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POPCONNECTION - Konzerte - Molotov Jive - 12. September 2008, Amp, Münster
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Molotov Jive - 12.09.2008, Amp, Muenster

MOLOTOV JIVE
Support: Slowtide

12. September 2008, Amp, Münster
Autor: Katja Embacher
Foto: Pressefoto

Molotov Jive machen einmal mehr Station in Münster. Es ist das dritte Mal, dass die Schweden die Westfälischen Mini-Metropole beehren. Eine Tatsache, die in erster Linie weibliches Publikum zur Verzückung und ins Amp treibt. Grund zur Freude liefern allerdings nicht nur die vier Jungs aus Karlstad, sondern auch der Support aus Bochum: Slowtide, Singer/Songwriter-Perle des Ruhrgebiets. Die Aussicht auf einen sonnigen Konzertabend kann nicht einmal der Münsteraner Nieselregen trüben. Bewaffnet mit Schirm, Charme und obligatorischer Lederjacke mache ich mich auf in den schönsten Club der Stadt mit der extraordinären Raucherlounge.

Bereits als ich das Amp betrete fällt mir auf, dass der weibliche Andrang weniger stark ausfällt, als erwartet. So haben sich auch tatsächlich einige Herren in den Club gewagt, die offensichtlich nicht in weiblicher Begleitung vor der Stage ausharren und auf den Beginn der Show warten. Pünktlich um halb zehn eröffnet diese Kevin Werdelmann aka Slowtide mit seiner Live-Band. Sind es anfangs noch wenige, die den Weg zur Wohnzimmer-Bühne finden, so füllt sich der Raum während der ersten drei Tracks doch deutlich. Kein Wunder. Der Bochumer ist einfach ein begnadeter Singer/Songwriter, der es grundsätzlich schafft, das Publikum mit seinen Songs in den Bann zu ziehen. Ein Sound irgendwo zwischen Ocean Colour Scene und Grandaddy, den ab und an ein Gallagherscher Gitarrenstreich umweht.

Die Zusammenstellung der Songs reicht von älteren Stücken wie "The Story Of Your Life" oder "Today" über Bekanntes aber noch nicht Publiziertes ("Young Love") bis hin zu noch ungehörten Tracks wie "We Haven't Changed". Ein Set, das Lust auf das im November erscheinende Album von Slowtide macht. Grandios auch die Ballade "Lighthouse", die Werdelmann alleinig unterstützt durch Schlagzeuger Ambros Eiletz performed. Ein Song, in dem man ertrinken könnte, wäre da nicht das störende Geplapper einiger überdrehter Konzertbesucherinnen, die schon nervös auf Molotov Jive zu warten scheinen. Die leichten Schauer, die mir über den Rücken laufen können jedoch auch die leicht debilen Gesprächsfetzen nicht abhalten. Und Slowtide legt nach: Mit "The Artist" - einer wunderschönen Ballade, die dem ein oder anderen Lauschenden durch die Bit Music Compilation bekannt sein dürfte. Ein wahrlich gelungener Einstieg und ein mehr als würdiges Warm-Up für den folgenden Headliner Molotov Jive.

Letztere betreten um elf Uhr die Bühne. Bereits bei den ersten Akkorden wird klar, dass die Jungs in der Zwischenzeit ordentlich dazu gelernt haben. Das Set wirkt ebenso druckvoll, wie beim letzten Mal, als ich die Schweden im Amp gesehen habe, selbst das Bühnenoutfit von Sänger Anton Annersand ist dasselbe, allerdings machen die Vier einen wesentlich er- und gewachseneren Eindruck. An den länger gewordenen Haaren des Quartetts liegt es nicht. Die Ansagen sind spärlicher, werden nur noch dort eingesetzt, wo sie auch wirklich benötigt werden, das Posing ist in den Hintergrund getreten und einer energetischen Bühnenperformance gewichen, die vor Spielfreude und Sympathie nur so strotzt. Es macht einfach Spaß, dem Quartett auf der Bühne zuzusehen. Die Füße beginnen zu wippen und hören nicht mehr auf - wer hier still steht, der hat keinen Rhythmus im Blut. Molotov Jive beweisen, dass sie mehr sind, als nur eine sound-a-like-Kapelle, mehr als nur ein Abziehbild der großen Ikonen Mando Diao oder Sugarplum Fairy. Vielleicht ist das der Grund, warum die Anstürme überwiegend weiblicher Teenager ausgeblieben sind und das geschlechtlich heterogene Publikum sich aus jungerwachsenen Mid-Zwanzigern zusammensetzt.

Bunt gemischt ist auch die Setlist der Schweden: "Weight (Off My Shoulder)", "Hold Me Tight (Like A Gun)", "The Luck You Got", "Made In Spain" oder "Valentines Day" finden ebenso ihren Platz im musikalischen Potpourri des Abends wie neue Tracks wie "Burning Bridges". Letzteres macht klar, warum die Schweden Bruce Springsteen als einen ihrer Einflüsse angeben - diese Riffs hätte auch der Boss persönlich nicht schöner schraddeln können. Den einzigen Faux Pas leisten sich die Herren zum Ende des Sets, als sie sich die unsägliche Coverversion des The Cure-Klassikers "Friday I'm in Love" nicht verkneifen können. Whatever - nach einem derart feinen Konzert verzeiht man Annersand und Co. diesen Fehltritt nur allzu gern.

Glücklich, zufrieden, angenehm überrascht und nikotinsüchtig mache ich mich auf in die Stylo-Raucherlounge, um die sonnige Konzertnacht gemütlich ausklingen zu lassen. Und nach einem derart sympathischen Konzert stört nicht einmal der leichte Nieselregen auf der Aussenterasse, der auf den obligatorisch hochgestellten Kragen der Lederjacke tröpfelt.


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