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POPCONNECTION - Reingehört - Brett Anderson - The Wilderness
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Brett Anderson - Wilderness

BRETT ANDERSON

Wilderness
VÖ: 17. Oktober 2008
Label:
Edel
Autor: Katja Embacher

"Was um alles in der Welt ist diesem Mann nur passiert, dass er so tieftraurig ist?" Das ist die Frage, die sich aufdrängt, wenn man das zweite Soloalbum des Ex-Suede-Sängers zum ersten mal hört. Hatte Brett Anderson schon immer einen Hang zur Melancholie, so steigert sich diese auf "Wilderness" hin zur schieren Depressivität und der daraus resultierenden Resignation. Beinah ängstlich folgt man dem Briten auf seiner desolaten Reise durch die Wildnis, stets schwankend zwischen dem Drang, den strauchelnden Anderson stützen zu wollen und der Sorge, bei diesem Versuch selbst zu fallen.

In nur sieben Tagen eingespielt zeichnet sich "Wilderness" durch eine sehr spartanische Instrumentierung aus: Akustik-Gitarre, Klavier und irgendwo dazwischen eingebettet Brett Andersons Stimme. Puristik par excellance. Freiräume schaffen durch Reduktion. Ein gut angedachtes Konzept, bei dem der Teufel wie so oft jedoch im Detail steckt. Durch die relativ kurze Spielzeit und ähnlich gestaltete Harmonien wirkt das Album wie ein einziger 30-minütiger Song, der den Hörer durch gescheiterte Beziehungen, verlorene Hoffnungen und desillusionierte Erkenntnisse geleitet. Einziger Lichtblick in diesem endlosen melancholischen Fluss ist das Liebeslied "Blessed"; der Strohhalm, an den man sich klammert, um nicht unterzugehen.

So verloren wie der Ertrinkende wirkt auch Brett Andersons Stimme. Wer den Sänger noch aus Suede-Tagen kennt, der weiß, über welches stimmliche Potential der Londoner verfügt. Dieses scheint er auf "Wilderness" allerdings nur ansatzweise auszunutzen. Eine Entscheidung, die für Kongruenz sorgt: Auf der einen Seite ist da die stetige Fragilität, die durch den Mangel an stimmlicher Variation verstärkt wird, auf der anderen Seite kann der Hörer allerdings auch nicht mehr unterscheiden, wann ein Track zu Ende ist und ein anderer beginnt. Spätestens ab der Hälfte klingt "Wilderness" wie eine Endlosschleife, aus der man einfach nur noch ausbrechen möchte. Das hier ist einfach zu viel: Zu viel Melancholie, zu viel Tiefe, zu viel Schmerz.

Dass die Wirkung einer Substanz von ihrer richtigen Dosierung abhängig ist, hat wohl jeder schon einmal beim übermäßigen Genuss von Alkohol festgestellt: Sorgen drei Gläschen Wein noch für eine ausgelassene Stimmung, so fließen spätestens nach der zweiten Flasche die Krokodilstränen. Ähnlich verhält es sich auch mit "Wilderness". Auf der Gesamtlänge verursacht das Album ein unbehagliches Gefühl - wie ein Stein in der Magengrube oder eine Hand an der Kehle. Genießt man dieses jedoch Album häppchenweise, dann erkennt man gerade in der Schwere der Songs ihre Schönheit. "In A Different Place", "The Empress", "Knife Edge" oder das großartige Duett "Back To You", auf dem Brett Anderson stimmliche Unterstützung durch die Schauspielerin Emmanuelle Seigner erhält, sind wahre Perlen, für die es sich lohnt, in die Tiefen dieses Albums abzutauchen. Wichtig ist nur, dass man auch wieder auftaucht. Ansonsten kann es schnell passieren, dass man in der Wildnis verloren geht. Ohne Frage eines der wohl intensivsten Alben, die Brett Anderson jemals veröffentlicht hat.


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