.a.). Dabei wurde immer wieder nach Aufnahmen gefragt, die genau so klingen wie meine Solo-Konzerte. Da ich bisher nur Alben mit Band aufgenommen hatte, war klar dass eine Solo-CD hermusste. Bei den Livemitschnitten, die ich bis dahin aufgenommen hatte, war zwar die Atmosphäre wunderbar, aber der Klang nicht ideal. Andererseits erschienen mir manche meiner gut klingenden Studioaufnahmen ein wenig zu sauber und perfektionistisch. Bei dem Wohnzimmerkonzert konnte ich die jeweiligen Vorzüge, also atmosphärische Spannung und ausbalancierten Sound, zusammenbringen. Außerdem beschäftige ich mich schon seit längerer Zeit mit Tontechnik, und beim WoZiKoHö konnte ich eine besondere Mikrophonierung ausprobieren (Kugeln für Gesang und Gitarre).


POPCONNECTION: Wie war die Erfahrung für dich mit dieser Art von Live-Aufnahme?

Claudia: Der Plan war, die Intensität der Bühne einzufangen und dabei so wenige Klang-Kompromisse wie möglich zu machen. Das ist voll aufgegangen. Verbesserungen sind natürlich immer drin, beispielsweise die Gitarre nächstes Mal gleich Stereo aufzunehmen...


POPCONNECTION:  Auf der Bühne gibt es drei verschiedene Konstellationen, in denen du auftrittst: Solo mit einem Wechsel zwischen Klavier und Gitarre, als Duo mit Kontrabassist Christian Keul oder im Quintett mit dem Filmkomponisten Rainer Michel an der Gitarre, Robin Boes am Piano und Martin Standke am Schlagzeug. Wie unterscheiden sich diese drei Arten von Live-Konzerten aus musikalischer Sicht voneinander?

Claudia: Von den 3 Konstellationen aus der Vergangenheit haben sich im real existierenden Gigleben mittlerweile 2 etabliert bzw. neu formiert: Ich spiele sehr viel solo, darüber hinaus - besonders auf größeren Bühnen oder bei Festivals - im Trio mit Martin Standke am Schlagzeug und Christian Keul am Bass. Duo-Konzerte gibt es eher gelegentlich, vor allem mit "Special Guests" wie Kai Eckhardt (Bass) oder Raphael Zweifel (Cello). Die Soloversion ist eine sehr intime Angelegenheit, es gibt viele dynamische Wendungen, überraschende Pausen und die Form, in der ich den Song spiele, ist bis zum Ende des jeweiligen Stücks offen. Ich lasse mich da von mir selbst überraschen, das ist das improvisatorische Element, was ich an den Soloauftritten so mag. Im Duo funktioniert das auch, zuzüglich der Ideen des jeweiligen Partners. Zu dritt gibt es dagegen mehr Groove, während die Songform weitgehend festgelegt ist und bleibt. Die Songs wirken dadurch etwas leichter, ohne ihre Ernsthaftigkeit zu verlieren.


POPCONNECTION: Welche weiteren Pläne hast du für die Zukunft?

Claudia: Die nächste CD aufnehmen, deren Songs mittlerweile fertig geschrieben sind. Es gibt Solostücke und Kompositionen für die Band; außerdem will ich bei dieser anstehenden Produktion mit Gastmusikern an Cello, Harfe, Perkussion etc. arbeiten. Dazu kommen natürlich weitere Wohnzimmer- und "richtige" Konzerte, Supportgigs usw. Derzeit arbeite ich an einer kleinen Tournee im Herbst. Außerdem: Live happily ever after. Familie gründen, Baum pflanzen, Geld gewinnen, Kunst machen.



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