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Tocotronic - Das rote Album

TOCOTRONIC

Tocotronic (Das rote Album)
VÖ: 01. Mai 2015
Label:
Vertigo Berlin (Universal Music)
Autor: Katja Embacher

Spannend bleibt es irgendwie immer. Auch, wenn die Tendenzen klar zu sein scheinen, so begleitet jede neue Tocotronic-Veröffentlichung doch eine gewisse Neugierde. Grund dafür ist, dass die Band in den letzten Jahren stets eine Art der Fortbewegung in ihre Songs gebracht hat. Schrieb man sich anfangs noch von Verweigerungshaltung geprägte Punk-Rock-Parolen auf die Fahnen, so markierte "Tocotronic (Das weiße Album)" einen ersten Wandel hin zu einer verkünstelten und verkopften Neudefinition. Für die Band war es ein Prozess der Weiterentwicklung, auf so manchen Fan wirkte es wie eine Art Metamorphose, mit der das Quartett Sympathisanten verlor und genauso neue hinzugewann. "Tocotronic (Das rote Album)", der elfte Streich der Hamburger, schlägt abermals einen Kurswechsel ein.

Wenn eine Band wie Tocotronic am 01. Mai ein rotes Album veröffentlicht, so vermutet man dahinter ein Protestwerk für die Arbeiterbewegung – und irrt. "Das rote Album" ist kein sozialkritischer Aufschrei, sondern ein Lanzenbruch für die Liebe. Anstelle der Mainelke steckt man sich eine rote Rose ans Revers. Dort, wo einst Sturm und Drang, Zorn und Widerstand hinter den Texten lauerten, wird man nun mit einer offenen Umarmung empfangen. Die Songs wirken leicht, tänzelnd, fast schwebend. Amouröse Kleinode, die bisweilen an David Bowie, Stephen Patrick Morrissey oder Bernard Sumner erinnern. Mal verpackt in verspielt-poppigen Synthie-Melodien, mal geziert von schmeichelnden Streichern. Hier ist sie also, die Überraschung, für die Tocotronic seit Jahren gut sind. Ganz von den alten Gewohnheiten verabschieden muss und mag man sich dennoch nicht. Für Parolen, die sich im Hirn festhalten, ist das Quartett immer noch zu haben. Wie in der Single-Auskopplung "Die Erwachsenen", in denen man von "neuen Hymnen, alten Lügen" singt. Das Gros der Songs jedoch setzt stärker auf Ganzheitlichkeit und weniger auf Slogans. Dirk von Lowtzow und seine Mannen laden den Hörer ein, sie auf ihrer gefühlsbetonten Reise zu begleiten. Man begibt sich auf die Pfade des "Rebel Boy", kreist in verträumten "Spiralen" oder begibt sich im Kollektiv auf "Jungfernfahrt". Stets im Zeichen der Liebe.

Eben diese vermag bekanntlich auch die schwersten Dinge leicht wirken zu lassen. Waren die letzten Tocotronic-Werke geprägt von einer stetig zunehmenden Verkünstelung der Kunst, so macht "Das rote Album" dem Mut zur Einfachheit Platz. Die Harmonien wirken luftiger, die Texte weniger kryptisch. Wie das tiefe Durchatmen nach dem Abwurf eines großen Ballastes. Das Zusammenspiel aus Ton und Wort erscheint wie ein Tanz, in dem jeder Schritt stimmt. Ein kuscheliges Album, dem man gerne Ohr und Herz öffnet. Liebhaben in Rot.



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