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POPCONNECTION - Fest van Cleef 2010 - 12. Dezember 2010, Ringlokschuppen, Bielefeld
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Fest van Cleef 2010 - 12.12.2010, Ringlokschuppen, Bielefeld

FEST VAN CLEEF 2010

12. Dezember 2010, Ringlokschuppen, Bielefeld
Autor: Katja Embacher
Foto: Jenny Schnabel

Das Fest van Cleef gehört bereits seit Jahren zu den festen Institutionen und vorgemerkten Terminen des Festivalsommers. Sommer? Stopp! In diesem Jahr drehen die Gastgeber Wiebusch, Uhlmann, Bustorff und Co. an der musikalischen Erdachse und machen den Sommer zum Winter - oder den Winter zum Sommer? Egal! Neu ist in jedem Fall die Idee, das Fest van Cleef in den Dezember und die mollige Wärme einer Großraumlokalität zu verlegen.

Um dem Ganzen ein wenig mehr den Anstrich eines Festivals zu verleihen, findet das Fest van Cleef in diesem Jahr erstmalig auf zwei Bühnen statt, die im Bielefelder Ringlokschuppen lediglich zwei Minuten Fußmarsch trennen - je nachdem, wie schnell oder langsam sich die pilgernde Menge vorwärtsbewegt. Ein großer Pluspunkt, denn so spart man sich lange Wege und Zwischenstopps an Bierständen. Kurzum: Man spart Zeit! Wertvolle Minuten, die man damit verbringen kann, sich voll und ganz auf das musikalische Geschehen des Abends zu konzentrieren. Und das ist gespickt mit wundervollen Perlen und lieblichem Kleinod.

Den Einstieg geben Germany’s next Brit-Rock-Wunder Beat! Beat! Beat!. Gänzlich im Kontrast zu den energetisch schmetternden Songs des juvenilen Quintetts steht ihre artige Haltung: Beat! Beat! Beat! bedanken sich brav nach beinah jedem Track bei den Anwesenden und ziehen das bereits zahlreich angereiste Publikum damit schnell auf ihre Seite. Während des fliegenden Wechsels zur zweiten Bühne bringt es mein Hintermann auf den Punkt: "Mir fallen nicht viele Bands ein, mit denen ich die Jungs vergleichen könnte. Der Sound ist echt einzigartig." Wohl das schönste Kompliment, das man einer jungen Band wie Beat! Beat! Beat! machen kann.

Tim Neuhaus ist der zweite Novize beim diesjährigen Fest van Cleef. Der sympathische Singer/Songwriter überzeugt mit wunderbaren Songs, in die man sich an diesem kalten Spätherbstabend einkuscheln kann, wie in eine warme Decke. Obwohl es bei der prall gefüllten kleinen Zweithalle des Ringlokschuppen bereits warm genug sein sollte.

Wirklich warm ums Herz wird den Anwesenden bei Young Rebel Set, die laut Ansage von Thees Uhlmann den Tourbus des van Cleefschen Festivals drei Tage lang in einen Irish Pub verwandelt haben. Live legen die jungen Wilden aus Stockton-On-Tees sogar noch ein Schippchen drauf: Der Folk-Punk der Briten erweist sich als äußerst energetisch und vereinnahmend. Zum Abschluss des 40minütigen Sets bittet man kurzerhand Uhlo himself auf die Bühne, um zu "If I Was" das Mikrophon an sich zu reißen. Den Text in der leicht zitternden Hand gibt der Tomte-Frontmann sprachlich wie gesanglich sein Bestes und erntet vom Publikum großen Applaus für die Performance. Da verzeiht man es Thees auch, dass er den Zettel mit den Lyrics verfrüht überschwänglich in kleine Stückchen rupft und bei der letzten Strophe leicht ins Schleudern gerät.

Nach diesem Erlebnis steht ein Singer/Songwriter-Doppelpack auf dem Programm. Nils Koppruch, ehemaliges Fink-Mitglied und nun Solist nimmt mit seiner Gitarre in der kleinen Halle Platz und liefert den Anwesenden ein hübsches bis skurriles Set mit netten kleinen Anekdötchen. Vom Suchen und Finden - und Aneinandervorbei. Erklärt in der pittoresken Geschichte von zwei zwitschernden Amseln. Herrlich! Ebenso, wie Gisbert zu Knyphausen, der die große Stage des Ringlokschuppen ganz allein mit seinem Sechssaiter unterhält. Mit Geschichten über die Liebe und vor allem das Leben - erzählt in intelligenter bis ironischer Lyrik.

Von den Solisten zum Duett ist es an diesem Abend nur ein kurzer Weg. In der kleinen Halle des Ringlokschuppen haben es sich die beiden sympathischen Australier von An Horse gemütlich gemacht. Nachdem Thees Uhlmann laut eigener Aussage An Horse bei den letzten beiden GHvC-Festivalabenden auf Deutsch angekündigt hat, gibt es in Bielefeld eine Introduktion in Englisch. Mit ihren druckvollen und energetischen Liveinterpretationen von Songs wie "Scared As Fuck", "Postcards" oder "Horizons" sorgen Kate Cooper und Damon Cox in den ersten Reihen des Publikums für Kopfnicken und Fußwippen - und für einen rappelvollen Fotograben. In fast sportlicher Manier schieben sich die Lichtbildner aneinander vorbei, um möglichst gute Schnappschüsse zu ergattern.

Im Anschluss an das australische Doppel begibt sich GHvC-Mitbegründer und Tomte-Sänger Thees Uhlmann persönlich auf die Bühnenbretter des Ringlokschuppens. Diesmal geht es jedoch nicht um die Vorstellung eines weiteren Acts, sondern seines Soloalbums, das im nächsten Jahr erscheinen wird. Als Warm-Up gibt es für das Bielefelder Publikum erst einmal zwei altbekannte Tracks. Sowohl "Die Schönheit der Chance" als auch "Das hier ist Fußball" werden von den Anwesenden wohlwollend aufgenommen. Letzteres sorgt für frenetische Chöre, wie man sie eigentlich aus biergeschwängerten Stadionkurven kennt. Vielleicht liegt es an der Uhlmannschen Weisheit "Die Liebe fragt nicht nach dem wie doll, die Liebe fragt nur nach der Liebe", mit der sich die gebeutelten Arminia-Fans wohl inbrünstig identifizieren können. Von der Leidenschaft für Ballsportarten geht es weiter mit der Leidenschaft zum Leben: "Das Leben ist wie Feuer, es brennt und es wärmt" singt Uhlmann bei "Zum laichen und sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf". Recht hat er! Ebenso, wie er mit Songs wie "Sommer in der Stadt", "Vom Delta bis zu den Quellen" oder "Die Nacht war kurz, ich steh früh auf" - DEM Song für alle frischgebackenen Eltern - goldrichtig liegt. Wenn es auch mit dem Bielefelder Publikum, das humoristisch nicht so ganz auf Thees Wellenlänge zu liegen scheint, nicht so wirklich schnackeln will, so zündet doch zumindest und Gottlob das Solowerk des Wahlberliners bei den Ostwestfalen.

Headliner des Abends sind beim diesjährigen Fest van Cleef ein weiteres Mal die Herren von Kettcar, die von den Anwesenden mit großem Applaus begrüßt werden. Als Dank erhalten sie erst einmal mit "Deiche" und "Kein Außen mehr" zwei Gitarrenbretter vor den Latz geknallt. Marcus Wiebusch und seine Mannen präsentieren einen gelungenen Querschnitt ihrer letzten drei Longplayer: In "48 Stunden" vom "Balkon gegenüber" nach "Graceland" und an den "Landungsbrücken raus". "Balu" für die Damen, "Im Taxi weinen" für all diejenigen, die für das Fest van Cleef mehr als 100 km Anreiseweg in Kauf genommen haben, "Money left to burn" für alle. Mit der wundervollen Ballade "Nach Süden" haben Kettcar auch ein funkelnagelneues Schmankerl im Gepäck: Ein Song, in dem der Protagonist den eineinhalbjährigen Kampf gegen den Krebs gewonnen hat, ein Track über das wahre Glück. Ebenfalls neu ist "3:26", mit dem die Hamburger die Ostwestfalen ein weiteres Mal das Rocken lehren. Im Zugabenblock danken Kettcar einmal mehr der Academy, bevor sie das Fest van Cleef 2010 mit "Ausgetrunken" ausklingen lassen. 

Mit der Entscheidung, alte Strukturen aufzubrechen und das Fest van Cleef in diesem Jahr zu einem Winterfestival zu erklären, haben die Organisatoren voll ins Schwarze getroffen. Ebenso einmal mehr mit dem Line-Up: Ein Wiedersehen mit alten Bekannten, die man viel zu lange vermisst hat, ein Kennenlernen neuer Menschen, von denen man weiß, dass man sie sofort und ohne Umschweife in den heiligen musikalischen Freundeskreis aufnehmen wird, weil einfach alles passt. Bei diesem Gedanken wird einem beim Verlassen des Ringlokschuppens trotz Minusgraden warm ums Herz.


Website:
www.ghvc.de

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