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Portishead - Third

PORTISHEAD

Third
VÖ: 25. April 2008
Label:
Island (Universal)
Autor: Katja Embacher

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Ob dies auch auf das dritte Album von Portishead zutreffen würde, stand lange Zeit in den Sternen. Satte elf Jahre liegen zwischen dem aktuellen Longplayer "Third" und dem Vorgänger "Portishead". Eine Zeitspanne, die Erwartungen schürte und gleichermaßen die Befürchtung wachrief, das Trio aus Bristol könnte etwas von dem Biss vergangener Tage verloren haben.

Wie redundant diese ganze Zeitdebatte ist, wird deutlich, wenn man das Album zum ersten Mal in den Player einlegt. Der Opener "Silence" ist ein fünfminütiger Brückenschlag, der elf Jahre wie ein Wimpernzucken erscheinen lässt. Überhaupt ist "Third" zeitlos, schwerelos - aber in keinem Moment leichtgewichtig. Für Portishead scheint dieses Album ein Kampf gewesen zu sein: Ein Ringen um jeden Zentimeter, ein Kampf um jeden Ton in einer Arena, die sie sich in 17 Jahren des Musikmachens selbst erschaffen haben. Eine Galaxie aus Moll-Akkorden und synthetisch-kalten Drumcomputern. Dem Hörer geht es kaum anders. Die physikalischen Gesetze außer Kraft gehoben, rast man in dem düsteren Mutterschiff "Third" durch mit mathematischer Akribie ausklügelte Klangdimensionen einer fernen Sonne entgegen - oder mitten hinein in ein schwarzes Loch. Beides wäre denkbar. Als sei die Grundstimmung nicht schon bedrückend genug, pendelt man dank Beth Gibbons unglaublicher Stimme stets zwischen Melancholie, Depression und schierer Verzweiflung.

Ungeschlagen ist dabei "The Rip". Ein Mid-Tempo-Track, der eine Gänsehaut hinterlässt und den Hörer trotz frühlingshafter Temperaturen frösteln lässt. Demgegenüber steht das exstatische "We Carry On", bei dem man wie im Fieberwahn durch einen Wechsel aus Gitarrenriffs und Synthesizern getrieben wird, um sich völlig orientierungslos in der Ukulelen-Ballade "Deep Water" wieder zu finden. Sind das die Grauen Anfurten, ist man im Hawaiianischen Himmel angekommen oder ist es nur ein weiterer Vorhof zur Hölle? 1 Minute und 33 Sekunden später stellt man fest: Es geht weiter. Und zwar mit dem an Kraftwerk erinnernden "Machine Gun", das sich durch ein Stakkato-Gewitter aus Drumcomputern und Synthesizer-Sequenzen kämpft, bis man völlig zerschunden in dem abgrundtief traurigen Anfang von "Small" aufwacht, das sich im weiteren Verlauf zu sphärischen Klängen aufschwingt. Nach knapp 50 Minuten bleibt der tiefe bedrohliche Synthie-Nachhall von "Threads". Das schwarze Loch ist da. Fast verstört stellt man fest, dass draußen die Sonne scheint.

Aller guten Dinge sind drei. Portishead widerlegen dieses Sprichwort und überlassen die Spekulationen über Binsenweisheiten anderen. "Third" ist nicht gut, dieses Album ist ein Monster! Ein Biest, das elf Jahre lang gewachsen ist und darauf gewartet hat, das Licht der Welt zu erblicken. Welche Zahl steht für die Perfektion?


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