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POPCONNECTION - Im Interview - Norman Palm: "Man kann mit Plattenverkäufen keine Millionen mehr verdienen"
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Norman Palm

NORMAN PALM

"Man kann mit Plattenverkäufen keine Millionen mehr verdienen"
Datum: 10. Juli 2010 (E-Mail)
Interview: Andreas Kussinger
Foto: Pressefoto

Norman Palms Fernbeziehung ist ein Glücksfall. Für ihn persönlich vielleicht nur bedingt, aber für seine Hörer durchaus. Auf seinem neuen Album "Shore To Shore" schafft er es wie kein anderer, das Gefühl Sehnsucht zu vertonen. Wie würde sich die Platte wohl anhören, wenn Norman Palm's Freundin nicht jenseits des Atlantiks leben würde? Sicher genau so gut, aber die Story von der musikalisch aufgearbeiteten Fernbeziehung liest sich so schön. Wir haben mit dem Wahlberliner über die Fernbeziehung, das Phänomen des "Album Leaks" uns die Zukunft der Musikindustrie gesprochen.



POPCONNECTION : Hallo Norman, bei E-Mail Interviews ist das ja immer so eine Sache. Von wo aus antwortest du mir gerade?

Norman: Von meinem Schreibtisch in Berlin.


POPCONNECTION : Im Vorfeld der Veröffentlichung deines neuen Albums "Shore To Shore" wurde viel über deine Fernbeziehung Berlin-Mexico City geschrieben. Das Album überzeugt tatsächlich gerade wegen der schönen Grundmelancholie und den Geschichten über Sehnsucht und Entfernung. Ein Konzeptalbum über eine Fernbeziehung also? Oder bist du eher unglücklich darüber, dass dein Album darauf reduziert wird?

Norman: Naja, das Album ist nicht wirklich eine Platte über meine eigene Beziehung. Es ist auch kein Konzeptalbum im eigentlichen Sinne. Es ist eher so, dass sich meine eigene Lebenssituation in meiner Arbeit als Musiker niederschlägt, denn ich kann keine Songs schreiben über Dinge, die mich nicht selbst berühren. Ein Pop Song ist ja immer kurz und abstrahiert. Es geht in dem Album schon ums Vermissen, Warten und Verpassen. Aber wenn nicht in einer Presseinformation gestanden hätte, dass meine Freundin in Mexico City lebt, würde einem die Fernbeziehung in der Platte vielleicht gar nicht auffallen und man würde die Zeilen abstrakter sehen.


POPCONNECTION: Das Album hast du zusammen mit Janne Lounatvuori aufgenommen. Ist das ein erster Schritt hin zur eigenen Band? Könntest du dir vorstellen, in einer Band zu singen? Oder musst du beim Musik machen für dich alleine sein?

Norman: Ich könnte mir gut vorstellen in einer Band zu spielen. Ich habe auch immer in Bands gespielt, bevor ich angefangen habe Songs alleine aufzunehmen. Bands haben lange Entscheidungswege, man muss Termine finden zum Proben, kann weniger spontan agieren. Ich bin ein eher ungeduldiger Mensch, daher bin ich als Solo-Künstler bisher besser klargekommen. Allerdings harmonieren Janne und ich sehr gut. Auf der Bühne und im Studio sind wir quasi eine Band, nur dass ich eben die Stücke schreibe.


POPCONNECTION: Wo holst du dir deine Inspiration, wenn du nicht gerade auf einem Langstreckenflug über den Atlantik unterwegs bist?

Norman: Für mich ist alles Inspiration, was sich in mein eigenes Leben einmischt. Wenn mich etwas berührt, kann ich darüber schreiben. Meist ist es eine kleine Idee oder ein kleines Gefühl, was ich dann per Song weiterentwickle, gewissermaßen von mir weg schreibe.


POPCONNECTION Dein erstes Album "Songs" war mehr oder weniger eine Zugabe zu einem impostanten Buch. Dieses Mal hast du dich ganz auf die Musik konzentriert. Ist das eine Art persönliche Entwicklung? Vom Grafiker und Hobbymusiker hin zum Vollzeitmusiker und Hobbygrafiker? Oder gehen für dich beide Passionen immer Hand in Hand?

Norman: Das ist interessant, dass du sagst, die CD sei Zugabe des Buchs gewesen. Viele Leute sahen das andersherum. "Songs" war für mich ein Projekt: Songs als Bilder und Bilder als Songs. Ich habe damals immer darauf bestanden, die CD nicht ohne Buch zu veröffentlichen und umgekehrt. Für mich hat beides immer noch den gleichen Stellenwert. Grafik ist für mich allerdings eine sehr viel rationalere Angelegenheit, in der meine Intention beim Betrachter möglichst unverfälscht ankommen soll. Musik ist offener: Ich schreibe einen Song, der den Hörern vielleicht etwas ganz anderes bedeutet als mir. Ich habe immer Gefallen an beiden Arbeitsweisen gefunden.


POPCONNECTION: Heutzutage ist es beinahe schon an der Tagesordnung, dass Alben vor dem Veröffentlichungsdatum im Internet auftauchen. Du hast Dir einen Spaß daraus gemacht, das Thema "Album Leak" mit viel Ironie zu beleuchten und sogar einen kleine Videoclip zu dem Thema gedreht. Mit Erfolg, schließlich hat dir die Aktion viel Aufmerksamkeit zugetragen. Was waren die Hintergründe der Aktion?

Norman: Der eine Hintergrund war in der Tat, dass mir dieses "Album leak Phänomen" etwas auf den Keks ging. Es gab kaum eine große Band, deren Album nicht geleakt wurde und die daraus nicht eine große Meldung gemacht hat. Das wollte ich persiflieren, gerade als Künstler, dessen Bekanntheitsgrad darauf schließen lässt, dass das Album nicht schon vor Veröffentlichung der Platte auf den Tauschbörsen landet. Andererseits finde ich die Verkäufer in Mexico City faszinierend, die mit gebrannten CDs durch die U-Bahn tingeln und den Leuten für wenig Geld völlig zufällige Musik verkaufen. Ich wollte sehen, ob das auch mit meiner Musik klappt. Und siehe da, ein paar Leute haben sie gekauft!


POPCONNECTION: Manchmal kommt der Verdacht auf, dass geleakte Alben in Wirklichkeit dazu dienen, das Album zu promoten. Denkst du, dass diese Leaks oft eine bewusst lancierte Werbestrategie sind und gar nicht der gespielte Super-GAU der Plattenfirmen?

Norman: Man kann mit Plattenverkäufen keine Millionen mehr verdienen und ich glaube, damit haben sich alle abgefunden. Aber wenn ein Künstler bekannt ist und gehört wird, kann man damit über Konzerte und allerlei andere Deals immer noch gutes Geld verdienen. Daher ist es heute nicht mehr unbedingt hinderlich, wenn ein Album via Pirate Bay verfügbar ist. Ich denke, die Plattenfirmen machen einfach aus der Not eine Tugend.


POPCONNECTION: Du hast schon mehrmals betont, dass du ein Fan digitalisierter Musik bist. Wenn du selbst physischen Tonträgern nichts (mehr) abgewinnen kannst, wieso veröffentlichst du dann überhaupt noch eine CD?

Norman: Die CD ist ja immer noch Medium für Musik, wenn auch nicht das schönste. Aber die Menschen haben Angst davor, dass ihre Festplatte den Geist aufgibt und die ganze digitale Musik verschwindet, darum hat auch die CD noch ihre Berechtigung. Mein Album gibt es auf Vinyl mit einem Download-Code, das ist im Moment die schönste Lösung für alle, die nicht auf Haptik verzichten möchten.


POPCONNECTION: Was glaubst Du, wie sieht die Zukunft der Musikindustrie aus? Gibt es Hoffnung für das Genre?

Norman: Natürlich! Es gibt so viel interessante Musik wie nur selten zuvor und die Leute hören sie den ganzen Tag dank Digitalisierung im Büro, in der U-Bahn und beim Joggen. Künstler können und wollen ja nicht alles machen, darum muss sich immer noch jemand darum kümmern, dass Künstler gut arbeiten können und dass die Musik bei den Leuten ankommt. Eine "Musikindustrie" wird schon gebraucht, wenn Musik nur noch Hobby wäre, dann müssten wir uns von einem ganzen Stück Qualität verabschieden.


POPCONNECTION: Und deine persönliche Zukunft?

Norman: Mein Album ist jetzt gerade rausgekommen, Veröffentlichungen in anderen Ländern werden folgen. Im September gehe ich auch auf Tour und das mit einer richtigen Band. Mal gucken, was danach passiert…


POPCONNECTION: Vielen Dank für das Interview!



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