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POPCONNECTION - Konzerte - Franz Ferdinand - 14. März 2009, Palladium, Köln
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Franz Ferdinand - 14.03.2009, Palladium, Koeln

FRANZ FERDINAND

14. März 2009, Palladium, Köln
Autor: Marc Philipp Meyer
Foto: Pressefoto

Nach gefühlten zwei Stunden Langeweile und Frust, ausgelöst durch den Support der Berliner Band Kissogram - die sich anscheinend dachten, hey wir springen auf die Elektro-Welle auf, mixen Justice mit den White Stripes und fügen eine eklektische Mischung aus Joy Division, Kraftwerk und Balkan-Pop hinzu, für die wir noch nicht mal einen Bassisten benötigen - betreten Franz Ferdinand nach halbstündiger Umbaupause das ausverkaufte und proppevolle Palladium. Einige im Publikum waren da schon richtig sauer gefahren, denn man wollte doch endlich loslegen mit der Tanzerei.

Dafür gab es ab 21.15 Uhr allen Grund. "The Dark Of The Martinée" ist der erste Song und die Menge tobt. Punktgenau auf den ersten Gitarrenakkord springen jung und alt und in der Mitte bildet sich der erste Pogohaufen. Unglaublich, denn soviel Hüpferei und Gedränge gibt es sonst nur bei Oasis-Konzerten. Allerdings steht die Nichts-Tuerei den Franzen nicht so gut. Alle bis auf den in Bayern aufgewachsenen Nick McCarthy scheinen noch nicht ganz auf der Bühne angekommen zu sein. Natürlich ist da Bob Hardy außen vor, denn der hat noch nie viel gesagt und getanzt. Aber es verwundert schon, wie steif sich Alex Kapranos bewegt und dass sich der Ausnahmedrummer Paul Thomson im zweiten Song "Do You Want To" sogar Timing-Schwankungen erlaubt. Nichts desto trotz: Köln ist begeistert. Die meisten bekommen auch nichts mit von der steifen Brise, denn sie sind viel zu sehr damit beschäftigt, einen Kreis zu bilden und sich darin wie bescheuert hin und her zu schubsen. Kein paar Minuten nach Beginn, flüchten erste Fans auf die Außenbahnen und halten sich die Nase. Besonders junge Mädels flüchten. Soviel Euphorie hatten sie nicht erwartet. Nüchtern betrachtet ist "No You Girls" nicht nur der erste Song der unschlagbar guten neuen Platte, sondern auch der erste gut gespielte Song heute Abend. Dieser steigert sich von nun an allerdings mit jedem Song.

Nach dem wunderbar einfühlsamen "Walk Away", das lautstark von 3000 mitgesungen wird, taut auch Alex Kapranos auf und geht mit einem gekonnten Hüftschwung in ein schmissiges "The Fallen". Was an dieser Stelle besonders begeistert, ist die Improvisation der Franzen, die jetzt wunderbar klappt. So werden die Stücke mit neu eingefügten Gitarren-Riffs und richtigen Rock'n'Roll-Soli geschmückt. Ganz ehrlich, so hat man Kapranos noch nicht Gitarre spielen hören. Er mutiert heute Abend vom Einschläfer zur Rocksau und spielt gegen Ende des Konzerts seine Gitarren-Soli sogar Hendrix-like hinterm Rücken. Abgefahr'n! Auf "Take Me Out" hat sich wohl jeder schon gefreut. Ebenso abstrus ist die Tatsache, dass die Nummer schon als siebtes Stück gespielt wird. Aber nötig war es, denn ab dem Song wacht die Band erst richtig auf und gibt Vollgas. "Turn It On" ist der helle Wahnsinn. Schon auf Platte ein Hit, ist der Song live unschlagbar und bildet zusammen mit "Bite Hard" und "Michael" den absoluten Höhepunkt des Abends. Beeindruckend ist auch die heutige Leinwandshow. Im Hintergrund laufen nicht nur psychedelische Bilder ineinander, sondern Bandmitglieder und Publikum werden in den verschiedensten Perspektiven und Zeitspannen live auf die Leinwand projiziert und bildgewandt bearbeitet. Köln ist verzaubert und völlig aus dem Häuschen. Unglaublich, wie man sich derart steigern kann, denkt sich der Schreiber und staunt immer noch darüber. Die vorerst letzte Nummer ist "Ulysses" und während im Hintergrund das Video läuft, spielen die Schotten "superfantastisch".

Das sehnsüchtig erwartete "Darts Of Pleasure" wird allerdings nicht als Zugabe gespielt. Das ist jetzt aber auch egal, denn die vier Zugaben strotzen nur so vor Leidenschaft und Energie. Wer jetzt dachte, dieser Abend kann nicht mehr gesteigert werden, der wird eines Besseren gelehrt. Nick McCarty und Alex Kapranos duellieren sich bei "What She Came For" in zackigen Gitarrensoli und sogar der stille und bewegungsarme Basser Bob Hardy versucht sich einiger Tanzschritte. Zum Schluss von "Outsiders" gerät die Band in völlige Ekstase, als sie sich um Paul Thomsons Schlagzeug versammelt und gemeinsam darauf eindrischt. Nichts da Schwiegersohn-Romantik, Rock'n'Roll! Völlig begeistert, wünscht sich die Menge das experimentelle "Lucid Dreams" und wird mit einem sympathischen Moog-Synthie-Wabern belohnt. Man hat es nicht für möglich gehalten, aber Franz Ferdinand bringen anhand von zwei alten Synthesizern das Elektro-Ending authentisch rüber. Live ist das noch packender, als auf Platte. Eine angenehme Symbiose aus Psychedelic und Elektro erfüllt den Raum. Die Franzen waren schon immer wegweisend. Dieser Song zeigt warum. Franz Ferdinand haben sich in einen echten Rausch gespielt. Bei "This Fire" brennt die Bude und Alex Kapranos springt wie ein Duracell-Männchen durch die Gegend. Geht doch!


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