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Owen Pallett - Heartland

OWEN PALLETT

Heartland
VÖ: 22. Januar 2010
Label:
Domino Records
Autor: Katrin Reichwein

Mit seiner neuesten Veröffentlichung "Heartland" legt Owen Pallett zu Gunsten seines eigenen Namens das Alterego Final Fantasy ad acta. Ganz entsprechend der Wende hin zu persönlicheren Texten und dem allgemeinen Gefühl, dass der kanadische Ausnahme-Violinist und Songwriter mit "Heartland" endlich sein Projekt, sein geistiges Kind gefunden hat, das all seine künstlerischen Leistungen der Vergangenheit um Welten überflügelt. Und was für eine Leistung "Heartland" ist: Die eigenen Ansprüche Palletts scheinen von Album zu Album zu steigen. Glänzten seine beiden Final-Fantasy-Platten zwar schon durch ausgefeilte Folk-Pop-Songs mit einem Hang zu elektronischen Strukturen und klassischen Kompositionstechniken, liegt mit "Heartland" nun ein klassisch-orchestriertes Konzeptalbum eines Electro-Tüftlers vor, der hiermit alles vorangegangene wie ambitionierte Fingerübungen erscheinen lässt.

Pallett ist es gelungen durch Melodien zwischen Empathie und Dramatik eine völlig neue Welt zu erschaffen und (paradoxerweise) ermöglicht eben jene opulente, aber in keinem Fall schwülstige Welt seinen Sounds überhaupt erst, warme und zugleich doch auch ungemütliche Gefühle zu transportieren. Wie von Pallett gewohnt, schichten sich die einzelnen Klänge seiner Violine übereinander, die echten Instrumente der tschechischen Philharmoniker brummen wie alte Analog-Synthies. Die Luft knistert, die Spannung steigt, ohne sich jemals wirklich zu lösen. Disharmonien verwandeln sich immer wieder in Wohlklang. Wir durchleben Höhen und Tiefen, die von innerer Zerrissenheit zeugen. Und über allem liegt diese unterschwellige Unruhe, aus der uns nur Palletts einschmeichelnde Stimme holen kann.

Textlich machen es uns die Themen Palletts etwas einfacher. Es geht um die großen Themen der Menschheit: Begierde, Liebe und Selbstfindung. Es gibt Momente der innigen Erkenntnis, tiefe Krisen des Glaubens, den völlige Verlust der Hoffnung und den Glauben an große Mächte, die das Leben lenken. Pallett zerstört sich mit jeder Note ein wenig selbst, um sich neu zu erfinden, und taucht diese Seelenreise in eine herrliche Soundkulisse. "Heartland" wird nicht umsonst als Zyklus bezeichnet, denn das verbindende Glied der zwölf Songs ist nicht nur das harmonische Klangbild, sondern auch die Geschichte dahinter, deren kleine, versteckte Anspielungen eigens ein Buch füllen könnten. Aus der Perspektive des jungen Farmers Lewis durchstreifen wir das fiktive Land "Spectrum", erleben in einem filmreifen Spannungsbogen wie er sich seinem Schöpfer Owen(!) bewusst wird, darauf seine Frau tötet und die Kinder verlässt, um sich auf eine Reise durch eine imaginäre Welt zu begeben, um seinem Schöpfer gegenüber zu treten.

Das klingt alles nach schwerer Kost. Auf "Heartland" entwickelt Pallett klassische Vorbilder geistvoll weiter und geht dabei überhaupt nicht verkopft, sondern sehr klangsinnlich zu Werke. Pallett bietet großes Theater der aufwallenden Gefühle. Auf der einen Seite zuckersüß-gekünstelt, auf der anderen mit scharfen Kanten. Man kann "Heartland" hassen oder lieben (lernen), doch gleichgültig lassen wird es niemanden. Wer in Palletts Welt eintaucht, könnte von "Heartland" ebenso zerrissen werden wie Lewis - und so am Ende doch zu sich selbst finden. Palletts Drittwerk mag sich dem üblichen Popgenuss verschließen, doch es ist großes Kino für die Sinne. Ein Songzyklus, bei dem Pallett stolz sein kann, seinen eigenen Namen auf dem Cover zu lesen.


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