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POPCONNECTION - Im Interview - Pale: "Das Album ist unsere Bestandsaufnahme"
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Pale

PALE

"Das Album ist unsere Bestandsaufnahme"
Datum: 23. September 2006 (Münster)
Interview: Jenny Schnabel
Foto: Pressefoto

An einem spätsommerlichen Abend haben wir Pale im Gleis 22 getroffen, die dort im Rahmen ihrer Tour ihr neues Album "Brother, Sister, Bores!" vorstellen. Vier lange Jahre haben sich die Jungs für die Veröffentlichung Zeit gelassen. Nun ist das Album endlich in den Läden und Pale haben mit dem Grand Hotel van Cleef eine neue Heimat gefunden.

Wir haben mit Sänger Holger Kochs vor dem Konzert über das GHvC, die neue Platte und das Leben auf Tour gesprochen.



POPCONNECTION: Zwischen "How To Survive Chance" und "Brother, Sister, Bores!" liegen vier Jahre. Wieso hat das so lange gedauert?

Holger: Es gibt eigentlich nicht so viele Gründe dafür. Ich und mein Bruder spielen ja zusammen in der Band. Wir haben in vielen Dingen ein gutes Verhältnis, aber auch in manchen Dingen ein elegantes Verhältnis, so dass es mehr so eine Hassliebe ist. Wir haben früher ganz viele Dinge zusammen gemacht. Irgendwann sind wir dann dahinter gekommen, dass wir nicht alle Dinge zusammen machen sollten und können. Wir haben uns nach der letzten Platte zwei Jahre lang gestritten und waren uns uneinig, wie's weiter geht. Ab dem Punkt, wo wir uns dann darauf geeinigt haben, dass wir die Band weitermachen wollen, und zwar mit unserer Leidenschaft und unserem Herzen, hat es dann ein Jahr gedauert, die Platte aufzunehmen und zu produzieren und vor allem Songs zu schreiben. Und schon waren vier Jahre vorbei.


POPCONNECTION: Wie seid ihr zum GHvC gekommen?

Holger: Man kannte sich schon ganz lange. Als es dann darum ging, ein neues Label zu suchen, haben wir die Sachen natürlich auch den Leuten vom Grand Hotel gegeben, und zwar auf Grund der anderen Bands, die da sind, und auch auf Grund der Tatsache, dass die Leute da einfach so super Typen sind. Wir waren zwar nie eine Band, die sich in irgendeiner Art und Weise vorgestellt hat. Wir haben nie an Bandwettbewerben teilgenommen und haben auch nie Demos rumgeschickt, was ja eigentlich der Normalfall ist. Wir haben uns immer den Luxus gegönnt, darauf zu hoffen, dass der Zufall uns die richtigen Leute bringt. Und das war eigentlich auch immer so. Aber es hat sich auch schnell rausgestellt, dass "How To Survive Chance" das letzte Album von uns ist, das auf Defiance Records raus kommen wird. Es passte musikalisch einfach nicht mehr so. Es ging ja immer mehr weg von diesem Hardcore-Ding, immer mehr in Richtung Pop, immer mehr Indie und die haben uns leider auch frühzeitig zu verstehen gegeben, dass das für sie nichts mehr ist. Wir haben die neuen Sachen eigentlich nur zwei, drei Leuten in Deutschland geschickt und das Grand Hotel gehörte dazu.


POPCONNECTION: Wie war das für euch, als ihr die Zusage vom Grand Hotel bekommen habt?

Holger: Es war für uns ein wahnsinniger Tag, als das Grand Hotel angerufen hat und die uns gesagt haben, dass die es machen würden. Abgesehen davon, dass es super Leute sind, ist es für uns eine Ehre auf dem Label zu sein, weil da so viele andere saugute Bands sind. Das hat man ja auch nicht so oft. Wären wir jetzt bei einem Major, dann wären wir zwar mit Bands wie Phoenix auf einem Label, aber auch mit Sarah Connor. Und so ist man beim Grand Hotel halt nur mit den richtigen Leuten auf einem Label.


POPCONNECTION: Also seid ihr schon glücklich darüber?

Holger: Ja klar, auf jeden Fall. Es ist schon so, dass wir nach vier Jahren nicht die Erwartungen haben, dass wir jetzt Bäume ausreißen können damit. Wir sind einfach froh, über alles, was jetzt passiert. Und dass man nach 13 Jahren noch so einen Schritt machen kann, war für uns echt super.


POPCONNECTION: Wie viel Entscheidungsfreiheit habt ihr beim Grand Hotel?

Holger: Ich finde, dass man sich mit Leuten umgeben sollte, denen man vertrauen kann, dass sie einen gewähren lassen. Beim Grand Hotel ist das so. In manchen Sachen haben wir uns natürlich mit denen zusammen gesetzt und da waren die dann auch mal zu zwei drittel anderer Meinung als wir. Aber wir sind uns dann einig geworden und es ist dann auch so gemacht worden. Es ist eher ein Zusammensein, so wie in einer Partnerschaft. Es ist gut, wenn man sich Meinungen einholen kann, aber auch, dass man die Möglichkeit hat zu sagen, wir wollen, dass da jetzt zum Beispiel zehn Songs drauf sind und nicht noch fünf mehr. Und zwar genau in der Reihenfolge, wie wir's haben wollen. Ich glaube, das gibt's auch nicht so häufig, dass die Leute einen dann so gewähren lassen. Das Gute beim Grand Hotel ist auch, dass sie sich zwar gut überlegen, wen sie machen, aber sich dann auch voll und ganz dafür entscheiden und die Bands unterstützen.


POPCONNECTION: Ihr habt ja momentan einen ziemlich vollen Tourplan. Ist das manchmal schon stressig, wenn man so viel unterwegs ist?

Holger: Das ist natürlich auch Stress. Es gibt natürlich Tage auf Tour, wo ich mir wünsche, dass ich zuhause bin und mir einen Videofilm ausleihen kann. Es ist ja auch Arbeit, denn die Leute bezahlen Geld dafür und wollen die Show sehen. Aber in dem Moment, wo ich auf der Bühne stehe, denke ich gar nicht darüber nach, wie es wäre, jetzt zuhause zu sein und mir einen Film anzuschauen. Da zählt einfach nur der Moment und der Song und das ist dann das Gute. Insofern ist alles, was jetzt kommt mit der Band, für mich eigentlich nur Gewinnen. Ich hab ja auch noch einen normalen Job und weiß also, wie es ist, jeden Tag arbeiten zu gehen. Ich weiß aber auch, wie es ist, auf Tour zu sein. Und bei all der Langeweile, die natürlich manchmal aufkommt, bin ich dankbar für jeden Moment, den ich auf Tour bin, denn es gibt nichts besseres. Andere Städte sehen, viele Leute wieder sehen und neue Leute kennen lernen, dass hat man eben nicht, wenn man zuhause sitzt oder nur jeden Tag zur Arbeit fährt, wieder nach Hause kommt, müde ist und ins Bett geht, um am nächsten Tag wieder zur Arbeit zu gehen. Das ist ja auch nichts schlimmes, denn Millionen Leute leben so. Aber gerade deshalb, weiß ich auch, dass es anders ist und dass wir dankbar dafür sein können, dass es bei uns so ist, wie es ist.


POPCONNECTION: Kannst du dir ein Leben ganz ohne Musik noch vorstellen?

Holger: Nee, ich für mich nicht! Wenn es irgendwann mal mit Pale vorbei sein sollte, werde ich trotzdem nicht aufhören, Musik zu machen. Ein Traum von mir ist ja immer noch, vielleicht mal irgendwann Filmmusik zu machen.


POPCONNECTION: Der Sound auf "Brother, Sister, Bores!" unterscheidet sich schon von dem Sound der früheren Alben. Er klingt nicht mehr ganz so rockig, sondern wesentlich ruhiger und poppiger...

Holger: Ja, die Platte ist schon wesentlich ruhiger und melancholischer und auch schon etwas poppiger. Rock definiert man ja immer über Gitarre und die fällt ja bei mir jetzt teilweise weg. Ich spiele ja jetzt nicht mehr so viel. Was auch gut ist, weil ich mich auf der Bühne besser fühle, wenn ich mich nur auf eins konzentriere. Auf Grund der Tatsache, dass wir die Sachen weggelassen haben, ist der Sound auf den ersten Blick schon ein bisschen cleaner und reiner. Aber die Songs an sich haben sich gar nicht so sehr verändert. Sie haben jetzt vielleicht eine andere Ausrichtung, aber man hätte auch die alten Songs so spielen können. Vielleicht liegt es auch am fortgeschrittenen Alter, dass man halt Dinge anders macht. (grinst)


POPCONNECTION: Das Album trägt den Untertitel "A Beat Manifesto". Was hat das zu bedeuten?

Holger Das war eigentlich Provokation. Ich finde ja immer, dass man zwei Arten von Platten machen kann. Man kann eine ganz intime Platte machen und das ist sie an und für sich auch geworden. Man lässt die Leute die Platte entdecken. Ich finde es aber auch immer ganz gut, wenn man Sachen reichhaltiger angeht und den Leuten auch schon vorgibt, was sie zu sehen haben. Die Platte ist ein Zwischending aus beidem geworden. Es ist auf jeden Fall eine Platte, die man für sich entdecken muss. Keine, die man einfach einlegt und sagt: "Wow, die Platte haut mich jetzt um oder nicht." Eine Platte, die man aber auch deswegen 200 mal hintereinander hören kann. Ich fand es aber ganz gut, beides zu kombinieren und auch irgendwie ein Statement zu setzen. Denn so ruhig und intim die Platte musikalisch auch ist, textlich ist es einfach ein Statement. Es ist unsere Bestandsaufnahme, wie sich 2006 für uns anfühlt. Ein normales Leben zu haben und normale Fragen zu stellen, die einen bewegen. Ist man verliebt, hat man den richtigen Partner, die richtigen Freunde, den richtigen Job. Für mich sind das schon ernste Themen und so war auch die Zeit, als wir die Platte aufgenommen haben, als dass man da einfach so ein Wischi-Waschi-Ding raus macht. Es ist, dass um die 30 ein Alter ist, wo sich viel entscheidet und das tut es gerade bei uns.


POPCONNECTION: Und wie seid ihr an das Thema herangegangen?

Holger: Es war keine ironische Herangehensweise, wo man auch drüber lachen kann. Das find ich ja manchmal ein bisschen ätzend. Zum Beispiel solche Bücher wie "Die Generation Golf", wo man darüber nachdenkt, wie super früher Nutella geschmeckt hat. Das ist ja alles ganz nett, aber diese Verklärung, weil man mit seinem Leben jetzt unzufrieden ist und dann versucht 20 Jahre zurückzuholen, das find ich manchmal so ätzend. Aber das ist dann auch nicht ernst gemeint, weil man es dann so ironisch angeht. Man lacht ein bisschen darüber, dass man früher Yps-Hefte gekauft hat. Das finde ich natürlich auch super, aber das löst ja nicht die Probleme, die man jetzt hat. Ich finde, die kann man nur lösen, indem man sich ihnen stellt. Unsere Platte ist eine musikalische Stellungnahme dazu. Ich weiß nicht, ob man damit den Leuten aus dem Herzen spricht, aber zumindest ist es für uns Fünf, das, was wichtig ist.


POPCONNECTION: Wenn man nun seit 13 Jahren Musik macht und auf der Bühne steht, ist man dann vor einem Auftritt, wie heute Abend beispielsweise, noch nervös oder ist das einfach Routine?

Holger: Es kommt immer drauf an, in welcher Form es ist. Man muss sich immer sicher fühlen, das ist bei mir zumindest so. Das tut man natürlich mit Leuten, denen man vertrauen kann, die man schon so lange kennt. Letztes Jahr hab ich einen Auftritt gehabt mit der Techno-Band, in der ich noch neben Pale bin. Da hab ich mir vor Angst fast in die Hose gemacht und wollte gar nicht auftreten. Ich hab mir vor dem Auftritt Gründe ausgesucht, um da bloß nicht raus zu müssen. Insofern hat das glaub ich weniger mit Erfahrung zu tun, sondern vielmehr damit, ob ich mich gut fühle. Das hat bei mir immer was mit Vorbereitung zu tun und mit dem Rahmen. Wenn ich zum Beispiel in Köln spiele und weiß, da kommen viele Leute, die ich von früher kenne, dann ist es natürlich das schönste aber auch das schlimmste Gefühl, was ich haben kann. Denn man will natürlich, dass ihnen das gefällt. Und in dem Moment, wo’s nicht ganz so super läuft, bin ich dann immer etwas befangen. Es ist halt immer unterschiedlich. Manchmal ist es so, wie mit 13 verliebt zu sein und manchmal ist es, wie mit 26 nach einem Date zu fragen und eine Abfuhr zu bekommen. Aber ich glaube, heute wird ein guter Abend. Münster ist auf jeden Fall für uns immer ein gutes Ding gewesen.


POPCONNECTION: Dann wünsche ich viel Glück für den Auftritt heute Abend und danke, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast!

Holger: Ich danke auch und bis später!


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