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POPCONNECTION - Konzerte - Haldern Pop Festival 2007 - 02. - 04. August 2007, Rees-Haldern
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Haldern Pop Festival 2007

HALDERN POP FESTIVAL 2007

02. - 04. August 2007, Rees-Haldern
Autor: Katja Embacher
Foto: Jenny Schnabel

"Weswegen fährst du jetzt genau nach Haldern?" Das war wohl die Frage des Jahres. Denn, ein wirkliches Highlight suchte man im diesjährigen Line-Up des Haldern Pop Festivals vergeblich. Also blieb mir wie den restlichen knapp 5000 Besuchern nichts anderes übrig, als mich einfach überraschen zu lassen. Rein ins Auto und ab an den Niederrhein!

Donnerstag

Der Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes. Dicke Regenwolken hängen über Münster. Bleibt also nur der Friesennerz und die vage Hoffnung, dass der Wetterfrosch recht behält und das angekündigte Hochdruckgebiet wenigstens für drei Tage den Sommer nach Haldern bringt. Nach einer Stunde Fahrt stellt sich heraus: Das possierliche Tierchen hat sich nicht geirrt: Der Nieselregen hört auf und als wir den Wagen durch die Schlammlöcher und Festfahrfallen über den Parkplatz manövrieren, lugt sogar die Sonne hinter den Wolken hervor.

Im Spiegelzelt scheint sie dagegen schon die ganze Zeit und strahlt bis in die späte Nacht hinein - musikalisch betrachtet. Das Haldern Pop Festival wird in diesem Jahr mit eher ruhigen Klängen eingeläutet. Singer/Songwriterin KATE NASH eröffnet den Abend mit zuckersüß verspielten Songs im Indie-Saloon.

Während es im Spiegelzelt beschaulich voranschreitet, kündigt sich auf dem Zeltplatz der berühmt-berüchtigte Guerilla-Gig an: Der Surprise-Act hat mittlerweile Tradition am Niederrhein. Nur, dass die große Überraschung diesmal ausbleibt. Auf der Bühne tummeln sich nämlich die KILIANS, die im letzten Jahr bereits ihre Strokes-affinen Klänge zum Besten gegeben haben. Was auch immer man über die Dinslakener sagen mag: Polarisierung ist auch eine Form der Fanbindung. Was den einen zum Rocken vor die Busbühne zieht, treibt den anderen schnurstracks runter vom Zeltplatz und hinein ins Spiegelzelt oder an die Fast-Food-Buden.

Je später der Abend, desto musikhungriger werden auch die Festivalbesucher. Eine halbe Stunde, bevor die TWO GALLANTS die Bühne des Spiegelzelts betreten, hat sich vor dem Eingang eine riesige Schlange gebildet. Jene, die es rechtzeitig in Innere geschafft haben, dürfen sich von den beiden Galanen mit energetischem Indie-Pop begeistern lassen. Den weniger Glücklichen bleibt leider nur die Leinwand draußen im Biergarten vorm Zelt. So hübsch der Indie-Saloon auch ist, so gemütlich das Interieur mit den rustikalen Tischen und der Manege, so ärgerlich ist es, dass nicht jeder, der sich dort einen Gig anschauen möchte, auch wirklich Platz findet, geschweige denn, die Schwingtüren mangels Platz passieren darf. Fast schämt man sich, wenn man sich mit dem Pressepass an den Wartenden vorbei durch den Eingang schiebt und missmutige Blicke auf sich zieht.

Der Headliner des heutigen Abends sind NAKED LUNCH aus Österreich. Die Klagenfurter betreten mit einer Stunde Verspätung die Bühne. Die Wartezeit erweist sich als eine harte Geduldsprobe für das im aufgeheizten Zelt leicht lädierte Nervenkostüm. Das Ausharren hat sich dennoch gelohnt. NAKED LUNCH spielen fast ausschließlich Tracks aus ihrem aktuellen Album "This Atom Heart Of Ours". Ein dramatisches Intro mit einem hyperventilierenden Keyboard und ein Set aus traurig-schönen Klängen, die den Indie-Saloon beben lassen und für wohlige Gänsehaut sorgen. Eben diese wird beim Verlassen des Zelts durch die empfindlich kalte Luft noch verstärkt. Mit den Akkorden von "Military Of The Heart" im Ohr verlasse ich das Spiegelzelt und freue mich auf meine mollig warme Schlafstätte.


Freitag

Entgegen einiger Meinungen, die Zippo Flaming Talents-Slot-Verlosung sei eine reine MySpace-PR-Strategie gewesen, finden sich am Freitagmittag doch JEREMY und DALOCO auf der Zelt-Bühne ein. Wer es nach einem ausgiebigen Zeltplatz-NightOut erst später aufs Gelände schafft, der kann sich mit RIPCHORD einen klischeehaften Festival-Einstieg abholen. Abschuss einer vollen Bierflasche in den Fotograben - in diesem Moment ist meine Fotografin froh, keine Bilder geschossen zu haben. Rotz-Attitüde hin Rock 'n' Roll her, Kameras kosten Geld und frisch genähte Platzwunden am Kopf können einem ein Festival doch ziemlich vermiesen. William, that was really nothing! Nix für ungut, Jungs!

Dass es auch anders geht, beweisen später THE VIEW aus Schottland. Es wird gerockt, ohne dass irgendetwas zu Bruch geht. Im Minutentakt lassen sich verschwitzte Menschen über die Menge tragen und von den Ordnern im Graben in Empfang nehmen. Auf "Claudia" wartet man vergeblich, dafür ist "Same Jeans" mit im Gepäck. Alles ganz nett im wohlig warmen Sonnenschein, dennoch macht sich bei denjenigen, die die Band aus der Konserve kennen und wegen ihrer Energie lieben, leichter Unmut breit. Trotz Glastonbury-Auftritts wirken die vier Jungs so, als würden sie zum ersten Mal auf einer großen Bühne stehen. Wo RIPCHORD den Bogen überspannen, setzen THE VIEW gar nicht erst an. Schade! Hier hatte man mehr erwartet!

Dafür entschädigt JAMIE T anschließend auf ganzer Linie: Der Londoner, der oftmals mit The Streets verglichen wird, begeistert mit einem Set, das sich eher an der Stromgitarre orientiert als am HipHop - großartig! Genau wie die MAGIC NUMBERS, die im Anschluss zotteligen Indie-Pop-Rock at it's best spielen.

So sonnig der Nachmittag war, so kühl wird der Abend - temperaturtechnisch betrachtet. Diejenigen, die die Kälte nicht ins Spiegelzelt getrieben hat, werden um kurz vor elf mit einem der Highlights des Haldern Pop 2007 belohnt: SPIRITUALIZED und die ACOUSTIC MAINLINES! Leicht psychedelische und wunderbar ruhige Songs, nur mit Gitarre und Keyboard interpretiert, schlängeln sich in den nächtlichen Himmel. Mit der in blaues Scheinwerferlicht getauchten Bühne wirkt das Ganze fast schon sphärisch - ohne in die Eso-Ecke abzudriften. Mit Einsetzen der Streicher und den erhabenen Stimmen des Gospelbackgrounds merke ich, wie sich die Härchen auf meinem Arm nach oben stellen. Herrlich elektrisierend! Das scheinen sich auch die umstehenden Pärchen zu denken, die sich dichter aneinanderkuscheln - bei den lausigen Temperaturen beneidenswert!

Freitags-Headliner sind die WATERBOYS - für mich eine der Überraschungen des Festivals. Kannte ich bisher nur "Whole Of The Moon" und war von dem leicht folkigen Sound der Insulaner nicht so wirklich überzeugt, so wurde ich um halb eins in der Nacht eines besseren belehrt. Virtuose Geigeneinlagen, energetische Gitarrenriffs und eine Band, die einfach Spaß an dem hat, was sie macht. Es ist großartig, diese leicht in die Jahre gekommenen Herren zu sehen, die mit einer Leidenschaft über die Bühne wuseln, die man sonst eher von Newcomer-Bands kennt. Von der Kälte trotz Parkas in die Knie gezwungen bewege ich mich kurz vor Schluss bibbernd dann doch noch in Richtung Spiegelzelt, in dem THE ELECTRIC SOFT PARADE schon in vollem Gange ist. Und voll ist es auch im Indie-Saloon. So voll, dass mir die Schwenktüren in den Rücken geknallt werden und ich mich darauf beschränke, mich für zwei Songs aufzuwärmen und dann langsam den Heimweg anzutreten.


Samstag

Samstag - und der Sommer ist endgültig da! Vergessen ist das Zähneklappern der letzten Nacht. Ich tausche Jeans und Sneakers gegen Rock und Sonnencreme - sehr zur Freude der am Auto vorbei flanierenden männlichen Festivalbesucher. Was solls?! Auch Journalistinnen müssen sich akklimatisieren.

Gab's im Zelt am Mittag bereits den wunderbaren Zippo-Act BLACK RUST zu bewundern, so kann man sich am Nachmittag auf der Hauptbühne von einem weiteren Geheimtipp überraschen lassen. FRISKA VILJOR aus Schweden liefern leicht nöligen Folkpop, der begeistert und einmal mehr beweist, dass das Konzept des Haldern Pop voll und ganz aufgeht: Kleineren Acts die Chance zu geben, von einer breiten Masse gehört und geliebt zu werden.

Nach einem soliden Set von VOXTROT betreten JOHNOSSI die Bühne und lehren die Festivalbesucher, dass zwei Leute manchmal mehr rocken können, als eine achtköpfige Band. John prügelt die Saiten auf der Akustikgitarre, Ossi drischt in die Felle und man fragt sich die ganze Zeit, ob der Bass vom DAT-Band kommt oder ob ein Vier-Saiten-Instrumentalist hinter der Bühne positioniert ist, um die satten Licks und Läufe runterzuholzen, die sich am Ohropax vorbei in den Gehörgang drängen. Fragen, die nicht geklärt werden. Belassen wir's bei David Copperfield: "It's Magic!" Eine kleine Abkühlung gibt's auch, als Sänger John eine Wasserflasche - diesmal reinstes Plastik und ohne Unfallgefahr - ins Publikum wirft. Bei den Temperaturen, die das Gelände mittlerweile in einen Kochtopf verwandelt haben, eine willkommene Tropfendusche.

Eine kunterbunte Mischung erwartet die Zuschauer sowohl musikalisch als auch optisch bei ARCHITECTRURE IN HELSINKI. Lässt sich der Sound der Australier schon nicht wirklich einordnen, so bewegt sich der Kleidungsstil der Herrschaften jenseits aller laufstegbekannten Genres. Ein Schüsschen 80s hier, ein wenig Rasta da. Mir erschließt sich das Ganze auch live nicht mehr, als aus der Konserve. Dementsprechend nutze ich die Gelegenheit, mir im Pressezelt ein kühles Blondes mit einem Spritzer Apfel-Lemon zu holen. Es lebe der Stilbruch!

Um kurz nach zehn ist es dann so weit: Die SHOUT OUT LOUDS, meine persönlichen Favoriten des diesjährigen Haldern Pop Festivals, betreten die Bühne. Was soll man sagen?! Es erscheint fast unverständlich, dass die Herren und die Dame aus Schweden nicht als Headliner des Abends engagiert wurden. Eine gelungene Mischung aus Songs der "Howl Howl Gaff Gaff" und dem aktuellen Album "Our Ill Wills", hervorragend interpretiert. Meiner Fotografin treibt es beim tosenden Applaus während des Intros fast die Tränen in die Augen. Mitgrölen beim Refrain von "You Are Dreaming" oder "Please Please Please", sich freuen, weil "Parents Livingroom" auch mit am Start ist und das tanzende Pärchen vor sich verfluchen, das aussieht, als würde es ein Ameisenbärenritual aufführen und dabei wild mit den Armen fuchtelt. "100°" entschädigt mich vollends für die irren Tanzeinlagen und lässt mich die beiden Hupfdohlen schnell vergessen.

Gegen Mitternacht findet sich dann der eigentliche Headliner des Samstags auf der Bühne ein: JAN DELAY. Obwohl ein für Haldern untypischer Künstler, ist der Platz gerappelt voll. Die vorderen zehn Reihen erweisen sich als textsicher, bis zur zwanzigsten Reihe wird mit den Armen gefuchtelt, was das Zeug hält. Die Mischung aus Hip Hop und Raggae schafft es, die meisten Zuschauer zu begeistern. Da diese Melange allerdings nicht so wirklich meins ist, mach ich mich auf ins Spiegelzelt, in dem sich GHOSTS die Ehre geben. In den Indie-Pop-Klängen fühle ich mich dann doch wesentlich aufgehobener. Nur nicht in dem überfüllten Zelt. Also entschließe ich mich dazu, mir den Rest des Gigs draußen auf der Leinwand des Biergartens anzuschauen. Danach trete ich müde, zufrieden und knusprig braungebrannt den Heimweg an, während das Programm im Indie-Saloon noch bis in die frühen Morgenstunden weiter geht.

Fazit des Haldern Pop 2007: Der Mega-Act ist in diesem Jahr ausgeblieben. Es gab viele kleine Highlights, Überraschungen, Neu-Entdeckungen und natürlich wie immer die lauschige Atmosphäre, die das kleine Festival am Niederrhein zu etwas ganz besonderem macht. Haldern Pop ist immer ein bisschen wie Urlaub auf dem Bauernhof - gemütlich, idyllisch, beschaulich. Und wenn wie dieses Jahr der Wettergott mitspielt, grenzt das Ganze fast an einen musikalischen Kuraufenthalt. Allein dafür hat sich der Weg gelohnt.


Website:
www.haldern-pop.de

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