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Muff Potter - Gute Aussicht

MUFF POTTER

Gute Aussicht
VÖ: 17. April 2009
Label:
Huck's Plattenkiste
Autor: Katrin Reichwein

Ohne Majorlabel im Rücken kehren Muff Potter zurück in den heimischen Hafen Huck's Plattenkiste. Nach 15 Jahren "Angry Pop Music" scheint die Zeit reif für eine Neuorientierung in Sachen Wut. Und Muff Potter machen es dabei weder sich, noch dem Hörer leicht. Sie haben den vorhersehbaren und geraden Klängen abgeschworen und zum ersten Mal seit "Heute wird gewonnen, bitte!" wieder eine Platte live eingespielt. Muff Potter lassen die Melodieseeligkeit von "Steady Fremdkörper" weit hinter sich. Wütend und brachial klingt dieses Gitarrenriff ganz am Anfang von "Ich und so". Fern ab vom Befindlichkeitspop bellt Nagel die Namen seiner Helden - Huckleberry Finn, Henry Chinaski, Fräulein Smilla, Teddy DuChamp und Justus Jonas - ins Mikrofon. So roh blaffte Nagel seit "Bordsteinkantengeschichten" nicht mehr.

Der erneute Alleingang hat viel Härte, Dreck und Gemeinheit aufgewühlt. Sowohl im Sound als auch auf der textlichen Ebene. Hat man sich durch den Berg an scheppernd-widerborstigen Schmirgelpapier-Sounds gewühlt, wüten sich Muff Potter voller Wucht durch Wortspielereien. "Blitzkredit Bop" zelebriert das Leben auf Pump. Wenn Nagel von der Dispo-Disko und dem schönen Platz an der Hypotheke singt, möchte man fast vom Soundtrack zur Krise sprechen. So radiotauglich diese erste Single noch sein mag, der Schein trügt. Mit "Alles war schön und nichts tat weh" schicken Muff Potter eine rotzig-kurzen Punkklopfer ins Rennen, den so keiner mehr von den vieren erwartet hätte. Dem gegenüber steht die semi-akustische Ballade "Mein Freund, das Wrack". Inklusive gewöhnungsbedürftigem Schifferklavier wagen sich Muff Potter an eine experimentierfreudige Ode an die Freundschaft. Der heimliche Hit des Albums, "Niemand will den Hund begraben", hingegen stellt einmal mehr die scharfe Beobachtungsgabe Nagels unter Beweis. Mit der Momentaufnahme des tristen Landlebens und dem Wunsch diesem durch diverse Praktika in der Hauptstadt zu entgehen, beweisen Muff Potter alte Stärken.

Nach sechs Alben klingen die Münsteraner, die mittlerweile selbst zur Hälfte nach Berlin abgewandert sind, weniger verkopft, dafür umso schmutziger. Doch die brachiale Unmittelbarkeit des neuen alten Sounds wird viele mit großen Fragezeichen in den Augen zurücklassen. Zu viel Wahrhaftigkeit kann wehtun. Man muss schon an der rauen Oberfläche kratzen, um das Schöne unter all dem Schmutz freizulegen. Wer sich darauf einlassen kann, wird in "Gute Aussicht" über die Zeit hinweg eine gute Platte entdecken. Alle anderen bleiben verstört zurück.


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