POPCONNECTION
DATENSCHUTZERKLÄRUNG   IMPRESSUM
NEWS
REVIEWS INTERVIEWS KONZERTE FEATURES KÜNSTLER A-Z
POPCONNECTION - Konzerte - Eels - 11. September 2010, Tonhalle, München
Home » Konzerte » Eels - 11. September 2010, Tonhalle, München
KONZERTE
Eels - 11.09.2010, Tonhalle, Muenchen

EELS

11. September 2010, Tonhalle, München
Autor: Andreas Kussinger
Foto: Pressefoto

Wo soll das alles noch hinführen. Der Doherty produziert keine Drogenstories mehr und Berufsmelancholiker E spielt den Entertainer. Fehlt eigentlich nur noch, dass Evan Dando bald Biosupermarkt-Werbungen macht. Mark Oliver Everett hat seinen Seelenfrieden offenbar gefunden und spielt jetzt lieber den rauschbärtigen Bluesrock-Kapellmeister, statt immerzu als deprimierter Einzelgänger wahrgenommen zu werden.  Diesen Eindruck musste man am vergangenen Samstag beim Konzert der Eels gewinnen, die in der ausverkauften Tonhalle in München zu Gast waren.

Dabei begann alles genau so, wie man sich ein Eels-Konzert vorstellt. Nach einem kitschigen Disney-Theme Intro betritt E die Bühne. Allein, mit einem weißen, an Skiunterwäsche erinnernden Overall, Sonnenbrille, tief ins Gesicht gezogenem Bandanatuch und beeindruckend dichter Gesichtsbehaarung. Mit "Daisies Of The Galaxy", "What I Have To Offer" und "End Times" beginnt der Abend wunderbar melancholisch. Man erinnert sich an die schönsten Passagen der berührenden Autobiographie, die E vor einigen Jahren vorgelegt hat und verdrückt eine Träne für die geschundene Seele des Herrn Everett. Dann bittet E seine Bandkollegen auf die Bühne, die nicht nur optisch, sondern auch musikalisch sehr an ZZ Top erinnern. Was folgt, ist Hochleistungssport. Oder Akkordarbeit. Jedenfalls spielen die Eels in den folgenden 60 Minuten um ihr Leben. Man kann nur hoffen, dass sie angesichts des hohen Tempos und ihrer (unterschiedlich) dichten Bärte noch genug Luft bekommen. "Hombre Lobo" dominiert das Set. "Prizefighter" zum Beispiel, oder "I Need Fresh Blond", alles mit viel, viel verzerrter Gitarre vorgetragen. Auch wenn immer wieder ein paar ruhigere Nummern in das Set eingebaut werden, es dauert meist nicht lange, ehe man von E und ZZ-Top wieder aus allen melancholischen Tagräumen gerissen wird. Besonderen Spaß bereitet es der Band offenbar, von den erwarteten Arrangements abzuweichen. Und so wird aus "My Beloved Monster" eine Funk-Nummer, während die aktuelle Chartsingle "Spectacular Girl" plötzlich als Akustikballade daherkommt.

Aber man muss zugeben, dass es tatsächlich Spaß macht, sich auf die Rockshow der Eels einzulassen. Ein "Summer In The City"-Cover, das dem Original beeindruckend nahe kommt, "Jungle Telegraph", "Dog Faced Boy", eine sagenhaft respektlose Trash-Version von "Birds", ja die Eels können auch Party machen, wie sie an diesem Abend beweisen. Dabei kommt Herrn Everett zunächst, abgesehen von den Songtexten, kaum ein Wort über die Lippen. Erst bei der Vorstellung der Bandmitglieder taut er auf und lässt es sich nicht nehmen, über jeden der auf der Bühne anwesenden Künstler eine kleine Anekdote zu erzählen. Außer über sich selbst, denn „I guess everybody in this room knows my name“, wie er natürlich vollkommen zu Recht behauptet. Auf dem Höhepunkt ihrer Feierlaune zerlegen die Eels schließlich noch das vom Publikum geliebte und von E gehasste "Mr. E's Beatutiful Blues", das in einer Mash-Up Version mit "Twist And Shout" zwangsverheiratet wird.

Ein Wort zur Vorband? Nun, es waren sogar zwei Support-Acts, die sich darum streiten, wer weniger erwähnenswert ist. Gewonnen hat der sagenhaft schlechte Bauchredner, der die 2000 Menschen in der Tonhalle schon daran zweifeln ließ, ob sie sich nicht vielleicht im Veranstaltungsort geirrt hatten. Alice Gold versuchte, die Skills von Shakira (Lockenmähne), Sheryl Crow (ja, was eigentlich?) und Bob Dylan (schiefe Krächzstimme) zu kombinieren. Mit Erfolg. Aber wer will das hören?

Wer gekommen war, um zumindest stimmungsmäßig den Herbst einzuleiten und von E mit dem passenden Soundtrack versorgt werden wollte, wird sicher enttäuscht den Heimweg angetreten haben. Alle, die sich auf die Bluesrock-Seite der Eels eingelassen haben, hatten sicher viel Spaß. Freuen wir uns doch, dass es dem Mann gut geht. Vielleicht beehrt er München ja wieder. Dann aber gerne allein. Ohne ZZ Top. Mit Akustikgitarre und schweren Gedanken.



Mehr zu Eels auf POPCONNECTION

SUCHE
A B C D E F G
H I J K L M N
O P Q R S T U
V W X Y Z 0-9 #
AKTUELLE KONZERTE

we_path

Kettcar
03. Februar 2018, Palladium, Köln

we_path

William McCarthy
07. April 2017, Molotow, Hamburg

we_path

Augustines
30. September 2016, FZW, Dortmund

we_path

Suede
05. Februar 2016, CCH2, Hamburg

we_path

THE THURSTON MOORE BAND
21. November 2015, Gleis 22, Münster

we_path

NEW ORDER
11. November 2015, Tempodrom, Berlin
ZUFÄLLIG SCHON GELESEN?

we_path

THE NAKED AND FAMOUS
24. März 2011, 59:1, München

we_path

DELPHIC
06. März 2013, Nachtleben, Frankfurt

we_path

HALDERN POP FESTIVAL 2006
03.-05. August 2006, Rees-Haldern
INTERN EXTERN
Kontakt Facebook
Impressum
Datenschutzerklärung
   © 2018 Popconnection.de | Das Online-Magazin für alternative Popmusik | CMS by webEdition