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POPCONNECTION - Konzerte - Art Brut - 15. Mai 2009, Lido, Berlin
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Art Brut - 15.05.2009, Lido, Berlin

ART BRUT

15. Mai 2009, Lido, Berlin
Autor: Marc Philipp Meyer
Foto: Pressefoto

Art Brut ist eine der intelligentesten Indie-Bands der Stunde. Ja, immer noch! Besonders ihr Debüt, der Nachfolger und auch ihr neues Werk sind Knalleralben mit Songs, die sich live ganz besonders entfalten. Auf ihrer neuesten Platte nimmt die Brut es sogar mit dem Teufel selbst auf und rockt mit einer elektrisierenden Portion Individualismus nach vorn. Und nicht umsonst haben Art Brut ihr Studioalbum live in zwei Monaten zusammen mit Pxies-Sänger Frank Black produziert. Diese Energie spürt man und losgelassen wurde sie heute Abend.

Allerdings unter großen Schmerzen, denn Frontmann Eddie Argos hat vor ein paar Tagen einen Bandscheibenvorfall erlitten. "Es war wahrscheinlich Stress und hat sich ganz langsam angeschlichen", sagt Eddie, dem größter Respekt zollt, dass er die Tour, die noch zwei Monate andauern wird, weiter durchzieht. Denn der Schreiber weiß, worum es geht, denn er leidet selbst unter einem Bandscheibenvorfall und verwickelt sich in ein langes Fachgesimpel über Therapiemöglichkeiten. Jeden Tourtag wird Eddie von einem Physiotherapeuten behandelt, erzählt er und trägt seitdem extra einen Wärmering um den Rücken. Sonst ging da auch wahrscheinlich gar nichts. Doch als er auf die Bühne kommt, springt er rauf und runter und unterhält das Publikum in besten Cockney, einigen deutschen Passagen und witzigen Anekdoten über die derzeitige Musikszene. "That's Entertainment" würde Paul Weller sagen. "Alcoholics Unamious" ist der perfekte Startschuss und der Song kommt live sogar noch rauer rüber, als auf Platte. Nach einem weiteren gelungenen "Nag Nag Nag Nag" hält sich die Indie-Stil-Ikone zum ersten Mal den Rücken und fängt an zu dem Basslauf zu "Modern Art" über sein Rückenleiden zu philosophieren. Doch nichts für Ungut, Rock'n'Roll! Oder besser gesagt: "Punk Rock ist nicht tot!" Bei "St. Pauli" gibt es kein Halten mehr. Massenpogo in den ersten Reihen und selbst die nach Kreuzberg gepilgerten Mittvierziger drehen jetzt richtig auf. Der Schweiß perlt von den Decken und das Berliner Publikum zeigt deutlich seine Hauptstadtqualität. Das ganze eskaliert in dem Killertrack "Bang Bang Rock'n'Roll" und Eddie scheint weniger auf seine Bandscheiben zu achten. Stimmt, die können jetzt warten, Musik ist bekanntlich die beste Medizin. Also lässt er sich nichts anmerken, erzählt zu jedem Song eine Story und fragt die überragend aufspielende Band "Ready Art Brut!?" Und die sind es mal so richtig. Besonders die beiden Gitarristen Jasper und Ian duellieren sich vorzüglich und geben sich dabei Gitarrenshakes, anstatt spießigen Firm Handshakes, wenn sie gegenseitig ihre Gitarren gegeneinander rammen und spielen, als ginge es um ihr Leben. Jasper macht den Anschein, als würde er jeden Moment zum Stagediving ansetzen und Ian begeistert mit seinem wunderbaren Solospiel und einem beachtlichen Backgroundgesang, der auf dem neuen Album verstärkt eingesetzt wurde. Doch das alles würde nicht so gut laufen, wenn das deutsche Duo Mickey Breyer und Freddy Feedback hinten die Bude nicht so gut dicht halten würden.

Doch zurück zu den Stories und dem eigentlichen Grund, warum Art Brut eine so besondere Band ist, die sich von der Masse abhebt. Was dieser Grund ist? Es sind die witzigen und verspielten Texte, die mit ihrem cockneyschen Sprechgesang so unverschämt gut mit den Punk-Riffs harmonieren. "Demons Out" ist das beste Beispiel dafür und eine Lehrstunde in Sachen popmusikalischer Rezeption. Eddie Argos holt in diesem Song zum großen Rundumschlag aus: "The record buying public should have been voting" heißt es und Eddie variiert und spielt mit den Textzeilen "Are we human or are we dancer" und "My Sex is on fire" um anschließend die Frage zu stellen, warum man solch bescheuerten Textzeilen schreiben kann und wie man dazu kommen würde, noch Razorlight geil zu finden. Dies ist Erziehung in Sachen Pop und Recht hat der 29jährige. Der Gleichgesinnte Autor lacht sich ein Loch in den Bauch und genau dies ist der Grund, warum die Brut so beeindruckt. Genau, weil sie unterhält.

"Direct Hit" ist der heimliche Höhepunkt des Abends, der Song gelingt heute so fantastisch, dass man beim Chorus Gänsehaut bekommt und weiß, dass die Band nicht soviel verspricht, wenn sie davon singt, warum dieser Song wirklich ein echter Hit ist. Übertroffen wird's dann letztlich doch mit dem großen Kracher "My Little Brother". Eddie hält sich immer wieder den Rücken und bekommt das Handtuch gereicht. Hätte er vielleicht doch lieber den Parker angelassen, wir haben doch vorher noch Tipps ausgetauscht, aber ist halt heiß in Kreuzberg. Dennoch, für die unschlagbaren Zugaben "Formed A Band", "18.000 Lira" und "Post Scoothing Out", das begeistert von den Fans mitgesungen wird, ist noch Kraft. Und nicht nur das, nach dem Konzert wird der Schreiberling, der die letzte Tour mit Band noch die Brut supporten dufte, auf einen Umtrunk Backstage eingeladen, bevor es gemeinsam ins Magnet geht, wo Eddie Argos auf der After-Show-Party noch auflegt und man bis in die Morgenstunden feiert. Geht doch! Vielleicht sollte man gar nicht soviel fachsimpeln...


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