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POPCONNECTION - Konzerte - The National - 11. Juni 2014, Tanzbrunnen, Köln
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The National

THE NATIONAL

11. Juni 2014, Tanzbrunnen, Köln
Autor: Katja Embacher
Foto: Jenny Schnabel

Kaum klopft der Sommer an die Tür, drängt es den geneigten Musikfreund hinaus an die frische Luft. Sei es im Rahmen eines Festivalbesuchs oder einer Stippvisite auf einem Open-Air-Konzert. Dessen sind sich auch The National bewusst und laden kurzerhand zu frühsommerlichen Freiluftkonzerten ein. Der Kölner Tanzbrunnen erweist sich für ein derartiges Unterfangen als prädestiniert: Die Bühne ist groß genug, um aus jeglicher Perspektive einen guten Blick auf das Geschehen zu erhaschen. Gar zauberhaft wirken die davor drapierten Schirme, unter denen man entlangflaniert, wie Alice im Wunderland unter Pilzhüten. Trotz seiner Fläche ist der Platz von einer einladenden Gemütlichkeit geprägt. Für das letzte Tüpfelchen auf dem i sorgen die Strahlen der Abendsonne, die den Tanzbrunnen in ein warmes Licht tauchen. Hier erinnert Nichts an die Unwetter der letzten Tage, die NRW ordentlich durchgeschüttelt haben. Im Gegensatz zu den Anzeigentafeln des Deutzer Bahnhofs, die immer noch auf Verspätungen oder gänzlich ausgefallene Züge hinweisen. Erstere sorgten auch dafür, dass man den Auftritt des Supports von Annie Clark aka St. Vincent leider verpasste. Vielleicht ist es auch ihnen geschuldet, dass das Gelände nur knapp halb gefüllt ist. Verdient hätten sowohl Annie Clark als auch The National eine größere Besucherzahl allemal.

Diejenigen, die es geschafft haben wider alle Umstände Köln zu erreichen, erwartet ein vereinnahmendes Konzerterlebnis. The National betreten die Bühne ob der örtlichen Gegebenheiten zum Lärmschutz der Nachbarn um kurz nach 20 Uhr. Unter diesem Umstand ist es nicht verwunderlich, dass die Lux-Zahl der Abendsonnenstrahlen die der Scheinwerfer auf der Bühne um einiges übertrifft. Dies stellt auch Matt Berninger fest, der sich nach Leeren seines Weinglases aufgrund der sommerlichen Temperaturen erst einmal seines Jacketts entledigt. Das Quintett lässt es langsam angehen. Man eröffnet den Abend mit der Akustiknummer "Start A War" des Albums "Boxer", bevor man sich mit "Don't Swallow The Cap" Stromgitarren und diskographischer Gegenwart widmet.

Generell fokussiert sich die die Setliste auf die Präsentation des aktuellen Longplayers "Trouble Will Find Me", die durch ein Gros All-Time-Faves von "High Violet", "Boxer" und "Alligator" aufgefüttert wird. Die Verbindung zwischen den Zeiten und Stücken gelingt The National aufgrund abgewandelter Arrangements und tatkräftiger Unterstützung zweier Bläser spielend. Nach einem eher gemütlichen Auftakt erreichen die Wahl-New Yorker das bis dato zurückhaltende Publikum mit "Bloodbuzz Ohio", holen es bei "Sea Of Love" ab und lassen es ab diesem Moment nicht mehr los. Nicht zuletzt ist dies sicherlich auch den Ausbrüchen Matt Berningers geschuldet, der langsam in Fahrt kommt und die Anwesenden mit seiner emotionalen Exzentrik mitreißt. Wie üblich beschränkt sich diese nicht nur darauf, dass der Sänger Textzeilen mit voller Inbrunst ins Mikrofon schreit oder "Squalor Victoria" furios ausklingen lässt, sondern fordert auch körperlichen Einsatz und den damit verbundenen Härtetest des Equipments. Das eine ums andere Mal schleudert Berninger das Mikrofon zu Boden, reißt den Ständer des Schallwandlers in die Luft, bevor er wieder energischen Schrittes und mit wirrem Blick über die Bühne eilt. Das Weinglas hat er in all dem Tumult gegen die Flasche des edlen Tröpfchens ausgetauscht. Diese fliegt gegen Ende des Konzerts in den hinteren Bühnenbereich, während ein halbvoller Plastikbecher mit Bier schwungvoll in den ersten Reihen der Zuschauer landet. Diese begrüßen die wilde Geste. Schließlich weiß jeder, der einmal einem The National-Konzert beigewohnt hat, dass Berninger grundsätzlich zwischen den Figuren des, wie er selbst es bezeichnet, "College-Professors/Drunken Gorilla" hin- und her pendelt. Zwischenzeitig sorgen The National mit balladesken Tracks wie "I Need My Girl", "Green Gloves" oder "Apartment Story" für eine kuschelige Wohlfühlatmosphäre, die es auch Matt Berninger gestattet, zwischenzeitig einen Gang runter zu fahren.

Nach Ausklingen von "Fake Empire" begibt man sich in den Zugabenblock, der durch das Cover des Perfume Genius-Tracks "Learning" eingeleitet wird. Einem Stück, das laut Berninger um das zehnfache düsterer und depressiver sei, als jeglicher Song von The National. Im akustischen Gewand, mit den letzten Strahlen der Sonne im Gesicht, wirkt der Track trotz seiner dunklen Grundstimmung schon fast versöhnlich. Es folgen "Mr. November", bei dem Matt Berninger zur Freude aller Fans seinen obligatorischen Streifzug durch die Menge vollzieht, sowie "Terrible Love", zu dem Annie Clark als Unterstützung mit auf die Bühne und an die Gitarre gebeten wird. Mit der Akustikversion von "Vanderlyle Crybaby Geeks" verabschieden The National die Anwesenden endgültig hinaus in die noch junge Nacht, die verzaubert die Sommerluft umarmen.



Setliste
01. Start a War
02. Don't Swallow the Cap
03. I Should Live in Salt
04. Anyone's Ghost
05. Bloodbuzz Ohio
06. Sea of Love
07. Hard to Find
08. Afraid of Everyone
09. Squalor Victoria
10. I Need My Girl
11. This Is the Last Time
12. Green Gloves
13. Abel
14. Apartment Story
15. Humiliation
16. Pink Rabbits
17. England
18. Graceless
19. Fake Empire

20. Learning (Zugabe/Cover)
21. Mr. November (Zugabe)
22. Terrible Love (Zugabe)
23. Vanderlyle Crybaby Geeks (Zugabe/Akustik)


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