POPCONNECTION
DATENSCHUTZERKLÄRUNG   IMPRESSUM
NEWS
REVIEWS INTERVIEWS KONZERTE FEATURES KÜNSTLER A-Z
POPCONNECTION - Im Interview - Molotov Jive: "Die Optik sollte nie über der Musik stehen"
Home » Interviews » Molotov Jive: "Die Optik sollte nie über der Musik stehen"
INTERVIEWS
Molotov Jive

MOLOTOV JIVE

"Die Optik sollte nie über der Musik stehen"
Datum: 31. Oktober 2007 (Münster)
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

Schweden rockt! Dies bewiesen Molotov Jive bei ihrem Tourauftakt im Münsteraner Amp. Bereits im vergangenen Mai hatten Anton Annersand (Vocals, Gitarre), Anders Wenneberg (Bass), Oskar Olofsson (Gitarre) und Johan Hansson (Schlagzeug) die Amp-Bühne gerockt und kehrten nun pünktlich zur Veröffentlichung ihres Debütalbums "When It's Over I'll Come Back Again" hier in Deutschland (VÖ: 26.10.) wieder zurück.

Wir haben die Jungs aus Karlstad kurz vor der Show im Backstage-Raum des Amp zum Interview getroffen.



POPCONNECTION: Ihr seid zum zweiten Mal hier in Münster. Im Mai habt ihr auch schon mal hier im Amp gespielt. Welche Erinnerungen habt ihr an diesen Gig?

Anders: Wir haben eine Menge Erinnerungen daran. Es war eine großartige Show! Es waren mehr Leute da, als wir gedacht haben.

Anton: Es war sehr aufregend! Als wir von dem Restaurant zurückkamen, wo wir zu Abend gegessen hatten, stand eine ganze Reihe von Leuten draußen, die in der Schlange standen und warteten. Das war für uns sehr aufregend. Genauso, wie zu sehen, dass wir unser eigenes Publikum in Deutschland gefunden haben und dass wir so eine große Menge hier her locken können. Das war großartig.


POPCONNECTION: Ihr seid mit Sugarplum Fairy auf Tour gewesen und dankt Victor Norén auch in eurer CD. Welche Beziehung habt ihr zu Sugarplum Fairy bzw. zu den Norén-Brüdern?

Anton: Victor und ich sind die besten Freunde seit wir 13 sind. Wir kennen uns alle sehr gut und wir haben schon zusammen gespielt, als wir noch ungesignte Demo-Bands waren. Wir sind seit langer Zeit Freunde, aber wir stehen auch in Konkurrenz zueinander. Wir mögen Sugarplum Fairy, aber ich möchte auch nicht in jedem Interview über sie sprechen. Eine Menge Leute fragen immer danach.


POPCONNECTION: Ihr habt hier in Deutschland eine sehr große Fanbase. Wie sieht's denn in eurer Heimat aus? Seid ihr in Schweden bekannter als hier, ist euer Bekanntheitsgrad gleich oder ist es eher der umgekehrte Fall, dass euch in Deutschland mehr Leute kennen, als zu Hause?

Anton: Ich würde sagen, dass es zur Zeit in beiden Länder ähnlich ist. Aber das mit Deutschland ging so schnell. Wir haben im Februar in Hamburg unser allererstes Deutschlandkonzert gespielt und dann wuchs die Fanbase durch das Internet und Plattformen wie MySpace oder diverse Musik-Foren rapide an. Die Fans haben uns also quasi populär gemacht. Das ist sehr cool. Es geht hier um die Macht der Fans, nicht um die eines Plattenlabels oder die der Musikindustrie. Wir hatten hier ein Publikum, bevor wir die Platte veröffentlicht hatten. Wir haben das Album letzten Freitag herausgebracht und wir haben bereits jetzt ein fantastisches Publikum, das durch die Fans gebildet wurde. Und das ist sehr cool! Unsere Plattenfirma und unser A&R beschweren sich immer darüber, dass die Musikindustrie den Bach runter geht. Ich sehe es eher so, dass nun die Konsumenten die Macht haben, eine Band groß zu machen, anstelle der Anbieter.


POPCONNECTION: Mir ist aufgefallen, dass in erster Linie Mädchen zu euren Konzerten kommen. Könnt ihr euch erklären, warum gerade Mädels eher auf eure Musik abfahren, als Jungs? Ich mein, ihr macht Rock 'n' Roll und das ist eigentlich eher eine Männerdomäne...

Anton: Ich glaube, Mädchen sind eher drauf aus, neue Bands zu finden, sie halten eher nach neuen Acts Ausschau...

Anders: ...während Jungs eher selber eine Band gründen.

Anton: Wenn sich ein Typ und ein Mädel ein und dasselbe Konzert anschauen, dann denkt sich der Typ "Scheiße, das will ich auch machen", geht nach Hause und gründet eine Band. Das Mädchen dagegen denkt sich "Wow! Ich liebe diese Jungs!" und es wird wahrscheinlich keine Band gründen, weil es die Band auf der Bühne nicht so als Vorbilder wahrnimmt oder als Anstoß für die eigene Kreativität. Ich denke, Mädchen verlieben sich eher in eine Band, als Jungs. Es könnte auch mit Homophobie zu tun haben. Jungs wollen keine Fotos von Typen in ihren Schließfächern an der Schule haben, weil die anderen dann auf ihnen herumhacken würden.


POPCONNECTION: Die Presse schreibt oft über euch, dass ihr so niedlich seid und so gut ausseht. Was haltet ihr davon? Stört es euch, wenn ihr ständig auf eure Optik reduziert werdet anstatt auf eure Musik?

Anders: Natürlich möchten wir, dass die Leute über unsere Musik schreiben. Das ist das Wichtigste! Darauf konzentrieren wir uns: auf die Musik!

Anton: Wenn wir nur auf unser Aussehen reduziert würden, wäre das sehr enttäuschend. Wie vielen anderen Schwedischen Bands machen auch wir uns Gedanken um unseren Style und unser Image auf der Bühne. Es geht aber nicht nur um physische Sachen. Du möchtest, dass eine Band dich visuell und soundtechnisch anspricht. Als wir jung waren und uns Livebands angeschaut haben, wollten wir auch so cool aussehen. Wir mögen z.B. die Strokes nicht nur, weil sie tolle Songs schreiben, sondern weil sie auch verdammt cool aussehen, wenn sie diese Tracks live spielen. Sie haben ihren eigenen Style. Wenn du dich auf eine Bühne stellst, dann solltest du dir Gedanken über deinen Style und die damit verbundenen Assoziationen machen, ich denke das ist wichtig. Aber die Optik sollte nie über der Musik stehen.


POPCONNECTION: In den Medien werdet ihr teilweise als Mando Diao- oder Sugarplum Fairy-Klone bezeichnet. Wie geht ihr damit um?

Anton: Wir haben immer schon so geklungen und ausgesehen, lange bevor Mando Diao überhaupt etwas in Schweden veröffentlicht hatten. Beziehungsweise, wir gründeten die Band, als sie gerade mal ihre erste Release hatten. Uns gab es schon, als das alles anfing, lange bevor diese Musik in Schweden populär wurde. Es liegt einfach daran, dass die Medien die Sachverhalte simplifizieren. Es ist sehr einfach zu sagen, dass Molotov Jive junge stylische Herren sind, die Rock 'n' Roll mit Popmelodien machen. Sie wollen uns in eine Kategorie stecken, die oftmals viel zu klein ist für das, was wir wirklich machen. Aber ich glaube, dass jede Band dieses Problem hat.


POPCONNECTION: Wie nehmt ihr eigentlich diesen ganzen Schweden-Hype wahr? Hier in Deutschland wird im Moment eine Menge Gewese um Bands gemacht, die aus Schweden kommen. Wie groß ist denn dieser Hype bei euch zu Hause?

Anders: Eine Menge Bands, die hier sehr populär sind, sind in Schweden eher unbekannt.

Anton: Ich erinnere mich daran, dass die Shout Out Louds eine EP in Schweden veröffentlicht hatten und sie waren überhaupt nicht bekannt. Die haben in den kleinsten Clubs gespielt. Und auf einmal hat man gelesen, dass sie in Amerika und Deutschland super-populär waren. Ich weiß auch noch, wie das war, als Mando Diao damals die "Hurricane Bar" veröffentlichten und in Schweden auf Tour waren. Wir sind auf eines ihrer Konzerte gegangen, das sie in unserer Heimatstadt gespielt haben, vor vielleicht 30 Leuten oder so... inklusive uns, die auf der Gästeliste standen... (lacht) Und als die Jungs dann hier in Deutschland unterwegs waren, haben sie auf Festivals vor 20.000 Leuten gespielt. Es ist einfach so, dass die Schwedische Musikpresse stärker an der Glaub- oder Unglaubwürdigkeit einer Band interessiert ist, als an der Musik. Von daher schaffen es viele Bands wie die Hives oder so erst woanders. Sie werden groß in den UK und kommen dann zurück und werden hier populär. Ich denke, bei uns ist es ähnlich. Wir haben hier ein Publikum gefunden, dass sehr schnell gewachsen ist und in Schweden dauerte es eine Weile. Wir steigern unseren Bekanntheitsgrad in Schweden, ähnlich wie hier, aber hier geht es wesentlich schneller. Ich denke auch, dass die Leute hier in Deutschland eher auf Konzerte gehen, dass ein größeres Interesse an Live-Musik besteht, insbesondere an Rock 'n' Roll. In Schweden war der Rock 'n' Roll in den 60ern sehr in, aber es wird immer weniger und im Moment liegt der Fokus eher auf elektronischer Musik.


POPCONNECTION: Was mögt ihr am Rock 'n' Roll und am Bandleben besonders und was hasst ihr am meisten?

Anton: Als Songwriter möchte man Emotionen ausdrücken und an das Publikum weitergeben. Wenn jemand unsere Show sieht oder unsere Platte hört und etwas dabei empfindet, wenn er sich darin wieder finden und dabei einen Bezug zu seinem eigenen Leben herstellen kann, wenn er sich dabei glücklich oder traurig oder verrückt fühlt, dann haben wir unseren Job gut gemacht. Hmmmm... und was hassen wir am Musikmachen?

Anders: Sieben Stunden in einem Bus zu sitzen ist manchmal hart. Wenn man sich den Hintern aufreißt und ein Gig dann nicht gut läuft oder es die Leute nicht interessiert, was auf der Bühne passiert.

Johan: Das ganze Business rund um die Musikindustrie ist sehr langweilig. Das ist das Schlimmste! Wir wollen Alben aufnehmen, live spielen und so...

Anton: Und dann müssen wir Promotionpläne erstellen... wir wollen einfach nur die Platten machen und live spielen. Darum geht es uns, das ist das, was uns Spaß macht, dieser ganze Geschäftskram ist sehr langweilig. Wobei, es hat ja auch sein Gutes. Ich mein, wir sitzen hier und beschweren uns "Oh, das ist alles so langweilig", jetzt wo wir einen Vertrag unterschrieben haben... (lacht)


POPCONNECTION: Was sind eigentlich eure musikalischen Vorbilder?

Johan: Die Beatles!

Anders: Dieser britische Sound hat uns schon sehr beeinflusst.

Anton: Ich mag auch Bob Dylan und die frühen Bob Springsteen-Stücke. Wir hören völlig unterschiedliche Sachen: Anders hört eher moderne Amerikanische Rockmusik, Johnny steht auf Retro und 60s und Oskar hat das größte Musikspektrum des gesamten Universums! (lacht) Er hört so was wie Infected Mushroom, The Smiths und die Einstürzenden Neubauten. Wir sind alle Musikliebhaber. Und wir kommen immer wieder zum Britischen 60s Sound zurück. Ich hatte mal eine Phase, in der ich überhaupt nichts Aktuelles gehört habe. Das hat sich geändert, als ich mich mit Anders über die Arctic Monkeys unterhalten habe und fragte "Wer ist das?" Und Anders meinte, "Wir supporten die, du solltest sie dir also besser mal anhören!" (lacht)


POPCONNECTION: Habt ihr bereits Pläne für ein zweites Album?

Anton: Ja, wir werden im Januar in Stockholm mit den Aufnahmen beginnen. Wir haben uns letzte Woche mit dem Produzenten getroffen. Tom Hakava, ein guter Freund der Shout Out Louds. Er hat auch ein sehr cooles Studio. Alles analog, völlig ohne Computer, keine Screens. Du nimmst alles dort noch auf diesen großen Tape-Rollen auf. Wir haben unsere beiden Bonus-Tracks für die Version der Deutschen CD dort aufgenommen. Da waren keine Computer, nur diese Rollen und er meinte "Los geht's! One, two, three, four..." und wir haben alles live eingespielt. Für uns als Live-Band war das eine tolle Erfahrung. Wir wollten diese Energie auch auf die CD packen. Lustig war es, als wir die Sachen mastern wollten. Wir kamen mit diesen riesigen Rollen zu unserer Plattenfirma und legten ihnen die Dinger auf den Tisch - die haben so was seit 15 Jahren nicht mehr gesehen! (lacht)


POPCONNECTION: Was erwartet ihr vom heutigen Abend?

Anders: Ich bin sehr aufgeregt!

Johan: Ja, ich glaube es wird eine großartige Show!

Anton: Wir stehen schon ein bisschen unter Druck. Das ist das erste Konzert unserer Tour und das ist natürlich schon was anderes, als wenn man bereits eine Woche lang jeden Abend auf der Bühne gestanden hat. Dementsprechend sind wir ein wenig nervös. Es ist ein wichtiger Gig. Ich glaube es wird toll! Wir werden versuchen, die Leute mitzureißen.


POPCONNECTION: Dann wünsch ich euch ganz viel Spaß gleich auf der Bühne und danke euch allen für das Interview!

Anton: Wir danken!


Mehr zu Molotov Jive auf POPCONNECTION

SUCHE
A B C D E F G
H I J K L M N
O P Q R S T U
V W X Y Z 0-9 #
AKTUELLE INTERVIEWS

we_path

The Boxer Rebellion

we_path

William McCarthy

we_path

Nada Surf

we_path

Waxahatchee

we_path

JAPANDROIDS

we_path

DIAGRAMS
ZUFÄLLIG SCHON GELESEN?

we_path

AN HORSE

we_path

The Boxer Rebellion

we_path

COLD WAR KIDS
INTERN EXTERN
Kontakt Facebook
Impressum
Datenschutzerklärung
   © 2019 Popconnection.de | Das Online-Magazin für alternative Popmusik | CMS by webEdition