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POPCONNECTION - Konzerte - Haldern Pop Festival 2011 - 11. August - 13. August 2011, Rees-Haldern
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KONZERTE
Haldern Pop Festival 2011

HALDERN POP FESTIVAL 2011

11. August - 13. August 2011, Rees-Haldern
Autoren: Katja Embacher / Jenny Schnabel
Foto: Christoph Buckstegen

Längst ist das lauschige Festival am Niederrhein ein Sammelpunkt für Liebhaber exquisiter Musikschmankerl geworden. Dies ist nicht zuletzt dem Fakt geschuldet, dass das Haldern Pop für seine vielversprechenden Neuentdeckungen mindestens ebenso berühmt und berüchtigt ist, wie für seine pittoreske Weidenlandschaft, seine glücklichen Kühe und seine familiäre Atmosphäre, an der sich das halbe Dorf beteiligt. Die Tatsache, dass das Festival bereits seit Anfang des Jahres trotz Kontroversen um gestiegene Ticketpreise ausverkauft ist, spricht somit für sich.


Donnerstag
    
Novationen finden sich nicht nur im Spielplan, sondern auch in der Wahl der Locations. War bislang das Programm am Donnerstag reduziert auf das Spiegelzelt und die Haldern Pop Bar, so ist in diesem Jahr mit der St. Georg Kirche eine weitere Alternative hinzu gekommen. Dort geben sich die wunderbaren Isbells die Ehre, um die Anwesenden in ansprechender Art und Weise auf das dreitägige Event einzustimmen. Den größten Anreiz bietet nach wie vor das Spiegelzeit, vor dem sich am ersten Abend des Festivals eine entsprechende Warteschlange gebildet hat. Dasselbe Prozedere wie in jedem Jahr - und die damit verbundenen altbekannten Reaktionen: Unlustige Gesichter und fluchartige Stoßgebete ob einer zweiten Bühne oder dem Öffnen der Mainstage bereits am ersten Anreisetag. Die Debatte ist (fast) so alt, wie das Haldern Pop selbst, das in diesem Jahr seinen 28. Geburtstag feiert. Die Unlösbarkeit des Problems wiederum ist eine mathematische Gleichung, die bereits ein Achtjähriger ohne Abakus lösen könnte: Das Fassungsvermögen räumlich begrenzter Orte ist und bleibt nun einmal beschränkt. Eine Ausweichmöglichkeit bietet der Biergarten vorm Zelt. Über eine Großleinwand haben die Anwesenden somit die Möglichkeit, das Geschehen im Inneren des Zeltes mitzuverfolgen.

Insbesondere der Auftritt des Londoner Quartetts Yuck erweist sich am Donnerstag als “must see”. Auch, wenn die Performance der Herren sich auf ein Bewegungsminimum reduziert, so überzeugen Yuck mit ihrem energetischen Gitarrensound, der Erinnerungen an die guten alten 90er lostritt. Eine Band, die man sich spätestens nach diesem Abend fett im diesjährigen Herbst-Tourkalender vormerkt, um das Vergnügen in einer Clubatmosphäre zu wiederholen. Nach Auftritten von Julia Marcell und The Avett Brothers folgt die mit Spannung erwartete Performance von Anna Calvi. Nach dem großen Hype, der um die Britin veranstaltet wurde, ist man freilich neugierig. Mit ihren multiinstrumentalen Songs sorgt Anna Calvi im schwül-warmen Spiegelzelt für eine fast magische Atmosphäre. Einzig und allein die Stimme der Britin sorgt für den einen oder anderen Diskussionsstofffetzen. Über Geschmack lässt sich bekanntermaßen am besten streiten und gejammert wird gern auf hohem Niveau. Zweifelsohne muss man jedoch gestehen: Dies ist feinste Singer/Songwriter-Kunst, an der es handwerklich nichts zu bekritteln gibt. Für alle, die im Nachgang noch nicht in ihre kuscheligen Zelte kriechen wollen bieten Brand Brauer Frick mit ihren technoiden Tracks im Gewand klassischer Instrumentierung noch ein appetitliches Betthupferl zum Ausklang des Abends.


Freitag

Freut man sich am Freitag eingangs noch diebisch auf den Eröffnungsslot von Golden Kanine, so wird man im Verlauf des Sets leider leicht enttäuscht. Der Auftritt des Indie-Folk Quartetts aus Malmö vermag trotz sympathischer Ausstrahlung nicht so wirklich zu überzeugen. Vielleicht ist es noch zu hell für die melancholischen Klänge, vielleicht ist die Bühne für die intimen Tracks schlichtweg ein wenig zu groß. Mit einem ähnlichen Problem kämpfen im Anschluss The Antlers, deren Songs in dem Mix aus Wolken, Sonne und Regentropfen nicht so recht ihre volle Energie entwickeln wollen. Trotz sehr guter Performance und spielerischen Könnens fehlt der Griff ums bange Herz, mit dem die Band aus Brooklyn für gewöhnlich den kräftigsten Muskel des Menschen umfangen hält. Umgekehrt erweist sich der Auftritt der Wild Beasts im Spiegelzelt als äußerst positive Überraschung. Der synthiegetragene Sound und die Synthese des zweistimmigen Gesang des Quartetts aus Kendal erweist sich live als echter Leckerbissen und unterstreicht einmal mehr die These, dass man Konzerterlebnissen grundsätzlich den Vorzug vor Konservenkost geben sollte. Für ein weiteres Jauchzen und Frohlocken sorgen zwei Stunden später Dry The River. Die herzergreifenden Indie-Folk-Songs umschmeicheln die verwöhnten Öhrchen und legen sich wie eine warme Decke um die Schultern der Anwesenden. Auch, wenn man diese in der schweißtreibenden Wärme des Spiegelzelts nicht wirklich nötig hätte. Ein weiteres Highlight zeichnete sich mit dem Auftritt von James Vincent McMorrow ab, der ein ruhiges Kontrastprogramm zu The  Wombats auf der Hauptbühne liefert. Während nebenan zu Joy Division getanzt wird, zelebriert man im Zelt die Ironie: Der extrovertierte Sound der Wombats übertönt die intimen Klänge des Singer/Songwriters derartig, dass nicht nur im Biergarten, sondern auch im Spiegelzelt eher ein Mash entsteht, denn ein gelungenes Konzertvergnügen. Das, was man von den Elegien McMorrow zu hören bekommt, überzeugt dennoch grenzenlos. Ebenso wie das Cover von "Wicked Game", auf das in dieser Version wohl selbst Chris Isaak neidisch geworden wäre. Im Anschluss daran hat man die Qual der Wahl zwischen Josh T. Pearson, der auf der Hauptbühne die Umbaupause zwischen den Wombats und Tim Isford & John Grant überbrückt und dem Erased Tapes Spezial im Zelt, das durch Acts wie Codes In The Clouds, Rival Consoles und Nils Frahm & Anne Müller bestritten wird. Pearson hat es nicht leicht: Der Platz vor der Bühne leert sich zunehmend. Der energetische Auftritt der Wombats scheint bei vielen Besuchern seinen Tribut zu fordern oder es ist der leichten Nasskälte geschuldet, dass die meisten Anwesenden ins Tipi aufbrechen - sei es nun das Spiegelzelt oder die eigene Interimsbehausung des Festivals.


Samstag

Nach einer Einstimmung durch The Black Atlantic gibt sich am Samstag Steve Cradock im Spiegelzelt die Ehre. Auch hier erwischt man sich bei demselben Gefühl, das sich Tags zuvor bereits beim Auftritt von Golden Kanine bemerkbar machte: Die Vorfreude war wohl ein wenig zu groß, die Erwartungshaltung zu angespannt. Der ehemalige Ocean Colour Scene-Gitarrist erweist sich zwar als solider Entertainer, wirkt dennoch ein wenig altbacken. Wirklich aufmunternder ist auch Dan Bejar mit Destroyer nicht, der im Anschluss die Hauptbühne besucht. Als noch größere Enttäuschung erweist sich der hochgelebte und schwerst gehypte James Blake, dessen Set unlustig vor sich hin plätschert und letztlich nur als medioker zu bezeichnen ist. Entschädigung findet man im Zelt bei und mit Dan Mangan. Der bärtige Kanadier besticht nicht nur mit seinen wunderbaren Folk-Songs, sondern auch mit seiner sympathischen Art. Ohne Frage eine angenehme Versöhnung für einen recht durchwachsenen Einstieg in den letzten Festivaltag. Durchwachsen scheint auch die Stimmung von Petrus zu sein. So entwickeln sich im Laufe des Tages ordentliche Regengüsse, nachdem das Haldern Pop mit einigen kleinen Schauern in den Vortagen witterungstechnisch recht glimpflich davon gekommen ist. Es dauert nicht lange, bis der Platz der alten Reitbahn sich in einen ungemütlichen Schlammboden verwandelt, der sich über die Kanten der Sneakers seinen Weg in die Socken bis zwischen die Zehen sucht. Ein Königreich würde man für Gummistiefel opfern, seine Großmutter für einen ordentlichen Friesennerz verkaufen. Stattdessen bekommt man auf der Hauptbühne mit LaBrassBanda eine Band, die einen Großteil der Anwesenden zu Regentänzen anstachelt. Das ohnehin geschundene Nervenkostüm der Schreibenden stellt der bayrische Ska jedoch auf eine harte Gedulds- und Reißprobe. Besser wird es auch bei Wir Sind Helden nicht, die sich zwar nicht so unpassend wie anfangs befürchtet ins Line-Up des Festivals schmiegen - und dennoch nicht zu überzeugen wissen. Was Judith Holofernes und ihre Mannen auf der Hauptbühne zelebrieren, sind routinierte Top Hits mit dem leicht wässrigen Nachgeschmack des niederrheinischen Regens. Vielleicht ist es der angeschlagenen Stimmung geschuldet, dass sich auch der Auftritt von The Low Anthem fast als anstrengend erweist. Trotz des gut gewählten Sets und den traurigschönen Songs des Trios lassen sich leichte Längen nicht vermeiden. Dass es auch anders geht, beweisen Warpaint auf der Bühne des Spiegelzelts: Die verwobenen Tracks des Damen-Vierlings aus L.A. durchwabern die feuchtwarme Luft und sorgen somit zumindest gegen Ende des Abends für ein weiteres Highlight. Dieses findet sich auch auf der Hauptbühne mit dem Auftritt von Explosions In The Sky, die die Reitbahn nach den Fleet Foxes in eine atmosphärische Soundlandschaft verwandeln, in der man sich traumtänzelnd verlieren kann. Ein gelungener Abschluss eines ansonsten eher wenig überzeugenden Festivaltages.

Auch, wenn in diesem Jahr die ganz große Überraschung ausblieb und die Highlights eher spärlich gesät waren, ist und bleibt das Haldern Pop ein Festival der Herzen. So wird es auf das diesjährige Motto “Wo komm ich her, wo will ich hin, wo bin ich glücklich, der, der ich bin” im nächsten August auch wieder einmal nur eine Antwort geben: An den Niederrhein zum Haldern Pop 2012.


Website:
www.haldern-pop.de

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