POPCONNECTION
DATENSCHUTZERKLÄRUNG   IMPRESSUM
NEWS
REVIEWS INTERVIEWS KONZERTE FEATURES KÜNSTLER A-Z
POPCONNECTION - Im Interview - Mando Diao: "Es ist nicht unser 'Weißes Album'"
Home » Interviews » Mando Diao: "Es ist nicht unser 'Weißes Album'"
INTERVIEWS
Mando Diao

MANDO DIAO

"Es ist nicht unser 'Weißes Album'"
Datum: 08. Dezember 2008 (München)
Interview: Andreas Kussinger
Foto: Pressefoto

Das Jahr 2008 neigt sich dem Ende zu, und ausnahmsweise gab es nichts Neues von Mando Diao zu hören. Wie nicht anders zu erwarten, waren die schwedischen Akkordarbeiter aber nicht untätig. Sie haben kurzerhand beschlossen, ein eigenes Studio aus dem Boden zu stampfen, und natürlich ein neues Album aufgenommen. Es wird zwar erst am 20. Februar 2009 in die Läden kommen, Bassist Carl-Johan und Keyboarder Mats haben uns aber trotzdem schon jetzt Rede und Antwort gestanden. Wir haben die Beiden am vergangenen Montag in München getroffen. Mats und Carl-Johan über die Entstehung des neuen Albums, was die Fans erwarten können und über ihre eigenen Ambitionen, ins Produzenten-Gewerbe zu wechseln:



POPCONNECTION: Willkommen in München! Wie geht's euch? Lasst uns ein bisschen über euer neues Album reden.

Carl-Johan: Gut, danke. Ja immer her mit deinen Fragen.


POPCONNECTION: Ihr nennt euer neues, fünftes Album "Give Me Fire". Was meint ihr damit?

Carl-Johan: Ich denke, das Publikum bei den Konzerten ist damit gemeint. Die Fans erwarten, dass wir ihnen einheizen. Und das neue Album gibt ihnen eine Menge Feuer.


POPCONNECTION: Euer letztes Album, "Never Seen The Light Of The Day", war für eure Verhältnisse doch recht ruhig. Besinnt ihr euch nun wieder auf eure Wurzeln, zurück zum Rock'n'Roll?

Mats: In gewisser Weise ja.

Carl-Johan: Diesmal haben wir alles alleine gemacht, haben sogar unser eigenes Studio aufgebaut. Und wir haben diesen Retro-Sound konsequent durchgezogen. Raus gekommen ist ein echtes Rock-Album, das verdammt gut produziert ist und eine Menge Soul enthält.


POPCONNECTION: Eure Plattenfirma nennt es das "Weiße Album" von Mando Diao. Würdet ihr dem Vergleich zustimmen?

Carl-Johan: Das ist so eine Sache, in Maßen schmeichelt es uns, mit den Beatles verglichen zu werden. Aber wir sind Mando Diao, nicht die Beatles. Es ist also nicht unser "Weißes Album", sondern es ist unser "Give Me Fire".


POPCONNECTION: Ihr habt die Beatles Vergleiche also satt?

Mats: Wie Carl-Johan schon sagte, manchmal ist es wirklich klasse. Aber die Beatles sind eine 60s Band, und jetzt schreiben wir 2008. Irgendwann wird es einfach zu viel.


POPCONNECTION: Wo habt ihr dann eure Einflüsse für das neue Album hergezogen?

Carl-Johan: Sehr viele Sachen aus den Sechzigern und den Siebzigern, aber auch den frühen Achzigern. R&B, Soul, auch Disko.


POPCONNECTION: Wieso habt ihr beschlossen, euch ein eigenes Studio einzurichten?

Carl-Johan: Wir hatten bis 2003 einen eigenen Proberaum, nämlich die Garage unseres ehemaligen Keyboarders. Dann haben wir ihn rausgeschmissen und Mats wurde ein Teil von Mando Diao. Leider hatte Mats keine Garage...

Mats: Ich hatte ja noch nicht mal eine eigene Wohnung damals...

Carl-Johan: Ja stimmt, also haben wir zwar einen großartigen neuen Keyboarder gewonnen, aber leider auch unser "Studio" verloren. Immerhin war das der Ort, an dem "Bring Em In" entstanden war. Bis einschließlich letztes Jahr hatten wir kein Studio und keinen Proberaum mehr. Wir waren also gezwungen, pausenlos live zu spielen, weil wir ja nirgends proben konnten. Ab und zu haben wir uns was gemietet, aber wir hatten wirklich das dringende Bedürfnis, wieder unser "eigenes Reich" zu haben.


POPCONNECTION: Ihr wart also eine obdachlose Rock'n'Roll Band...

Carl-Johan: Genau das! Ein Gedanke war dann eben, wenn wir tatsächlich das nötige Geld investieren, um uns das richtige Equipment für ein professionelles Studio anzuschaffen, dann können wir auch unser nächstes Album komplett in Eigenregie machen. Schließlich hat uns der Ehrgeiz gepackt und wir haben uns mit viel Elan auf das Projekt gestürzt, immerhin mussten wir uns binnen kürzester Zeit in das Studiogewerbe einarbeiten. Und so verrückt es auch klingen mag, und wir können es immer noch nicht recht glauben, wir haben es tatsächlich geschafft! In ein paar Monaten haben wir uns selbst beigebracht, wie man ein richtig gutes Album aufnimmt.


POPCONNECTION: Habt ihr wirklich alles alleine gemacht?

Carl-Johan: Im Großen und Ganzen ja. Ein paar Songs auf dem Album wurden allerdings in einem Studio in Los Angeles aufgenommen.


POPCONNECTION: Wieso ausgerechnet Los Angeles? Ein sehr krasser Kontrast zu Schweden.

Carl-Johan: Ein Freund hat gerade einen Film über uns gedreht. Und der meinte "kommt doch mal rüber nach LA und nehmt hier ein paar Songs auf!".

Mats: Es war echt klasse, mal wieder etwas rumzukommen. Und wir hatten auch alle Urlaub nötig. Schließlich saßen wir den ganzen Sommer über in unserem Studio und haben gearbeitet. LA ist komplett anders, das hat uns natürlich auch inspiriert. Wir waren recht produktiv in LA, zwei B-Seiten der ersten Single etwa wurden auch in Los Angeles aufgenommen.


POPCONNECTION: Als Produzenten habt ihr "Sally" ins Boot geholt, ehemaliges Mitglied einer schwedischen Hip Hop Band... Wie seid ihr auf ihn gekommen?

Carl-Johan: Er war bei den "Latin Kings", einer schwedischen Hip-Hop Band aus den 90ern. Er war schon damals ein großes Vorbild für uns, besonders für Gustaf. In Schweden ist er ziemlich berühmt. Gustaf hatte schon ein paar Demos mit ihm aufgenommen und als unser Studio fertig war, haben wir ihn zu uns eingeladen und ihn einen Song produzieren lassen, einfach um zu sehen, ob es funktioniert. Daraus wurde dann ziemlich bald ernsthafte Arbeit, er hatte viel Talent und wurde immer besser. Letzten Endes hat er dann das gesamte Album produziert. Er ist wirklich verdammt gut, als Produzent absolut unterschätzt!


POPCONNECTION: War es seine erste Tätigkeit als Produzent überhaupt?

Carl-Johan: Ich glaube, es ist sein erstes Rock'n'Roll Album. Davor hat er ein paar Salsa–Platten gemacht, und sehr viele Hip Hop- und R&B-Alben. Wir haben uns für ihn entschieden, weil er so ein enormes Musikwissen hat. Und er hat das Talent, diesen Typischen Retro-Sound zu kreieren und mit Modernen Einflüssen aufzupeppen. Immerhin kann er als Hip-Hop Produzent das am allerbesten, klassische Beats der 60er und 70er in die heutige Zeit zu projizieren.


POPCONNECTION: Also hatte er ziemlich viel Einfluss auf euren Stil auf der neuen Platte?

Carl-Johan: Ohja, auf jeden Fall. Seine Handschrift ist unverkennbar.


POPCONNECTION: Im Moment kann man ja die erstaunliche Entwicklung beobachten, dass Produzenten beinahe ebenso bekannt sind wie die Künstler, für die sie arbeiten. Timbaland oder Mark Ronson zum Beispiel sind mittlerweile echte Superstars. Ihr seid einen komplett anderen Weg gegangen.

Carl-Johan: Ja, ich glaube ich kann behaupten, dass wir in unserem ganzen Leben nie mit solchen Typen zusammenarbeiten werden. Sally ist das Gegenteil eines typischen Superstars. Ein unglaublich netter Mensch, sehr ruhig, und absolut besessen von Musik. Wenn er ins Studio kommt, sind wir alle gleich, wir arbeiten auf Augenhöhe zusammen. Er hat keine Allüren, er sagt nicht "Fuck Off" wenn ihm etwas nicht passt und diktiert uns nicht, was wir zu tun und zu lassen haben. Und es hat sich definitiv ausgezahlt, auf ihn zu setzen.


POPCONNECTION: Ein Wort zu euren Texten. Werden wir wieder die verrücktesten Geschichten über irgendwelche eigenartigen Typen zu hören bekommen?

Mats: Man lässt sich immer von den Dingen inspirieren, die man tagtäglich erlebt. Die erste Single "Dance With Somebody" handelt zum Beispiel von jemandem, der brav seiner täglichen Arbeit nachgeht und etwas Abwechslung von seinem langweiligen Tagesablauf braucht. Das ist bestimmt kein eigenartiger Typ, ich glaube jeder von uns kennt die Situation. Ein anderer Song handelt von einer Beerdigung... Es sind sehr viele verschiedene Botschaften in die Songs verpackt. Die verrückten Typen waren auf "Ode To Ochrasy" vertreten, da ging es vor allem darum, den irren Touralltag in den Songs zu verarbeiten.


POPCONNECTION: "Ode To Ochracy" ist ja in gewisser Weise euer "Stadion-Rock"-Album. Knüpft ihr vom Sound her wieder an euer vorletztes Album an?

Matts: Vielleicht, ja. Der Sound der neuen Platte ist härter, kantiger als der des Vorgängeralbums.


POPCONNECTION: Wie lange habt ihr euch Zeit gelassen?

Carl-Johan: Insgesamt etwa 6 Monate.

Mats: Ehrlich gesagt sind wir immer noch nicht ganz fertig. Ende nächster Woche werden wir hoffentlich mit dem Mastern fertig sein.

Carl-Johan: Freitag, 19. Dezember ist der Stichtag. Da werden wir uns dann vielleicht ein Glas Champagner gönnen. Pünktlich zu Weihnachten ist dann alles im Kasten.


POPCONNECTION: Was erwartet ihr euch vom Jahr 2009? Und was können die Fans erwarten? Non-Stop Tour von Februar bis November?

Carl-Johan: So in etwa, ja. Es wird ganz bestimmt ein sehr ereignisreiches Jahr für uns. Wir werden alles mitnehmen, was geht, wir werden sehr viel und sehr hart arbeiten. Ich denke, es könnte danach eine Weile dauern, bis das nächste Kapitel der Mando Diao Geschichte folgen wird. Das heißt, es kann sein, dass es ziemlich lange dauern wird, bis das nächste Mando Diao Album erscheinen wird. Wir arbeiten jetzt so viele Jahr so hart als Band, nach diesem Album und all der Arbeit, die wir investiert haben, werden wir eine kleine Auszeit brauchen.


POPCONNECTION: Wie sehen dann eure Zukunftspläne aus? Björn hat den Weg ja schon vorgegeben, werden wir das ein- oder andere Soloprojekt sehen?

Carl-Johan: Ja klar! Mats wird vielleicht eine Keyboard-Solotour spielen. Nein, ich kann nur für uns beide, also für mich und Mats sprechen. Wir interessieren uns sehr für die Studioarbeit und das Produzieren.


POPCONNECTION: Ihr wollt den Fans also schon jetzt ankündigen, dass sie für recht lange Zeit nichts mehr von euch hören werden?

Mats: Ja, vielleicht. Wir wissen es nicht. Und "recht lange Zeit" ist vor allem bei uns ja sehr relativ... Aber es wird sicher nicht mehr alle 14 Monate ein neues Mando Diao Album geben.


POPCONNECTION: Gut, letzte Frage: Nachdem es im Jahr 2008 kein Mando Diao Album gab, kann ich euch ja nach eurem persönlichen Album des Jahres Fragen. Wem gebührt dieser Titel?

Mats: Also, ich würde spontan Glasvegas sagen.

Carl-Johan: Ich weiß nicht... Ich hab keine Favoriten… Amy Winehouse? Das war schon 2007, oder? Ich war dieses Jahr zu viel mit unserer Studioarbeit und der Europameisterschaft ausgelastet, ich hatte keine Zeit zum Musikhören... Was ist dein Album des Jahres?


POPCONNECTION: Mit einigem Abstand The Last Shadow Puppets...

Carl-Johan: Oh ja! Da hast du vollkommen Recht. Da schließe ich mich deiner Meinung an.

Mats: War das 2008? Ich dachte, das ist schon älter. Wirklich ein super Album, das stimmt.


POPCONNECTION: Gut, vielen Dank für das Interview!

Carl-Johan: Wir haben zu danken!

Mats: Wir sehen uns dann nächstes Jahr, wenn wir auf Tour sind!


Mehr zu Mando Diao auf POPCONNECTION

SUCHE
A B C D E F G
H I J K L M N
O P Q R S T U
V W X Y Z 0-9 #
AKTUELLE INTERVIEWS

we_path

The Boxer Rebellion

we_path

William McCarthy

we_path

Nada Surf

we_path

Waxahatchee

we_path

JAPANDROIDS

we_path

DIAGRAMS
ZUFÄLLIG SCHON GELESEN?

we_path

ZOOT WOMAN

we_path

ATOMIC

we_path

SOPHIA
INTERN EXTERN
Kontakt Facebook
Impressum
Datenschutzerklärung
   © 2018 Popconnection.de | Das Online-Magazin für alternative Popmusik | CMS by webEdition